Sonntag, 22. November 2020

Wie das Evangelium vom Endgericht Jesu Christi, die Scheidung der Schafe von den Böcken in einer zeitgemäßen Predigt liquidiert wird

(oder wie der Humanitarismus das Christentum in der Kirche selbst ersetzt)


Als Erstes wird verkündigt, daß diese Darstellung vom eschatologischen Endgericht kein Bericht über zukünftige Ereignisse sei (das gälte so auch für die Johannesoffenbarung, so die heutige Mehrheitsmeinung), sondern ein dringlicher Appell zur Praktizierung der Nächstenliebe.

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40b). Aus meinen geringsten Brüdern wird dann ohne eine Begründung jeder Mensch. Das paßt zwar in die Weltanschauung eines universalistischen Humanitarismus (vgl Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral), aber Jesus selbst dürfte hier an die Glaubensbrüder (und Schwestern) gedacht haben, denn er bezeichnet ja jeden, der gemäß ihm lebt als seinen Bruder und seine Schwester. Geschwisterlichkeit beschränkt sich für ihn nicht auf seine leiblichen Verwandten, meint aber auch nicht die ganze Welt, sondern die Mitchristen.

Aber der Humanitarismus ist so selbstverständlich zum Fundament heutigen Christentumsverständnisses geworden, daß eben hier „die Brüder“ nur alle Menschen meinen kann.

Als Zweites wird dann die Differenz zwischen Egoismus und der Nächstenliebe eingezeichnet. Es gäbe einen religiösen Egoismus, der sich nur für das eigene „Seelenheil“ sorge und vielleicht noch um das einem Nahestehenden. Der wahre Christ dagegen erblicke in jedem Menschen Jesus und so diene er in jedem Christus. Jesu Christi Predigt vom Weltgericht sagt klar, daß, wer in das Reich Gottes eingehen will, die Nächstenliebe zu praktizieren habe und wer sie nicht praktizierte nicht in das ewige Leben eingehen wird. Das ist für das zeitgenössische Christentumsverständnis ein inakzeptabler Exzeß religiösen Egoismuses. Stattdessen wird die Nächstenliebe um ihrer selbst willen gefordert, auch wenn sich dann subkutan der utilataristische Gedanke einschleicht: Helfe anderen, damit Dir dann auch in der Not geholfen wird.Aber Hauptsache, daß das Endgericht als Begründung des: So hast Du zu leben, wenn Du in diesem Gericht bestehen willst, eskamotiert wird. So bleibt nur noch Eines: der Appell zum Humanitarismus übrig! Ist die christliche Religion noch mehr als dies Appellieren? Für die allermeisten wohl nicht! 

Zusatz:

Als Kritik des "Tolstoj- Christentumes" mit seiner Tendenz zur Verhumanisierung sei Emanuel Hirschs Kritik in: "Deutschlands Schicksal" wärmstens empfohlen!

 


 

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