Montag, 1. Februar 2021

Über ideologische Geschichtsschreibung- oder die Sieger schreiben die Geschichtsbücher

Die Geschichtsschreibung ist die Aufgabe der Geschichts-wissenschaft. Das ist erst einmal eine triviale Aussage, auch wenn sie ergänzt wird durch die, daß sie vor allem an staatlichen Universitäten betrieben wird. Aber relevant wird diese Frage nun durch die Anfrage, ob diese Wissenschaft frei ausgeübt werden kann, oder ob staatliche Vorgaben sie reglementieren. Nur die Tatsachen der Geschichte determinieren diese freie Wissenschaft, könnte nun eine spontane Antwort auf diese Anfrage lauten, aber ist denn vor der Forschungsarbeit überhaupt klar, was denn als eine Tatsache im Raume der Geschichte zu gelten habe?

So trank ich gestern Abend 2 Glas Bier; das ist eine Tatsache, aber für die Geschichtswissenschaft so irrelevant, daß es keine Tatsache der Geschichte ist. Was konstituiert so eine Tatsache zu einer für die Geschichte relevanten? Die Geschichtswissenschaft definiert selbst erst, was ein Element ihrer Wissenschaft ist. Ist das Ereignis, Jesus wurde 3 Tage nach seinem Kreuzestod von den Toten auferweckt, ein Element der Geschichte oder ist nur der Glaube, daß er von den Toten auferweckt worden ist, eine Tatsache der Geschichte, weil als Subjekt der Geschichte nur menschliche Handlungen zählen, aber Gott, der Teufel und Engel keinen Subjektstatus für die Geschichte haben. Es kann nur Menschen geben, die im Glauben an solche Entitäten in der Geschichte handeln.

Wenn wir dies als von der Wissenschaft selbst gesetzten Prämissen für ihren eigen Diskurs verstehen, gibt es dann auch externe Vorgaben, die die Weise der Geschichtswissenschaft reglementieren, die selbst so nicht dem wissenschaftlichen Diskurs entspringen? J. Schüßlburner spricht hier von einer „staatsideologischen Geschichtspolitik“. (Scheitert die AfD?, 2020, S.48)Das soll heißen, daß die Politik der Geschichtswissenschaft Vorgaben setzt, die, da sie nicht selbst geschichtswissenschaftlich hervorgebracht worden sind, als ideologisch qualifiziert werden. Diese Vorgaben sind nämlich selbst der Prüfung durch diese Wissenschaft entzogen, denn es kann so nur als geschichtswissenschaftlich erforschte Tatsache gelten, was diesen politischen Vorgaben entspricht. Die Geschichtswissenschaft wird so zur Magd der Politik, die so auch die Staatspolitik zu legitimieren hat.

Gibt es für die Geschichtswissnschaft in Deutschland (hierauf soll sich hier beschränkt werden) solche Vorgaben durch den Staat. Schüßlburners Kernthese lautet nun, daß es solche politischen Vorgaben gibt, und daß diese durch staatliche Gesetze und durch die Überwachungstätigkeit des Verfassungschutzes durchgesetzt werden: Es gibt somit strafbare Meinungen über Ereignisse in der Geschichte. Es gibt darüber hinaus auch der Staatsverfassung zuwidere Gesinnungen, die so politisch zu diskriminieren sind. So könnte man den heutigen Staat als einen ideologisch, weltanschaulich nicht neutralen ansehen, da er eine bestimmte Geschichtsauffassung als für seine Staatsbürger als verbindlich ansieht.

Klüver (War es Hitlers Krieg?, 1984) vertritt diese These: „Mit deutscher Gründlichkeit und Unterwerfungsbereitschaft wird die Kriegspropaganda der Sieger nicht nur geglaubt, sondern ihre These von der deutschen Alleinschuld wird- ohne daß ihre Vertreter sich immer ihres Ursprungs erinnern- von ihnen als eigene Erkenntnis ausgegeben und ist zum festen Bestandteil der eigenen Überzeugung geworden.“ (S.12) Die Geschichtsschreibung der Sieger wird von den Verlieren so verinnerlicht, daß sie auch die ihrige wird.

Sie wird darüber hinaus als Grundlage der bestehenden demokratischen liberalen Ordnung angesehen. Jeder, auch wissenschaftliche Versuche, die Alleinschuld Deutschlands in Frage zu stellen, wird als ein Angriff auf diese Ordnung und als eine Rehabilitierung Hitlers und des Nationalsozialismus angesehen.“ (S.12)

Schon nach dem 1.Weltkrieg mußte Deutschland mit dem Versailler Vertrag Deutschland seine Alleinschuld am 1.Weltkrieg bekennen.Aber nach diesem Diktat der deutschen Alleinschuld erhob sich in Deutschland eine wissenschaftliche Kritik dieser These der Alleinschuld, die ja nicht selbst ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung der Kriegsursachen dieses Weltkrieges war sondern schlicht eine Kriegspropagandaformel war. Nach dem 2. Weltkrieg wurde und wird dagegen gerade auch von der deutschen Geschichtswissenschaft jede Infragestellung dieser Behauptung als revisionistisch perhorresziert und somit als nicht zum geschichtswissenschaftlichen Diskurs gehörig ausgeschlossen. Alle Tatsachen, die diesem Dogma der deutschen Alleinschuld nicht entsprechen, sind somit keine Tatsachen sondern Falschmeinungen.Dies Alleinschuldsdogma ist nun eingebunden in ein größeres Narrativ, das Karl Barth 1945 so zusammenfaßt: „das deutsche Volk von heute, das sich am Ende und Ziel einer langen vorangehenden Entwicklung dem Nationalsozialismus verschrieben oder doch unterworfen hat und dessen Schuld und Schicksal es heute ist, mit diesem System stehen und fallen zu müssen.“ (Zur Genesung des deutschen Volkes, S.9) Es gibt also in dem deutschen Volke eine innere Entwickelung, die ihre Vollendung im 3.Reich fand, auf das hin die ganze deutsche Geschichte ausgerichtet war. Dieser Schuldgeschichte muß nun der neue deutsche Staat nach 1945 Rechnung tragen, er soll einer sein, der Sorge dafür zu tragen hat, daß dieser deutsche Charakter, der diese Entwickelung hervorrief, nicht zum Tragen kommt. Dazu dient auch und insbesondere die deutsche Schuldkultur, daß eigentlich alles Böse von Deutschland ausging.



 

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