Über einen nicht erörterten Zusammenhang zwischen dem Freitod und der Vorstellung vom Tod(sein)
Die These dazu:Der Entscheidung zum Freitod liegt ein expliziertes oder impliziertes Verständnis von dem, was es heißt, tot zu sein zugrunde,das eine gravierende Bedeutung für diese Entscheidung hat.
Der Begriff des Freitodes wird hier bewußt verwendet, da die Materie der Moraltheologie freiwillig gewollte und auch vollzogene Taten und Unterlassungen sind, wobei dann es der Einzelfallprüfung vorbehalten ist, zu prüfen, ob Gründe vorliegen, die die Verantwortlichkeit für die Tat einschränken oder gar aufheben können.
Ein Tableau:
Es gibt kein Leben nach dem Sterben, das heißt: Das Todsein ist ein Nichtzustand, sodaß er weder als etwas Gutes noch etwas Negatives erlebt werden kann.
Es gibt ein Leben nach dem Sterben, daß heißt: Das Todsein wird als etwas Positives oder Negatives erlebt.
Wenn es ein Leben nach dem Sterben gibt, dann kann entweder der gewählte Freitod auf das Wie des Lebens nach dem Tode einen Einfluß haben oder nicht, wobei es hier auf die Meinung dazu ankommt.
Wer sich das Leben nehmen will, erhofft sich, daß das Todsein, wie immer er sich es vorstellen mag, ein besserer Zustand für ihn bedeuten wird als ein Weiterleben.
Wenn es kein Weiterleben nach dem Sterben gibt, dann wird das Todsein als „Zustand“ gedacht, in dem weder Glück noch Leid erfahren werden kann. Für den, der für sein Leben nur noch oder fast nur noch Leid erlebt und der nicht mehr an eine Verbesserung glaubt, ist das Todsein so ein verbesserter „Zustand“,vergleichbar mit einem Geschäft, das zugesperrt wird, weil der Inhaber keine Gewinne mehr sondern immer nur noch mehr Schulden zu machen erwartet. Das Todsein erscheint als eine „schwarze Null“ zwischen der Option, nur noch „rote Zahlen“ zu schreiben und der,, schwarze Zahlen“, Gewinne zu schreiben.
Wenn es ein Leben nach dem Sterben gibt, wenn das geglaubt wird, aber gemeint wird, daß die Wahl des Freitodes auf die Qualität des Danachlebens keine Auswirkung hat, kann der Freitod gewählt werden, wenn geglaubt wird, daß das Todsein ein für den Menschen ein guter Zustand ist, etwa er in einem Paradiese leben wird.Wird dagegen der Zustand als ein Weiterleben wie in einer „Unterwelt“, als Hades geglaubt,dann wird eher ein Weiterleben der Selbsttötung gegenüber bevorzugt, da dies Weiterexistieren nach dem Sterben als negativer als das jetzige Leben erwartet wird.
Wird aber davon ausgegangen, daß der Freitod eine Auswirkung auf die Qualität des Danachlebens hat, dann in der Weise, daß dann das Danachleben durch diese Tat eine negative wird, christlich, das Fegefeuer oder die Hölle erhält, dann wird ein Freitod nicht vollzogen, da ja durch ihn eine deutliche Verschlechterung für den Täter eintreten würde, ewig in der Hölle zu sein.
Zu vermuten ist, daß der Freitod gewählt wird, wenn entweder geglaubt wird, daß es kein Danachleben mehr geben wird und ein Negativleben dann besser ist als ein Nullleben oder daß geglaubt wird, daß der Freitod keine Auswirkung auf die Qualität des Danachlebens haben wird und dies Danachleben als ein besseres dem jetzigen gegenüber bevorzugt wird.
Damit wird bestritten, daß die Option des Freitodes an sich immer eine irrationale,unüberlegte sei, denn erst der Vorstellungskomplex, wie er hier in diesem Tableau expliziert wird, macht die Qualität dieser Entscheidung aus,ob sie in dem jeweiligen Kontext sinnvoll oder irrational ist. Wer etwa glaubt, daß jeder Freitod eine schwere Sünde ist, sodaß er mit der ewigen Verdammnis rechnen muß,beginge er einen Freitod,handelte völlig irrational. Wer dagegen sein Leben beendet wie man ein Geschäft schließt, das nur noch rote Zahlen schreibt,handelt nicht irrational,wenn er den Tod sich vorstellt als eine schlichte Negation des Lebens.Das Aber wer an Gott glaubt, kann sich inmer noch für die Option des Freitodes entscheiden, wenn er meint, daß Gott ob seiner bedingungslosen Liebe zu ihm, diese Tat nicht als eine Sünde anrechnen wird,sodaß er auch dann noch in das ewige Leben eingehen wird.
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