Freitag, 16. Januar 2026

Ist der Vorstellungskomplex der Menschenrechte und der Menschenwürde die „säkularisierte christliche Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen“?

 

Ist der Vorstellungskomplex der Menschenrechte und der Menschenwürde die „säkularisierte christliche Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen“?



Der Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio „identifizierte als materiellen Kern der Idee und den Sinn des Begriffs >Würde des Menschen< die säkularisuerte Vorstellung von der Gottebebbildlichkeit jedes Menschen.“1 Die Versäkularisierung des Begriffes der Menschenwürde hätte ihren Anfang schon in der Schrift: „Über die Würde des Menschen“ des Philosophen Pico della Mirandola angefangen. Hier würde schon die Würde des Menschen von ihrer biblisch-theologischen Begründung abgetrennt und somit säkularisiert.

Hierzu ist nun eine grundsätzliche Kritik zu formulieren. Sie möge durch ein simples Beispiel veranschaulicht werden: Der Satz: „Es regnet jetzt“, ist so trivial, daß er keiner Erörterung zu benötigen scheint, da die Aussage eben eindeutig ist. Aber der Sinn dieser Aussage, ist, wenn er die Antwort ist auf die Frage: „Wie ist denn bei euch das Wetter?“ ein anderer, als wenn ich auf den Vorschlag: „Laß uns spazieren gehen!“ antworte: „Es regnet jetzt!“, denn dann ist das ein Einwand gegen diesen Vorschlag. So hat auch der Begriff der „Menschenwürde“ in der Schrift des Pico della Mirandula eine andere Bedeutung als wenn er in dem Kontext der Französischen Revolution mit ihrer Deklaration der Menschenrechte eingeschrieben ist. Das eine Mal wird er abgeleitet aus dem Glauben, daß Gott den Menschen zu einem zur Selbstbestimmung Befähigten bestimmt hat, das andere mal soll die Menschenwürde, bzw die Menschenrechte das erste Prinzip, der erste Grundsatz sein, von dem heraus alles andere abgeleitet wird, dieser Grundsatz aber nicht noch einmal selbst durch einen ihm übergeordneten Satz deduziert wird.

Die Französische Revolution ist der Versuch, die ganze Welt neu aufzubauen auf dem Fundament der Vernunft. Die Proklamation der Menschenrechte und der Menschenwürde fungiert dabei als die weltanschauliche Antithese zum Aufbau der Welt auf dem Fundament der christlichen Religion, das seinen authentischen Ausdruck in der konstantinischen Epoche, dem Thron- und Altarbündnis fand. Die Franzöische Revolution wollte nun nicht nur dieses Bündnis zerstören sondern auch ihr Fundament, die christliche Religion, die sie verprivatisierte und stattdessen die öffentliche Religion der Verehrung der Vernunft einsetzte, wie es der Revolutionsführer Robespierre forderte.

Das Wesentliche der christlichen Religion ist die große Erzählung von der Erlösung des Menschen durch Gott aus seiner selbstverschuldeten Sündigkeit. In diese Großerzählung wird dann der Begriff der Menschenwürde, der seiner Gottebenbildlichkeit eingeschrieben als die durch seine Sünde verlorene und durch Gott wieder herzustellende Würde.

Dagegen ist für den Humanitarismus der Französischen Revolution der Vorstellungskomplex der Menschenwürde und der Menschenrechte das erste Prinzip, von dem her die bisherige Weltordnung destruiert und die neue vernünfige konstruiert werden soll. In dieser Konstruktion nimmt tatsächlich die Idee des Menschen die Stelle Gottes ein, wie es Klaus Kunze in seiner Schrift überzeugend belegt,

Aber die Bedeutung der Menschenrechtsideologie mit ihrem Diskurs über die Würde des Menschen hat sich nun weiter verändert: Sie war revolutionär gegen das Thron- und Altar Bündnis ausgerichtet, aber sie dient nun affirmativ der Legitimierung der „Westlichen Welt“, die sich als die Verwirklichung dieser Ideologie versteht- allerdings mit dem Zugeständnis, daß noch nicht in allen Bereichen die gesellschaftliche Wirklichkeit dem gemäß gestaltet sei, sodaß es immer noch Diskrimierte gäbe, aus der feministischen Sicht: die Frau und aus der Sicht der LGBTQ- Lobby diese Minderheit. Aus einer revolutionären Ideologie wurde so eine Legitimationsideologie! Sie dient dabei auch der Feindbestimmung, außenpolitisch sind die Feindstaaten alle, die nicht demokrarisch regiert werden und innenpolitisch gelten als alle, denen man vorwirft, nichtmenschenrechtskompatible politische Posutionen zu vertreten, isb jetzt, als wenn es ein Menschenrecht gäbe, in jedem Land seines Beliebens einwandern und dort leben zu dürfen.

Die Katholische Kirche hat nun bis zum 2,Vaticanum diese Menschenrechtsideologie als antikatholische bekämpft, das war ihr Kampf gegen den Modernismus. In der nachkonziliaren Zeit erst integrierte sie diesen Fremdkörper durch die Konstruktion, daß Gott als der Schöpfer des Menschen der Grund der Menschenwürde und der Menschenrechte sei. Damit will sie den Humanitarismus in sich integrieren und als ihre eigentliche Praxis ausgeben. Ihre große Erlöungserzählung paßt dazu aber nicht und wird so substituiert durch Jesus, der uns die Würde jedes Menschen offenbarte, die in dem Schöpfersein Gottes begründet sei. Der Mensch bedürfe so keiner Erlösung mehr, sondern es gälte nun nur, die Welt human zu gestalten. Die Kirche wird so primär eine sozialcharitative NGO.

1Zitiert nach: Klaus Kunze, Wie der Mensch sein eigener Gott wurde, Hunanitarismus. Die religion der Gottlosen, 2022. S.13.

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