Samstag, 19. März 2022

Jesu Christi Drohbotschaft an die Kirche

Jesu Christi Drohbotschaft an die Kirche



Nein, so eine Botschaft an seine Kirche kann es gar nicht geben, denn er ist doch die personalierte Menschenfreundlichkeit. Aber wie konnte der Herr dann sagen: „Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben, das die erwarteten Früchte bringt.“ Mt 21,43. Diese Jesusussage ist nun nicht ganz eindeutig. Zu den Hohepriestern und den Ältesten sprach Jesus dies Gleichnis von den bösen Winzern, die erst die Boten des Weinbergbesitzers und dann gar seinen Sohn töteten. (Mt 21,33-41) Statt daß sie die dem Besitzer zukommenden Früchte ablieferten, töteten sie seine Boten und schlußendlich gar seinen Sohn. Daß mit diesem getöteten Sohn Jesus sich selbst meinte, der so seinen Kreuzestod prophezeite, ist offenkundig. Als Sohn Gottes wußte er natürlich voraus, wie er sterben werden wird.

Aber nun beginnen die Probleme: Wem soll nun der Weingarten weggenommen werden und was ist der Weingarten? Der Weingarten ist nach Jesu Eigenauslegung das Reich Gottes. Dann sind die von den Winzern abzuliefernden Früchte die Werke, die die Menschen zu erbringen haben, damit sie in das Reich Gottes eingehen können. Die Hohenpriester und Ältesten lieferten diese Früchte nicht ab, denn sie hatten sie nicht erbracht.

Also wird diesen der Eintritt in das Reich Gottes verwehrt. Stattdessen wird das Reich Gottes einem Volke verheißen, das die nötigen Früchte erbringen wird. (V 43). Wenn hier also einem Volke das Reich Gottes so zugesagt wird, wem wird es dann abgesprochen? Die Hohenpriester und Ältesten sind kein Volk, sie sind aber die religiösen Repräsentanten des Jüdischen Volks. Wird also nur den Repräsentanten oder mit ihnen dem ganzen Volke der Eintritt in das Reich Gottes so abgesprochen? Also hat der Weinberg, das Volk die Früchte nicht erbracht. Oder sollte man das so lesen, daß der Weinberg zwar die Frucht erbracht hatte, daß dann aber die bösen Winzer die Frucht nicht abliefern wollten?

Die Abqualifizierung der Winzer als böse könnte dafür sprechen,daß der Weinberg zwar den Ertrag erbrachte, daß aber die Winzer ihn dann nicht abgeben wollten. Daß das Volk, dem nun der Eintritt in das Reich Gottes verheißen wird als das qualifiziert wird, das die zu erbringenden Früchte auch erbringt, spricht eher dafür, daß der Weinberg vorher nicht die Früchte erbracht hatte. Dann wären aber die Winzer für die Mißernte verantwortlich. Dann wäre dem Volke Israel die Verheißung des Reich Gottes durch Jesus hier genommen worden, um es einem anderen Volke zu geben. Dies Volk wäre dann das Volk der Kirche Jesu Christi.Angesichts der Selbstverfluchung des ganzen Volkes Israels: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Mt 27,25 Jesu Blut ist gemeint ) halte ich diese Deutung für die wahrscheinlichere. Denn wie sollte das Volk, das die Früchte erbringt, denn das jüdische sein können, wenn seine Repräsentanten die Früchte nicht abgeliefert haben? Jesus hätte dann ja meinen müssen, daß das jüdische Volk, hier im religiösen Sinne die Bedingungen des Eintrittes in das Reich Gottes erfüllen könnten, ohne daß sie an ihn glaubten. Würden sie aber gläubig, gehörten sie ja im religiösen Sinne nicht mehr dem jüdischen Volke an sondern gehörten zur Kirche, dem Volke, dem nun das Reich Gottes verheißen ist.

Einst galt also die Verheißung des Reich Gottes dem jüdischen Volke mit ihren Repräsentanten, dem Hohepriester und den Ältesten. Weil sie aber die Bedingungen des Eintrittes in das Reich Gottes nicht erfüllten, spricht Jesus ihm nun das Reich Gottes ab und verspricht es der Kirche, das ist das Volk,das die von Gott erwarteten Früchte erbringen wird. Anstelle des Hohepriesters und der Ältesten tritt in der Kirche das Papstamt und das dreigliedrige Weiheamt des Bischofes, des Priesters und des Diakons.

Was ist nun aber wenn diese nun auch nicht wie einst die bösen Winzer die geforderten Früchte Gott bringen, wenn auch dieses Volk fruchtlos bleibt?Könnte Gott so auch diesem Volke die Verheißung des Reich Gottes wieder absprechen? Nicht zu schnell proklamiere man hier: Das könne nicht geschehen! Die Vertreter des jüdischen Volkes waren sich auch ganz gewiß, daß das ihnen nicht geschehen könnte, waren sie doch das von Gott selbst auserwählte Volk.

Die simpelste und darum sehr beliebte Lösung dieses Problemes ist nun die These, daß Gott nie seinem jüdischen Volke das Reich Gottes abgesprochen hätte und somit würde er es auch nie der Kirche absprechen. Dann muß dies Gleichnis so gedeutet werden, als hätte Jesus hier nur die Oberen Israels kritisieren wollen, aber daran festgehalten, daß dem jüdischen Volke das Reich Gottes auch fernerhin gehöre. Das klingt zwar schön im jüdisch-christlichen Dialog, wird aber dieser Aussage Jesu Christi nicht gerecht. Dies Gleichnis ist eben auch eine sehr energische Warnung an die Kirche Jesu: Er erwartet von ihr die verlangten Früchte! Darin ist eben auch eine Drohung enthalten: Wehe, sie erbringt sie nicht! Das Geschick der bösen Winzer mahnt auch ihre Repräsentanten und das ganze Volk der Kirche.

 

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