Montag, 12. Oktober 2015

Kinder,Küche,Kirche

Fragen wir uns einfach mal: wann wandert die christliche Religion hinaus aus dem Leben der Politik, der Wirtschaft, den Sphären, von denen man sagte, daß der Mann hinauszöge ins "feindliche Leben",während die Frau als Hausfrau ihr Regnum in der Küche und im Kinderzimmer hatte?Vielleicht in der Zeit der Aufklärung, oder doch eher in der Romantik, die die Religion als etwas Gefühlhaftes und somit Frauliches dem männlichen Denken gegenüberstellte, sodaß heute noch Frauen sich mehr von der christlichen Religion angesprochen fühlen?  Eines ist aber gewiß: diese Beheimatung der Religion in das häusliche Leben zeigt etwas PROBLEMATISCHES an: daß die Religion aus dem gesellschaftlichen Leben sich zurückzog oder zurückgezogen wurde, um nun ihr Reservat in der Familie zu finden, im Idealbild der Mutter, die mit ihren Kindern betet. Werfen wir Blicke in das Alte Testament, so erblicken wir ein ganz anderes Bild. Es ist die Sache des Staates, des Königs von Israel, den Tempel einzuweihen (König Salomo), Propheten stellen sich Königen entgegen und ermahnen sie, daß sie ihr Regieren gemäß Gottes Willen auszurichten haben. Die Institution der Familie ist dabei der Ordnung es Volkes subordiniert und die Familie ist, damit das Volk durch nachkommen sich am leben erhält und-gemäß der Verheißung Gottes an sein Volk-zu einem großen Volke werde. Nein, die Ordnung der Ehe und der Familie bildet wahrlich nicht das Herzstück des     Alten Bundes. Und Jesu Christi Verkündigung hat ihr Zentrum in der Ausrichtung auf das Reich Gottes! Ja, um der Nachfolge Christi willen verlassen Männer Frau und Kind, um ganz sich in seinen Dienst zu stellen.  Ja, die Idee einer neuen Familie wird kreiert, die der Urgemeinde, die die Familie der "Familienflüchtlinge" wird, die um des Reiches Gottes willen ihre Bindungen an die Welt, gerade die familieren aufgaben, um dann mit Jesus als Wanderprediger zu wirken. G. Theißen verdanken wir in seinen soziologischen Untersuchungen zur Jesusbewegung die feinsinnige Unterscheidung von der 
Gruppe derer, die im wörtlichen Sinne Jesu nachfolgten und so ihre bürgerliche Existenz aufgaben,
und den anderen, die seßhaft blieben, aber dann in ihrem bürgerlichen Leben ihr Leben nach Jesu Verkündigung versuchten, auszurichten. Nur in dieser Gruppe wurde der christliche Glaube in der Familie  gelebt- für die konsequente Nachfolge hieß es aber, daß das Familienleben aufzugeben war zugunsten der wirklichen Nachfolge, daß man mit ihm zog. Nur aus dieser radicalen Nachfolgepraxis erklärt sich ja auch die Aufforderung Jesu an den reichen Jüngling, allen Besitzes sich zu entledigen, um dann ihm nachzufolgen als Mitwandernden. Besitz macht eben immobil- und nicht nur die Immobilien. Die Gemeinde, und die Kirche avancierten so für den Gläubigen zu seiner wahren Familie. Man denke an Jesu provokanten Ausspruch, daß die, die meinen Willen tuen, meine Brüder und Schwestern sind. 
Als aber die Kirche der Cooperator des Staates wurde, änderte sich dieses. Nun wurde die Kirche aktiv in dem ganzen Raum des gesellschaftlichen Lebens und dabei wurde die Causa der Ordnung der Ehe und der Familie auch wieder ihre Angelegenheit, von delikaten Fragen, wen ein König heiraten dürfe und wen nicht- bis hin zu der Problematik von Zweitehen bei Geschiedenen. Die laxere Praxis der Orthodoxen Kirchen in dieser Frage verdankt sich ja dem staatliche Einfluß, daß es viele intakte Familien gebe um des Nachwuchses an Staatsbürgern willen.
Aber der Geist der Aufklärung, gespeist durch die Erfahrungen innerchristlicher Religionskriege, ließ die Parole aufkommen, daß je weniger Einfluß die Religion auf die Politik nähme, desto besser sei es. Die allgemeine Vernunft und wenn dann nur die natürliche Religion, die in den Grenzen der bloßen Vernunft (Kant) solle das öffentliche Leben bestimmen. Die Religion und die Kirchen sollten dabei so weit wie möglich aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Die Französische Revolution exterzierte es dann vor. Das war dann wohl die Geburtsstunde, daß fortan die Religion im Hause in der Familie gelebt wurde angeleitet von der Hausfrau, als die Herrin der Familie. Eine Synthese aus christlichen und Familienfeiern machte dann das christliche Leben des verbürgerlichten Christentumes aus. Daß der eigentliche Ort des christlichen Lebens nämlich die Familie sei. ist immer nur die positive Seite der negativen, daß vor der Haustüre dann das weltliche Leben begann, in dem das Christliche nur noch als Motivation zum anständig leben übrigbblieb, aber die Ordnung der Welt dann schon das, was anständig ist, bestimmte.
Was wir nun erleben, ist schlicht die Auflösung der Ordnung der Familie im sich fortentwikelnden Kapitalismus, um es etwas altmodisch zu formulieren, weil nun der Kapitalismus die bürgerliche Gesellschaft selbst als ein Hindernis seiner Weiterentwicklung abstreift hin zur Massengesellschaft atomisierter Individuen.  Die christliche Religion wird so in ihr letztes Reservat zurückgedrängt, in das der privaten Innerlichkeit- und das dürfte die Wahrheit des Ausrufes K. Rahners sein, daß der Christ der Zukunft ein Mystiker sein wird.  Das einst verkündete Reich Gottes ereignet so sich nur noch in gefühlvollen schönen Augenblicken erlebter Religiösität. 
Die Familiensynode streitet so gesehen nur noch darüber, ob die Ordnung der Ehe noch ein von christlichen Wertvorstellungen bestimmter Ort sein kann, oder ob auch dieser Raum wie vordem der der Politik und der Wirtschaft säkularisiert werden wird. Angesichts des Standes der Säkularisation dieser Ordnung kann der Ausgang nicht strittig sein: was auch immer die Ergebnisse der Synode sein werden: die Säkularisation der Ordnung der Ehe ist wohl nicht mehr aufhaltbar! Und als Katholische Christen müssen wir ergänzen: das fing mit Luthers Votum an. daß die Ehe ein weltlich Ding ist.  Aber mit dem verbürgerlichten Christentum geht auch nur noch eine Schwundstufe der christlichen Religion unter. 

Corollarium 1
Hat die Verortung der christlichen Religion in die Familie mit der Konzentration auf das Kinderzimmer nicht immer auch den faden Beigeschmack, daß die christliche Religion eben etwas Kindgemäßes ist wie die Gestalt des Weihnachtsmannes (welches Kind liebt ihn nicht), das aber dann abgelegt wird wie zu klein gewordene Kinderschuhe, wenn die Madels und Buben halt aufhören, an Feen und Zauberer und das Christuskund im Stalle zu zu glauben?


     

Sonntag, 11. Oktober 2015

Ein kleines Gespräch über Priesterberufungen

"Nein. darauf könne man sich verlassen,daß wen Gott zum Priester berufe,den werde er auch Priester werden lassen",erklärte mir mein Gesprächspartner. Das klingt fromm und gut-ist es aber auch wahr? Wenn es wahr wäre,müßte gelten,daß der einzige Grund dafür, daß es so wenige Priester gäbe, der sei, daß Gott so wenige beriefe, denn es könnte ja nicht den Fall geben, daß jemand zum Priester berufen, dann seine göttliche Berufung nicht realisieren gekonnt hätte.Oder ist die Realisierung der göttliche Berufung auch abhängig von dem freiwilligen Mitwirken des Berufenen,sodaß eine Berufung auch an dem Berufenen scheitern könnte, weil er den Ruf nicht annimmt?Oder ist es möglich, daß ein von Gott Berufener an dem Widerstand anderer scheitert,sodaß er seine Berufung nicht realisieren kann?
Dann beriefe Gott, setzte aber für die Realisierung seiner Berufung die Condition, daß der Berufene mitwirkt an der Realisierung! Der Apostel Paulus schreibt im 1.Korintherbrief 15,10:"nicht ich,sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir". Dies "zusammen" eskamotiert die evangelische Theologie,indem es das Zusammen ersetzt durch ein: Durch mich, das ein freies Mitwirken des Berufenen ausschließen soll um des: Allein aus Gnade" willen, denn wenn der freie Wille mitwirkte, wäre die göttliche Gnade nicht mehr die allein wirkende Kraft! Katholischerseits wird aber an dem Mitwirken festgehalten, sodaß der Fall denkbar wird, daß ein Berufener an seiner Berufung scheitert, an sich selbst oder an anderen. Und damit stehen wir nun wieder vor der leicht verschwörungstheoretisch anmutenden These, daß Reformkräften leere Priesterseminare ein geschenk des Himmels seien-denn dann könnten sie thriumphierend ausrufen, daß reformiert werden müsse. weil die Kirche keinen Priesternachwuchs mehr habe. Und wenn dann doch wer vor der Türe des Priesterseminars stünde, weil er sich zum Priestersein berufen glaube, dann müsse man zumindest die, die keine Rformen wollen. als ungeeignet nicht zulassen. Das wäre dann   der Hintergrund der immer wieder erzählten Geschichten von Preisterseminaren, in denen Fromme erst gar nicht zugelassen oder später dann als ungeeignet entlassen werden. (Kath info berichtete darüber über Fälle in Italien.) Plausibel wäre das, auch wenn man nicht gleich einen großen Plan dahinterstehend annehmen muß, sondern sich einfach die spontane Abneigung eines liberalen Regens eines Priesterseminares gegenüber einem frommen Bewerber zu imaginieren braucht: der fromme  Bewerber steht ja für all das, was der liberale Regens verabscheut und was er wegmodernisieren will. So spontan dann auch das Nein! zu diesem Bewerber ausfällt, so erfüllt es doch den "Gesamtwillen"aller Modernisten, daß die Kirche so wenig Nachwuchs bekommt, daß dann doch Reformen durchgeführt werden und daß dann die "richtigen" nur noch in den Seminaren und auf Pfarrstellen sind, eben Reformanhänger. 
Und Gott? Wenn er ohne unser menschliches Mitwirken berufene Priester zu Priestern machen würde, dann würde jeder Berufene auch ein Priester werden- weil Gott aber die menschliche Cooperation will, können Berufungen scheitern und es kann zum Prietersein Berufene geben, die ihre Berufung nicht realisieren! Der Berufene kann dabei an sich selbst oder an den Anderen scheitern!    


       

Samstag, 10. Oktober 2015

Der Kampf der Moderne wider die Katholische Kirche

"[...]soll man alle jene Religionen dulden,welche die anderen dulden,soweit ihre Dogmen nicht im Gegensatz zu den Pflichten des Staatsbürgers stehen. Wer immer aber zu sagen wagt:außer der Kirche ist kein Heil, soll aus dem Staate verjagt werden", lesen wir in Roussseaus: Staat und Gesellschaft, Contract Social Grundlegende Gedanken zur Gesellschaftsordnung 1762,4.Buch, 8. Kapitel S.119 in der Übersetzung von K.Weigand. Rousseau habe "das Bild eines idealen Staates entworfen" (S.2)und es ist zu ergänzen, "in dem das Volk souverän ist" (S2), in dem es aber keine Katholische Kirche geben darf, denn genau sie lehrt, daß es außer ihr kein Heil gibt. Denn der Glaube, daß es nur eine wahre Kirche, nur eine wahre Religion gebe führe dazu, daß der so Glaubende sich "unbedingt verpflichtet" (S.119) weiß, die Andersgläubigen "zu bekehren oder sie zu verfolgen". "Überall wo die theologische Unduldsamkeit zugelasssen ist, kann sie unmöglich ohne gesellschaftliche Auswirkungen bleiben." (S.119). Der Philosoph der Aufklärung rekonstruiert hier also den innerchristlichen Bürgerkrieg des 17. Jahrhundertes aus dem Glauben, daß es nur eine wahre Kirche gebe, und daß so die andergläubigen Christen zu bekehren seien. "Dulden" bedeutet dann der Verzicht auf jede Art von Mission und die wechselseitige Anerkennung aller christlichen Konfessionen als zu zumindest für das Seelenheil als gleichwertig.
Roussseau kennt verschiedene Typen der Religion, wobei ihm der Römische Katholizismus die schlimmste Form ist! Als erstes bennent er die Religion des Anfanges, wo "die Menschen keine anderen Könige als die Götter und keine andere Regierung als die theokratische" (S.111) kannten. Die Konflikte vermeidende Einheit von Religion und Politik in diesem theokratischen Modell lobt er aufs höchste, sieht er doch im römischen Christentum die Zerreißung dieser Einheit durch die Polarität von Kirche und Staat gegeben: wem ist mehr zu gehorchen: dem Priester oder dem Staate? Es gab also im Anfang so viele Götter wie es Nationen gab, den diese Götter waren das Phantasieprodukt der Völker, die gerade so aber ihre jeweilige Gesellschaft sinnvoll gestalteten. Und dieser nationale Polytheismus kannte keine Religionskriege, weil der jeweilige Narionalgott nur für die eigene Nation zuständig war. Deutlich wird daran Rousseaus grundsätzliches rein gesellschaftspolitische Interesse an der Religion: wie muß sie sein, damit sie den innergesellschaftlichen Frieden wie den zwischen den Staaten nicht schadet. Das Aiufklärerische dieses Denkens ist so einfach der Primat, die Religion zu etwas der Gesellschaft Nützliches umzustruktirieren. 
Jetzt setzt er seine Jesus Kritik ein: Jesus kam in die Welt, in der es die Einheit von Staat und Religion gab in der Gestalt von Nationalreligionen, und er errichtete ein "geistiges Königtum". "Indem so das theologische System vom politischen System getrennt wurde, war der Staat nicht länger eine Einheit." (S.113) Damit war der Kampf um die Herrschaft grundgelegt, der dann bis hin zum 30 Jährigen Krieg führte, muß man ergänzen. Hobbes war dann der erste Denker, der Auswege aus diesem Konflikt suchte, aber: "Doch hat er einsehen müssen, daß der Herrschaftssinn des Christentums mit seinem System [seinem Lösungskonzept]unvereinbar war und daß das Interesse des Priesters immer stärker als das des Staates sein würde." (S. 114). 
Das Christentum ist also in zweifacher Weise gefährlich: daß es als Priesterkirche die Herrschaft über den Staat erstrebt und andere Religionen und Auffassungen seiner Religion nicht toleriert, sondern Mission betreibt 
Rousseau formuliert dann das Programm der "Religion des Menschen" als die Alternative dazu: "Die erstere {die des Menschen]ist die reine und einfache Religion des Evangeliums, der wahre Theismus, und das, was man das natürliche göttliche Naturrecht  nennen kann, ohne Tempel,ohne Altäre,ohne Riten, beschränkt auf den rein innerlichen Kult des höchsten Wesens und die ewigen Pflichten der Moral" (S.115) Nun wird es verwirrend, denn er bezeichnet nun diese Religion des Menschen als "das Christentum, nicht das von heute, sondern das des Evangeliums, das davon ganz und gar verschieden ist. Durch diese heilige, erhabene, wahrhafte Religion sind die Menschen Kinder desselben Gottes und erkennen sich als Brüder an." (S.116). Das soll nun das wahre Evangelium, das wahre Christentum sein und zugleich soll gelten, daß Jesus selbst die Einheit von Staat und Religion auflöste durch sein geistiges Reich und so destruktiv wirkte! Aber dann nimmt Rousseau doch wider den Faden der Jesuskritik auf, um zu sagen, daß diese Menschheitsverbrüderingsreligion keinen positiven Bezug zum Staate habe und keine die Einheit der Gesellschaft stärkende Kraft. Gerade die Jenseitsorientierung mache diese Religion problematisch, weil sie ihn aus der Einbindung in die Gesellschaft löse, weil das ewige Leben in dieser Religion eben wichtiger sei als das Erdenleben- zu wenig Treue zur Erde! (Nietzsche). Denn das "Christentum ist eine rein geistige, allein mit den himmlischen Dingen beschäftigte Religion." (S.116) Man muß wohl im Sinne dieses Philosophen hinzufügen, wenn sie nicht durch den Willen der Priester zur Macht korrumpiert wird, sodaß sich die Priesterkirche über den Staat stellen will in der Gestalt der Römischen Kirche. 
Es muß also eine staatsbürgerliche Religion geben als Ersatz für die frühere Anfangsreligion, die die Einheit von Staat und Religion garantiert und die dann unter sich die anderen Religionen duldet, wenn diese den Primat der staatsbürgerlichen Religion anerkennen und sich untereinander dulden um des innergesellschaftlichen Friedens. "Die Dogmen der staatsbürgerlichen Religion  müssen einfach, gering an Zahl und gemeinverständlich, ohne Erklärungen und Kommentare kundgetan sein. Die Existenz der mächtigen, vernünftigen, wohltätigen, vorsehenden und vorsorgenden Gottheit, das künftige Leben, die Glückseligkeit der Gerechten, die Bestrafung der Bösen, die Heiligkeit des Gesellschaftsvertrages und der Gesetze- das sind die positiven Dogmen." (S.119). Und es gibt nur ein negatives Dogma, das des Ausschlusses der "Intoleranz", des Glaubens, daß es nur eine wahre Religion gebe. Den Unterschied zwischen der Religion des Menschen, des wahrhaften Religion des Christentums und dieser staatsbürgerlichen besteht in dem Glauben an die Heiligkeit der staatlichen Gesetze und der Verfassung und in der Streichung des universalistischen Ansatzes, daß alle Menschen zu Brüdern werden durch den Glauben an den einen Gott.Im Hintergrund steht das Bedenken, daß rein weltliche Gesetze und Verfassungen den Menschen nicht hinreichend binden, daß also Habermas Verfassungspatriotismus nicht genug Bindungskraft besitzt- die Gesetze des Staates und die Verfassung müssen religiös durch den Glauben an einen Gott fundiert werden.
Es muß also a) diese staatsbürgerliche Religion geben, b) kann es dann die Religion des Menschen geben, die er aber nur in seiner Innerlichkeit als Glaube an die Brüderlichkeit aller leben darf (denn der Universalismus untergräbt die Treue zum eigenen Staat und c) Religionen, die den Primat der staatsbürgerlichen Religion anerkennen, vereinsmäßig organisiert sind und die Dogmen nach ihrem Belieben aufstellen können, sofern diese kompatibel sind mit der staatsbürgerlichen Religion und die sich wechselseitig dulden und auf jede Mission verzichten- und das wäre dann die Religion in ihrer Ausdifferenziertheit im idealen Staat!
Das Werk Rausseaus sei heute so aktuell wie 1762 und das stimmt: man ersetze die "staatsbürgerliche Religion durch die Politische Korrektheit, die Religion des Menschen durch die Ideologie des Humanismus und die anderen Religionen- das ist die multireligiöse Gesellschaft, in der jede Religion die andere als gleichberechtigt anerkennt und auf jede Mission verzichtet! Und daß die Katholische Kirche legitimes Glied dieses Religionspluralismus werden konnte in seiner Subordination unter die staatsbürgerliche Religion, das verdankt sie ihrer Absage, daß es nun nicht mehr wahr ist, daß es außerhalb der Kirche kein Heil gebe, sondern faktisch in jeder Religion und selbst für Atheisten!  

Corollarium 1
Zu beachten ist, daß die Aufklärung nicht ein Ergebnis vertiefter Erkenntnis oder gar einem Fortschritt in der Gotteserkenntnis zu verdanken ist, sondern dem Willen, wie müssen wir Gott und Religion denken, damit sie nicht mehr friedensgefährdend ist! Der Wille zur Domestikation ist der Kern der Aufklärung, daß Gott sich nach uns und wir uns nicht nach ihm zu richten haben!            

Freitag, 9. Oktober 2015

"Das religiöse Milieu leidet an einer Überbewertung des Sechten Gebotes!

Mit dieser These, veröffentlicht auf Kath net am 8.10.2015, ursprünglich Cathwalk verblüffte M. Krah die Leserschaft. Provokant ist diese These schon, auch wenn der Emergenzpunkt erst ganz harmloser Art war: daß das Tragen von langen Wickelröcken- in conservativ-traditionalistischen Kreisen angeblich beliebt- unmoralisch sei, weil es unmoralisch sei, wenn Frauen sich so häßlich kleideten. In Modefragen zugegebenermaßen nicht auf dem letzten Stand der Bewegung, mußte ich erstmal googeln, um herauszufinden, was das denn für Röcke sind und bin nun vollenst irritiert, denn was mir da mein Computer als Wickelröcke lang anzeigte, sah von Frauen getragen recht attraktiv aus. Aber der Kern dieser Problemanzeige ist wohl die Frage, wenn man die Debatte nicht einfach nur als Unterhaltung abtuen will, ob es eine moralische Pflicht ist,sich attraktiv zu kleiden? Es sei an die Anfänge des Radicalfeminismus erinnert, als Frauen erklärten, daß jede Frau, die sich schön mache, sich zum Sex- und Lustobjekt der Männer degradiere und damit beweise, wie sehr sie die Patrichalismusideologie verinnerlicht habe. So sei der erste Schritt der Frauenemanzipation ein bewußtes Sich-Häßlich-Machen, um so den Männern zu zeigen, daß sie nicht mehr das Objekt männlichen Begehrens sein wollten- ja einige erklärten gar, daß die Ausrichtung der Frau auf den Mann, daß sie mit ihm Intimität suche, eine Konstruktion des Patriachates sei (so ein Referat habe ich wirklich während meines Theologiestudiumes gehört!), den von Natur aus sei die Frau lesbisch orientiert!  Also, der Feminismus erfand die Frauenmoral: kleide dich wie ein Aschenputtel, damit man dich nicht als eine Frau mit Interesse an Männern ansieht.  Aber die Natur der Frau erwies sich als stärker und so kleiden sich jetzt auch die Feministin attraktiv, auch, um neben anderen Frauen auch wieder Männern zu gefallen. 
Aber das von Cathwalk angerissene Thema entewickelte sich ja weiter zu der These, daß man in conservativ-katholischen Kreisen das 6.Gebot überbewertet. Als Bibelleser und Exeget kann man auch nicht umhin, daß die Auslegung des 6.Gebotes: "Du sollst die Ehe nicht brechen", auch wenn man die Erläuerterung Jesu, daß, wer eine Frau nur lüstern ansieht, schon die Ehe bricht, wobei hier wohl eine verheiratete Frau gemeint sein muß, weil sonst es keine Möglichkeit des Ehebruches bestünde, es sei denn, der Mann sei verheiratet, oft so weit von dem, was der Text aussagt, sich entfernt, daß man wirklich von einer Überbewertung sprechen könnte. Der Katechismus hängt an dies Gebot seine Lehre von der Keuschheit. Das ist gute Tradition, aber man könnte auch-hyperkritisch?- anmerken, daß ursprünglich das Gebot nicht die Tugend der Keuschheit im Auge hatte, wie alle 10 Gebote keine Tugenden lehren, sondern nur erklären, was nicht erlaubt ist. Die kirchliche Tradition hat so dieses Gebot sehr weit entfaltet und darin zeigt sich eben auch, wie wichtig der Kirche dieses Gebot war und ist. Aber man wird mit dem Kritiker fragen dürfen, ob so die Ursprungsintention des Gebotes nicht in Gefahr gerät, vergessen zu werden, wenn nun statt des Schutzes der Ordnung der Ehe die sexuelle Enthaltsamkeit zu dem Thema dieses Gebotes wird. Man könnte ja den Eindruck gewinnen,daß es ursprünglich die Meinung gegeben hätte, daß die menschliche Sexualität etwas Negatives sei, daß der Mensch aber, weil er nun leider so viele starke Triebe habe, besonders den Sexualtrieb, diese nicht gänzlich abtöten könne, sodaß als Notordnung die Ehe erfunden wurde, damit da kontrolliert und begrenzt der Mensch seine Triebe leben dürfe, aber nur da! Nur, das ist nun wirklich nicht die Intention dieses Gebotes und schon gar nicht die Quintessenz der hl. Schrift. 
Wir haben es hier eher mit einem Paradigmenwechsel zu tun: für das Alte Testament mit seinem 6.Gebot steht das jüdische Volk als das von Gott sich erwählt habende im Vordergrund und damit dieses lebt, bedarf es der Fortpflanzung, durch die sich das Volk perpetuiert. Die Ehe ist dafür die Organisation, die von Gott dafür eingesetzte und sie ist diesem Ziele auch subordiniert. Denn nur so war er möglich, daß Gott am Anfang der Menschheitsgeschichte gar Inzestehen zuließ, weil ohne sie die Menschen schon in der 2.Generation ausgestorben  wären. Nicht ist also eine Begrenzung und Eingrenzung der Sexualität das Ziel der Ordnung der Ehe, sondern daß es eine gute Ordnung gibt, in der Kinder aufwachen können und erzogen werden. damit so das Volk sich erhält. Gottes Verheißung an Israel, daß es ein großes und mächtiges Volk werden soll, überwindet nun dabei den strukturellen Conservatisnus des Willens zum Erhalt des Volkslebens- es soll wachsen und sich vermehren! Im Sinne des Alten Bundes ist so nicht der enthaltsame Mann und die enthaltsame Frau ein religiöses Ideal, sondern das Ideal ist die kinderreiche Familie! Die unfruchtbare Frau ist dagegen eine Tragödie für die Frau und eine kinderlos bleibende Ehe "erlaubt" dem Ehemann, um es modern auszudrücken, den Seitensprung, damit die Ehe zu legitimen Kindern kommt. Wer meint, dem was Ehe ist, gerecht zu werden, ohne daß die Subordination dieser Ordnung unter die des Volkes beachtet wird, irrt gewaltig: er redet dann nicht von der Ordnung der Ehe des Alten Testaments. 
Aber da hat sich was geändert: spätestens der bürgerliche Individualismus löst diese Subordination auf und läßt die Ehe zu dem Ort der privaten Existenz werden, in der Mann und Frau in Liebe zueinander verbunden leben und als Frucht ihrer Liebe auch eigene Kinder empfangen. 
Der Apostelfürst Paulus lehrt nun ganz anders: " Wenn sie aber nicht enthaltsam leben könne, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren." (1.Kor.7, 9) Wenn das auch zuallererst auf Verwitwete bezogen, gemeint ist, kündigt sich hierin doch der Paradigmenwechsel zum Thema der Sexualität an. Paulus sagt, daß er wünscht, daß alle unverheiratet lebten wie er- aber, wenn man sich nicht enthalten könne, und bevor man seinen Begierden erliege, dann ist es besser, zu heiraten. Bedenken wir das jetzt Gelesene! Wenn jeder wie Paulus enthaltsam leben würde, würde die Menschheit nach circa 100 Jahren ausgestorben sein, gerechnet von dem imaginären Punkte an, an dem alle beschlössen, wie Paulus zu leben, also enthaltsam. Das kann nun unmöglich von Gott gewollt sein, der das Leben der Menschen will, und nicht ihren Untergang! Eine Morallehre, die besagte, daß es eigentlich gut wäre, stürbe die Menschheit aus infolge gelebter Enthaltsamkeit, wenn nicht einige, die sich nicht enthalten können, heirateten und sich fortpflanzten, wäre so gesehen die Antithese zum Alten Testament. Sexuelle Enthaltsamkeit ist ein Akt der Lebensverneinung- nur daß der bürgerliche Individualismus das verkennt, weil ihm nur das individuelle Leben von Bedeutung ist und eigene Kinder nur, wenn sie die Lebensqualität des Einzelnen verbessern. Will man  hier Paulus nun nicht im Geiste Marcions lesen, dann darf das: ich wünschte, daß alle Menschen enthaltsam leben wie er, der Apostel nicht auf alle Menschen bezogen werden, sondern auf alle Menschen, die wie der Apostel Paulus berufene Apostel sind und die dann um dieser Berufung willen enthaltsam leben. Verstünde man dagegen alle so, daß damit wirklich jeder Mensch gemeint ist, dann wäre das Ideal und der Wunsch des Paulus der des Aussterbens der Menschheit! Das ergäbe dann, und damit würde der Philosoph Schopenhauer nun doch recht bekommen, daß die christliche Erlösungsreligion die Erlösung in der Überwindung des Willens zum Leben sieht und so die enthaltsam lebenden Heiligen diese Überwindung vorgelebt hätten. Dann wäre tatsächlich die Sexualität als Wille zur Fortpflanzung, daß das Leben nicht verlöscht, das schlechthin Negativé- und je mehr dieser Wille zum Leben zum verlöschen gebracht werden würde. desto heiliger wäre da der Christ. (Und so ist das dann auch in häretischen Abspaltungen von der Kirche gedacht und gelehrt worden- etwa bei den Katharern!) 
Daß hier bei Paulus ein Paradigmenwechsel vorliegt, könnte so in gemäßigter oder in radicaler Weise verstanden werden: gemäßigt, wenn man sagt, daß der Wunsch Pauli, daß alle enthaltsam wie er leben sollten, nur auf die Apostel zu beziehen ist und nicht auf alle Menschen, daß also "Stände" in der Kirche, die der Apostel und die der Witwen enthaltsam leben sollten, aber nicht jedermann oder radical, daß wirklich jeder Mensch enthaltsam leben sollte wie Paulus, sodaß die Menschheit ausstürbe. In der gemäßigten Deutung  bleibt die Sexualität etwas Positives, weil es ohne sie kein Leben gibt, während in der radicalen Deutung die Sexualität. weil sie der Wille zum Leben ist, etwas Negatives.
Könnte es sein, daß in der kirchlichen Tradition diese beiden möglichen Verständnisse von Sexualität sich vermengelt haben und so konfundiert haben?
Dann würde die Ordnung der Ehe ein zwiefaches Gesicht bekommen: einerseits das der Ordnung für die Fortpflanzung der Menschen, damit sie nicht aussterben und andererseits als Notordnung für die Menschen, die sich nicht enthalten können, als Zugeständnis, daß sie so dann wenigstes geregelt ihre Sexualität leben! Etwas überspitzt formuliert: die Ehe wäre das, was in den Niederlanden die Restaurationen sind, in denen Rauschgiftsüchtige legal Drogen konsumieren dürfen, wenn sie als nicht mehr therapierbar gelten. Das Ziel der Ordnung der Ehe wäre so primär die Eingrenzung des Übels der sexuellen Triebe für die, die nicht wahrlich heilig, nämlich enthaltsam leben können!
Es drängt sich nun der Verdacht auf, daß der Kritiker in dem "religiösen Milieu" das das 6. Gebot zu wichtig nimmt, genau genommen, diese radicale Deutung der Paulusaussage meint, daß eigentlich Sexualität etwas Negatives sei und daß die Ehe nur ein Zugeständnis an die Schwachen ist, die, die sich nicht enthalten könnten. Dann würde der positive Gehalt des 6.Gebotes heißen: lebe enthaltsam und nur wenn du dich nicht enthalten kannst, dann heirate, damit du nicht Opfer deiner sexuellen Begierden wirst. Und das verlangte nun auch eine Kleiderordnung, die das Nein zur Sexualität ausdrückt: ich will ein Mensch ohne Sexualität sein, denn nur so bin ich rein!  
Darf man vermuten, daß die Tatsache, daß in der Entfaltung des 6. Gebotes (das erstmal gar nichts mit der Keuschheit zu tun hat) das Motiv der Keuschheit eingeführt wird, ein Versuch ist, die gemäßigte mit der radicalen zu synthetisieren? Jetzt erscheint die Sexualität als etwas Bedrohliches, das nur in dem Reservat der Ehe gelebt werden, weil sie sonst den Menschen gefährdet und er dazu aufgefordert ist, sie zu kontrollieren wie ein Hundebesitzer seinen Kampfhund unter Kontrolle haben muß, weil er ihn und die Mitmenschen, außer Kontrolle geraten, sonst nur gefährde! Daß dann in der Sexualität nur etwas Bedrohendes gesehen wird, das als Auslegung des 6.Gebotes, wäre dann die "Überbewertung des 6.Gebotes".Die Überwindung der Gefährlichkeit der Sexualität durch die  Ehe und daß die Sexualität  nicht nur perhorresziert wird, wäre dann die Differenz zur radicalen Deutung der Paulusaussage. Sie kann etwas Positives werden, aber nur in der domestizierten Form der ehelichen Liebe. Aber in diesem Willen zur Domestikation der Sexualität lebt vor allem die Angst vor der Sexualität als etwas eigentlich Bedrohlichem- nur dies Bedrohliche ist der Wille zum Leben, daß das Leben nicht im Tode untergeht sondern sich durch den Akt der Fortpflanzung erhält. Könnte, um auf den Emergenzpunkt der Kleiderästhetik zurückzukommen,es eine Kleidermode unter conservativen und traditionalistischen Frauen geben, die so ein Nein zum Leben ausdrücken als Nein zur eigenen Sexualität?   
Aber es steht noch die Frage im Raum, ob es eine Pflicht zum Attraktiv-Sich-Ankleiden der Frau gibt, sodaß es unmoralisch wäre, sich nicht schön zu machen? Sicher ist die Aussage, daß lange Wickelröcke zu tragen, etwas Unmoralisches sei, eine Übertreibung, weil es wirklich eine solche Pflicht weder für Frauen noch Männer gibt. Aber es ist doch ein Fünklein Wahrheit in diesem Urteil, wenn man dies Urteil versteht als polemische Erwiderung auf die Meinung, daß ein Sich-Attraktiv-Anziehen eine Sünde sei, wie es als Überreaktion auf eine : Alles, was Spaß macht, ist erlaubt Moral tatsächlich vertreten wird. Um nicht moralisch lax zu sein, verfällt man in die Prüderie und findet so nicht die goldene Mitte: daß es der Natur der Frau entspricht, sich schön zu machen und daß es eben der Frau als kultivierter Mensch nicht genügt, natürlich schön zu sein, sondern durch Kultivierung die natürliche Schönheit zu optimieren. Und selbstverständlich hat dies Sichschönmachen etwas mit der Sexualität zu tun. Von der Natur her ist es eben so vorgesehen, daß die Schönheit der Frau den Mann "anlockt" und ihn an sie bindet Der Mann liebt eine Frau, gerade auch, weil sie schön ist und darum sind eben auch alle geschlechtsreifen Frauen schön, so lange sie fortpflanzungsfähig sind. Aber Frauen sind nun unterschiedlich schön, die einen mehr, die anderen weniger und dann kommt noch das ästhetische Talent dazu, sich zu verschönern eben auch durch attraktive Kleidung.
Das einer Frau vorzuwerfen, hieße ihr ihre Natur zum Vorwurf zu machen. Aber es ist genauso einsichtig, daß die Konkurrenz der Frauen untereinander: bin ich attraktiver als...auch den Mißbrauch der Moral evoziert: Wenn ich nicht so schön bin wie die anderen und nicht so talentiert im Sichverschönern, dann liegt es nahe, das Schönsein der Anderen MORALISCH zu entwerten: es ist unmoralisch,sich so attraktiv zu kleiden! ist dann die Parole wider die Zuschönen und Zuattraktiven. Das Ressentiment gegen die Schönheit der Anderen und ihrer Attraktivität bildet dann einen Quellgrund für die Prüderie: wenn ich nicht schön sein kann, dann sollen und dürfen es die Anderen nicht sein! So ist die Neigung zur Prüderie eben nicht nur ein Ausdruck eines gestörten Verhältnisses zur eigenen Geschlechtlichkeit sondern kann auch eine Waffe im Konkurrenzkampf der Frauen untereinander sein, den Schöneren und Attraktiveren ihre Vorzüge als etwas Unmoralisches abzuqualifizieren. Man kann deshalb urteilen, daß es keine Pflicht gibt, sich als Frau attraktiv zu kleiden, daß es aber wohl von Klugheit zeigt, wenn Frauen sich schön machen, steigen doch so ihre Chancen auf das Glück in der Liebe wie auf einen Erfolg im Beruf!   

Corollarium 1 
M,E. kann man Nietzsche nicht gerecht werden, liest man ihn nicht von seinem Nein zur Lebenswillensüberwindungs-Philosophie Schopenhauers, in dessen Licht er auch die christliche Religion wahrnahm.  Die christliche Moral ist aber auch wirklich immer gefährdet, eine "Moral" des Ressentiments zu werden als Verachtung des Schönen und Starken!               

  



Mittwoch, 7. Oktober 2015

Notiz zur Lage der Kirche

"Die Reduzierung des Menschen auf den Konsumenten, in dem eine geldgierige Großindustrie mittels Reklame Konsumentenwünsche erzeugt, um sie schnell zu befriedigen, die ganze Lebensphilosophie des: "Ich will Genuß-sofort"! verwandelt ihn zum "zur Masse degradierten, naturfremden, nur an kommerzielle  Werte glaubenden, gefühlsarmen, verhaustierten" politisch indoktrienierbaren und durch die Großindustrie manipulierbaren Einheitsverbraucher." (Kunze. Mut zur Freiheit-Ruf zur Ordnung, 1995, S.129. ) Diese Lesefrucht könnte uns zu denken geben, daß nämlich auch der Durchschnittschrist sich zur Kirche wie ein Konsument verhält. Die Dogmatik sagt uns, wie der Christ sich zur Kirche verhielte, wenn er ein Gläubiger wäre, und dann gibt es noch das Optativdenken, das Wunschdenken: wenn doch nur jeder Christ...Aber warum verhält sich der real existierende Christ so ganz anders als der, den uns die Dogmatik lehrt und unser Optativdenken uns vormalt: o möge der Christ doch...
Wir könnten nun einfach antworten: das ist eben die Sünde des Christen, oder etwas feiner, sein Mangel an Glauben. Das ist auch irgendwie richtig, weil es prinzipiell immer richtig ist. Aber gerade so trifft es nicht das Besondere unserer Lage. Das Besondere ist wohl dies. daß die postmoderne Gesellschaft für die meisten eine Gesellschaft des Überangebotes an zu konsumierbaren Waren ist und daß alles für den Zahlungskräftigen da ist, sodaß sich alle Probleme reduzieren lassen auf das der Verteilungsgerechtigkeit, daß der Überfluß allen irgendwie zu gute kommt. Die große Illusion der Konsumgesellschaft ist es eben, daß alles Erstrebenswerte etwas Kaufbares ist- und wer nun sofort da die Widerrede erhöbe, aber das wichtigste ist nicht käuflich, Freundschaft und Liebe, der bedenke doch, wie viel wahrscheinlicher ein im Berufsleben erfolgreicher Mann von einer Frau geliebt wird als ein von der Sozialhilfe lebender! Und wenn Männer attraktive Frauen bevorzugen, dann ist eben frauliche Attraktivität  auch eine Frage der Fülle des Geldbeutels. In Märchen mögen Prinzen Aschenputtel ehelichen, im realen Leben aber sieht das etwas anders aus. Einen gewissen pragmatischen Realismus kann man der Lebensmaxime, daß im Prinzip alles kaufbar ist, nicht absprechen. Und so erleben wir in der Postmoderne den Menschen
, der sich in den Konsumenten verwandelt als sein eigentliches Sein. Und als solcher tritt er auch der  Kirche gegenüber. Er will keine ihn regierende und belehrende Kirche, sondern ein Serviceunternehmen Kirche- und die Reformkräfte der Kirche sagen dazu ihr Ja! Dann kann ruhig gesagt werden, daß die Lehre der Kirche auf der Familiensynode unangetastet bleiben soll- wenn unsere Pragmatiker nur dafür die Änderung der Praxis erreichen könnten. Es geht also darum, wer die letzte normative Instanz ist für die Kirche.
Die Marktwirtschaftsideologie sagt: der Konsument und der Ideologiekritiker: die Medien, die den Konsumenten erst bilden, was er zu konsumieren wünscht.  Wer heute ein Rathaus betritt, wird, wenn er eineslange nicht mehr aufgesucht hat, oder wenn er eine Internetseite des Rathauses anklickt, feststellen, daß selbst der Staat in seiner Gestalt als Rathaus dem Bürger als eine Serviceagentur entgegentritt. Und das Arbeitsamt ist auch kein Amt mehr....Es ist, als wenn alle Institutionen sich umwandelten in Agenturen des Bürgerservice für Konsumbedürfnisse. Vielleicht erleben wir eine allgemeine Krise aller Institutionen und somit auch die der Kirche als den Prozeß der Umwandlung und Umstellung auf den Menschen als Konsumenten. 
Denn eines muß doch auffallen: daß keine der Reformforderungen der Kirche etwa mit theologischen Gründen gerechtfertigt wird- es heißt nur noch: die Christen, die Basis und die veröffentlichte Meinung will das so und darum muß die Kirche dem nachgehen- als säße ich in einem Weinlokal und Unmemgen von Gästen orderten Bier statt Wein, sodaß die Kellner zum Inhaber sagen, daß wir endlich die Konsumwünsche der Gäste akzeptieren müssen, sonst gehen wir mit unserem Weinlokal pleite. 
Ist die Reduzierung des Menschen auf ihn als Konsumenten vielleicht auch der Grund, warum ihn die christliche Verkündigung nicht mehr erreicht? Für die christliche Verkündigung ist der Mensch eine große Erzählung, die seines Seins im Paradiese, die seines selbstverschuldeten Falles aus dem Ursprung, die Geschichte seiner Exilierung und die seiner Erlösung und Heimkehr  zu Gott.Und in diese anthropologische Erzählung schreibt sich dann Gott, Jesus, der Heiland, die Kirche und die Sakramente, der Tod ein. Aber, wie, wenn dem Menschen diese Metaerzählung völlig fremd geworden ist- wenn er nur noch sich sieht im Meer der Konsumangebote und er dann, wenn überhaupt noch, nur frägt lohnt sich das kirchliche Konsumangebot für mich?      

Corolarium 1
Man sollte Nietzsches Bild vom letzten Menschen erweitern oder umschreiben zu dem vom letzten kleingezüchteten Menschen, dem Konsumenten, dem "verhausschweinten Konsumenten" (Kunze)

Corollarium 2
Wer einen schönen Beleg für die "Konsumentenorientierung" der Kirche lesen möchte, der lese Bischof Kochs Rede auf der Familiensynode- unsere Lehre und Argumente, warum Geschieden-Wiederverheiratete nicht zur Kommunion zulaßbar sind, kommen nicht an bei den Kirchenkonsumenten und darum muß es geändert werden! Die Nachfrage hat unsere "Produkte" zu bestimmen, ist sein implizites Argument.  

Dienstag, 6. Oktober 2015

Ein Supplement zur Theodizee

Als kleine Ergänzung zu meiner eigenen Studie zur Theodizee: Uwe Christian Lay, Die Übel und der gute Gott. Theodizee 2011: große Menschen gibt es nur, weil es auch kleine gibt, denn wäre jeder ausgewachsener Mensch gleich groß an Körpergröße, es könnte weder große  noch kleine geben. Die Tugend setzt notwendigerweise nicht nur die Möglichkeit sondern auch gelebte Untugend voraus, damit die Wahl des Tugendhaften auch wirklich als eine freie zum Guten angesichts der realen Möglichkeit des Untugendhaften eine moralisch relevante Entscheidung ist. Könnte der Mensch nur tugendhaft leben (weil seine innere Natur ein untugendhaftes Leben gar nicht zuließe), könnte er auch nicht tugendhaft leben. Abstrakter formuliert: das Negative (das was eigentlich nicht sein dürfte, wenn ein guter und allmächtiger Gott die Welt schuf und regiert), muß doch sein, damit so nur auch das Positive ist. Frägt die Theodizee, warum Gott das Negative zulasse, obwohl er es als allmächtiger ja auch verhindern könnte, oder er hätte ja auch eine Welt  schaffen können, in der es gar keine Möglichkeit für das Negative gegeben hätte, so kann auch respondiert werden: damit das Gute ist. Wenn Adam nicht die Möglichkeit zum Sündigen gehabt hätte im Pardiese, wie hätte er sich als -im moralischen Sinne- guter Mensch erweisen können, wenn es für ihn keine Möglichkeit zum Nichtguten gegeben hätte. Auch für das Schöne gilt: es gibt nur Schönes als Opposition zum Nichtschönen! Jeder Filmheld setzt einen oder mehrere Bösewichter voraus, sodaß unser Filmheld sich erst in der Auseinandersetzung mit ihnen als Held erweist. 
So wäre eine vollkommene Welt ohne das Negative streng genommen keine vollkommene Welt. Als Theologe stehen wir ja mit der Vorstellung des Satans vor einem beachtlichen Problem: warum ließ es Gott zu, daß einer seiner Engel, nämlich Luzifer zum Teufel werden konnte und warum läßt er ihn auf Erden weiterhin wirken? Er ist das rein Negative und es heißt ausdrücklich von ihm und seinem Anhang, daß es für sie keine Möglichkeit einer Rettung gibt. Jesus Christus starb für die Sünden der Menschen, aber nicht für die Luzifers und seines Anhanges. Und doch muß diesem rein Negativen auch etwas Positives innewohnen, sonst ließe Gott die Entstehung und ihr Wirken nicht zu. Einfach, zu einfach machen es sich da die Modernisten mit ihrer Entmythologisierei-sie urteilen einfach, daß es den Satan nicht geben könne- sie gleichen Lämmern, die erklären, daß es in einer von Gott geschaffenen  und regierten Welt keine Raubtiere geben könne, und schon gar keine, denen Lämmer ihre Lieblingsspeise ist! Es gibt ihn, den Satan- aber warum gibt es ihn in der von Gott geschaffenen und regierten Welt? Könnte darauf nicht doch respondiert werden, daß es das Gute nur gibt, weil es das Nichtgute, das Schöne, weil es nur das Unschöne und das Wahre nur gibt, weil es das Unwahre gibt? So gründet sich die praktische Vernunft ja durch die Unterscheidung von gut und böse und es muß Beides geben, damit es die praktische Vernunft gibt und das gilt dann so auch für die theoretische Vernunft (wahr-unwahr) und die ästhetische Vernunft (schön-unschön)! 
Man kann es sich auch so veranschaulichen: hätte die Kirche in ihrem theologischen Denken zu der Klarheit des Trienter Konziles gefunden ohne die Negation der Lehre der Kirche durch Luther und die Reformation? Zwang nicht erst Marcion der Kirche die Frage auf, was zum Kanon dazugehören soll und was nicht, indem er seinen Kanon für die Kirche schuf, den dann die Kirche verwarf? Wird nicht erst die Lehre von der Ehe zu ihrer Vollgestalt sich ausreifen, wenn sie von anderen angefriffen und gar verneint wird? Ist das Negative um des Positiven willen? Ist es gar notwendig? Wir kennen das große Wort, daß der Krieg der Vater aller Dinge ist. Wenn man den Begriff des Krieges nun nicht eng mißversteht, als ginge es da um militärische Auseinandersetuzungen, könnte dieser Ausspruch besagen, daß alles nur ist durch seinen Widerstreit mit seiner Negation- das Gute im Kampf wider das Böse. das Schöne im Kampf wider das Unschöne und das Wahre nur durch das Unwahre.                

Montag, 5. Oktober 2015

Deutschland schaft sich ab

Die Jugendorganisation der Grünen hatte am Tag der deutschen Einheit mit einer Nachricht auf Twitter für Empörung gesorgt. Darin hieß es: „Am 3. Oktober wurde ein Land aufgelöst und viele freuen sich 25 Jahre danach. Warum sollte das nicht noch einmal mit Deutschland gelingen?“.(Junge Freiheit vom 5.10.2015: Grünen Nachwuchs verteidigt antideutsche Äußerung) Was soll man angesichts von so viel Lust an der Vernichtung und Auslöschung des eigenen Volkes noch sagen? Daß das bei den Grünen nicht etwa ein Ausrutscher ist, man denke an das Bild einer Antiwiedervereiningungsdemonstration, auf dem Frau Roth unter dem Transparent: "Deutschland verrecke" zu sehen war, man denke an die Position der Grünen zur Asylantenschwemme: je mehr kommen, desto besser, an ihr Ja zur Homosexehe...usw. Es ist zwar Irrsinn, hat aber Methode. Wir haben in unserem eigenen Volke eine Partei, die den Untergang des eigenen Volkes will. Freunde des schwarzen Humors kennen diesen Witz: den Nächsten lieben so wie mich selbst- nichts leichter als das, so wenig ich mich selbst liebe!  Das Jasagen zu sich selber ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, als wäre nur die Liebe zum Nächsten dann das Problem. Nein, ich sage Nein zu mir, der Wille zur Selbstverneinung ist subkutan ein verbreitetes Phänomen- gerade unter uns Westdeutschen als Frucht der Umerziehung durch die westlichen Siegermächte. Wenn man meinen würde, daß der politische Diskurs unter Demokraten unter der Voraussetzung geführt würde, daß alle Disputanten immer nur das Gute für das Deutsche Volk wollten, nur sich uneins wären über das, was das Gute für uns ist, dann belehrt uns die Grüne Jugend: wir sagen Nein zu Deutschland! Wir wollen die Auflösung und Nichtung des Deutschen Volkes. Als Christ muß man urteilen, daß es Gottes Wille ist, daß die Menschheit als ein in Völkern aufgegliedertes Ganzes existiert. Gott schuf den Menschen nicht nur als Mann und Frau, sondern auch immer als Mann und Frau eines bestimmten Volkstumes. Auch die Ordnung der Völker gehört zur Schöpfungsordnung Gottes. Und gerade weil das Volkstum zur göttlichen Ordnung gehört, wird es auch von allen antichristlichen Kräften wie die Ordnung der Ehe und der Familie angegriffen.