Montag, 17. April 2017

"Wir schaffen das!" Ein Gutmensch legt die Bibel aus

"Wenn der HERR uns gnädig ist, so wird er uns in dies Land bringen...Fallt nur nicht ab vom HERRN und fürchtet euch vor dem Volk dieses Landes nicht." (4.Mose.14,8f) Was erleidet dieser Text, wenn er einem christlichen Gutmenschen in die Hände fällt? Darauf gibt uns der Adveniatabrißkalender vom 11.4. ein beredtes Zeugnis. Aber bevor wir nun sehen werden, wie auch in diesem Text das wahre Thema die Asylantenflut ist, erinnern wir uns an die oberflächliche Aussage des Textes. Das Volk Israel stand vor den Toren des Landes, das Gott ihnen versprochen hatte: Das wird euer Land werden. Aber angesichts der Stärke der dort Beheimateten bekamen die jüdischen Eroberer Bedenken: "Schaffen wir das wirklich?" 
"Wir schaffen das", rief da die Kanzlerin? Also, mit Gottvertrauen wandern die Asylanten in Europa und Deutschland ein, vertrauend darauf, daß Allah ihnen das Land in ihre Hände geben wird. Nein so einfach aktualisiert Egon Schramm den Bibeltext nicht, denn diese Auslegung wäre ja keine gutmenschliche.
Als die Asylantenflut über unser Land kam, da rief die Kanzlerin aus: "Das schaffen wir!" Nur, daß es eben jetzt so viele Bedenkenträger gibt, Kleinmütige und da ruft uns dieser Mosetext zu: "Mit Gottes Hilfe schaffen wir das!" Wer Probleme angesichts der Politik der offenen Grenzen sieht, dem fehlt es eben an Gottvertrauen. Aber wir haben ja unsere Gutmenschchristen, für die es eben einfach keine gibt, weil mit Gottes Hilfe die Kanzlerin das schon schaffen wird. Denn der HERR ist mit ihr gegen alle, die Bedenken hegen. 
Was Katholische Bischöfe können, jetzt engagiert im Wahlkampf Flagge zeigen für die beste Kanzlerin, die Deutschland je hatte, das kann eben auch der Adveniatkalender, bezeugt doch die ganze Bibel ein klares Ja für Merkels Asylantenpolitik! So war ja Jesus der erste Asylant, der zur Erde flüchtete und dem man nur eine Futterstallkrippe als Asyl gewährte und das uns als Mahnung: Nehmt Flüchtlinge gut auf, den in jedem von ihnen nehmt ihr den Himmelsflüchtling Jesus Christus auf- oder so ähnlich. Das wichtigste ist doch, daß die ganze Bibel für einen Gutmenschen nur eine Aussage hat: Sag Ja zu Politik der Bundeskanzlerin, denn sie ist alternativlos die einzig christliche.
Und was ist da mit den zigtausend jährlich getöteten Kinder im Mutterleib? Macht nichts, es werden ja keine Asylantenkinder abgetrieben!        

Sonntag, 16. April 2017

Verlöschender Jenseitsglaube?

In Umfragen über, was denn die Deutschen glauben, hält sich eine Zahl relativ konstant: Circa ein Drittel glauben an ein (irgendwie geartetes) Leben nach dem Tode, ungefähr genauso viele verneinen das und ein Drittel sagt: Dazu kann ich nichts sagen! Die Bildzeitung bringt am 14.4. exaktere Zahlen:
"An ein Weiterleben nach Tod ganz allgemein glauben der Umfrage zufolge drei von zehn Deutschen (30,5 Prozent). Interessant ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Jede dritte Frau (34,7 Prozent), aber nur jeder vierte Mann (26 Prozent) glaubt an ein Leben nach dem Tod.
Mehr als in jeder anderen Altersgruppe glauben die unter 25-Jährigen (37,5 Prozent) an ein Weiterleben nach dem Tod. Unter den über 65-Jährigen glaubt nur gut jeder Vierte (27,8 Prozent) daran.
Mehr Westdeutsche (32 Prozent) als Ostdeutsche (24,3 Prozent) glauben an eine Existenz nach dem Sterben.
Jeder zweite evangelisch-freikirchliche Christ (49,4 Prozent), jeder dritte evangelisch-landeskirchliche Christ (31,8 Prozent) und vier von zehn katholischen Christen (40 Prozent) glauben an ein Weiterleben nach dem Tod."

Vier von Zehn glauben in der Katholischen Kirche noch an ein Weiterleben, also Sechs nicht mehr.
Soll man nun ausrufen:Hurra, 4 von 10 glauben ja noch an ein jenseitiges Leben oder: So viele, 6 von 10 glauben nicht mehr an ein jenseitiges Leben- welch ein Glaubensabfall! Es darf davon ausgegangen werden, daß schon unsere germanischen Vorfahren vor ihrer Bekehrung zum Christentum einen Jenseitsglauben kannten, ja wohl alle Kulturvölker über Hades- und Scheol-Vorstellungen verfügten, auch die Indianer, wenn man Karl Mays Darstellungen über die indianische Kultur vertraut- und nun dieser Kulturabfall. Gehört nicht der Glaube an ein jenseitiges Leben konstitutiv zur menschlichen Kultur dazu? Jede Tat oder unterlassene Tat ist einerseits eine im Fluße der Zeit, der Geschichte, die einen Anfang und ein Ende hat und im Strome der Zeit dann auch verschwindet. Wenn es aber ein Jenseitsleben gibt, dann hat jede Tat aber auch jede unterlassene eine ewige Bedeutung! Denn wie ich hier lebe, das bestimmt, wie für mich mein Jenseitsleben ausfällt für mich.So erst bekommt mein Tuen und Unterlassen Gewicht- es kann nicht mehr gleichgültig sein!
Ist das nicht die Voraussetzung allen kulturellen Lebens, der Glaube an eine Ewigkeitsbedeutung meines Tuens und Unterlassens, daß unser Leben einer zweifachen Buchführung unterliegt: Mein Leben als, wenn es hochkommt als eine Fußnote in der Menschheitsgeschichte und als Eintrag im Buch des ewigen Lebens!
Zeiten der Dekadenz sind Zeiten der Lebensmüdigkeit, des Überdrusses am Leben. Ist das nicht der tiefste Grund der Sympathie für die Vorstellung eines natürlichen Todes, daß der Tod natürlich zum Leben dazugehört und nicht das ist, was dem Leben als das Nichtgesollte entgegengesetzt ist. 
Unsere Todeskultur, unsere Dekadenz manifestiert sich eben nicht nur in den sinkenden Geburtenzahlen und in der Lust an den Kindestötungen, euphemistisch: "Abtreibung" geannt, nicht nur im Verneinen unserer Kultur im trotzigen Bejahen der Auslöschung unserer Identität in Multikultialbträumen, sondern auch im Verblassen des Jenseitsglaubens. 
Ludger Lütkehaus verdanken wir ein nicht genug zu bewunderndes Buch über die Dekadenz in der Moderne, dem großen Verdacht, daß sich das Leben nicht lohnt, daß das Nichtsein dem Sein vorzuziehen wäre: "Nichts". Erstauflage 1999.  Denn im Nein zum Leben nach dem Tode verbirgt sich auch ein Nein zum Leben vor dem Tode! Denn wie die Liebe immer ewige Liebe sein will, so will auch das Leben, das sich bejahende ewiges Leben! 
So ist es kein Zufall, daß der größte Analytiker der Dekadenz und des aufkommenden zukünftgen Nihilismus, Friedrich Nietzsche zur Überwindung der Dekadenz einen eigenen Ewigkeitslebensglauben kreierte- in bewußter Absetzung zu Schopenhauers Erlösungslehre von der Aufgabe des Lebenswillens: Lebe in dem Bewußtsein, daß Du Dein Leben, so wie Du es jetzt lebst ewig immer wieder zu leben hast und lebe so,daß Du das bejahen kannst. Auch und gerade der größte Antimetaphysiker kommt so um der Lebensbejahung willen nicht ohne Metaphhysik aus im Glauben an die ewige Wiederkehr:
"Das grösste Schwergewicht. – Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts, ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: „Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Grosse deines Lebens muss dir wiederkommen, und Alles in der selben Reihe und Folge – und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augenblick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht – und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!“ – Würdest du dich nicht niederwerfen und mit den Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen, der so redete? Oder hast du einmal einen ungeheuren Augenblick erlebt, wo du ihm antworten würdest: „du bist ein Gott und nie hörte ich Göttlicheres!“ Wenn jener Gedanke über dich Gewalt bekäme, er würde dich, wie du bist, verwandeln und vielleicht zermalmen; die Frage bei Allem und Jedem „willst du diess noch einmal und noch unzählige Male?“ würde als das grösste Schwergewicht auf deinem Handeln liegen! Oder wie müsstest du dir selber und dem Leben gut werden, um nach Nichts mehr zu verlangen, als nach dieser letzten ewigen Bestätigung und Besiegelung?" –   Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft,Aphorismus 34, zitiert nach Wikipedia: Ewige Wiederkehr

Samstag, 15. April 2017

Irritierendes: "abgestiegen zur Hölle"

Die Apostel glaubten und bekannten im: Apostolicum: Jesus Christus, "abgestiegen zur Hölle", aber die Kirche änderte das apostolische Glaubensbekenntnis ab in: "hinabgestiegen in das Reich der Toten". Auch hat man den Glauben an die Auerstehung des Fleisches modernisiert zu der der Toten. Aber irgendwie sei es doch das Selbe geblieben, könnte geurteilt werden.
Nur, ist das Verschwinden der Hölle wirklich eine Nebensächlichkeit? Und wenn das Apostolicum die Auferstehung des Fleisches bekannte als Endzeithoffnung, dann impliziert dies, daß die Seele nicht mitaufersteht. Denn als unsterbliche ist ihr Schicksal ein anderes als das des Fleisches. Der Begriff des Reiches der Toten verunklart all das. Wo war Jesus Christus zwischen Karfreitag und Ostern und wo werden wir sein, nach unserem Sterben und unserem Auferstehen am Jüngsten Tage? 
Jesus Christus hat sich nicht einfach in Nichts aufgelöst, um dann nach drei Tagen von Gott neu geschaffen worden zu sein. Er stieg hinab in die Unterwelt, den Hades, der Hölle. Dort erlitt er das von Gott, seinem Vater Verlassensein. Hier ruft er: Warum hast Du, mein Gott mich verlassen? Wie anders ist da noch die epukerisch-moderne Vorstellung vom Todsein als einfache Nichtung. Einfach gesagt: Sterben und Todsein, das ist, wie am Sonntagabend zu Bette zu gehen und wenn dann der Wecker nie mehr klingelt: "Es ist Montag- Aufstehzeit!"Ob Jesus wirklich begeistert war,daß er nach drei Tagen wieder aufstehen mußte, um seinen weiteren Pflichten auf Erden nachzukommen? Ist nicht schon das Todsein für den Altgewordenen, des Lebens Müden der ewige Friede und die ewige Ruhe? Ist es nicht so, daß heute über 60 Prozent der Deutschen nach einer aktuellen Befragung nicht mehr an ein jenseitiges Leben glauben, auch weil der Tod schon genug an Erlösung verspricht als ewige Ruhe im Tode? Und aus dieser ewigen Ruhe ist dann Jesus auferweckt worden, weil er noch ein paar Aufträge Gottes zu erledigen hatte!  Hatte nicht Jesus schon auf Erdzeiten ausgerufen: " Wie lange muß ich euch[dies ungläubige und unbelehrbare Geschlecht ] noch ertragen?" (Mt, 17,17) und nun noch mals so viele Tage bis zu seiner Himmelfahrt!  
Aber wie anders glaubte das noch das Apostolicum im Einklang mit der hl. Schrift! Da erlöste ihn Gott aus der Gottferne, der Hölle, die er in den drei Tagen erlitt. Und das wäre auch unser Schicksal, wäre der Sohn Gottes nicht für uns am Kreuze gestorben!
Wo die Hölle, das Erleiden der Gottferne das endgültige Geschick jedes Verstorbenen ist, da leuchtet die Hoffnung auf eine Auferstehung als Heilsverkündigung ein, aber sie verliert an Leuchtkaft, wo ein Auferstehen nur ein Aufgewecktwerden aus einem seligen Todesschlaf wäre.
Die Vorstellung vom Ganztod, daß nicht nur der Leib stirbt sondern auch die Seele, schafft die Vorstellung des natürlichen Todes, der als bloßes Nichtmehrsein schon selbst der ewige Friede ist, sodaß es fraglich wird, warum dann noch mal auferweckt  werden wollen- ein, oder gar das Phänomen dekadenter Zeiten, in denen der Wille zum Leben verblaßt!          

Freitag, 14. April 2017

Irritierendes: Gott starb am Kreuze

Menschen sterben und einige von ihnen auch durch die über sie verhängte Todesstrafe. Auch wenn das Humanitaristen nicht gern hören, aber die Todesstrafe gehört zur üblichen Strafpraxis des Staates. Was unterscheidet nun das Ereignis des Kreuzestodes Jesu Christi von den vielen anderen Hinrichtungen? Daß da ein vollkommen Unschuldiger zu Tode verurteilt worden ist? Nur, wird es unter den vielen zu Tode Verurteilten nicht auch andere Unschuldige geben, weil nun mal nicht allwissende Menschen hier als Richter urteilen müssen? Zudem: war den Jesus Christus wirklich unschuldig, oder hatte er nicht alle Schuld am Kreuze auf sich genommen gleich einem Sündenbock?  War er nicht zum Schuldigen geworden, indem er unsere Schuld auf sich nahm?
Sage ich zu einem Freunde, daß ich für seine Geldschulden eintrete, so werde ich doch für die Gläubiger meines Freundes zu dem Schuldner, von dem sie jetzt ihr Geld eintreiben. Hat so nicht auch Christus mit seinem Kreuzesleiden unsere Schuld an die Gerechtigkeit Gottes abgebüßt?
Was ist das Signifikante also des Kreuzes Christi? Daß hier der Sohn Gottes starb, daß der Unsterbliche den Tod erlitt, daß hier Menschen wirklich Gott getötet haben!Dieser wahrhaftigen Revolution kann ausgewichen werden, indem man hier so zwischen dem wahren Gott und dem wahren Menschen distinguiert, daß nur Christi Menschsein, seine menschliche Natur das Sterben und den Tod erlitten hätte und daß seine göttliche Natur davon untangiert blieb. Jesus Christus, eine Person in zwei Naturen,  diese traditionelle Lehre, sie ist eben auch der Ermöglichungsgrund dafür, daß Kreuz Christi zu einem Scheinereignis umzugestalten. Als wahrer Gott könne Jesus Christus nicht leiden, nicht sterben und schon gar nicht das Todsein erleiden, das könne er nur nach seiner menschlichen Natur. Nur, hat Christus dann wirklich am Kreuze, wenn das ihn als wahren Gott unberührt gelassen hätte, gelitten?
Sagen wir es so: Das Kreuz Christi offenbart uns, daß Gott in seiner Allmacht noch viel mehr kann, als ihm die Tradition zutraut! Wenn er will, und nur wenn er will, kann er auch leiden und sterben und das Todsein sogar erleiden. Gott wäre nicht als allmächtiger gedacht, wenn man all das ausschlösse. Und so kann Jesus Christus im Gehorsam seinem göttlichen Vater gegenüber sich dazu bestimmen, auch zu leiden und zu sterben am Kreuze.
Aber damit werden auch unsere Vorstellungen vom Sterben und Todsein revolutioniert: Wie kann von einem unsterblichen Gott ausgesagt werden, daß er sterben  und seinen Tod erleiden kann? Merksatz: Nur mögliche Ereignisse können auch wirkliche werden. Sterben heißt, daß die Seele sich vom  Körper trennt. Jesus Christus konnte also nur sterben und dann konnte er das auch, weil er einen menschlichen Leib angenommen hatte! Aber er kann auch als wahrer Gott leiden. Worunter hat der Sohn Gottes wohl mehr gelitten?- unter den Schmerzen, die ihm seine Peiniger antaten oder darunter, daß er wußte, daß sein göttlicher Vater sein Kreuzesleiden um der göttlichen Gerechtigkeit willen forderte?
Und was bedeutet nun sein Todsein? Daß er nach seinem Sterben hinabfuhr in die Hölle. Das bedeutet, daß er aus der Liebe Gottes herausfiel und nur noch das Objekt des göttlichen Zornes war. Denn der Sohn nahm den Zorn Gottes auf sich, um uns vor dem Zorne Gottes zu bewahren! Todsein ist nicht die einfache Negation meines Lebens, wie es Vulgärmaterialisten sich vorstellen, daß das Ich sich einfach in Nichts auflöst. Denn dann gäbe es ja meinen Tod gar nicht, wie es schon Epikur feststellte: Wenn Ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin Ich nicht mehr, sodaß es den meinigen Tod nicht geben kann. Nein, das Ich bewahrt sich im Sterben und Todsein, sodaß es sich sein Todsein als den seinigen zuschreiben  kann. Die Vorstellung von meinem Tode setzt denknotwendig voraus ein Ich, das das Todsein als sich betreffend zuschreibt.   Das drückt gerade die Vorstellung der Hölle adäquat aus: Die unsterbliche Seele erleidet das endgültige Abgesondertsein von Gott als sein Todsein. Das war Jesu Christi Höllenfahrt- aber Ostern nimmt der göttliche Vater seinen Sohn wieder in seine Liebe auf. Ostern ist nur ein mögliches Ereignis Jesu Christi, weil auch sein Todsein ein mögliches ist.
So stehen wir vor der Paradoxie, daß nur von einem unsterblichen Subjekt sein eigenes Todsein ausgesagt werden kann als es selbst betreffendes Ereignis.
(Näheres dazu in meinem Buch: Der zensierte Gott)               
 

Donnerstag, 13. April 2017

Biblizismus und Willkürauslegung

Unter Katholiken, zumindest conservativeren gibt es auch positive Vorurteile gegenüber biblizistischen Traditionen im evangelisch-freikirchlichen Milieu: Die nehmen wenigstens die Bibel ernst, nicht nur, daß sie als eifrige Bibelforscher sie regelmäßig lesen und gar studieren, nein, für sie hat die Bibel noch autoritären Charakter. "So steht es aber geschrieben!", ist dann ein Argument, auf das aufgebaut werden kann. Wer dann als Kontrast den Siegeszug der historisch kritischen Methode als heutzutage einzig legitimen Umgangsweise mit der hl. Schrift vor Augen hat, der faktisch die heiligen Texte desavouiert und ihren Wahrheitsgehalt auflöst, dem könnte gar so ein Biblizismus gefallen. 
Aber fragen wir nun mal: Ist dies Vorurteil denn auch berechtigt? Ein gediegenes Beispiel präsentiert nun Hr Scheithauer in seiner Auslegung von: "Und führe uns nicht in Versuchung". (Mt 6,3) im Adveniatabreißkalenderblatt vom 12.4. 2017. Diese Bitte des Vaters Unser bereitet ihm Probleme, da er sie nicht integrieren kann in sein Gottesbild. Denn diese Bitte impliziert doch, daß mein mich liebender Vater mich in Versuchung führen kann.
Was tun? Plötzlich ist ihm diese Bitte nur noch eine Übersetzung und erfreut stellt er fest, daß es auch anders lautende Übersetzungen gibt, etwa: "Führ uns, auf dass wir nicht in Versuchung fallen", oder "Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden." (S.2). Existieren verschiedene Übersetzungen, müßte doch gefragt werden, welche denn die richtige sei und daß müßte dann am griechischen Originaltext überprüft werden. Nur, diese Überprüfung ergäbe,daß Luther hier richtig übersetzt hat.
Davon will deser Ausleger aber nichts wissen. Für ihn sind die sich unterscheidenden Übersetzungen wie unterschiedliche Angebote in einem Verbrauchermarkt, sodaß er sich die ihm gefälligste Übersetzung als die für ihn wahre nimmt. Denn es ist doch das Privilegium des Kunden, daß er entscheidet, was für ihn wahr ist. Und da dem Ausleger Jesu Bitte nicht gefällt, deutet er sie eben so um, bis sie ihm zu einer gefälligen wird. Wahr kann nur sein, was mir zusagt!, ist so die oberste Auslegungsnorm.
Ein Verdacht drängt sich da auf: Ist der Biblizismus nicht gerade dies Verfahren, den heiligen Text der subjektiven Willkürauslegung zu unterwerfen? Erfreut er sich nicht deshalb so großer Beliebtheit, weil ich so vorgehend immer in der Bibel nur das finden werde,was ich lesen möchte?   

Dienstag, 11. April 2017

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen- oder der islamische Terror im Blick eines Gutmenschen

 Die Geschichte der Kopten ist eine Geschichte des Blutes, eine Geschichte ihrer Unterdrückung und Verfolgung. Gutmenschen lassen hier das Subjekt des Unterdrückens und Verfolgens aus, denn das paßt nicht in ihr Weltbild. Nun hat der in Deutschland lebende koptische Bischof Damian (Kath net vom 11.4.2017) erklärt, daß der militante Islam den Kopten in Ägypten den Krieg erklärt hat. Den ersten Höhepunkt dieses Krieges erleiden nun die ägyptischen Kopten: ein Anschlag auf eine koptische Messe mit 30 Toten und vielen Verletzen am Palmsonntag.
Ein Fall für den Benediktinerabt Jeremias Schröder, der von vor Ort kommentiert.  "Muslime und Christen sind Ägypter und wollen sich nicht auseinanderdividieren lassen. Den Radikalen ist das ein Dorn im Auge – sie wollen die Spannung anheizen, damit das Miteinander unerträglich wird."
(Katholisch de vom 11.4.2017). Die Täter? Radicale sind das- mehr will und hat dieser Gutmensch über die Täter nicht zu sagen. Die Opfer sind nun die Christen wie auch die Muslime, die in Frieden miteinander leben wollen! Die Täter waren also keine Muslime, sondern sie zählen plötzlich zu den Opfern, und das obgleich nur Christen, Kopten genauer gesagt getötet wurden! 
Selbstverständlich hat dieser Angriff auf die Kopten nichts mit der Unterdrückungs- und Verfolgungsgeschichte der Kopten in Ägypten zu tuen und schon gar nicht darf man als Gutmensch da an die sehr einseitige Rollenverteilung erinnern,die für die Kopten nur die Rolle der Opfer zuließ und zuläßt. 
Der Gutmensch-Benediktiner kennt stattdessen nur friedliebende Muslime, die in Herzenseintracht mit den Christen Ägyptens zusammenzuleben wünschen! Nur, warum findet man- auch bei aufmerksamster Lektüre der Geschichte der Kopten in Ägypten- davon nichts? Weil diese Geschichtsbücher noch nicht von Gutmenschen umgeschrieben worden sind! Für den Gutmenschen Jeremias gibt es all das eben nicht, denn er kennt nur die Friedensreligion Islam!    

Anbei: Wie wäre wohl der Kommentar des Gutmenschen ausgefallen, wenn sich in Deutschland ein verleichbares Bombenattentat auf ein Asylheim mit islamischen Asylanten ereignet hätte? Wäre da nicht zum hl. Krieg gegen alles, was Rechts ist, aufgerufen worden?    

Montag, 10. April 2017

Ein paar Fragen zum Karfreitag

Manchmal ist es wichtiger, Fragen zu etwas zu stellen, als daß gleich Antworten in den Raum gestellt werden, denn wer verstünde die Antworten, kennte er die Fragen nicht!
Hat Jesus Christus uns in seinem Leben und isb. in seinem Kreuz etwas offenbart, was unabhängig von der Offenbarung schon wahr war?  Daß hieße, das eine uns bisher verborgene Wahrheit nur zur Erkenntnis gebracht wurde. Die Beziehung Gottes zu uns Menschen wäre dann, auch wenn Jesus Christus nicht erschienen wäre und nicht am Kreuze gestorben wäre, die gleiche, nur hätten wir die Qualität der Beziehung Gottes zu uns nicht erkannt. Etwa: Gott zeigte uns in Jesu seine Liebe zu uns, die er aber unabhängig von diesem Zeigen immer schon für uns hegte und hegt.
Oder hat sich Gottes Beziehung zu uns durch das Kreuz Christi geändert? Wenn das Kreuz Christi ein Sühnopfer war, dann impliziert dies doch, daß Gott durch as Kreuz versöhnt worden ist, sodaß er vor dem Kreuze Christi ein Nichtversöhnter war?     
Ist die Versöhnung nun so geschehen, daß sie objektiv im Kreuze sich ereignet hat, sodaß der Glaube an das Kreuz Christi die Erkenntnis und Anerkenntnis und das Bekenntnis zum objektiv gewirkten Heil ist (so etwa der reformierte Theologe Karl Barth) oder ist der Glaube die subjektive Aneignung des durch das Heil gewirkten Heiles? (so Luther und die Katholische Kirche; die Differenz liegt dann in der Explikation des Glaubens: den in guten Werken lebenden Glauben oder ohne diese Werke)
Muß das Heil also noch angeeignet werden, so wie etwa in einer Medizin die Potentialität zur Gesundmachung in ihr ist,die Medizin aber erst gesund macht, wird sie vorschriftsmäßig eingenommen.   
Ist also die christliche Religion das Medium, durch das das im Kreuz Gewirkte uns zum Heile werden kann, oder kann das so gewirkte Heil auch unabhängig von der chrislichen Religion subjektiv angeeignet werden? Das Verständnis der christlichen Mission war immer das, daß erst durch diese Religion das am Kreuz ermöglichte Heil zu unserem Heile wird: Also die Partizipation an der christlichen Religion war für den Menschen heilsnotwendig. Das wird nachkonziliar von der Kirche faktisch bestritten, denn jetzt soll die Liebe Gottes allen Menschen gelten, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören oder ob sie überhaupt gottgläubig sind. 
Was sagen wir dann zu einem solchen Votum Jesu Christi, daß niemand eingeht eingeht in das Reich Gottes, wenn seine Gerechtigkeit nicht viel größer ist als die der Pharisäer?(Mt 5,20). Kann es diese weit größere Gerechtigkeit ohne eine Aneignung des Kreuzes Christi geben? Oder ist die Aneignung des Kreuzes Christi die notwendige Voraussetzung dafür, daß wir die von Jesus verlangte Gerechtigkeit erlangen können? Für Luther ist der Glaube an das im Kreuz gewirkte Heil schon diese größere Gerechtigkeit, sodaß der so auf Christi Kreuz Vertrauende eingeht in das Reich Gottes. Oder setzt das Kreuz Christi, wenn es von uns subjektiv angeeignet wird, uns erst in Stande, diese geforderte Gerechtigkeit zu erreichen? 
Ist das im Kreuze gewirkte Heil unabhängig vom kirchlichen Meßopfer, wie Luther es lehrte, sodaß er das Meßopfer verwarf,oder gehört zu unserem Heile das Meßopfer kostitutiv dazu? (Die Frage des Verhälnisses des einen Kreuzopfers  zu den vielen Opfern; vgl dazu mein Buch: Der zensierte Gott)
Erschrekend ist nun, daß die Kirche Jahr für Jahr den Karfreitag feiert, ohne daß da auch nur eine dieser Fragen gestellt oder gar respondiert würde.