Ist die christliche Religion privatistisch oder doch auch politisch?
Faktisch fällt die Antwort auf diese Frage einfach aus: Wem eine politische Position der Kirche zusagt,der fordert eiine politische Kirche, wem sie mißfällt, fordert eine auf eine ihre Kernaufgabe sich konzentrierende Kirche, die so unpolitisch sein solle. Statt politisch solle sie sich auf das Jenseitige kaprizieren, um der Politik die Weltgestaltung zu überlassen, oder sie soll sich auf den Einzelnen focussieren, auf den Privatmenschen mit seinen existenziellen Fragen. Der Glaube seie eben ein persönlicher und auch wenn dann sich auch Gläubige zu Gemeinschften zusammenschlössen, blieben es doch privatistische Gemeinschaften, die eben nur für sich ihr Glaubensleben führten.
Aber nun existiert zwischen dem Gäubigen, selbst wenn er ganz privat nur für sich glaubte, etwa das Leben eines Einsiedlers führte und dem Gott, an dem er so privat glaubt, eine gewaltige Differenz. Denn als Christen glauben wir an den Gott, der alles erschaffen hat. und der die ganze Welt auch regiert.Der Gehalt des Glaubens widerspricht zu dem privaten Glauben. Daraus resultiert auch der Missionsauftrag der Kirche, der Welt das Evangelium zu verkünden, um die Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren.
Daraufhin stößt die Theologie auf ein gravierendes Problem: Wie verhält sich die Glaubesaussage, daß Gott nicht nur einst, sondern jetzt auch die Welt regiere, zu dem Faktum, daß in der Welt täglich sehr vieles sich ereignet, was zumindest mit dem uns offenbarten Willen Gottes1 schwerlich als vereinbar beurteilt werden kann. Welche Aufgbe erwächst daraus der Kirche, daß ob der vielen Sünden, die sich in der Welt ereignen, sie nicht einfach sagen kann: „Immer ereignet sich nur das, was Gott will und so ist alles gut, wie es ist!“ Die Formel: „Gott läßt es zu“. Soll diese gewaltige Differenz erklären. Nicht ist damit nun aber gemeint, daß, da Gott all dies ihm Zuwidere zulasse,die Kirche ebenso alles zulassend hinzunehmen hätte. So verfehlte ein Christ seinen Glauben, kaprizierte er sich allein auf sein sittliches Leben, daß er zu sündigen zu vermeiden versucht, aber meint, daß halt die Welt im Argen läge und er sich darum nicht zu kümmern bräuchte, da er nur für sein eigenes Leben zuständig sei, so ein christlicher Individualimus gelebt wird.
Solange das Papstamt mit der Tiara gekrönt wurde, demonstrierte das Papstamt den Regierungsanspruch Gottes über die ganze Welt und daß Gott selbst seine Kirche den Staaten als Übergeordnetes eingesetzt hat, denn in ihr ist der Wille Gottes als erkannter offenbar in der Kraft des Heiligen Geistes. Aber es ist nun doch auch wahr, daß Gott nicht nur unmittelbar sondern auch mittelbar die Welt regiert, durch seine zwei Schwerter, das der Kirche als das geistliche und durch das des Staates als weltliches Schwert. Damit ist gesetzt, daß Gott auf zwiefache Weise mittelbar regiert, und daß so das Eigentümliche des staatlichen Regierens von der Kirche zu respektieren ist. Daraus resultiert nun ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen der Kirche und dem Staate, das aber auf keinen Fall eine unpolitische Kirche erlauben kann. Denn Gott selbst beschränkt sich ja auch nicht darauf, nur im Jenseits, in seinem Himmelreiche zu regieren oder nur zukünftig, am Ende der Geschichte sein Endgericht abzuhalten.
Gott hat den Menschen, als er ihn erschuf, mit einem Gestaltungsauftrag versehen, daß er sich die Welt untertan machen solle und deswegen wollte er auch, daß Adam und Eva Kinder und Enkelkinder und und bekämen, damit so dieser Auftrag erfüllbar wird, Erst in der Folge des Sündenfalles, daß durch ihn der Mensch ein Sterbenmüssender wurde erhielt die Fortpflanzung ja den Zusatzzweck der Gattungserhaltung. Dieser Weltgestaltungsauftrag kann nun nicht einfach als ein bedauerlicher Rest des Alten Testamentes angesehen werden, den man nun ob der Ausrichtung auf das eschatologische Reich Gottes ad acta zu legen hat. Die Konstantinische Epoche ist somit der christlichen Religion gerechter geworden als ein rein privatistisch sich verstehendes Christentum. Erst durch die Aufklärung mit ihrem Säkularismus wurde die Kirche und der christliche Glaube verprivatisiert.
So schwierig nun auch zu sagen ist, wie das Verhältnis der Kirche zur staatlichen Politik zu gestalten sei im Ganzen wie im Detail, so muß doch geurteilt werden, daß die bei uns praktizierte Subordination der Kirche unter die Regierungspolitik eine verkehrte Unterordnung ist. Eines kann aber doch gesagt werden: Da die Kirche weiß, wie der Mensch wirklich ist und weiß, daß er nicht so ist, wie er sein sollte, verfügt sie über einen gesunden Realismus, um Utopismen abzulehnen. In der Maskerade des mündigen Bürgers lebt eben doch nur der „Alte Adam“., dem man in seinen Neigungen zum Bösen bremsen muß eben gerade durch den Staat, und der stets hilfsbedürftig ist, weil er trotz alles Selbstbewußtseins doch stets auch ein schwacher Mensch ist. Daraus läßt sich nun nicht direkt eine politische Praxis ableiten, aber ein Spielfed möglicher poitischer Optionen einzeichnen lassen.Dabei ist die Politik eine Aufgabe der Kirche als Ganzer und nicht zuvörderst die des Einzelchristen..
Dies sind aber nur Vorüberlegungen zu diesem komplexen Thema, so fehlt noch eine Erörterung der Schöpfungsordnungen Gottes, die der Familie mit der Institution der Ehe und die des Volkes mit der Institution des Staates,denn der Erhalt und die Pflege dieser Lebensordnungen gehören gerade zur Kernaufgabe des Staates.
1Luther unterscheidet sehr stark zwischen dem sich uns offenbart habenden Gott und dem „verborgenen“, dem deus absconditus, der die Welt regiere, aber in dem wir den uns bejahenden Gott nicht recognizieren können.
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