Der Mythos vom „wilden Westen“, von Männern, die nur ein Pferd und ihren Revolver ihren Freund nennen und die Realgeschichte
Mythologische Erzählungen bestimmen mehr die Kulturen als das (marxistische) Basis- Überbau- Modell,daß letztendlich alles eine Frage der Ökonomie sei. Der „Wilde Westen“, daß ist der Glaube, daß jeder Mann es in seiner eigenen Macht hat, was er aus seinem Leben macht. Er muß dafür mobil sein, ein Reitpferd sein eigen nennen und einen Revolver besitzen, um seine Interessen durchsetzen zu können. Die Institution des Staates ist ihm primär etwas Freiheitsgefährdendes, der „Wilde Westen“ der Ort,wo Männer, allein auf sich gestellt, ihr Leben führten ohne eine Bureaukratie, ohne Vorschriften und Reglementierungen.
Es ist bezeichnend für ihn, daß er unter dem „Friedensstifter“ der Bergpredigt den Peacemaker einen Revolver meint, denn damit schafft man Frieden.Die Feinde der Freiheit sind (sozialistisch- kommunistische) Kollektivisten, der wahre Mann ist einer, der alles allein aus sich heraus vollbringt. Da gibt es die böse Verschwörung von Plutokraten,Verbrecherorganisationen und korrupten Politikern, (manifestiert in dem Western schlechthin: „Spiel mir das Lied vom Tod“) und den einen Rächer,der dann im Alleingang alle besiegt. Donald Trump inszeniert sich so auf das Überzeugendste.
Der Amerikaner glaubt an den Erfolg der Guten, die Erfolg haben, das sind ihm die Guten. Die Quelle dieses Glaubens ist eine spezifisch amerikanisch umgeformte reformierte Erwählungslehre: Die von Gott zum Heil Erwählten erkennt man an ihrem innerweltlichen Erfolg, den Gott gibt den Seinen Erfolg.Das heißt: Nicht weil wer Erfolg hat, ist er ein Erwählter sondern weil er ein Erwählter ist, ist er erfolgreich. Deswegen ist eben auch Amerika Gottes Land, weil es das mächtigste und erfolgreichste ist. Im Cowboyduell gewinnt so auch immer der Gute, denn so erweist gerade da Gott seine Macht.
Die Idee des Sozialstaates, ein genuin lutherisches Konzept findet so in Amerika nie viel Freunde, man glaubt an die Erwähltheit der Erfolgreichen: Gott ist mit den Gewinnern. (Wo Mythen geglaubt werden, werden auch aufklärerisch Antimythen erzählt: „Eine schrecklich nette Familie“ führt uns ja das Schicksal des ewigen Verlierers vor Augen!)
Der Staat, das Recht, auch das Völkerrecht, das sind alles nur Papiere, die die Freiheit unzulässig beeinträchtigen, der Sozialstaat eine Erfindung des Sozialneides. Die Politik ist so nur das Betätiungsfeld von Cowboys, die der Welt zeigen, wo der „Hammer hängt“,um es vulgär auszudrücken wohingegen der Chinese der geborene Diplomat ist,den ein besonderer Sinn für das Harmonische zu eigen ist, eine Frucht des Konfuzianismus.Es existiert so ein großer Unterschied zwischen der amerikanischen und der asiatischen Kultur, gilt in der einen das Ideal der Einordnung, des Primates des Allgemeinen vor dem Einzelnen, so stellt dazu die amerikanische Kultur die Antithese.
So eine Cowboyaktion, in ein anderes Land eine Truppe von Soldaten zu schicken, die dann einfach deren Regierungschef zu entführen, um ihn dann von einem Gericht verurteilen zu lassen, das ist echt amerikanisch. Der Erfolg dieser Militäraktion beweist hinreichend, daß sie berechtigt ist, denn genaugenommen ist die Geschichte das Schlachtfeld Gottes, der da den Seinen die Siege gibt, wie es im Alten Testament vom jüdischen Volke in dessen Kriegen heißt: Gott gab Israels Feinde in ihre Hand, damit sie vernichtet werden.Vgl etwa Apg 13,19: „Sieben Völker hat Gott im Lande Kanaan vernichtet“.
Eines muß uns Deutschen aber klar sein,daß die amerikanische Kultur nicht zu der unserigen paßt, daß wir simpel gesagt seit 1945 im falschen Boot sitzen, erst nur Westdeutschland und nun soll auch Ostdeutschland veramerikanisiert werden. Ob es noch für uns eine Chance gibt, wieder wir selbst zu werden?
In der Realgeschichte werden die Mythen der Völker praktisch, bleiben nicht einfach Elemente des Überbaues. Aber was ist unser Mythos, unsere Volkserzählung? Ist es die des Doktor Faust? (Goethe und Thomas Mann)
Joseph Kardinal Ratzinger skizziert in seinem Buch: "Werte in Zeiten des Umbruchs" 2005, S.12 den "chinesischen Universismus", der als eine völlig andere Kulturtradition hier vorgestellt wird: "Die Ordnung des Himmels,die ewig gleichbleibende, gibt auch dem Handeln auf Erden seine Maße vor. Es ist das Tao,das Geetz des Seins und der Wirklichkeit,das die Menschen erkennen und im Handeln aufnehmen müssen,Das Tao ist ebenso kosmisches wie sittliches Gesetz.Es verbürgt die Harmonie von Himmel und Erde und so auch die Harmonie des politischen und geellschaftlichen Lebens.Unordnung, Störung des Friedens, Chaos entsteht, wo der Mensch sich gegen das Tao wendet,an ihm vorbei oder gegen es lebt. Dann muss gegen solche Strömungen und Zerstörungen des gemeinschaftlichen Lebens wieder das Tao aufgerichtet und so die Welt wieder lebbar gemacht werden. Alles kommt darauf an, die beständige Ordnung gegenwärtig zu halten oder wieder zu ihr zurückzukehren,wo sie verlassen war."
Aus der christlichen Sicht könnte diese Taoidee übernommen werden, wenn nicht eingeräumt werden müßte, daß durch die Sünde des Menschen, seine Insubordination gegen das Tao diese nicht mehr selbst vom Menschen wiederhergestellt werden kann. Das Tao ist selbstredend auch eine mythologische Konzeption, deswegen aber nicht weniger vernünftig als die westlich- demokratische.
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