Freitag, 14. Mai 2021

Der Systemvergleich DDR-BRD: Oder eine verpaßte Chance für die Kirche?

(auch eine Frage nach unserer nationalen Identität)

So intensiv dieser Systemvergleich vor 1989 auch, nicht nur im Schul-unterricht betrieben wurde und wie im Bundesligafußball immer der FC-Bayern München gewinnt so auch hier immer die BRD gewann, so blieb damals eine Frage stets unerörtert:

Warum ist die DDR so säkularistisch geworden, daß auch nach der Wende 1989 und der erfolgten Wiedervereinigung und warum brachte das Ende des DDR-Sozialismus nicht eine Revitalisierung der christlichen Religion dort hervor. Wenn es eine augenfällige Differenz zwischen der BRD und der DDR gab, dann doch die, daß in Westdeutschland sich das Christentum in der Gestalt der zwei Volkskirchen erhielt, während in Ost- besser Mitteldeutschland das Christentum verdampfte.

Eine simple Erklärung bietet die These, daß die SED-Diktatur eben in ihrer antireligiösen und antichristlichen Intention sehr erfolgreich war und dies so nachhaltig, daß sie einen für die christlichen unfruchtbaren Boden hinterließ. Nur provoziert dies die Nachfrage, warum dann in den anderen sozialistisch regierten Ländern eine so nachhaltige Austrocknung des Interesses an der christlichen Religion nicht gelang. Polen ist immer katholisch geblieben, erst jetzt erstarken säkularistische Kräfte, von der EU unterstützt im Kampf gegen die nationalconservative Regierung Polens, die als solche sich auch durch ein positives Verhältnis zur Katholischen Kirche auszeichnet und in Rußland erblüht das Christentum gerade, nachdem es schwere Zeiten im kommunistischen Regime gut überstanden hat eben auch ob der klugen Kirchenpolitik der Russisch-Orthodoxen Kirche. Warum gelang es nur in der DDR, das Christentum so zu marginalisieren, daß auch jetzt keinerlei Revitalisierung wahrzunehmen ist.

Dem Systemvergleich DDR- BRD fehlte so dies Wesentliche.Warum wurde diese Differenz nicht mitreflektiert? Jetzt scheint es ja fast so, als wenn nun die weit vorangeschrittene Säkularisation Mitteldeutschlands im Westen nachgeholt wird, statt daß das noch christlich geprägte Westdeutschland nach Osten ausstrahlte.

Das Narrativ von den „Ossis“, die vom Sozialismus enttäuscht desorientiert nun nach einer neuen Lebensdeutung suchten, offen für die christliche Religion, erwies sich ja bald nach 89 als Illusion. Hat hier die Katholische Kirche eine Chance zur Neuevangelisation verschlafen, könnte angefragt werden, erübrigte sich diese Frage nicht sofort, kaum daß sie gestellt worden ist, hat doch die Katholische Kirche seit dem 2.Vaticanum die Mission als ein vorgestriges Unterfangen ad acta gelegt.

Aber es bleibt die Frage bestehen: Warum gelang-aus Sicht der SED gesehen- die Säkularisierung dort so erfolgreich?

Spontan verbindet man diesen Systemvergleich aber mit ganz anderen Fragen: Wie stand es um die Freiheit, wie um die Ökonomie? In diesen 2 Disziplinen übertrafen die Leistungen des BRD- Systemes stets die der DDR. Es darf aber hier auch ein kleines Fragezeichen gesetzt werden. Zwar gab es in der BRD weit mehr politische Freiheiten als in der DDR,aber eine Schwarz-Weiß-Malerei, daß der Westen die Freiheit, der Osten die Unfreiheit war, entspricht doch nicht der politischen Realität. Es sei nur an einen Dissidenten erinnert, der im wiedervereinten Deutschland zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist und daß nur, weil er seine Meinung zur Causa Adolf Hitler äußerte. Zu prüfen wäre nämlich, wie repressiv jeweils in den beiden Systemen gegen politisch Andersdenkende vorgegangen wurde und da würde die Systemdifferenz zu einer quantitativen sich reduzieren. Im Westen wurde mehr Oppositionelles zugelassen als in der DDR. Aber in der atheistischen DDR konnte eine Frau Deutschlehrerin sein, obzwar sie mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet war, wohingegen in der BRD jemand nicht Lehrer werden durfte, weil er mal mit einer Frau verheiratet gewesen war, die Mitglied der DKP war. Eine einfaches Schwarz-Weiß-Schematisierung wird dem nicht gerecht.

Im Bereich der Ökonomie schnitt das Westsystem immer besser ab, aber dabei blieb stets unberücksichtigt, daß es in der DDR keine Arbeitslosen, keine Sozialhilfeempfänger und keine Armenspeisungen gab, wie es im Westen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Die soziale Sicherheit war in der DDR größer, aber der Wohlstand im Westen. So gab es in der DDR, vielleicht weil es da weniger Freiheiten und mehr Polizeikontrollen gab,mehr Sicherheit vor der Kriminalität, Frauen wurden seltener Opfer von Vergewaltigungen. Der autoritäre und so wenig freiheitliche DDR-Staat hatte so auch für seine Bürger seine Vorteile: Er sorgte mehr für seine Bürger, gängelte sie dann aber auch sehr viel mehr. In den Westmedien wird das gerne als überspannte Versorgungsmentalität der „Ossis“ verurteilt, dabei artikulieren sich in dieser Versorgungsmentalität doch nur berechtigte Interessen der Bürger ihrem Staate gegenüber.

Ein Punkt wurde nun in den Systemvergleichen nie thematisiert, den daß ein Staat als Nationalstaat doch auch die Aufgabe hat, das jeweils nationale Kulturleben zu bewahren und zu befördern. Die Bewahrung der kulturellen Identität ist so ein wesentliches Anliegen eines jeden Volksstaates. Hier kann nicht übersehen werden, daß Westdeutschland durch seine Einbindung in den „freien Westen“, isb durch die Umerziehung, auch Reeducation genannt, seine eigene Identität drohte verlustig zu gehen.

Der „Wessie“ ist weitestgehend ein entdeutschter Deutscher, der nun in der Wiedervereinigung mit Deutschen sich konfrontiert sah, die noch nicht verwestlicht waren. Einfacher gesagt: Die DDR wirkte im Ganzen gesehen deutscher als die BRD, sicher preußisch – deutsch, aber so mancher Westdeutsche entdeckte doch in der DDR einen Hauch verlorener Heimat, wohingegen Westdeutschland so eigentümlich entfremdet von seinen ureigensten deutschen Wurzeln wirkt. Die BRD ist so arg verwestlicht worden. So war und ist die erfolgte Wiedervereinigung auch eine Chance für unser Deutsches Volk, wieder sich zu renationalisieren, indem wir uns auf unser Eigenes rückbesinnen, das in manchem in der DDR lebendiger sich erhielt, wenn da nicht die große Wunde der Säkularisation, der Entfremdung vom Christentum wäre. 

Zusatz:

Nach dem verlorenen 2.Weltkrieg zerfällt die Geschichte unseres Volkes in eine dreigeteilte politische, die der BRD,der DDR und Österrichs. Wir werden uns selbst nur gerecht, wenn wir einen Standpunkt jenseits dieser Dreiteilung einnehmen.  

 

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