Freitag, 9. Januar 2026

Kardinal Müller diagnostiziert die Ursache der jetzigen Kirchenkrise -völlig aus dem Rahmen fallend und daneben liegend

 

Kardinal Müller diagnostiziert die Ursache der jetzigen Kirchenkrise -völlig aus dem Rahmen fallend und daneben liegend



So liest sich das in dem Kath net Artikel vom 6.Jänner 2026, betitelt mit:Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“:Die größte Gefahr für die Neuevangelisierung im Westen, gerade auch in Deutschland, sehe ich in der Wiederkehr der Lehre von der doppelten Wahrheit. Sie ist gnostischen Ursprungs.“ Von Gerhard Card. Müller“.

Der Terminus der „doppelten Wahrheit“ ist nun eine Vorankündigung des liberalistischen Pluralismus, daß es nicht eine von uns Menschen erkennbare Wahrheit gäbe, sondern daß die Vernunft Erkenntnisse hervorbringen kann, die den Gehalten der Offenbarung Gottes widersprechen und doch als wahr rechtens gelten. Es existierten also Vernunftwahrheiten und Offenbarungswahrheiten, die nicht untereinander kompatibel seien und doch beide als wahr zu gelten haben. Daß das eine der Theologie unzumutbare Konstruktion ist, ist offenkundig, da die Offenbarungswahrheiten nicht den Vernunftwahrheiten widersprechen können, da die Offenbarung die Vernunft vollendet und nicht ein Meer an irrationalen, der Vernunft widerstreitenden Aussagen enthält. 1

Aber nun stellt uns diese Kardinalsanalyse, daß die „Lehre von der doppelten Wahrheitgnostischen Ursprunges sei, vor ein gravierendes Problem. Es ist davon auszugehen, daß der Mehrheit der Kat net Leserschaft, die in ihren zugesandten Kommentaren viel Lob für diese Analyse spendete, nicht weiß, was denn unter der Gnosis zu verstehen sei, denn sonst hätten sie diese These als ein wahrer Kardinalsfehler ad hoc erkannt.

So umstritten Rudolf Bultmanns Konzept der Entmythologisierung des Christentumes auch ist, es ist schlicht ein verhängnisvoller Irrtum, so brilliant ist Bultmann als Exeget, dem das Verdienst zukommt, das Verhältnis der christlichen Religion zur Gnosis rekonstruiert zu haben, um damit ein besseres Verstehen der Texte des Neuen Testamentes zu ermöglichen. Dabei gelingt es ihm, den Kerngednken der Gnosis, den gnostischen Erlösermythos auf den Punkt zu bringen. Bultmann erteile ich somit das Wort:

Die gnostische Bewegung bedeutete die ernsthafteteste und gefährlichste Konkurrenz für die christliche Mission, und zwar infolge der tiefgehenden Verwandschaft. Das Wesen der Gnosis besteht ja nicht in ihrer synlretistischen Mythologie,vielmehr in einem, der antiken Welt gegenüber, neuen Selbst- und Weltverhältnis,dessen Ausdruck nur die Mythologie ist. War für den antiken Menschen die Welt die Heimat,gewesen – für das AT die Welt als Schöpfung Gottes2,für die griechische Antike der von der Gottheit durchwaltete Kosmos – so ist in der Gnosis wie im Christentum zum erstenmal die grundsätzliche Verschiedenheit des menschlichen Seine von allem welthaften Sein zum Bewußtsein gekommen und deshalb die Welt dem menschlichen Ich zur Fremde geworden“.Aus dieser Fremde kann der Mensch nun nur erlöst werden, durch einen aus der Ursprungsheimat des Menschen herabsteigenden Erlösers, der den Zuerlösenden die Erkenntnis ihrer wahren Heimat vermittelt (Gnosis= Erkenntnis), um sie so aus der Exilierung zu befreien. Mythologisch wird dabei der Fall der menschlichen Seele in die Welt der Materie erzählt, um darauf aufbauend aufzuzeigen, wie die Seele zurückfinden kann in ihre Heimat. In der gnostischen Kosmologie gibt es so nur die eine wahre Welt und die unwahre,in die wir eingefangen sind und aus der es nun gilt, befreit zu werden. Die Gnosis kennt so keine Selbsterlösung sondern hofft auf einen aus der Wahrheit herabsteigenden Erlöser.

Unmöglich ist aus dem Kerngedanken der Gnosis eine zweifache Wahrheit irgendwie abzuleiten oder sie gar darin zu beheimaten!

Was versteht denn nun Kardinal Müller unter der zweifachen Wahrheit, wie sie jetzt in Deutschland und wohl nicht nur da verstanden und praktiziert wird? Es soll die Differenz zwischen den dogmatischen Wahrheiten und dem, was man aus pastoraltheologischen Gründen, meint lehren und nicht mehr lehren dürfe, benennen. Früher hieß das: „Das mag zwar in der Theorie richtig sein, aber taugt nichts für die Praxis“ und meint jetzt, daß es Wahrheiten gäbe, dogmatische, die man den Kunden der Kirche nicht mehr zumuten dürfe. Die Pastoraltheologie versteht sich heute als die Marketingabteilung der Kirche, indem sie frägt: Wie müsse die Kirche ihre Produkte gestalten, damit sei bei den potentiellen Konumenten ankommen? Zwei Wahrheiten gäbe es dann, wenn die dogmatischen Wahrheiten weiterhin als wahr anerkannt würden, aber man empfiehlt, sie nicht weiter zu lehren und zu verkündigen. Eine praktizierte Homosexialität würde dann zwar als sündig weiterhin qualifiziert werden gemäß der Lehre der Kirche, nur sagte man das Homosexuellen nicht, weil die das nicht hören möchten. Wahrheiten, die viele Konsumenten nicht (mehr) hören wollen, sollen so fernerhin als wahr gelten, aber nicht gesagt werden, so wie auch nur ein Grobian zu einer 50 jährigen Frau sagt: So sehen sie auch aus!

Kardinal Müller will damit sagen, daß die Kirche so sich selbst verböte, das zu lehren und zu verkündigen, was sie selbst als wahr zwar glaubt, aber sich nicht traut, den Menschen zu sagen. Die so zensierte Praxis wäre die zweite Wahrheit, das was man der Kundschaft gegenüber sich nur getraut zu sagen.Aber auch das ist eine kardinale Fehlanalyse: Denn das linksliberale Reformlager verlangt ja die faktische Ungültigkeitserklärung aller Lehren, die dem „modernen Menschen“ nicht zumutbar seien. Denn es gilt: „Wahr ist, was gefällt, unwahr ist das Mißfall Verursachende!“ Die dogmatischen Wahrheiten sollen nicht weiterhin als wahre gelten und wenn man sie nicht einfach als unwahr erkären und reprobieren kann, dann archiviert man sie einfach und lehrt ganz anderes als die „Weiterentwickekung“ der eingemotteten Lehren. Nicht wird eine zweifache Wahrheit anerkannt, wobei dann eine davon als zwar theoretisch wahr aber unpraktisch beibehalten wird und in der Praxis dann das Gegenteil von der Theorie die Norm ist, sondern es soll nur noch das Wohlgefällige, bei keinem Anstoß Errengende als wahr gelten. Allerdings findet diese Konsumentenausrichtung ihre Grenzen, wenn es gilt, alles politisch Unkorrekte aus der Kirche auszugrenzen. Sonst gilt aber:Es gibt nur eine Wahrheit, was der König Kunde begehrt!



1Die Redultion auf eine Whrheit, perronalitisch: Jesus sei die Wahrheit, formuliert, führt zur Entinhaltlichung der Offenbarung, sodaß dann jeder beliebige Inhalt mit der Person Jesu verbunden werden kann unter völliger Mißachtung all seiner Lehren,

2Hier verkennt der NT-Exeget die Bedeutung des Sündenfalles und der Deutung der mennschlichen Existenz auf der Erde als seine Exilierung. War das babylonische Exil eines, daß durch die Rückkehr nach Jerusalem aufhebbar ist, so radikalisuert die Sündenfallgeschichte diesen Exilierungsgedanken, daß der Mensch, aus dem Paradiese verstoßen, auf der Erde ein Exilleben führt, fern seiner Heimat. Vgl dzu das „Salve Regina“.

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