Samstag, 17. April 2021

Die heutigen Anforderungen an die Kirche und der Wille zu ihrer Destruktion

(über den Glauben an den Fortschritt, an die Notwendigkeit, auf der Höhe der Zeit zu sein und die Lust am Destruieren des Alten)

Den vielen Herausforderungen unserer Zeit dürfen wir bei all unseren Bemühungen um Evangelisierung nicht mit Vereinfachung,Kulturpessimismus oder gar Antimodernismus begegnen, bis dahin,dass die Diskussion um innerkirchliche Reformen wie den Synodalen Weg als >Anbiedeung an den Zeitgeist< gedeutet wird.“ So wird in „Der Fels“ April 2021, S.124 das „Konradsblatt 6/2021,S.51 zitiert.

Dieses Zitat hat es in sich! Die Herausforderungen unserer Zeit-nicht fordert uns Gott, Jesus Christus, das Evangelium...heraus, sondern unsere Zeit. Nebenbei: Das Zentralorgan der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) heißt: „Unsere Zeit“. Nur, seit wann stellt denn die Zeit Anforderungen? Wenn dann gar von unserer Zeit die Rede ist, das uns besitzanzeichnend gemeint ist, wieso fordert uns das von uns Besessene heraus?

Nun taucht hier die Diffamierungsformel der Vereinfachung auf. Kenner wissen, daß Verschwörungstheorien, Fundamentalismen und Rechte sich durch die Vereinfachung der komplexen Wirklichkeit auszeichnen, wohingegen politisch Korrekte die einzigen sind, die dieser Komplexität gerecht werden. Wenn da so ein Ultrafundamentalist von sich behauptet, er sei die Wahrheit, das Leben und der Weg, dann ist vor solchen Versimplifizierungen zu warnen, denn so wird man der komplexen Wirklichkeit niemals gerecht. Überhaupt ist die Behauptung, im Besitz der Wahrheit zu sein, sie gar selbst zu sein, eine unzumutbare Zumutung, sind wir Menschen doch immer nur Suchende aber nie die Wahrheit Findende. Christen sind Gottsucher, das verbindet uns mit allen Anhängern aller Religionen.

Der Kulturpessimismus ist nun etwas ganz und gar Verwerfliches, ermöglichte er doch, so ein beliebtes Narrativ der Gegenwart, den Erfolg des Nationalsozialismus mit seinen alles versimplifizierenden demagogischen Antworten. Einer der ärgsten Kulturpessimisten war natürlich der Apostel Paulus mit seiner Sündenlehre des Römerbriefes, daß alle Menschen vor Gott Sünder seien und der aller fürchterlichsten Lehre von der Erbsünde, die dann der unheilige Augustin auf das Groteskete explizierte zu einem Horrordogma. Wir dagegen wissen ja seit Rousseau,dem Antiaugustiner, daß der Mensch gut ist und daß nur widrige soziale Umstände ihn depravieren können.Deshalb ist die Sozialarbeit die wichtigste Aufgabe der Kirche. In der heutigen Sprache der Kirche bezeichnet so der Begriff der Evangelisierung dieses soziale Engagement der Kirche, die so Abschied genommen hat von jeder kulturimperialistischen Prosylitenmacherei (früher auch Bekehrung genannt) dank dem 2.Vaticanum.

Der Antimodernismus war nun eine der schlimmsten Fehlentwickelungen der Kirche in der Moderne, vergleichbar den Hexenverbrennungen und den Kreuzzügen. Seinen Ausgangspunkt hat dieser Antimodenismus in der johanneischen Theologie mit der Verdammung der Welt: Liebt nicht die Welt, und was in der Welt ist!Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht.(1.Johannesbrief, 2,15. Aber auch das hat die Kirche seit dem 2.Vaticanum überwunden in ihrem großen Jasagen zur Welt, wie sie ist.

Der Begriff der Reform bedeutet innerkirchlich, daß die aus der Form geratene Kirche wieder in ihre Ursprungsform zurückversetzt werden soll. Die Normativität des Ursprunges verurteilt dabei jede Wegentwickelung von dem Ursprung als Abfallbewegung mit der Forderung; Zurück zum Anfang. Geschichtsphilosophisch beurteilt sind also solche Reformer Reaktionäre, weil sie etwas Untergegangenes revitalisieren wollen. Wahre Reformer dagegen sehen die Menschheitsgeschichte als einen Entwickelungsprozeß aus dunklen Zeiten, den Ursprüngen zu immer lichteren. Jeder Mensch, jede Organisation steht so immer vor der Aufgabe, im Strom dieser progressiven Entwickelung mitzuschwimmen, der objektiven Höherentwickelung Rechnung zu tragen, und das Heutige als das Gestrige von Morgen anzusehen, um so auf der Höhe der Zeit zu stehen. Das von der Bibel Gelehrte und auch Jesus selbst sind eben auch nur Kinder ihrer Zeit, Geschöpfe ihrer Zeit. Die heutigen Wissenschaften wissen eben viel mehr und viel genauer als sie, sodaß die Bibel nicht mehr einfach unsere Lehrmeisterin sein kann, wenn sie nicht zeitgemäß ausgedeutet (umgedeutet)wird. So findet die Exegese auf der Höhe unserer Zeit, daß die Homosexualität etwas Gutes ist, daß alle Religionen gleich wahr sind, daß es keinen Teufel und keine Daimonen gibt, daß Wunder abergläubische Erfindungen sind, daß Jesus schon ein Fan der Basisdemokratie war und alles Hierarische verabscheute, niemals eine Kirche gründen wollte, keinen Petrus als Leiter einsetzte usw...Sollte er das aber doch so reaktionär gewesen sein wie es die jetzigen Reaktionäre,(die wahren Reformer) meinen, dann können und dürfen wir ihm natürlich nicht mehr folgen.

Mit dem Fortschritt voran gehen in eine immer lichter werdende Zukunft, ist natürlich keine Anbiederung sondern ein Akt des Gehorsames dem Fortschritt gegenüber. Dieser gewaltigen Kraft des Progresses vertrauend, alles Alte und Veraltete hinter sich lassend, eine ganz neue Kirche kreieren, das ist jetzt der kirchliche Beitrag zum Fortschritt der Menschheit. Nur zu dumm, daß außerhalb der Kirche fast niemand mehr an diese große Erzählung vom Fortschritt (vgl Lyotard) glaubt.Aber unsere progressiven Reformchristen, (faktisch aber Antiquitätenhändler der Aufklärungsepoche) hinken der Zeit eben meilenweit hinter her, was sie aber nicht daran hindert, sich ganz progressiv zu fühlen.

 

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