Sonntag, 7. März 2021

„Bei einer verrückt gewordenen Obrigkeit ist Widerstand Pflicht“

„Bei einer verrückt gewordenen Obrigkeit ist Widerstand Pflicht“


So laß man es in einem Kommentar eines Lesers zu einem Kath net Bericht zum Thema der Maskentragepflicht in den Zeiten der Coronoepidemie. Nehmen wir diese Aussage einmal ernst, um so dies Votum zu befragen.

Wer bestimmt hier, wann eine Obrigkeit verrückt geworden ist? Ist jeder Christ oder gar jeder Staatsbürger kompetent und berechtigt, festzustellen, wann eine Obrigkeit verrückt geworden ist, sodaß ihr Widerstand zu leisten ist? Hätte dann nicht der Apostelfürst Paulus angesichts der Tatsache, daß der Römische Staat durch Pontius Pilatus den Sohn Gottes und den Messias Israels hinrichten ließ, zum Widerstand gegen diese Obrigkeit aufrufen müssen? Dann begann dieser Staat gar, Christen um ihres Glaubens willen zu verfolgen! Rief da die Kirche zum Widerstand gegen den Staat auf, wurde sie revolutionär antistaatlich?

Nichts dergleichen: Paulus skizziert in seinen Römerbrief eine Metaphysik des Staates, er ergründet ihren Grund als von Gott gesetzte Ordnung und lehrt die Christen die Gehorsamspflicht der Obrigkeit gegenüber, nicht weil und insofern sie gut regiert, sondern weil sie von Gott ist. (Röm 13)

Aber davon will man heutzutage nicht mehr viel wissen. Zugrunde liegt dieser Abneigung gegen diese Gehorsamspflicht dem Staate gegenüber das Narrativ: Die Kirche habe zu wenig oder faktisch gar keinen Widerstand gegen den nationalsozialistischen Staat geleistet, das sei unverzeihlich und nun gälte es, das einst nicht Geleistete nachzuholen, indem jede Kritik an staatlichen Anordnungen zum Widerstand hochstilisiert wird.

Aber es kommt noch ärger: Gesetze und Anordnungen des Staates, die mir mißfallen, bräuchte ich gar nicht einzuhalten, weil ich sie als „verrückt“ abqualifizieren dürfe, sodaß ich hier der Gehorsamspflicht entbunden bin. Auch und gerade in einem demokratisch organisierten Staatswesen sind aber nach Paulus Lehre den Gesetzen Gehorsam zu leisten, auch wenn es jedes Bürgers gutes Recht ist, staatliche Gesetze und Anordnungen als ungute zu kritisieren- aber gehorcht werden muß schon.

Man stelle sich einmal Folgendes vor: Ein echtes bayrisches Mannsbild, nach seiner 4. genossenen Maß Bier und ein paar Obstschnäpchen dazu erklärt, daß er noch gut Auto fahren könne; die allgemeine Straßenverkerkehrsordnung gälte eben allgemein und könne so ihm in seiner Individualität und seinem besonderen Vermögen. Auto zu fahren, deshalb nicht gerecht werden; er dagegen könne eigenverantwortlich am besten beurteilen, nach wie viel Alkohol er noch fahren könne. So entmündige ihn die allgemeine Straßenverkehrsordnung, verleugne seine individuelle Freiheit und Verantwortlichkeit. So darf er auch nach vielen Bieren noch Auto fahren, denn diese allgemeine Straßenverkehrsordnung ist eben, weil sie eine Allgemeingültigkeit beansprucht verrückt, da sie nie dem individuellen Einzelnen gerecht werden könne.

So bräuchte Niemand mehr irgendeinem staatlichen Gesetz zu gehorchen, weil jeder jedes als verrückt aburteilen könnte. Dann kann jeder Kinderschänder das Verbot der Pädophilie als unzumutbare Beeinträchtigung seiner Freiheit, wen er lieben will, selbst zu bestimmen, verurteilen und dies Verbot als verrückte staatliche Anordnung von Misanthropen verwerfen, die eben eine überalterte und inhumane Sexualmorallehre verträten.

So würde schlußendlich die staatliche Ordnung in Chaos und Anarchie aufgelöst, in der es nur noch das Recht des Stärkeren gäbe, der sich gewaltsam gegen die Schwächeren durchsetzt.

Nun könnte angefragt werden, ob es denn nicht Ausnahmen von der Gehorsamspflicht der Obrigkeit gegenüber geben könnte. Das ist prinzipiell zu bejahen. Zu fragen ist aber, ob jeder einzelne Christ für sich allein bestimmen darf, wann eine solche Ausnahme in Anspruch zu nehmen ist. Dürfte etwa jeder, insbesondere ein Besserverdiener angesichts der Höhe der von ihm zu zahlenden Steuern diese Zahlung verweigern mit der Begründung, daß die Höhe unzumutbar sei, ja nur von einer verrückten Obrigkeit festgesetzt worden sein kann? Wäre es für ihn nicht ein Leichtes, die hohen Steuern für die Gutverdiener als Frucht des Sozialneides zu diffamieren und sie so, gerade weil sie von einer demokratisch gewählten Regierung erlassen werden (die Mehrheit neidet den Reichen ihren Reichtum) als verrückt zu verurteilen?

Spätestens hier wird überdeutlich, daß diese Maxime „Bei einer verrückt gewordenen Obrigkeit ist Widerstand Pflicht“ eine Anarchistenparole ist. Wenn ein Widerstand gegen eine Obrigkeit tatsächlich erlaubt sein sollte, dann könnte das nie der Einzelchrist sondern nur die Kirche in der Autorität ihrer Bischöfe oder des Hirten der Kirche, des Papstes selbst festsetzen.


 

Samstag, 6. März 2021

Leben wir in Zeiten der Dekadenz- Sagen wir Nein zum Leben? Irritierendes!

In den Sprüchen Salomons (8,35) steht geschrieben: „Omnes, qui me oderant, diligunt morten“= Alle, die mich (die Weisheit)hassen, lieben den Tod: ein auslegungsbedürftiger Spruch Salomons.

In welchem Verhältnis stehen hier der Haß und die Liebe? Wird die Weisheit gehaßt, weil der Tod geliebt wird? Oder ist die Folge des Hassens der Weisheit die Liebe zum Tode? Man könnte diese Aussage aber auch ganz anders deuten: Denen, die Weisheit hassen, wird gesagt, daß sie so unbeabsichtigt den Tod lieben, weil die Folge der Verachtung der Weisheit der Tod ist.

Spontan wird man meinen, daß jeder ganz natürlich sein eigenes Leben liebt und so als erhaltenswert erachtet, nur daß eben diese Liebe egozentrisch ist und so der Nächstenliebe ein Hindernis ist. An einem Mangel an praktizierter Nächstenliebe leide so die Menschheitsgeschichte. Es wäre so eine Aufgabe der Kultur, die egozentrische Selbstliebe zugunsten einer Selbstliebe, die auch einen Raum läßt für die Nächstenliebe umzuformen.

Aber Salomon mutet uns hier den Gedanken zu,Menschen uns zu imaginieren, die den Tod lieben, die die Weisheit als Kunst guten Lebens verachten, weil sie den Tod, den ihrigen und den anderer lieben.S. Freud sprach ja von einem Todestrieb des Menschen. „Der Titel Jenseits des Lustprinzips der 1920 verfassten Schrift, in der Freud seine Überlegungen zum Todestrieb ausführt, deutet Freuds Verständnis desselben an: Er strebt nach Zurückführung des Lebens in den anorganischen Zustand des Unbelebten, der Starre und des Todes.“ Wikipedia, Todestrieb.

Könnte so dieser Spruch Salomons als Beleg für einen solchen Todestrieb angesehen werden?

Noch verwirrender wird es, wenn man Versucht, zwischen diesem Todestrieb und der Vorstellung von der Liebe Tolstois einen Zusammenhang zu sehen. Denn so kritisiert E. Hirsch Tolstoi: „Zunächst jener dumpfe Liebesdrang, der das eigene Leben mit dem Leben aller Menschen, ja des Alls,verschmelzen möchte und sich zerstörend gegen alle Formen des Einzellebens wendet.“ Hirsch, Deutschlands Schicksal, 1920, S.134f.

Diese Verschmelzungsphantasie inkludiert ja die Verneinung des Einzellebens, es ersehnt seine Zerstörung. Wenn jedes bewußte Leben notwendig die Trennung des Iches von allem anderen mit sich zieht, weil alles Nicht-Ich dann dem Ich zu seinem Objekt wird, von dem er so als Ich abgesondert existiert, dann kann es diese Verschmelzung und dies Aufgehen in allem nur als Selbstnegation des Iches vollzogen werden- so wie das Ich im buddhistisch gedachten Nirvana sich nichtet. Ist solch eine Selbstauflösungsvorstellung nicht faktisch der Wunsch nach dem eigenen Tode? Wie könnte denn auch sonst das Belebte oder gar bewußte Leben eins werden mit dem Unbelebten?

Kulturkritisch formuliert, liegt es nahe, einen solchen Todestrieb nicht als eine Konstante im Menschen anzusehen wie etwa seinen Fortpflanzungstrieb, sondern als ein Phänomen dekadent gewordener Kulturen, daß nur der Kulturmensch des Lebens überdrüssig den Tod für sich und gar für alle ersehnt. Ist nicht Nietzsche einer der feinsinnigsten Kritiker solcher dekadenten Todessehnsucht, die er in Schopenhauers Lehre von der Verneinung des Lebenswillens wahrnimmt, sodaß er den Willen zur Macht als gesteigerte Lebensbejahung dieser Todesmelancholie entgegensetzt?

Die Weisheit Salomos erfaßte so eine dunkle Möglichkeit des Menschen, die sein, gar das ganze Leben zu hassen und so kein Ohr mehr haben zu können für die göttliche Weisheit als Lebenskunst.

Leben wir den nun, 100 Jahre nach Freud und Hirsch wieder in Zeiten der Dekadenz, jetzt auch in der Ausgestaltung des Selbsthasses des „Weißen Mannes“ auf sich selbst, daß nun die westliche Kultur, die abendländische ihren eigenen Untergang will?

 

Freitag, 5. März 2021

Kurz und bündig: Vom Linkskatholizismus zum linksliberalen

Kurz und bündig: Vom Linkskatholizismus zum linksliberalen


Ein Narrativ dominierte den linkskatholischen Diskurs: die Erzählung der Befreiung des Volkes Israels aus dem ägyptischen Sklavenhaus. Israel war die Exodus (=Auszugs)Gemeinde aus der Unterdrückung und so sollten nun auch linksavantgardische Jesusgemeinden die Aussteigergemeinden aus der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sein bzw werden mit einer Animationsfunktion für die Gesamtgesellschaft. Links war dieser Katholizismus noch im traditionellen Sinne als antibürgerllich und antikapitalistisch. Die marxistisch fundierte Befreiungstheologie reüssierte grade in den theologischen Fakultäten Westeuropas und Amerikas; Kritiker meinten gar, daß sie dort auch auf mehr Zustimmung stießen als in ihren lateinamerikanischen Heimatländern. In den Avantgardgemeinde sollte so schon proleptisch postbürgerliche Formen des Zusammenlebens vorgelebt werden. In diesen Exodusgemeinschaften sollte so die bürgerliche Welt ihre utopische Alternative erkennen können, daß es auch ein besseres Leben als das bürgerliche geben könne.

In dem linksliberalen Diskurs wird dies Verhältnis nun umgekehrt: Die bürgerliche Gesellschaft in ihrer postmodernen Liberalität gilt nun als Vorbild für die Kirche. Nicht mehr sollen Avantgardgemeinden helfen, die bürgerliche Ordnung zu revolutionieren sondern jetzt gilt: Die bürgerliche Ordnung soll helfen, die vormodern organisierte Kirche zu revolutionieren. Die Kirche soll nicht mehr den Ausstieg aus der Gesellschaft propagieren, sondern soll sich eingestehen, hinter der progressiven Entwickelung der Gesellschaft hinterher zu hinken, sodaß sie sich am Vorbild der postmodernen Gesellschaft orientierend zu modernisieren habe. Linksorientiert ist dabei dies Revolutionsprogramm, indem man sich auf die sogenannten progressiven Momente der jetzigen Gesellschaft kapriziert: dem Feminismus, der Ideologie des Multikulturalismus, der Parole der Demokratisierung und der sexuellen Befreiung und die noch lebendigen conservativen Momente ablehnt, wie die Ordnung der Ehe,der Familie und des Volkes.

Dieser Wandel verlief parallel zum Wandel der einstig kommunistischen Parteien nach 1989 zum sogenannten „Kulturmarxismus“ der jetzigen Linken, die aber eher als linksliberal zu qualifizieren wären.

 

Donnerstag, 4. März 2021

Eine Unterschriftenaktion zur Demontage der Katholischen Kirche

Eine Unterschriftenaktion zur Demontage der Katholischen Kirche


Unter dem Namen: „Katholischer Klartext“ ist seit Montag, dem 1.3.2021 eine Unterschriftenaktion wohl als Unterstützungsaktion des „Synodalen Irrweges“ freigeschaltet. Sie reproduziert nur die sattsam Bekannte Reformagenda des linksliberalen Katholizismus und so bräuchte man ihr keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wenn hier nicht in bewunderswerter Offenheit:

„Wir fordern jetzt endlich einen zügigen Aufbruch in die Zukunft, ein ‘aggiornamento‘ – eine Anpassung der Kirche an die Wirklichkeit der Gegenwart! (Papst Joh. XXIII.)“ Wann wird schon so offenherzig das Anliegen dieser Reformen enthüllt: Die Kirche muß sich der Welt anpassen. Verkündete einst Jesus Christus der Welt: „Kehret um, tuet Buße!“ so verkündigt jetzt die Welt der Kirche: „Kehret um und verweltlicht euch!“ Denn die Welt bedarf nicht mehr der Christianisierung, der Bekehrung, sondern die Kirche muß sich ändern, ja sie hat sich der Welt gleichförmig zu machen.

Was hat dann diese verweltlichte Kirche noch der Welt zu sagen? Nichts, was sie selbst nicht von sich aus schon wüßte. Die Kirche soll nur noch die Wirklichkeit, so wie sie ist, affirmieren. Für Progressive ist das eine einfache Sache: Die Gesellschaft entwickelt sich von ihren dunklen Anfängen her stetig zum Lichteren und Besserem. Leider hinkt die Katholische Kirche dieser positiven Aufwärtsentwickelung hinterher, ja Conservative und Reaktionäre wohlen gar an dem Ursprünglichen und somit Veraltetem festhalten, um so den Fortschritt in der Kirche bremsen, der ja einfach darin bestünde, sich stets der positiven Entwickelung der Gesellschaft einzupassen. Indem sie in der Kirche reproduziert wird.

Das 2. Vaticanum war so auch nichts anderes als eine nachholende Modernisierung der Kirche, die so den Anschluß an die Modernität und Progressivität der Gesellschaft suchte. Eine Reform ist so jetzt nicht mehr das Unterfangen, die aus der Form geratene Kirche in ihre Ursprungsform zurückzuführen, sondern ihre gewordene Form zu überwinden, um für die Gegenwart ihr eine adäquate Form neu zu geben. Sie müsse eben genauso demokratisch und pluralistisch aber auch genauso politisch korrekt sein wie der öffentliche Diskurs in der heutigen Gesellschaft

 

Mittwoch, 3. März 2021

"Judentum und Christentum stehen für zwei Weisen der Auslegung der Schrift.“

"Judentum und Christentum stehen für zwei Weisen der Auslegung der Schrift.“


So urteilte der emeritierte Papst Benedikt XVI. (Dezember 2018, „Herder Korrespondenz“. Ergänzend erläuterte er: „Für Christen sind die Verheißungen an Israel die Hoffnung der Kirche. Wer daran festhält, stellt keinesfalls die Grundlagen des jüdisch-christlichen Dialogs infrage." (Kath de 4.2.2020)


Die so zweifach ausgelegte Schrift, damit ist das Alte Testament gemeint. Diese Äußerung erweckt nun den Eindruck, als wären diese beiden differenten Auslegungen des At zwei legitime, der auszulegende Text also polyinterpretabel. Wenn im Rechenunterricht gefragt wird, was die Wurzel aus 9 sei und beide Antworten, dann sind 3 und -3 eben gleichrichtige Antworten. Dagegen gibt es auf die Frage, was ist 7 plus 5 nur eine richtige Antwort, 12 und die Antwort 13 ist deshalb falsch. Gibt es so für das AT zwei verschiedene und doch gleich richtige Antworten, die jüdische und die christliche oder nur eine wahre, die so die andere als falsche diskriminiert?

Wird diese Frage hinsichtlich des „jüdisch- christlichen Dialoges“ respondiert, liegt es nahe, sie als gleichwertige Auslegungen zu qualifizieren. Schon allein das Gebot der Höflichkeit für die Gesprächsform des Dialoges legt dies nahe. Wie unpassend wäre es auch, in einem Dialog zum Dialogpartner zu sagen, daß er Unrecht habe; viel näher liegt es da doch zu meinen, man könne eben in dieser Frage geteilter Meinung sein, letztendlich sei es doch nur eine Geschmacksfrage, welche der beiden Optionen man präferiere.

So ist eben die Grundlage des „jüdisch-christlichen Dialoges“ die Diskursregel, daß jeweils die Religion des Anderen als gleichwahr mit der eigenen anzusehen sei. Papst Benedikts a.D. Formulierung: „Judentum und Christentum“ ist aber sehr ungeschickt, weil zweideutig: Meint hier das Judentum die jüdische Religion, dann wird so jeder Nichtanhänger der jüdischen Religion aus dem Judentum exkommuniziert, aber auch ein atheistischer Jude gehört zum jüdischen Volk. Meint das Judentum aber hier das jüdische Volk, dann nimmt es als solches gar nicht an diesem „jüdisch- christlichen Dialog teil; dafür wäre ein jüdisch-deutscher Dialog zuständig.

Es soll deshalb der „jüdisch-christliche Dialog“ präzisiert verstanden werden als Dialog zwischen der jüdischen und christlichen Religion, als Dialog zwischen der Synagoge und der Kirche.

Ist also die in der Synagoge vorausgesetzte und praktizierte Auslegung des AT gleichwahr mit der Auslegung in der Katholischen Kirche. Papst Benedikt a.D. Sagt dazu Ja. Nach ihm bildet den Emergenzpunkt der beiden differenten Auslegung die Zerstörung des jerusalemischen Tempels. Die Synagoge las nun das AT neu, indem nun das Herzstück der alttestamentlichen Frömmigkeit, der Tempelkult aus dem Zentrum der Frömmigkeit entfernt und stattdessen eine priesterlose Religionspraxis kreiert wurde. Die christliche Religion dagegen sieht in der Eucharistiefeier die Prolongierung des Tempelopferkultes in der Gestaltung des Neuen Bundes.

Aber der Emergenzpunkt der Entstehung der jüdischen Religion war nicht erst die Zerstörung ihres Kultzentrumes sondern das Ereignis Jesus Christus, daß Juden Nein zu ihm als Messias sagten. Dies Nein kreierte die jüdische Religion, die dann nach der Zerstörung ihres Tempels sich eine neue Gestalt gab, ohne den Tempel mit ihrem neuen Zentrum, dem Synagogengottesdienst, den es vorher seit der Exilierung 586 v. Chr. gab, anfänglich aber nur als Ersatz für den jerusalemischen Tempel. Sind also der Snagogengottesdienst und die hl. Messe der Katholischen Kirche zwei gleichwertige Gottesdienste? Das müßte er emeritierte Papst sagen, zöge er die Konsequenz aus seiner These der Gleichwertigkeit der zwei differenten Ausllegungen des AT.

Wie beantwortet nun aber Jesus Christus selbst diese Frage. Im Johannesevangelium finden wir seine eindeutige Antwort. Denn da belehrt er die Juden so: „ Glaubet nicht, daß ich euer Ankläger werde bei dem Vater; es ist einer, der euch anklagt, Moses, auf den ihr eure Hoffnung setzet. Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr wohl auch mir glauben, denn von mir hat er geschrieben.“ (Joh, 5,46f) Es ist also so, daß wer Mose glaubt, der glaubt auch, daß Jesus der Messias ist, der Messias Israels. Wer nicht Jesus als den Messias glaubt, der glaubt auch nicht Moses. Es gibt so nur eine richtige Auslegung des AT, die, daß der Messias, den Mose verkündete, in Jesus zu Israel kam. Wer das AT dagegen so auslegt, daß Jesus nicht der Messias sei, der verkennt Moses, denn der hat von ihm geschrieben. Glauben an Jesus Christus heißt hier also nach Jesu Belehrung, in ihm den von Mose Verkündeten zu recognizieren.

Wie beurteilt nun Jesus selbst den Snagogengottesdienst? Auch hier belehrt uns Jesus eindeutig: „Wer den Sohn nicht ehret,ehret auch den Vater nicht, welcher ihn gesandt hat.“ (Joh 5,23) Hier heißt es nicht, daß in der Synagoge Gott, der Vater geehrt wird und im christlichen Gottesdienst zusätzlich noch der Sohn, so daß entweder der christliche Gottesdienst wahrer ist als der synagogale, weil in ihm nur der Vater geehrt wird noch heißt es, daß es gleichgültig sei, ob zudem noch der Sohn wie der göttliche Vater geehrt wird, es reiche für die wahre Gottesverehrung die des Vaters. Nur wo der Sohn wie der Vater geehrt wird, wird der Vater geehrt. Warum diese Aussage wahr ist, das expliziert die Trinitätslehre. Hier reicht uns diese Belehrung Jesu, daß dort, wo der Sohn nicht wie der göttliche Vater verehrt wird, auch Gott nicht verehrt wird. Damit verurteilt Jesu den Synagogengottesdienst als Nichtgottesdienst. Das ist natürlich eine für den „jüdisch-christlichen Dialog“ inakzeptable Belehrung durch Jesus Christus selber und so widerspricht man christlicher seits dem Sohn Gottes selbst um des Dialoges willen, der eben die uns so offenbarte Wahrheit nicht verträgt.

 

Dienstag, 2. März 2021

„Der Katholik, den das Los der Kirche mit Besorgnis erfüllt,hat aufgehört,Katholik zu sein.“

„Der Katholik, den das Los der Kirche mit Besorgnis erfüllt,hat aufgehört,Katholik zu sein.“

So urteilt Nicolas Gomes Davila (Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2017, S.113)Da die Katholische Kirche die Kirche Jesu Christi ist, die er gegründet hat und als ihr lebendiges Haupt erhält und regiert bis zum Tage ihrer Vollendung als ecclesia truimphans im Reich Gottes, wie könnte da ein Gläubiger sich sorgen um diese Kirche. Ja, wäre sie nur eine menschliche Hervorbringung, auch wenn sie sich dabei verstünde als die menschliche Antwort auf Gottes Sichoffenbarthaben, dann könnte sie gänzlich in die Irre gehend zugrunde gehen. Aber da sie nun eins übernatürlichen Ursprunges ist und dieser sie erhält, damit durch sie alle Menschen das Heil erlangen können, muß es unvorstellbar sein, daß sie sich nichtet oder genichtet wird. Muß so Davilas Urteil zugestimmt werden?

Die Kirche ist aber nicht nur göttlich sondern auch sehr menschlich, wie ja ihr Urheber und Herr, Jesus Christus auch wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Halten wir uns eine Extremsituation Jesu Leben vor Augen. Der Teufel versucht ihn. (Zur Vertiefung des Verständnisses dieser Versuchung sei hier auf Dostojewskis Erzählung: „Der Großinquisitor“ verwiesen, denn keinem anderen ist bisher eine adäquatere Ausdeutung dieses Ereignisses gelungen.)

Konnte Jesus dieser Versuchung erliegen oder ward er ob seiner Göttlichkeit immun gegen sie? Eine Versuchung, der der Versuchte gar nicht erliegen kann, ist aber keine Versuchung,sodaß auch das Sichnichtversuchenlassen kein verdienstliches Werk vor Gott wäre. Jesus gliche dann einem perfekt programmierten Roboter, der frei von Fehlfunktionen wäre und so nicht einmal vom Satan in die Irre geführt werden könnte. Gott ging sozusagen das „Risiko“ ein, daß Jesus wie vordem Adam der teuflischen Versuchung erliegen könnte, er vertraute aber auf seinen Sohn. Hätte Gott seinem Sohn aber keinen freien Willen gegeben, entweder das Gute oder das Böse wählen zu können, dann hätte er nichts Gutes in moralisch relevanter Weise realisieren können, denn gut getan ist nur das, was auch nicht gut getan werden könnte. Sonst funktionierte Jesus nur wie eine perfekt programmierte Maschine.

Wenn Jesus aber hätte fallen können, er aber der Versuchung widerstand, sodaß so nur sein Widerstehen ein verdienstliches Werk sein konnte, dann müßte das doch auch für die Kirche gelten: Auch sie könnte fallen, aber auch nur so kann sie sich als heilige bewähren, weil es nun auch ihr Verdienst ist, nicht zu fallen.

Dem steht aber Gottes Heilswille gegenüber, daß er durch seine Kirche das Heil für alle wirken möchte. Somit hätte dann doch Davila recht! Es könnte aber auch differenzierter gedacht werden, daß die Kirche zwar in den Versuchungen der Welt fallen kann, aber daß Gott sie soweit dann doch erhalten wird, daß sie trotzdem noch ihre Heilsvermittelungsfunktion ausüben kann. Ein Beispiel aus dem Raume der Politik möge dies veranschaulichen: Auch der Staat ist eine göttliche Ordnung, von ihm eingestiftet in das Leben der Völker und von ihm erhalten werdend um des Lebens der Menschen willen. Diese Ordnung Gottes kann durch menschliches Wirken pervertiert werden zu totalitär werdenden Staaten, aber selbst so pervertierte Staaten können nicht gänzlich aufhören, im Dienste Gottes als Lebens-erhaltungsordnungen zu fungieren. So könnte auch die Katholische Kirche sich pervertieren, ohne daß sie so gänzlich ihre Funktion des Heilsvermittelungsinstitutes verlöre.

Wer sich die aktuellen Debatten des „Synodalen Weges“ vor Augen führt, wird leider kaum übersehen können, wie weit die Selbstperversion der Kirche in Deutschland und nicht nur dort schon progressiert ist.


 

Montag, 1. März 2021

Was ist der Mensch- der homo oeconomicus als Fundament auch der Kirche?

Was ist der Mensch- der homo oeconomicus als Fundament auch der Kirche?


Ein scholastischer Grundsatz lautet: Das Sein geht dem Tuen voraus. Das Tuen ist dann nur die Entäußerung, die Darstellung von dem, was das Subjekt der Tat ist. Mein Gutsein ist so die notwendige Voraussetzung meines gut Wollens und gut Tuens. Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor, weil sein Sein gut ist- nicht ist er aber gut durch seine guten Früchte, daß er zu etwas erst wird durch sein Wollen und Tuen. Die Substanzontologie erhellte so das Sein des Menschen, das sich dann in seinem Wollen und Tuen manifestiert.

Dieser Vorstellungskomplex gilt heutzutage als mittelalterlich verstaubt. Seit Picco von Mirandola gilt, daß der Mensch als reine Unbestimmtheit erst sich durch sein Wollen und Tuen zu etwas Bestimmten macht. In der zeitgenössischen Theologie und der mit ihr verknüpften Moraltheologie bildet dies den Emergenzpunkt für das philosophische Denken des Personalismus. Ideengeschichtlich verortet ist diese Richtung eine Reaktion auf das hegelische wie marxistische Denken, dem der Vorwurf gemacht wird, dem Einzelereignis und der Einzelperson in diesem Systemdenken nicht gerecht zu werden, es verschwände alles Einzigartige in den Denkzwängen des Systemdenkens. Max Stirner gilt so als der Gegenpol zu Marx und Kierkegaard als Gegenpol zu Hegel, stets das Einzelne, das Individuelle als nicht Ableitbares von einem Allgemeinen betonend. So gibt es nur den Einzelmenschen, der nicht als ein Fall, ein Exemplum der Gattung Mensch, der Idee des Menschen zu verstehen sei. Diese Allgemeinbegriffe, der Mensch, das Menschsein, das Volk, die Menschheit seien nur Abstraktbegriffe, denen keine Realität außerhalb des Denkens zukäme, sie dienen unserem Denken nur zur Orientierung in dem Kosmos der unendlich vielen Einzeletwasse. Diese Nominalismus wurde nun gegen die „Systemdenker“ Hegel und Marx in Stellung gebracht, um sich stattdessen ganz auf das einzig seiende, das Einzeletwas zu kaprizieren.

Diese Focusierung kann aber den Menschen nicht mehr in seinem sozialen Leben erfassen, das war ihm etwas rein Sekundäres, Akzidentielles gegenüber der einzigen Substanz der Einzelperson.

Hier setzt nun- versimplifiziert dargestellt- das personalistische Denken an, indem nun der Mensch primär als ein Beziehungswesen erfaßt wird: Er wird erst Mensch durch seine Relationen, der nun keine Menschseinsubstanz vorausgeht, die sich dann in seinen Relationen zu anderem als sich selbst manifestiert. In das Zentrum rückt nun der homo oeconomicus und zwar in seiner Relation als Verkäufer zum Käufer und in seiner Relation als Käufer zum Verkäufer. Er ist substanzontologisch gedacht weder von seinem Sein der Verkäufer oder Käufer sondern seine jeweilige Stellung auf dem freien Markt läßt ihn zum Käufer oder Verkäufer werden. Die Grundbeziehung ist so die des Kaufvertrages: Der eine hat etwas und ihm fehlt etwas anderes, sodaß er das, wovon er mehr als genug hat abgibt, um das vom anderen zu erlangen, wovon er zu wenig hat. Der eine hat Autos, aber zu wenig Geld, der andere braucht ein Auto und verfügt über so viel Geld, daß er das Auto käuflich erwerben kann. So sehen wir den Verkäufer, im Besitz des Kaufpreises in Bälde als Käufer auf dem Markt und der Autokäufer kann eventuell das gekaufte Auto gewinnbringend wieder verkaufen. Der Mensch ist so nicht von seiner Substanz her entweder Verkäufer oder Käufer, sondern durch seine Beziehung zum Anderen wird er zum Verkäufer oder Käufer: Seine Relationen machen ihn zu etwas in seiner spezifischen Funktion im Kaufvertrag.

Das bildet den Emergenzpunkt der philosophischen Anthropologie des Personalismus. Nicht steht mehr die Produktionsphäre im Zentrum der Aufmerksamkeit, wie noch bei Hegel und Marx in ihrer Entfaltung des Verhältnisses von „Herr und Knecht“ sondern der Markt mit seinen Kaufrelationen.

Ist der Mensch erst so verstanden, ist sein spezifisches Verhalten in und zur Religion auch durch diese Marktordnung definiert: Verkäufer und Käufer von Religionswarenangeboten und Dienstleistungen stehen sich gegenüber. Der Anbieter muß nun seine Warenproduktion und seine Dienstleitungen gemäß der Marktnachfrage und den Wünschen der potentiellen Kunden ausrichten. Wahr ist nun, was als Ware beim Käufer als Konsumenten ankommt. Deshalb kapriziert sich nun die Kirche als Anbieter auf dem freien Markt auf die Konsumwünsche, die auf dem Markt sich artikulieren. Der „Synodale Weg“ ist so die Neuausrichtung der Kirche auf die Konsumwünsche ihrer potentiellen Käufer. Da in Deutschland die Kirche primär aus ihrer Kirchensteuer lebt, dafür aber ein gutes Kirche- Staat- Verhältnis notwendig ist, damit diese Geldquelle der Kirche erhalten bleibt, orientiert sich die Kirche vor allem an den Wünschen ihres Hauptsponsoren, dem Staat. Nicht mehr die Substanz der kirchlichen Angebote zählt sondern ob sie bei den Geldgebern gut ankommen. Der Personalismus sieht dabei die Person des Käufers, des Konsumenten, des Finanzieres als das „Du“ an, auf das sich die Kirche auszurichten habe. Es gibt jetzt nicht mehr den Menschen, der ob seiner Natur, seiner Substanz bestimmte religiöse oder metaphysische Bedürfnisse hat, sondern nur noch das Marktgeschehen mit seinen diversen Nachfragen nach etwas, worauf es nun gilt, sich zu kaprizieren.So entsteht die Marktkirche.


Corollarium 1

Der Mensch wird so im personalistischen Denken von seinem eigenen Gattungswesen, seinem Menschsein entfremdet, weil es ihm so nur zu etwas abstraktem jenseits seines individuellen Lebens wird. Die Substanz seines Lebens sind so nur noch seine Vertragsbeziehungen, sein Verkaufen und Kaufen.