Sonntag, 15. März 2020

Ein neues, das andere Evangelium der Kirche- oder ein Kapitel des Kampfes wider die Wahrheit

Das Gespräch zwischen Jesus und der samaritanischen Frau am Jakobusbrunnen gehört sicher zu den schönsten Passagen dieses Evangeliums. (Joh 4,5-42) Anläßlich der Bitte Jesu, ihm Wasser zum Trinken zu geben, entfaltet sich ein Lehrgespräch über das wahre Wasser, das das ewige Leben vermittelt, nämlich der Glaube, daß Jesus der Sohn Gottes ist und daß der, das glaubt, das ewige Leben hat. Diesem Hauptthema ist dann noch subordiniert die damalige Kontroverse zwischen den Juden und den Samaritanern, wo Gott zu ehren ist, präziser wo Gott die von ihm gewollten Opfer darzubringen sind, im Jerusalemer Tempel oder da, wo die Samaritaner die Opfer darbringen.Jesus erklärt diese Frage als obsolet, weil nun die Stunde gekommen ist, daß weder in Jerusalem noch auf dem Berge der Samarianter Gott geehrt werden soll sondern in der Kirche, der von ihm gestifteten.
Was macht nun ein moderner Katholischer Prediger daraus? Als erstes entscheidet er daß das Thema des ewigen Lebens kein zeitgenössisches ist, und daß so auch der Glaube, dem das ewige Leben verheißen ist, kein Predigtthema sein kann.
Auch läßt er die Frage des Ortes der wahren Gottesverehrung fort, aus freilich verständlichen Gründen, denn predigte er,daß nun die Kirche und nicht mehr der Jerusalemer Tempel der Ort wahrer Anbetung und des Opferns ist, würde er damit nämlich auch aussagen, ganz im Sinne Jesu, daß auch die Synagoge kein Ort der wahren Gottesverehrung ist, weil es nun nur noch die Kirche ist. Das darf aber aus Gründen der Politischen Korrektheit nicht mehr in der Kirche gesagt werden. Nicht sind für dies Verbot irgendwelche neuen theologischen Erkenntnisse verantwortlich zu machen, es begründet sich allein aus der vorbehaltlosen Anerkennung der Vorgaben der politischen Korrektheit als der Auslegungsnorm der hl. Schrift.
Worüber predigte er dann? Da das, was Jesus hier lehrt, für uns Heutigen belanglos geworden ist, kaprizierte er sich allein auf das Daß des Gespräches zwischen Jesus und der samaritanischen Frau! Das Sensationelle sei, daß er als jüdischer Mann mit einer samaritanischen Frau gesprochen habe und ihr seine Not, er habe Durst, offenbarte. Damit habe er couragiert gleich 3 Tabus gebrochen, a) daß man als Jude nicht mit Samaritanern redet, das wäre das nationale Tabu, daß b)man als Mann nicht so mit einer Frau spreche, das wäre das patriachalistische Tabu, und daß c) man nicht einer samaritanischen Frau eine Notlage, man habe Durst, mitteile.
Die Predigt focussierte sich nun auf das nationale Tabu, um zu sagen, daß Jesus den Nationalismus so überwunden habe, daß der aber heute noch in Europa gelebt würde und zwar in der Gestalt von Nationalstaaten, die Mauern errichten, um Flüchtlinge von sich fernzuhalten! Es darf keine Nationen mehr geben! Das sei Jesu Wille.
Ach ja, und dann fiel ihm noch die Aussage, daß nun die Stunde gekommen sei, daß Gott im Geiste der Wahrheit angebetet werde, ein: Damit das geschähe, bedürfe es jetzt der Kirchenreform, die dürfe nicht auf die lange Bank verschoben werden! Jedem Hörer war klar, daß damit das Deformprogramm des synodalen Irrweges gemeint ist, daß die Kirche sich endlich zu verweltlichen habe, um in der Welt, bei ihren Menschen anzukommen.
Der Prediger beließ es aber nicht bei diesem Aufruf zur Verweltlichung der Kirche, mitnichten, denn er praktizierte sie schon in dieser Predigt, indem er aus dem Lehrgespräch Jesu über das Thema, wie erlange ich das ewige Leben? ,den Aufruf nach der Abschaffung der Nationalstaatsgrenzen machte, daß es keine Grenzen für Flüchtlinge geben darf. Das ist zeitgenössiches Predigen! 
Und noch etwas: Zum Johannesevangelium gehören auch seine 3 Briefe, die zusammen erst die sogenannte johanneische Theologie ergeben. Im 1. Brief steht zum Thema der Verweltlichung der Kirche geschrieben: Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist,(ist) die Begierde des Fleisches“. (1. Joh 2,15f) Dieser Begierde will der synodale Irrweg die Kirche subordinieren, ihr sich ihr gleichförmig machen.So verkehrt diese Predigt Jesu Evangelium in ein ganz anderes, in eines der politischen Korrektheit. 

Samstag, 14. März 2020

Leben wir in einer Epoche des Nihilismus?

„Die Welt, in der Gott tot ist“, so betitelt Julius Evola das 2.Kapitel seines großen Essays: „Den Tiger reiten“.Den Ausgangspunkt bildet Nietzsches: „Gott ist tot“ und Dostojeweskijs Ausspruch: „Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt.“ Damit sei der Nihilismus gekennzeichnet, der nicht nur den Moraldiskurs im engeren Sinne sondern auch die Weltanschauung bestimme. „Der Tod Gottes trug bei zum Verlust jeglichen Lebenssinn,jeder höheren Rechtfertigung der Existenz.“ Evola, Den Tiger reiten, 1997, S,51)
Leben wir jetzt wirklich in einer Epoche des Nihilismus, einer, in der alles erlaubt ist?Nüchtern betrachtet: Vieles, was einst als unmoralisch gab, etwa im Bereich der Sexualität, gilt heute als erlaubt, aber deswegen ist doch noch nicht alles erlaubt. Vor vielen Jahren konnte noch unbekümmert eine Mutter ihrem Kinde einen Negerkuß zum Essen geben, heute ist das fast eine unverzeihbare Sünde. Nicht mehr die christliche Religion mit ihrem Verweis auf Gott lehrt, was gut und böse, was wahr und unwahr, was schön und unschön ist, sondern auch diese Funktion übernimmt inzwischen diese politische Weltanschauung. Sie verfügt als Letztbegründungs-instanz nicht auf einen Gott, ja, es finden sich in ihr kaum Begründungen, stattdessen dominiert das einfache „Man“: Das darf man nicht denken, sagen und tuen. Und diese neue Moral hat sich weitestgehend durchgesetzt, sosehr, daß die Katholische Kirche und der Protestantismus sie vollständig in sich aufgenommen haben und nun als ihre Botschaft verstehen.
Kann so der Begriff des Nihilismus nur den Punkt bezeichnen, in dem die christliche Religion ihre Stellung als die öffentliche Religion verlustig wurde und noch kein funktionaler Ersatz etabliert worden war? Haben wir so den Nihilismus schon hinter uns, bevor er richtig zur Herrschaft kommen konnte? Daß dieser Begriff einfach nur den Riß markiert zwischen dem Ausruf: „Der König ist tot“ und „Es lebe der neue König“?
Anders stellte es sich dar, würde gefragt, ob denn wirklich eine Weltanschauung ohne einen Absolutes, von dem her alles andere seine Legitimierung erfährt, lebensfähig ist. Es drängt sich so der Gedanke auf, daß wie für die christliche Religion das historische Ereignis des Kreuzes Jesu Christi den Emergenzpunkt für die christliche Religion bildet, der Holocaust als historisches Ereignis den Emergenzpunkt für die Weltanschauung der Politischen Korrektheit bildet. In ihr ist dann die sogenannte Holocaustreligion integriert als ihr eigentliches Fundament, also das Ereignis des absolut Bösen. (Vgl dazu Sieferle, Finis Germaniae). Die „religiöse“ Praxis dieser neuen öffentlichen Religion ist dann der Kampf gegen Rechts.
Wenn nun eine evangelische Pfarrerin im „Wort zum Sonntag“ den Kampf gegen Rechts predigt, daß die Parlamente gestürmt werden müssen, in die AfD Politiker hineingewählt worden sind, dann demonstriert das eben nur, wie sehr das organisierte Christentum sich der neuen öffentlichen Religion subordiniert, ja, die schon für die christliche Religion, zumindest ihrer Kernaussagen hält. Der Nihilismus ist so, bevor seine Zersestzungskraft wirksam werden konnte, überwunden worden. Das stellt nun aber keine Rückkehr zur christlichen Religion dar, mitnichten, sondern das heißt nun, daß sich gerade die christliche Religion der neuen Herrschaft dieser Ideologie unterwirft.

Freitag, 13. März 2020

Irritierendes: Probleme mit der Bergpredigt...überfordernd?

„Leiste dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand“ (Math 5,39)Am häufigsten wird die Bergpredigt Jesu unter der Fragestellung kritisiert, daß er hier von uns (allen Christen oder gar von allen Menschen, die Frage des Adressaten der Bergpredigt ist umstritten) etwas fordert, das unser moralisches Leistungsvermögen überfordere.
Als Anschauungsbeispiel möge dazu die allfällige Kritik des Zölibates genommen werden, daß eben ein Mann ob seiner sexuellen Bedürfnisse damit überfordert sei und die Kirche so die Verpflichtung zum zölibatären Leben den Priestern erlassen solle, weil das nun doch zuviel von ihm abverlange. Das zölibatäre Leben sei eben nur ein Ideal für den Priester, das aber überforderer und so viele davon abhalte, ihrer (angeblichen) Berufung zum Priester zu folgen.
Ist diese Forderung des Verzichtes auf einen Widerstand ähnlich kritisch diskutierbar? Ich konstruiere jetzt einen Fall. Fälle haben im moraltheologischen Diskurs eine dem Experiment im Naturwissenschaftlichen ähnliche Funktion der der Überprüfung von Allgemeinaussagen, hier der: Immer dann, wenn wer euch Böses antut, dann sollt ihr dem keinen Widerstand entgegensetzen,
Gesetz dem Fall, ein Christ sieht ,wie ein Mann eine Mitchristin vergewaltigt, was hat er dann zu tuen? Eine Vergewaltigung ist auf jeden Fall etwas Böses. Das Opfer gehört zu „Euch als Mitchristin, ergo darf der Christ, der diesen Vergewaltigungsakt sieht, dem Vergewaltiger keinen Widerstand leisten. Jetzt extreminisieren wir den Fall. Nach der Vergewaltigung ermordet der Täter die Frau und sieht den zuschauenden, keinen Widerstand leistenden Christen. Der Mörder sagt nun, wenn ich diesen Zuschauer meiner Tat nicht auch umbringe, wird er mich bei der Polizei anzeigen. Also muß ich auch ihn umbringen. Der Christ beteuert nun, daß er ihm die Untat verzeihe, weil er Christ sei und so werde er ihn auch nicht anzeigen.Der Vergewaltiger und Mörder erwidert darauf, daß er das jetzt nur sage aus Angst davor, ebenso ermordet zu werden.. Deshalb werde er den Zeugen seiner Untaten jetzt auch morden. Zu morden ist etwas Böses, dem darf der Christ keinen Widerstand entgegensetzen und so hat er sich widerstandslos ermorden zu lassen.
Das kann auf keinen Fall christlich sein, denn a) widerspricht das dem Gebot der Nächstenliebe, das von dem Christen in diesem Falle einen Widerstand gegen den Vergewaltiger fordert und b) widerspricht es auch dem Gebot, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, wenn ein Christ sich selbst widerstandslos umbringen läßt.
Ist es nun überhaupt denkbar, daß es Fälle gibt, wo einem meiner Nächsten Böses angetan wird, ohne daß ich verpflichtet wäre, wenn es mir möglich ist, meinem Nächsten zur Hilfe zu kommen, dem Bösen zu Widerstand zu leisten? Ist nicht ein jedes Nichtwiderstandleisten da ein Verstoß gegen das Gebot der Nächstenliebe?
Oder sollte diese Aufforderung Jesu sich nur auf den Fall beziehen, wenn ich selbst das Opfer des Bösen bin? Dann dürfte also, um in diesem Falle zu bleiben, die Frau dem Vergewaltiger keinen Widerstand leisten. Auch das widerspräche so elementar dem Gebot der Selbstliebe, daß geurteilt werden muß, daß Jesus das so nicht gemeint haben kann.
Also, ein erstes Zwischenresümee heißt, daß aus rein moralischen Gründen ein Christ dem nicht Genüge tuen kann, weil er so der gebotenen Nächstenliebe und der Selbstliebe zuwider handeln müßte.
Nun könnte gesagt werden, daß Jesus Christus ja auch ohne einen Widerstand zu leisten das Kreuz auf sich nahm, sich kreuzigen ließ obgleich er als Allmächtiger jederzeit das Kreuz hätte abwehren können. Nur hier war es der Wille seines Vaters, daß er das Kreuz zu erleiden hatte und der Sohn ward seinem Vater gehorsam, sodaß er diesem von Gott ihm zugewollten Bösen keinen Widerstand leistete. Denn der Kreuzestod war ja erstmal für Jesus etwas Böses, so zu sterben, aber er nahm das Kreuz an, weil es ihm der Vater auferlegte.
Sollte nun wer ernsthaft vertreten wollen, daß die Vergewaltigung das Opfer als ein Handeln Gottes an sich ansehen solle und so dieser göttlichen Bestrafung keinen Widerstand leisten dürfe? Gott gab dem Menschen die Freiheit, auch seine Freiheit zum Sündigen zu mißbrauchen und so ereignen sich auch Vergewaltigungen, aber das sind nun nicht Strafen Gottes.
Oder meint hier Jesus etwa, daß ein Christ jedes Böse, was ihm angetan wird, er als berechtigtes Strafen Gottes an sich anzusehen habe und es deshalb widerstandslos zu erdulden habe?
Aber welche Folgen zeitigt ein solches Nichtwiderstandleisten und Erdulden des Bösen? Die Bösen werden ermutigt, weiter Böses zu tuen, daß ihnen kein Widerstand entgegengebracht wird, ermutigt sie dann geradezu zum Weiter so, laßt uns Böses tuen, niemand wehrt uns! Würde so nicht die Welt zu einer Hölle, in der das Böse allein triumphiert?
Oder gibt es doch Fälle, in denen der Christ auf einen Widerstand gegen das Böse verzichten kann, ohne daß er gegen das Gebot der Nächsten- oder der Selbstliebe verstößt?

Donnerstag, 12. März 2020

Irritierendes: Über Gott, der so ganz anders ist als der gelehrte und verkündigte

„spiritus mendax“= der Geist der Lüge: „Da sprach Gott: Wer wird Achab,den König von Israel,bethören,daß er hinaufziehe und in Ramoth Gallaad falle?“ (2.Chronik, 18,19) Israel, nach Salomons Tod in 2 Staaten zerteilt, plante einen Kriegszug gegen Ramoth Galaad. Der König von Israel befrug- für ihn eine selbstverständliche Amtspflicht, Gott, bevor er in diesen Krieg zog: Wird Gott mit uns sein, ist es Gottes Wille, daß ich diesen Krieg führe. 400 Propheten versammelte er zur Befragung Gottes und die sagten einstimmig: „Ziehe hinauf, denn Gott wird es in die Hand des Königs geben.“ (18,5)Der König von Juda war aber skeptisch und verlangte die Befragung eines Jahwepropheten, des Michääas. Aber auch der sagte, ziehe aus, und alles wird gut!Aber auf die königliche Nachfrage hin widerruft er seine positive Aussage! (8,16).
Welch eine Konfusion! Aber sie wird nun noch gesteigert. Denn nun kommt Gott ins Spiel. Er will den König Achab in die Irre führen, damit er in den Krieg zieht, um dann in ihm zu fallen. „Wer bethört ihn? Da spricht der Geist der Lüge:“Ich will ihn bethören. Und der Herr sprach zu ihm: Womit willst du ihn bethören? Er aber antwortete: Ich will ausgehen und zum Lügengeiste werden (hier übersetzt A.Arndt, Die heilige Schrift des Alten und Neues Testamentes, mit dem Urtexte der Vulgata 1903, nicht gut: et ero spiritus mendax = und ich werde sein der/ein Lügengeist) in dem Munde aller seiner Propheten.(18,20f) Gott billigt diesen Plan: Die 400 Prophten betrogen den König Achab durch ihre Prophzeiung, weil der Lügengeist im Auftrage Gottes ihn verführte, Und der Prophet Michäas, der wird in den Kerker geworfen, weil seine Unheilsankündigung der König Achab nicht hören will.
Das Ende vom Lied: Der König Achab fällt in der Schlacht. Eine fürwahr dunkle Geschichte. Warum wollte Gott den Untergang des Königs Achab? Warum bedient er sich dazu des Lügengeistes, der den König dann durch Propheten in die Irre führt. Warum läßt er dann aber durch einen Propheten doch die Wahrheit sagen, daß, wenn der König in diesen Krieg ziehen wird, es sein Untergang sein wird?Auch der Paralleltext in den Königsbüchern gibt keinen Auskunft, wird da doch erzählt, daß Gott Achab seine Sünde ihm vergeben hatte. (2.Könige,21,29)

Den zeitgenössischen Bibelleser muß dieser Text irritieren, er läßt sich nicht einfach harmonisieren mit der Gottesvorstellung nicht nur der nachkonziliaren Theologie. Auch in die Theologie eines Thomas von Aquin paßt diese Erzählung nicht. Aber sie paßt zu Jesu Christi Gottesverständnis: Und führe uns nicht in Versuchung! Gerade in dieser Bitte des Vaterunsers zeigt uns der Sohn Gottes eine Seite Gottes, die auch gläubige Christen nicht gern wahrhaben wollen, als habe Gott sich nach uns zu richten!
Die Hl. Schrift ist so manchmal auch für uns eine bittere Medizin, die aber gerade so uns nur von unseren hausgemachten Gottesbildern befreit, indem sie uns den lebendigen Gott vor Augen stellt, wie er wirklich ist.

Mittwoch, 11. März 2020

Sturmangriff auf den Katholischen Glauben


Der Katholische Glaube trägt die Schuld an der Reformunfähigkeit der Katholischen Kirche. Zu dieser beeindruckenden „Erkenntnis“ gelangt der Pfarrer Jürgens auf seine Beitrag: „Warum unsere Kirche so reformunfähig ist – und wie sich das ändert“. Kath de 10.3.2020. Aber er weist auch auf einen Ausweg aus dieser Reformunfähigkeit hin, indem er zwischen dem Kinder- und Erwachsenenglauben distinguieren möchte, um so den Katholischen Glauben als kindischen Glauben herabzustufen und dem den erwachsenden Glauben entgegenzusetzen, der dann die Kirche reformfähig macht.
„Kinder- und Erwachsenenglauben lassen sich am ehesten unterscheiden an der Art, wie wir beten. Hier zeigt sich, ob wir magisch oder mystisch sind, ob wir mit unserem Beten Gott verändern oder uns von ihm verändern lassen wollen, ob wir ihn zum Lückenbüßer und Wünscheerfüller machen oder wirklich Gott sein lassen.“
Ergo: Wenn der Sohn Gottes uns beten läßt, vergib uns unsere Schuld, gib uns unser täglich Brot usw., dann ist das leider ein sehr kindlicher Glaube, ja, jede an Gott gewandte Bitte. Magisch beten hieße, darauf vertrauen,daß Gott Gebete erhören kann und will. (Daß damit die Magie mißverstanden wird, ist offenkundig, den die Magie glaubt, daß der Mensch sich Gott oder die sonstigen übernatürlichen Mächte dienstbar machen kann, sie beherrschbar sind, werden die magischen Rituale nur richtig vollzogen, während der religiöse Kult Gott als den Herren anerkennt, der an ihn gerichtete Gebete und Opfer annehmen oder auch verwerfen kann, daß also die Gebetserhörung ein Gnadenakt Gottes isst.) Dem Pfarrer geht es aber um die Diffamierung des Katholischen Glaubens und darum qualifiziert er ihn als magisch ab.Mystisches Beten dagegen verzichte auf den Glauben, daß Gott Gebete erhören könne und setzt stattdessen auf die Selbstveränderungskraft des Beters.
Der kindlich-katholische Glaube glaube an das, was die hl. Schrift ihm offenbart,der erwachsene Glaube nähme die Schrift zwar ernst, aber: „Wer im Glauben gereift ist, wird sich nicht mehr am Buchstaben festhalten, sondern akzeptieren, dass die Bibel subjektive Erfahrungen enthält, die durch die Gemeinschaft der Glaubenden intersubjektiv geworden sind und durch deren Tradition Gewicht bekommen haben.“ Die hl. Schrift bezeugt so nicht die Wahrheit, sondern ist eher ein Dokument subjektiver Erfahrungen, die als solche natürlich für uns keine Verbindlichkeit haben können.
Die schlimmste Entfaltung findet nun der kindlich-katholische Glaube im Klerikalismus. Damit ist gemeint, daß die Kirche hierarchisch aufgebaut ist, und daß Gott sich nicht unmittelbar sondern durch die Hierarchie der Kirche vermittelt. Man denke an das große Wort Cyprians, daß niemand Gott zum Vater haben könne, der die Kirche nicht als seine Mutter habe. Ganz vom Rotten-Korach-Geist erfüllt proklamiert nun dieser Pfarrer die Geschwisterlichkeitskirche ohne eine Hierarchie.
„Das Gewissen als oberste Instanz wurde nur verbal propagiert, nicht jedoch beherzigt, besonders im Bereich der typisch katholischen kollektiven Sexualneurose, deren detailverliebte Normen häufig nur ein Spiegel der Phantasie ihrer Urheber, nicht aber hilfreich sind.“ Der Primat des Gewissens soll dabei die Autorität der Kirche aushebeln, die als oberste Instanz über Gottes Offenbarung und die Lehre der Kirche zu stellen sei. Das müsse vor allem natürlich im Bereich der Sexualität gelten!
Und so sieht dann der erwachsene Glauben aus, der alles kindlich-katholische hinter sich gelassen hat: „Bekehrung heißt im Neuen Testament Metanoia, was eher ein Umdenken, ein Größerdenken bedeutet als eine bloß moralische Kehrtwendung; sie wird häufig als Befreiung erlebt, da man sämtliche kindlichen Gewissheiten und Geborgenheiten hinter sich lässt und gerade dadurch zu einer persönlichen, jetzt entmagisierten Gottesbeziehung findet. Man verzichtet auf die "Tröstungen der Religion" (Simone Weil) und stellt sich stattdessen den Herausforderungen des Lebens.“
Und wer ist Simone Weil? Sie ist die Frau, die in Frankreich das Töten der Kinder im Mutterleibe staatlich legalisierte, den Massenmord an Kindern. Das ist also der mystisch erwachsene Glaube, der die Kirche erst reformfähig macht.Wie furchtbar rückständig sind damit verglichen doch die Lehren des kindlichen Katholischen Katechismus und der kindsköpfige Jesus Christus mit seinem Vaterunser Gebet.

Dienstag, 10. März 2020

Irritierendes: Sind wir ohne die Erkenntnis der Wahrheit unfrei?

„und die Wahrheit wird euch frei machen“, so sagt es Jesus Christus zu den Juden. (Joh 8, 32). Die so Angesprochenen erwiderten spontan, daß sie doch frei seien als Kinder Abrahams: wozu bedürften sie da noch einer Befreiung?Sie hätten aber auch politisch respondieren können,daß sie ein von den Römern unterdrücktes Volk seien und ob so Jesus sie von dieser Fremdherrschaft befreien wolle. Nur, wie sollte die Erkenntnis der Wahrheit sie politisch befreien?
Was für eine Freiheit ist denn hier überhaupt gemeint? Die Willensfreiheit, daß ich zu jeder Ichaussage, ich wollte A, auch die konjunktivische Aussage bilden könnte, daß ich auch nicht A hätte wollen können? Die Handlungsfreiheit, daß ich gestern A tat, A aber auch nicht hätte tuen können? Nur, wie sollten diese beiden zu unterscheidenden Freiheiten etwas mit der Erkenntnis der Wahrheit zu tuen haben? Die Unterscheidung hat zwar etwas zu tuen mit der Erkenntnis, daß ich zwar frei wollen kann, A oder auch Nicht-A zu wollen, aber daß meine Handlungsfreiheit immer eine limitierte ist, denn nicht alles, was ich frei wollen kann, kann ich auch realisieren. Es bedarf auch der Macht, das Gewollte umsetzen zu können.So ist Gott als Allmächtiger frei, weil alles, was er freiwillig will, er könnte es auch nicht wollen, auch realisieren kann, während der Mensch nur das ihm auch Mögliche realisieren kann.Ein Blindgeborener kann wohl sehen wollen, er kann es aber nicht sehen, auch wenn er es will.
Die Willensfreiheit ist so doch dem Menschen in seinem freien Willen gegeben und diese Freiheit ist doch nun eine, die mit der Erkenntnis der Wahrheit nichts zu tuen hat. Ja, das postmoderne Denken erwiderte gar, daß die Erkenntnis der Wahrheit den Menschen unfrei mache. Denn könnte die wahre Religion, die wahre Philosophie erkannt werden, wie könnte sich da noch ein Mensch gegen die wahre Religion, die wahre Philosophie entscheiden; müßte er sich aber ob der Erkenntnis für die wahre Religion oder wahre Philosophie entscheiden, dann wäre das ja geradezu ein Verlust an Freiheit, der Wahlfreiheit nämlich, das oder dies zu wollen.
Sind wir also von Natur aus so frei, (unsere Willensfreiheit), daß wir einer Befreiung zur Freiheit gar nicht bedürfen? Oder sollten wir uns hier von Jesus Christus sagen lassen müssen, daß wir uns als frei wähnende, gar nicht frei sind?
Jesus respondiert: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. (8,34). Aber das konfundiert diese Sache doch noch mehr: Denn wenn ich ein Sklave der Sünde wäre, wäre ich ja gar nicht mehr für mein Sündigen verantwortlich, weil ich es ja als Sklave der Sünde sündigte, aber nur eine Sünde, die ich freiwillig wollte, mir als meine Sünde zugerechnet werden kann. Könnte ich nicht anders als zu sündigen, wie könnte mir dann Gott mein erzwungenes Sündigen als mein Sündigen anrechnen.
Oder sollten wir die Aussage so deuten: Dadurch, daß ich gesündigt habe, wurde ich zum Sklaven meiner Sünde, sodaß ich nun nach dieser Sünde zum Sünder geworden bin, der sklavisch sündigt.
Eines will doch Jesus Christus hier ausschließen, daß der zum Sklaven der Sünde Gewordende die Möglichkeit hätte, jederzeit mit dem Sündigen aufzuhören. Seine Befreiung zur Freiheit bestünde dann in der Befreiung zum Nicht-mehr-sündigen- Müssen! Und diese Freiheit kann nur durch die Erkenntnis der Wahrheit erlangt werden. Also, durch mein Sündigen bestimme ich mich zum Sünder, der so ein Sklave der Sünde ist. Aus dieser Selbstbestimmung als einer Selbstdetermination könne sich dann der Mensch nicht mehr selbst befreien. Als Sünder findet er sich so verstanden immer schon als zum Sündigen Bestimmter vor. Aber diese Determination müßte dann eine freie Selbstbestimmung sein, denn wäre sie einfach nur etwas schicksalhaft über mich Verhängtes, dann wäre diese Determination nicht eine mir als Sünde zurechenbare Schuld.
Es müßte dann eine Tat, die meiner Sünde geben, die mich erst zum Sklaven der Sünde machte, die selbst freiwillig vollzogen wurde, die mich dann aber bestimmt, sodaß ich dieser Selbstdetermination nicht mehr entkommen kann. Das kann keine Tat in meinem Leben in dieser Welt sein,denn eine solche könnte mich nicht so determinieren. Damit streifen wir das Thema der Erbsündenlehre: die eine Tat, die alle zu Sklaven der Sünde machte, die Sünde Adams. Nur, dann muß diese Adamstat auch die jedes Menschen sein, weil ja von jedem gilt,daß er als Sündigender ein Sklave der Sünde ist. Das ist die Wahrheit der Aussage, daß wir alle in Adam gesündigt haben. Denn es steht ja geschrieben:
Deshalb,gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod, und so auf alle Menschen der Tod übergegangen ist, weil alle in ihm gesündigt haben.(Röm 5,12) Das in ihm, das ist das Problem, vor dem uns die Erbsündenlehre stellt. Wie ist es zu denken, daß das Menschsein in dem einen Menschen so präsent war, daß er durch seine freie Tat der Sünde das Menschsein und damit jedes individuierte Menschsein bestimmen konnte zu einem Sklavensein der Sünde. Denken wir uns den ersten Menschen als die Idee des Menschen, als sein Urbild, das Gott zur Selbstbestimmung bestimmte, dann bestimmte die Tat des Urbildes das, was das Menschsein nach dieser Tat ist, das der Sünde unterworfene aber zur Erlösung berufene Menschsein. (Vgl Uwe C. Lay, Der zensierte Gott) 

1.Zusatz: Es gibt gute Gründe, den Schöpfungsbericht 1.Mose als Schaffung der ideellen Welt zu verstehen, aus der heraus sich dann die wirkliche generierte und zwar so, wie sie geworden ist durch die Urtat des ideelen Menschen, dem Urbild des Menschen. 

2.Zusatz: Für das postmoderne Denken gilt, daß nur die Unerkennbarkeit der Wahrheit ein Garant der  Freiheit ist, denn jede erkannte Wahrheit diskriminiert das durch die Wahrheit als das Unwahre Abqualifizierte. Totalitäre Staaten zeichneten sich so gerade durch den Besitz erkannter Wahrheiten aus, in deren Namen sie alles andere dann unterdrückten.Jede Religion dürfe sich so nur nach als eine Suchbewegung nach der Wahrheit verstehen, die aber so gerade nicht im Besitze der Wahrheit sei.

 

Montag, 9. März 2020

Angriff auf das Sakrament der Ehe?


Angriff auf das Sakrament der Ehe?

Ist das Sakrament der Ehe nur dann gültig gespendet, wenn beide, das Ehepaar gläubig sind? Diese und andere gewichtige Fragen zur katholischen Ehelehre erörtert die internationale Theologenkommission, die nun ihre Ehestudie vorgelegt hat:  Theologenkommission legt Ehestudie vor – mit Auswirkungen für die Nichtigkeitsverfahren? Kath info am 4.3.2o2o. Die Zentralaussage lautet: "Damit verwirft die Kommission theologische Positionen, die sie als „extreme Positionen“ bezeichnet, die entweder einen Automatismus des Sakraments vertreten, unabhängig vom Vorhandensein von Glauben bei den Eheleuten, oder den fehlenden Glauben der Brautleute durch den Glauben der Kirche ersetzt sehen, wodurch die Gültigkeit und Wirksamkeit des Ehesakraments garantiert werde."
Diese Aussage ist nun leider mehr als unklar, da der Begriff des Glaubens bzw des Unglaubens unbestimmt bleibt. Bezieht sich der Glaube auf die katholische Lehre vom Ehesakrament oder auf die ganze Lehre der Kirche, ist eine Bejahung des Glaubens von Nöten oder reicht die Nichtablehnung des Lehre der Kirche, entweder des Ehesakramentes oder oder der ganzen Lehre der Kirche aus?
Sollte wirklich die Bejahung der ganzen Lehre der Kirche als notwendige Bedingung der Gültigkeit des Empfanges des Ehesakramentes angesehen werden, dann muß wohl davon ausgegangen werden, daß die überwältigende Mehrheit der kirchlich geschlossenen Ehen ungültig geschlossen ist. Oder sollte doch schon die Bejahung der kirchlichen Lehre des Ehesakramentes ausreichen?
Auch diese Formulierung bringt Klarheit: "Sie gelangt daher zum Schluß, dargelegt im Paragraphen 188, daß es eine Ehe ohne Glauben nicht geben könne, weshalb die Kirche mit gutem Grund die Eheschließung verweigert, wenn die Brautleute einen offenkundigen Glaubensmangel erkennen lassen. " Welcher Nichtglaube verunmöglicht eine gültige Eheschließung? Wenn ein Glaubensmangel in den Vorbereitungsgesprächen zum Empfang dieses Sakramentes nicht offenkundig wird, aber doch vorhanden ist, ist dann die Ehe ungültig geschlossen worden? Pointierter: Gesetz den Fall, der Ehemann in spe glaubt nicht an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben, ist dann die kirchlich geschlossene Ehe ungültig, oder gilt das nur, wenn die katholische Ehelehre abgelehnt wird, wenn etwa der Mann meint, wenn ich will, kann ich mich ja wieder von der Frau scheiden lassen?
Bezöge sich der Mangel an Glauben wirklich auf die ganze Lehre der Kirche,welche heutzutage kirchlich geschlossene wäre noch gültig? Wenn der problematische Glaubensmangel aber wirklich nur auf die Bejahung der Ehelehre kapriziert werden würde, wie viele der Sichverheiratenden gehen wohl selbstverständlich von der Prämisse aus, daß wenn ihre Ehe "scheitere", sie gültig geschieden werden kann und man, wenn auch nicht kirchlich, so doch weltlich problemlos neu sich verheiraten kann? Gibt es dann in unseren Zeiten des verdunstenden Glaubens überhaupt noch objektiv gültig geschlossene Ehen, sodaß im Prinzip fast jede geschlossene als nichtig erklärt werden müßte?