Freitag, 5. Juni 2020

Muß Bonifatius exkommuniziert werden?

Eine ernste Frage: Muß nicht der Germanenmissionar Bonifatius, den die Kirche heute gedenkt, aus der Katholischen Kirche exkommuniziert werden? Erinnern wir uns an seine schlimmste Tat: Er fällte eine dem Gott Donar geweihte Eiche. Diese Geste offenbart uns das ganze Unglück der Christianisierung der Deutschen. In der germanischen Religion- ähnlich wie die Indianer des Amazonasgebietes- lebten die Einwohner in harmonischer Eintracht mit der Natur, sie ehrten besonders die Bäume, aber auch alles Leben. Ihre Götter waren Naturgötter- und dann brach die christliche Religion bei ihnen ein. Die erste Tat war die der Tötung eines Baumes- (wie singt doch so wunderschön schwermütig Alexandra: Mein Freund, der Baum ist tot!)und damit begann auch in Germanien die Geschichte der Ausbeutung der Natur, mit ihrer Naturzerstörung.
Verführt wurde Bonifatius ja durch ein völliges mißverstandenes Evangelium, als wäre die christliche Religion die einzig wahre, durch die allein das Heil zu erlangen sei. Aber dank der Ökumene und dem interreligiösem Dialog hat die Kirche ja dies Verständnis überwunden: Jede Religion ist ja eine Suchbewegung, aber keine besitzt die Wahrheit, in keiner ist Gott erkannt! Darum kommunizieren wir jetzt alle miteinander auf unseren Wegen zur Wahrheit.

Für diesen Diskurs gibt es natürlich Kommunikationsregeln, die von allen einzuhalten sind: 1. Jede Religion ist als gleich wahr anzuerkennen. 2. Keiner darf versuchen, einen Andersgläubigen von seiner Wahrheit zu überzeugen, jeder bezeugt in diesem Diskurs nur seine Wahrheit. 3. Wichtiger als theologische Differenzen ist das gemeinsame Engagement zur Humanisierung der Welt. Und dazu gehört jetzt der Umweltschutz, die Liebe zu Bäumen und der Kampf um den Erhalt des Regenwaldes.

Angesichts von so viel Baumliebe ist dieser Baumfäller-Bonifatius einfach nicht akzeptabel. Er führte ja gar keinen Dialog mit den Germanen- hätte er sich doch mit den Donarpriestern um diesen Baum versammelt, um statt ihn zu fällen, ein Fruchtbarkeitsritual dort zu zelebrieren, ja um meditierend die tiefe Weisheit der Baumverehrung erfahren, statt unsere Vorfahren mit Dogmen zu belästigen. Ihm fehlte eben jedes Gespür dafür, daß sie schon ganz in der Wahrheit leben, sodaß sie keiner Evangelisation bedürfen!

Denn als postmoderne Christen wissen wir ja, daß die Wahrheit, eine erkennbare oder gar erkannte die Menschen unfrei macht, nur das Eingeständnis, daß niemand weiß, was wahr ist, eine pluralistische Welt ermöglicht, in der alle Religionen friedlich miteinander leben können, weil keine sich für wahrer hält als die anderen.



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