Die Handkommunion – eine sakrilegische Praxis ?
Daß seit dem 2.Vaticanum die Handkommunion als die angemessene Praxis der modernisierten Liturgie angesehen wird und die Mundkommunion als vorkonziliar verurteilt wird, ist bekannt. Konfessionskundlich stellt sich die Lage so dar: Nach der evangelisch- reformierten Abendmahlslehre empfängt der Gläubige nur Brot und Wein mit dem Mund, und nur im Herzen Jesus Christus.Die Formel lautet so: Mit Brot und Wein empfängt der Gläubige Jesus Christus,der Ungläubige nichts außer Brot und Wein. Hier kann also nur die Handkommunion praktiziert werden.
Nach der evangelisch- lutherischen Lehre wird der Leib Christi und sein Blut in,unter und zwischen Brot und Wein empfangen, sodaß hier auch eine Mundkommunion möglich ist, aber wohl nur in sehr conservativen Kreisen praktiziert wird.1
Nun evoziert der Vorrang der Handkommunion in der nachkonziliaren Kirche den Verdacht, daß um der Ökumene willen die Mundkommunion zurückgedrängt wird. Stellt sich die Lage also so dar, daß nur die Mundkommunion zum katholischen Verständnis der Eucharistie paßt, daß aber trotzdem die Handkommunion jetzt propagiert wird um der Ökumene willen? Daß es zur ökomenischen Praxis gehört, daß wir Katholiken auf spezifisch Katholisches verzichten,um den Protestanten nicht zu verärgern, ist ja bekannt, wobei sich aber der Verdacht aufdrängt, daß mancher ökömenisch Engagierte froh ist, so das eigentümlich Katholische loszuwerden.
Die Eucharistie ist die Vergegenwärtigung des Kreuzaltaropfers Jesu Christi. Es ist so erstmal ein kultisches Opfer, das Gott dargebracht wird. Das Besondere ist nun, daß der Sohn Gottes sich hier selbst Gott zum Opfer darbringt und dargebracht wird von einem Priester, der dazu eigens durch seine Weihe befähigt wird.Nun sagt Jesus Christus selbst über seinen Kreuzesstod: „Denn er lehrte seine Jünger und sprach: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten“. Mk 9,31.Spontan drängt sich da doch diese Analogie auf: So wie der Sohn Gottes sich hier in die Hände der Menschen begab, damit sie ihn dann kreuzigten, so gibt sich nun auch in der Eucharistie der Sohn Gottes in unsere Hände. So sehr erniedrigt sich Gottes Sohn,daß er unseren Menschenhänden sich ausliefert, um uns damit zu erhöhen.So heißt es ja ausdrücklich im Philipperhymnus, daß der Sohn Gottes sich selbst erniedrigte und gehorsam war bis zu seinem Kreuzestod. (Phil 2,5-10).
Wird die Eucharistie von dem Kreuzestod Jesu Christi her verstanden, dann entspräche seiner dortigen Selbsterniedrigung die Handkommunion: Er erniedrigt sich, indem er sich selbst in unsere Hände begibt. Der Mundkommunion entspräche dann der österlich auferstandende und im Himmel zur Rechten Gottes thronende Jesus Christus,der erhöhte. Der Erhöhte soll nicht noch einmal dadurch, daß wir ihn in unsere Hände nehmen, erniedrigt werden, denn er hat sich selbst nur einmal am Karfreitag erniedrigt. Man könnte nun für die Handkommunion einwenden, daß Christi Selbsterniedrigung zum Kreuzestod im Zentrum der Eucharistie steht und nicht seine Himmelfahrt, also seine Erhöhung!
Es ist zu befürchten, daß tatsächlich die Leidenschaft zur Selbstver-protestantisierung zur Praxis der Handkommunion führte und führt, aber es gibt doch gute theologische Argumente für diese Praxis: So sehr erniedrigt sich der Sohn Gottes, er gibt sich selbst in unsere Hand, damit wir erhöht werden.
1Ich habe es selbst mal erlebt, daß in einem lutherischen Gottesdienst die Eucharistie wahlweise sehend oder kniend mit einer kleinen Kniebank, mit der Hand oder mit dem Mund empfangen werden konnte. Das ist aber eine äußerst seltene Ausnahmepraxis.
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