Freitag, 24. Juni 2022

Das Laien ZK stellt fest: 100.000 getöte Kinder sind in Ordnung! Und die "Kirche des Satans" in Texas ist auch dabei.

Das Laien ZK stellt fest: 100.000 getötete Kinder sind in Ordnung! Und die „Kirche des Satans“ in Texas ist auch dabei.


Das Laien ZK positionierte sich zum Anliegen der Regierung, Werbung für Abtreibungen nun zu erlauben. Es reichte doch aus, den Pragraphen 219a umzuformulieren, um eine angemessene Information über die Möglichkeiten einer legalen Kindestötung im eigenen Mutterleibe zu erlauben. Dann heißt es (Kath de vom 22.6.2022 zum Thema §219a):

Die bestehende Regelung sei ein im europäischen Vergleich sehr wirksamer Ansatz,um das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und den Schutz des Lebens bestmöglich gerecht zu werden.“ Das meint das ZK wirklich so. In Deutschland wurden im Jahre 2021 knapp 100.000 Kinder durch eine Abtreibung getötet – im selben Jahr verstarben circa 50.000 an Corona. Was unternahm die Regierung alles angesichts von so vielen Coronatoten? Aber angesichts von doppelt so viel Abtreibungstoten beschließt sie nun, das Werbeverbot für die Kindestötung im Mutterleibe zu beseitigen.

Für das Laien-ZK ist die Sache klar: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau beinhalte so auch das Recht, über das Lebensrecht ihres eigenen Kindes im Mutterleibe entscheiden zu dürfen unter den Conditionen des jetzigen Paragraphen 218. Mütter dürfen so ihre Kinder töten lassen.

Frägt man nun, wodurch die noch nicht geborenen Kinder ihr Recht auf Leben verwirkt haben, sodaß sie getötet werden dürfen, so bekommt man nur die Antwort: das Recht der Frau auf Selbstbestimmung. Was bleibt da für das Recht der Kinder auf Leben übrig? Nichts, sie dürfen getötet werden. Papst Franziskus meint gar, daß der Staat nicht das Recht hätte, einen Massenmörder zu Tode zu verurteilen, aber dies ZK spricht Müttern das Recht zu, ihre Kinder im Mutterleibe, die nun wirklich kein einziges Verbrechen begangen haben, zu töten – warum? Wenn die Mutter ihr Kind nicht haben will, darf das Kind so getötet werden!

Daß das Recht auf Selbstbestimmung das Recht inkludiere, anderen Menschen ihr Lebensrecht abzuerkennen, kann nur als eine völlige Groteske bezeichnet werden. Das ungeborene Leben wird dabei herabdegradiert zu einem Besitz der Mutter, den es nach Belieben behalten oder auch beseitigen darf wie ein Mobiliar, das bei Nichtmehrgefallen auf dem Sperrmüll landet.

Diese Stellungnahme zeigt nun aber auch überdeutlich, wie weit dies ZK sich vom Glauben der Kirche schon entfernt hat, indem es ein Recht auf die Tötung unschuldiger Menschen proklamiert. Würden die Katholischen Bischöfe den Glauben der Kirche noch ernst nehmen, diese Stellungnahme verlangte die sofortige Exkommunikation dieses Zks aus der Kirche. Aber stattdessen wütet diese pseudokatholische Vereinigung auf dem „Synodalen Irrweg“ gegen die Kirche mit erschreckenden Erfolgen.


In Texas will eine „frauenfeindliche“ Regierung die Möglichkeiten legaler Abtreibungen drastisch einschränken. Aber die „Kirche des Satans“ steht den tötungswilligen Frauen bei! Der „Stern“ rapportierte dazu am 6.9.2021:

Abtreibung als heiliges Ritual“ Wie Satanisten texanische Frauen einen Ausweg bieten möchten“. Also das Töten von Kindern im Mutterleibe soll als eine religiöse Praxis beurteilt werden, die dann ob der in den USA geltenden Religonsfreiheit nicht durch den Staat unterbunden werden darf. Aber was für eine tiefe Erkenntnis wird damit offenbart: Daß die Abtreibung eine religiös-satanistische Praxis ist! Eingedenk der Tatsache, daß ein ungetauft Verstorbener (nach Joh 3: die dortige Taufkatechese) nicht in das ewige Leben eingehen kann ob seiner Erbsündlichkeit, liegt es nahe, das Töten von Kindern im Mutterleibe als ein Unternehmen anzuehen, durch das Menschen die Möglichkeit des ewigen Lebens geraubt wird und daß so das wirklich ein satanistisches Unternehmen ist.


 

Donnerstag, 23. Juni 2022

Zu den Selbstverständlichkeiten unserer Zeit: Rassismus ist verwerflich und abscheulich

Zu den Selbstverständlichkeiten unserer Zeit: Rassismus ist verwerflich und abscheulich


Es mag noch so viel lamentiert werden über einen totalitär sich gebärenden Relativismus, daß nichts mehr als absolut wahr anerkannt werden würde: Eine absolute Wahrheit gibt es doch noch, daß der Rassismus das schlechthin Böse sei. So bezeichnet sich auch Niemand selbst als Rassisten und wird wer so bezeichnet, dementiert der so Diffamierte stehenden Fußes, nicht er, sondern die Anderen seien Rassisten.

So klar das ist, so konfus wird es, wird nachgefragt, was denn überhaupt Rassismus sei. Etwas ganz und gar moralisch Verwerfliches, aber das ist ja nur ein Werturteil über den Rassismus und besagt so noch gar nichts über das Was des Rassismus. Sollte etwa der Rassismus so etwas Verdammungswürdiges sein, daß man gar nicht mehr klären wollen darf, was denn dieser Begriff bezeichnet als wenn jedes Erklären und Begreifen schon selbst ein Anerkennen des damit Bezeichneten wäre? So wird ja jeder, der Putin versteht oder zu verstehen versucht, auch als Unmoralischer verurteilt. Das schlechthin Böse darf erst gar nicht versucht werden zu verstehen.Nur wüßte dann Niemand mehr, was denn dieser Begriff des Rassismus überhaupt bezeichnet und was somit zu verurteilen sei.


Ein erster Klärungsversuch


Rassismus setzt notwendigerweise das Vorhandensein von Rassen voraus und qualifiziert ein bestimmtes sich dazu Verhalten als rassistisch.

Aber hier fängt das Problem schon an. Es gibt Antirassisten, etwa Amnesty International, die urteilen, daß es keine Rassen gäbe, sodaß die Behauptung, es gäbe sie, schon rassistisch sei. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte nun erwidert werden, daß Rassen etwas klar Wahrnehmbares sei: So unterschieden sich Menschen der Weißen Rasse (Europäer) von den der Schwarzen (Afrikaner) und von den Gelben (Asiaten) und von den Roten (Indianer). Diese optisch wahrnehmbaren Differenzen können nun nicht einfach negiert werden, aber bestimmte Antirassisten verurteilen schon das Wahrnehmen dieser Differenzen als rassistisch.

Rassistisch wäre es also, Differenzen als Rassendifferenzen wahrzunehmen, obgleich es diese unübersehbar gibt. Ein Antirassist ist also der, der behauptet, daß das Wahrnehmbare des Vorhandenseins der Differenzen nicht wahrgenommen werden dürfe. Das wäre vergleichbar mit einem Regierungssprecher, der erklärte, es gäbe keine Probleme, sodaß jeder, der Gegenteiliges aussage, regierungsfeindliche Propaganda betriebe. Das wäre das Phänomen der falschen Tatsachen.

Wenn aber das Vorhandensein von Rassen konzediert wird, dann könnte als Rassismus das Werturteil verstanden werden daß das auch so sein soll, daß es verschiedene Rassen gäbe. Der Antirassist würde stattdessen urteilen, daß die Rassen nicht sein sollen und so zum Verschwinden gebracht werden sollen. Das Ziel wäre so ein rassenloser Mensch wie einige es wohl auch als erstrebenswert ansehen, daß die Geschlechterdifferenz zum Verschwinden gebracht werden solle, daß es nur noch geschlechtslose Menschen geben solle. (Das verlangte dann aber, daß die menschliche Fortpflanzung rein künstlich gestaltet werden müßte.) So müßte die Natur des Menschen,daß er männlich oder weiblich und von Natur aus einer Rasse angehört, negiert werden, um rein künstliche rassen- und geschlechtslose Menschen hervorzubringen. Wäre so ein Anti- oder Transhumanismus die letzte Konseuenz des Antirassismus und des Feminismus?


Wenn nun aber das Vorhandensein der Rassen als Naturanlage des Menchen affirmiert würde, was könnte dann der rassistische Standpunkt sein? Wenn er nicht schon die reine Affirmation wäre, dann wäre vielleicht Rassismus das Werturteil,daß die Rassen von verschiedenem Wert seien. Der Antirassist verlangte dann die Gleichbewertung und Gleichbehandlung aller Rassenangehörigen. Aber so weit das Auge auch Ausschau halten mag:Nirgends findet man wen, der einen Wertunterschied der Rassen vertritt. Es ist wohl im Kontext des Sozialdarwinismus dieses Werturteil vertreten worden , aber heutzutage ist keine solche Position wahrnehmbar. Erübrigte sich so dieser Antirassismus, weil der rassistische Standpunkt der Ungleichwertigkeit der Rassen nicht mehr vertreten wird?


Nun könnte das Urteil,es gäbe keine Rassen auch anders interpretiert werden: Jede Einzelmensch sei so individuell, daß kein Einzelmensch einer Rasse sich von einem Einzelmensch einer anderen Rasse durch Rassenunterschiede unterschiede. Wenn das wahr wäre, gäbe es auch überhaupt keine Menschheit und auch nicht den Menschen, weil jeder Einzelmensch sich so sehr von jedem anderen Einzelmensch unterschiede, daß der Begriff des Menschen etwas bezeichne, was es gar nicht gäbe. Kein Mensch könnte dann in einem anderen Menschen einen Menschen recognizieren, weil es nur die Differenz zwischen ihnen existierte. Das wäre ein extremistischer Nominalismus, der im praktischen Leben nicht lebbar wäre. Es müßte dann nämlich konsequtuiert werden, daß der Mensch in seiner Denk-und Sprachwelt eingeschlossen wäre, die keinen Bezug zum Realen hätte. Die Sprachwelt bestünde dann nur aus Zeichen, etwa der Mensch, ein Haus, ein Baum, das Laufen...denen keine Realität zukäme, weil all diese Zeichen nie das Einzeletwas als Einzeletwas erfassen würden: Das Einzeletwas wird ja so als ein Fall von etwas Abstrakt-Allgemeinen begriffen: Ein Mensch: Das ist ein Fall des Menschseins. Es muß also ob des Menschseins allen Menschen etwas Gemeinsames geben, wie auch jeder Rasse etwas jedem Rassenangehörigen etwas Gemeinsames.

Im philosophischen Denken ist das die Idee von etwas, die sich in der Mannigfaltigkeit des Erscheinens der Idee in der Wirklichkeit manifestiert. Das Sein von einem Etwas ist so seine Teilhabe an der Idee von ihm. Wahr ist dann Etwas, wenn es seine Idee angemessen abbildet.

Dann wäre der angemessene Standpunkt zu den menschlichen Rassen die, daß jede so sein soll, wie sie von ihrer Idee her sein soll. Das schlösse aber einen Antirassismus, der die Rassendifferenzen verschwinden lassen will aus, wie auch einen Feminismus, der die Geschlechterdifferenz negieren möchte.


Sollen die Rassen sein oder sollen sie zum Verschwinden gebracht werden, das ist so die Kernfrage. Diese Fragestellung verkomplifiziert nun aber den Begriff des Rassismus vollends: Ist der Rassist, der die Rassenvielfalt bejaht oder der,der die Rassen überwinden will, weil die Rassendifferenzen etwas Negatives sind hin zum Projekt einer Einheitsmenschheit? Oder ist nicht der nur ein Antirassist, der alle Rassenunterschiede nichten möchte?


Wie viel einfacher ist es da doch, nicht nachzudenken und einfach zu deklarieren: Ich bin ein Antirassist! 

Zusatz:

Für das philosophische Denken kann es nichts Selbstverständliche geben außer der Pflicht, alles zu durchdenken. 

 



 

Mittwoch, 22. Juni 2022

Wem gehört die Kirche - die Grundfrage heutiger Zeit

Wem gehört die Kirche – die Grundfrage heutiger Zeit


Der „Theologe“ Häring zitiert auf seiner Internetseite in seinem aktuellen Zwischenruf zum „Synodalen Weg“ ganz euphorisch:


Wem gehört diese Kirche?

Ist sie die Kirche der Kardinäle und Bischöfe?

Nein, sie gehört uns Menschen!

Und es wird Zeit,daß wir sie in Besitz nehmen


Er selbst entnimmt diese Worte einem Buch, betitelt mit: „Entmachtet die Kirche“. Klarer und eindeutiger kann das Anliegen der heutigen Kirchendeformer nicht zum Ausdruck gebracht werden. Die Kirche war und ist nie etwas anderes gewesen als ein rein von Menschen hervorgebrachte Organisation. Bisher bestimmten aber die Kardinäle und Bischöfe, (warum nicht auch die Päpste?) den Kurs der Kirche, ja, was überhaupt die Kirche sei. Jetzt gälte es so, die Kirche zu demokratisieren. Das heißt, wir Vereinsmitglieder der Kirche nehmen nun die Kirche aus den Händen der Hierarchie und in unsere eigenen, denn die Kirche soll so zu unserem Besitz werden.

Das ist wirklich ein einzigartiger Vorfall in der Geschichte der Kirche. Bisher versuchten sich alle innerkirchlichen Reformbewegungen zu legitimieren durch die Behauptung, Gottes Wille und seine Offenbarung besser zu verstehen als die „Da Oben“ in der Kirche. Mit der hl.Schrift, manchmal wohl auch mit göttlichen Eingebungen, aber einfach nur durch besondere theologische Auslegungen wurde der bisherige Kurs der Kirche verurteilt, als verbesserungsbedürftig kritisiert: Gott wolle eine andere Kirche, nicht die, so wie sie jetzt sei. Schon die Rotte Korach wollte nicht einfach die Macht in der Kirche für sich usurpieren, nein sie deklarierte, da Gott allen gleich nahe sei, daß es so keine Hierarchie und somit auch nicht die des Mose und des Aaron geben dürfe: Wir sind alle gleich vor Gott, ihm gleich nahe und deshalb dürfe es kein Mittleramt geben.Diese Rottengeister nahmen so für sich in Anpruch, Gott besser zu verstehen als Mose und Aaron. Nicht ihren Willen, ihren Machtwillen wollten sie so durchsetzen, sondern, daß das Leben gemäß Gottes Willen gestaltet wird.

Aber jetzt kommt das absolut Neue. Jesus Christus, der Herr der Kirche wird radical expropriert, die Kirche gehörte nie ihm, sondern war immer nur ein Besitzgegenstand der Menschen. Aber faktisch betrachtete der Klerus die Kirche als die ihrige, als ihren Besitz. Darum müsse der Klerus expropriert werden und die Kirche vergesellschaftet in die Hände ihrer Mitglieder gelegt werden. Denn sie sind die alleinig legitimen Besitzer der Kirche.

Wie nun die Regierung der Kirche durch ihre Mitglieder zu gestalten ist, ist dann kein großes Problem:Den demokratischen Rechtsstaat vor Augen habend, gälte es nun einfach, den kirchlich zu kopieren. Der „Synodale Weg“ als Verparlamentarisierung der Kirche zeigt da schon den richtigen Weg. Wenn nun also in der Kirche das Kirchenvolk als der neue Souverän der Kirche ausgerufen wird, man möchte fast im Pathos der „Französischen Revolution proklamieren: Bisher sind wir nichts, jetzt wollen wir alles werden (der 3.Stand), dann ist das die völlige Entmachtung des Herrn der Kirche. Jesus Christus, Gott selbst haben für diese neue Kirche keine Bedeutung mehr, weil an ihre Stelle der autonome Mensch tritt, der nun die Kirche als seinen Besitz ansieht, den er ganz nach seiner Willkür regieren könne.


Das ist keine Häresie mehr, das ist der völlige Abfall vom Katholischen Glauben. Es ist kein Zufall, daß der „Theologe“, der so euphorisch diese kirchenumstürzlerische Parole auch die Abschaffung des Weihnachtsfestes auf seinem Internetblogg fordert: „Ist Gott wirklich Mensch geworden“, weil Jesus nach seinen „Erkenntnissen“ gar nicht der Sohn Gottes war, sondern daß nun in der Welt die Weisheit Gottes erschien. Die Weisheit sei nun nichts personalistisch zu Denkendes, sondern meint eher die Vernunft, die in der Welt und unter uns Menschen ist. Alles Kirchliche kann so eben in der Kirche abgeschafft werden, um es durch uns Gefälligeres zu ersetzen.

Nüchterner formuliert: Die Kirche ist eine Institution mit Freizeitgestaltungsangeboten, die ihre Angebote nicht mehr kundenorientiert produziert und darum sich neu ausrichten müsse auf die jetzigen (religiösen?) Konsumwünsche. Der Klerus glaube noch an objektive Wahrheiten, an eine objektive Qualität der Lehre der Kirche und wolle so planwirtschaftlich ihre Mitglieder damit versorgen, während unsere Marktwirtschaftskirchler nur ein Kriterium kennen: Der Kunde ist König, er bekommt, was immer er auch hören und sehen will. 

 

Zusätze
 

Die Bischöfe Deutschlands respondieren diese Frage nun viel simpler: Die Katholische Kirche ist eine Regierungsorganisation, die dem Volke zu vermitteln hat: Vertraut der Regierung, denn sie macht wirklich alles richtig, auch wenn ihr das nicht recht einseht. Sie ist über Euch! 

 

Kardinal Walter Kasper (vgl: Tagespost 22.6.2022: "Aussagen beim letzten Gericht nicht vertretbar") urteilt, daß auf dem "Synodalen Weg" die Katholische Kirche zu einer Knetmasse herabgewürdigt wird, die man jederzeit nach Lust und Laune umformen könne. 

 

Dienstag, 21. Juni 2022

Unzitierbare Worte der Bibel - oder was man alles in der Kirche nicht mehr sagen darf

Unzitierbare Worte der Bibel– oder was man alles in der Kirche nicht mehr sagen darf


Das Gut der Meinungsfreiheit, einst das Prestigeobjekt des „Freien Westens“ steht nicht mehr in hohem Kurs. Um die Freiheit vor ihrem Mißbrauch zu schützen im Namen der „wehrhaften Demokratie“ wird nun faktisch die Freiheit eingeschränkt- der letzte große Triumph: Ein österreichischer Musiker wurde zu 10 Jahren Gefängnis veruteilt, weil er rechtsradical musizierte. Da verwundert es nicht, daß auch im Raum der Kirche so manches nicht mehr gesagt werden darf.

Pontius Pilatus, nachdem er mit seinem Versuch, Jesus Christus vor der Todesstrafe zu retten gescheitert war, erklärte: Mit diesem Todesurteil habe er nichts zu schaffen. Er wüsche seine Hände in Unschuld. „Innocens ego sum a sanguine justi hujus“. (= Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.“ (Mt 27,24) Beachte: Pilatus beurteilt hier Jesus nicht nur als nicht schuldig sondern gar als gerecht. Aber Pilatus hat doch selbst Barabbas und Jesus als 2 zum Tode Verurteilte vor das Volk gestellt, damit es entscheide, wie es Brauch war, wen Pilatus ihnen freilassen solle.Damit ermöglichte er ja erst, daß das Volk, indem es die Freilassung des Barabbas forderte, Jesus zum Tode verurteilte. Die klar erkennbare Tendenz des matthäischen Passionsnberichtes stellt Pilatus aber uns als einen wenig souveränen sich von der jüdischen Volksstimmung treiben Lassenden vor Augen. Er ist eher ein passiv Erleidender als der Akteur der Kreuzigung.

Pilatus sagt somit: Es ist allein eure Sache, daß dieser Jesus jetzt gekreuzigt werden wird, denn ich erachte ihn für nicht nur unschuldig sondern gar für einen Gerechten. An seinem Blut, das so nun vergossen wird, bin ich unschuldig, lautet so das Resümee.

Wer trägt dann die Schuld an dem vergossen werdenen Blut des Gerechten? Darauf erfolgt eine klare Antwort: Das ganze Volk (universus populus)sagte:“Sanguis ejus super eos, et super filios nostris.“ (V 26).Das heißt: Wir und unsere Kinder nehmen die Schuld des vergossenen Blutes auf uns. Damit wird Pilatus zugesichert: Du bist wahrhaft unschuldig an dem jetzt vergossenen Blut, wenn es denn eine Schuld ist, weil wir sie, wenn es denn eine ist, auf uns nehmen. Damit ist Pontius Pilatus realiter exculpiert. Andere nahmen seine Mitverantwortung und somit seine Schuld auf sich, machten sie zu der ihrigen. Selbstredend waren hier das jüdische Volk sicher, daß die Hinrichtung Jesu eine angemessene Strafe für Jesus war, aber sie erklärten doch oder auch gerade deshalb, daß sie die gesamte Verantwortung auf sich nehmen werden, damit Pilatus unbesorgt die Kreuzigung Jesu anordnen kann.

universus populus“ steht geschrieben. Leicht fällt es der historischen Bibelkritik, diese Aussage, daß es das ganze jüdische Volk sei, daß da die Kreuzigung Jesu fordere, zu dekonstruieren. Das seien nur Wenige gewesen, aufgehetzt von ein paar machtgierigen Klerikern und überhaupt sei Pontius Pilatus der wahre Betreiber dieser widergesetzlichen Hinrichtung gewesen.Es muß aber a) festgehalten werden, daß dies nur Wahrscheinlichkeitsurteile der historischen Forschung sind, die nicht von sich behaupten können: So war es wirklich und b) daß für den christlichen Glauben das Matthäusevangelium verbindlich ist und nicht das, was Historiker für wahrscheinlich halten. Das Matthäusevangelium beurteilt also die da so die Kreuzigung Jesu Fordernden nicht als eine Teilmenge des Volkes, sondern als das universus populus. Die da so Agierenden repräsentieren so das ganze Volk.

In der Vulgataausgabe von Augustin Arndt SJ, 2.Auflage 1903 wird deshalb der Vers 25 so kommentiert: „Dies hatte Christus gedroht, 23,35,36. Einst hieß Israel das Volk des Segens,jetzt ist es ein Volk des Fluches geworden. - Die Juden wollen Pilatus Muth machen, damit er das ungerechte Urteil fälle.“

Jesus Christus hatte nach Kapitel 23, 35 dem jüdischen Volke angedroht: damit alles gerechte Blut, welches auf Erden vergossen ward, über euch komme.“ So wird diese Aussage dann kommentiert: „Gott läßt die Sünde des Menschen zu,weil er ihm einen freien Willen gegeben hat, aber was aus der Sünde nothwendig folgt, die Strafe,will Gott, nachdem der Mensch seinen freien Willen gemißbraucht hat und nicht in sich gegangen ist.“ Das „nothwendig“ ist nicht akzeptabel, denn Gott ist nicht einer Notwendigkeit des Sünden Strafenmüssens Unterworfener: Er straft, weil und nur weil er als Gerechter das will. „Das Blut kommt über...“ bedeutet hier aber wirklich, daß das unschuldige vergossene Blut Gottes Strafe auf die herabzieht, an denen nun dies Blut klebt.

Hiermit wird nun der moderne Leser mit einer Vorstellung konfrontiert, die ihm unzumutbar ist, denn er kennt in seiner liberalen Weltanschauung nur für eine Tat den Täter als den dafür Verantwortlichen. Hier wird aber das Volk begriffen als ein Subjekt, das als soches die Gesamtverantwortung für diese Tat der Kreuzigung trägt. Zur Veranschaulichung: Ein Mörder kann nicht sagen: Meine Hand hat das Opfer erwürgt, aber nicht ich! Für ein kollektivistisches Denken ist das Volk für bestimmte Taten so verantwortlich wie der Mörder für die Erwürgung und nicht etwa blos die erwürgt habende Hand. In diesem Falle überträgt aber die Menge, die Jesu Christi Kreuzigung fordert, die Verantwortung dafür auf das ganze jüdische Volk: Diese Tat soll als die Tat des ganzen jüdischen Volkes gelten- sein Blut soll über das ganze Volk, auch auf die nach uns kommen.

Es wird kolportiert, daß in dem geradezu genialen Film: „Die Passion“ von Mel Gibsen auf Interventionen philosemitischer Kreise diese Selbstverfluchung des jüdischen Volkes nicht zitiert wurde: Diese Aussage sei eben antisemitisch.

Es wäre eine mehr als verdienstvolle Aufgabe, die vielen Versuche zu rekonstruieren, mit denen diese Aussage des Mt-Evangeliumes weg-exegetisiert werden. Moralisch legitimiert werden solche Uminterpretationen durch das Narrativ einer Mitschuld der christlichen Religion an dem Holocaust. Aussagen, die antijüdisch, antisemitisch wirken könnten, dürfen nicht mehr unbeanstandet weiter verbreitet werden. Die liberalistische Ideologie, die keine Kollektivsubjekte kennt, ist dabei sehr hilfreich: Es gibt nur Einzeltäter. Aber in der Geschichte agieren nicht nur Einzelsubjekte sondern auch Völker, Parteien, Kirchen, Staaten als Subjekte; das muß dann diese Weltanschauung ausblenden. Interessant ist dann aber, daß dann doch wieder von einer Kollektivschuld der Kirche an dem Antisemitismus die Rede sein kann oder von einer Kollektivschuld der Deutschen.


Die hl. Schrift enthält eben nicht nur angenehme, komode Wahrheiten sondern auch Ärgernis provozierende. Wir leben aber in Zeiten, wo so harte Worte nicht mehr vertragen werden und so werden sie uminterpretiert versüßt. Das gleicht einem Arzt, der einem an Leberzerose Erkrankten das weitere Alkoholtrinken nicht verbieten mag, weil der Erkrankte so gern seinen Wein trinkt. „Wir dürfen doch nichts sagen, was Anstoß erregen könnte!“


 

Montag, 20. Juni 2022

Entchristlicht Jesus Christus!


Immer noch erschüttern die Oberammergauer Passionsfestspiele dieses Jahres die theologischen Gemüter. Geradezu euphorisitiert titelt Kath de am 19.6.2022: Theologe Mödl“Stück besserer Prediger als mancher Bischof“. Kirchenkritisch zu sein, gehört ja heutzutage zum Selbstverständlichen jedes guten Theologen. Was soll denn nun das so Gelungene an der diesjährigen Inszenierung sein? Daß Jesus entkirchlicht dem modernen Menschen so näher gebracht worden sei. Daß es Jesus um die Menschen, nicht um eine Kirche ginge, das sei das Zeitgemäße. Positiv zu werten sei auch, daß Pontius Pilatus zu dem Bösewicht schlechthin verzeichnet wurde, gegen die Aussagen der Evangelien, um so die Juden zu entlasten: Die Kreuzigung Jesu sei eigentlich nur das Werk dieses despotischen Pontius Pilatus. Die politisch korrekte Umgestaltung der Kreuzigung Jesu sei sehr löblich. Diese Umgestaltung verdankt sich natürlich nicht Ergebnissen historisch kritischer Erforschung dieser Materie, sondern den Vorgaben der politischen Korrektheit.

Aber noch löblicher ist, daß Jesu Christi Einsetzungs- bzw Wandlungsworte seiner ersten Eucharistiefeier weggelassen wurden, er spricht da nur noch ein Dankgebet an Gott. Das Kreuz Christi verkommt so zu einem puren Willkürakt eines römischen Despoten. Was bleibt dann von Jesus noch übrig: daß er sich für seine Mitmenschen engagiert habe. Der so entchristlichte und endkirchlichte Jesus ist eben ein Vorbild praktizierender Humanität. Als solcher und wohl nur noch als solcher sei er dann modernen Menschen noch vermittelbar.

Szenenwechsel: In dem Magazin:Theologisches Mai/Juni 2022 findet sich der lesenswerte Artikel: Mohammed als christlicher Prophet? -Der Koran als „Drittes Testament“? Eine Spekulationsfahrt ins theologische Absurdistan“. Es klingt verrückt, ist aber trotzdem wahr: Katholische Theologen und evangelische insistieren darauf, Mohammed als Propheten anzuerkennen. Die Kulturbeauftragte der EKD forderte gar, den Koran als „Drittes Testament“ dem Alten und Neuen Testament anzufügen. (Sp. 205). Das hieße, daß Jesus Christus nicht mehr als die Offenbarung Gottes zu stehen käme, sondern als eine, die eben der Ergänzung und der Vertiefung durch den Propheten Mohammed bedürfe. Wenn Jesus aber nicht mehr das Wort Gottes zu uns gesprochen ist, sondern nur noch eine Prophetie in der Reihe der vielen ist, die dann erst durch Mohammed ihren krönenden Abschluß fand, dann ich Jesus Christus völlig entchristlicht zum Vorbereiter des Islam degradiert.

So verschieden die Passionsspiele und der Versuch, Mohammed in die christliche Religion zu integrieren auch sind, eines ist ihnen gemein: Ihr Nein zu dem Jesus Christus der hl. Schrift, seine Herabdegradierung zu einem bloßen Gutmenschen oder zu einem Wegvorbereiter des einzig wahren Propheten: Mohammed.



 

Sonntag, 19. Juni 2022

Letzte merkwürdige Fragen- oder gibt es nur noch soziale? Ein Versuch zur Krise der christlichen Religion

Letzte Fragen- oder gibt es nur noch soziale? Ein Versuch zur Krise der christlichen Religion


Im Grunde gibt es nur ein einziges Problem:wird wirklich alles getan.damit auf der Erde möglichst viel Bequemlichkeit und Gerechtigkeit herrscht?“ So frägt Laurence in dem Roman von Simone de Beauvoir: Die Welt der schönen Bilder, im 1.Kapitel. Es ist keine simple Aussage, sondern eine in anfragendem Ton gefällte. Daß der „Gerechtigkeit“ als Ziel allem sozialpolitischem Handelns der Begriff der Bequemlichkeit vorangestellt wird, ironisiert dann auch noch das Ideal des Strebens nach der Gerechtigkeit. Müßte es neben oder über dieses einzige Problem hinaus nicht noch andere, wesentlichere Fragen geben? Aber die soziale Frage dominiere. Hierin kann die Substanz der heute vorherrschenden Ideologie des Humanitarismus wiedererkannt werden. Selbst das Problem des Umweltschutzes, der sogenannten Klimakatastrophe ist nur ein Unterpunkt des Problemes, wie für alle das Leben auf Erden komod zu gestalten sei.

Aber ihre Tochter, Catherine stellt nun noch andere Fragen. „Ich finde, Catherine wirkt traurig, irgend etwas beunruhigt sie.Sie stellt merkwürdige Überlegungen an.“ „Der Tod,das Böse, das ist schwer zu erfassen für ein Kind“. Die Mutter wollte ihre Tocher in einer Welt aufwachsen lassen, in der all dies ihr Kind beunruhigen Könnendes ausgesperrt ist, eine Welt schöner Bilder. Aber in diese, gleichsam durch Ritze drängt dann doch Irritierendes in die Welt ihrer Tochter. Der Mutter wird dann der gute Rat erteilt, sie zur Erstkommunion anzumelden, getauft worden sei sie ja schon, obzwar die Eltern nicht gläubig sind, denn: Mit solchen Fragen käme ein Kind nicht zu recht, „wenn es nicht an Gott glaubt. Der Glaube würde ihr helfen.“

Aber die Mutter reprobiert diesen Rat, denn sie wolle die Fragen ihrer Tochter nicht mit „Lügen“ beantworten. Die Ratgeberin erwidert: Nein, „Wahrheiten“ seien das, aber sie kann das auch nur beteuern, behaupten. Eine Pattsituation: Keine von Beiden kann die jeweilige Wahrheit ihrer Aussage begründen, ob der Glaube unwahr oder wahr sei.

Die Tochter stellt hier aber sie und die Erwachsenenwelt beunruhigende Fragen, das seien „merkwürdige Überlegungen“. Für solche Fragen sei dann der Glaube für Kinder eine gute Hilfe, mit ihnen zurecht zu kommen. Dieser Rat impliziert aber auch, daß der Glaube halt nur etwas für Kinder sei, um sie über ihre Fragen zu beruhigen, denn erwachsengeworden, frügen sie dann auch nur noch, was alle frügen, nämlich die einzig relevante Frage: Wie ist die Welt für alle Menschen bequem und gerecht zu gestalten? Der Glaube sei so nur etwas für Kinder mit „merkwürdigen Überlegungen“. Das will die Mutter nicht akzeptieren, sie insistiert auf das Recht dieser Fragen, lehnt aber den Glauben als die Antwortmöglichkeit ab.

Darin manifestiert sich eine Besonderheit des Existentialismus. Wie ihr Lebensgefährte Sartre sympathisierte auch de Beauvoir mit dem Marxismus und der Kommunistischen Partei, aber für Beide beantwortete diese Philosophie eben nicht alle Fragen der menschlichen Existenz. Da gibt es noch andere Probleme als die des Wieerschaffens einer gerechten Welt, in der dann im Prinzip alle Probleme gelöst sein werden. Diese „merkwürdigen Überlegungen“ sind sozusagen Pforten, die hinausführen können in den Raum der Religion und des Glaubens als individuierte Partizipation an einer Religion. Aber ein Hindernis verstellt auch den Weg zum Glauben: Sind denn die Antworten der Religion nicht bloße Lügen, Selbsttäuschungen? Daß die Antworten der Religion für das Leben nützlich wären, bestreitet hier die Mutter ja gar nicht, aber sie hält sie für unwahr und darum will sie nicht, daß ihr Kind in dem Glauben die Antworten auf seine Fragen findet.

Ihr Kind, Catherine ist ein zu metaphysischen, sie so somit auch beunruhigenden Fragen geneigter Mensch. Was passiert aber, wenn die Illusion, daß die „Soziale Frage“ die Antwort auf alles ist, wie es die Ideologie des Humanitarismus vorgibt, daß eben das Böse nur eine Folge der sozialen Ungerechtigkeit sei und daß der Tod kein Problem mehr wäre, lebten alle komod bis zu ihrem Tode, der dann nur noch den Schlußpunkt hinter einem abgeschlossenem Leben wäre, sich durchsetzt? Ist das dann Nietzsches „letzter Mensch“, der keine metaphysischen Fragen mehr stellt, auch und gerade auch die nach dem Sinn des Lebens, weil er im bequemen Konsumieren von Allem seinen Frieden findet? Auch dieser Philosoph wird noch umgetrieben von merkwürdigen Fragen, was denn der Sinn, der Zweck des Menschen sei (vgl die Vorrede seines Zarathustras), aber sind dem postmodernen Menschen diese Fragen etwa abhanden gekommen?




 

Samstag, 18. Juni 2022

Deutschland braucht keine 2. Evangelische "Kirche", sagt Papst Franziskus

Deutschland braucht keine 2.Evangelische „Kirche“ sagt Papst Franziskus


In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit den europäischen Kulturzeitschriften des Jesuitenordens hatte Papst Franziskus sich unter anderem zum Synodalen Weg in Deutschland geäußert. "Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen nicht zwei von ihnen", hat er demnach dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, gesagt“. Kath de: Söding, Papst Interview am 15.6.2022. Es wird inzwischen von Niemanden mehr bestritten, daß das der Papst so zu dem Vorsteher der deutschen Bischöfe und Leiter des „Synodalen Irrweges“ gesagt hat. Dem Papst gelang es hier, in einem Satz das ganze Unwesen dieses Deformationsunternehmens zu erfassen: Die Katholische Kirche mache sich in Deutschland selbst überflüssig, indem sie versucht, einfach die evangelische „Kirche“ zu kopieren. Wozu sollte es nun aber neben dem Original noch eine Photokopie der protestantischen Kirchen geben! Die objektive Tendenz aller dortig erhobenen Reformvorschläge ist eindeutig die einer Verprotetantisierung der Kirche. Zu Lebzeiten der DDR wurde gern der Witz erzählt: In der BRD lebten weit mehr gläubige Kommunisten als in der SED der DDR. Heute könnte der so umgeformt werden: Heutzutage gibt es mehr gläubige Protestanten in der Katholischen Kirche als in der EKD.


Kath de ist keine humorlose Internetseite. Denn sie schreibt tatsächlich: „Diese Äußerungen des Papstes wurden medial teilweise als Kritik am Reformprojekt der deutschen Katholiken verstanden.“ Man könnte meinen, daß so der Papst nicht etwa das Reformprojekt kritisiert sondern ihm so die Rote Karte gezeigt habe. Aber Apologeten dieses Deformprogrammes sehen ja in aller Kritik an ihnen immer nur einen Appell an sie, so weiterzumachen bis zur Selbstauflösung.


Eine Frage provoziert aber diese Lust an dem Projekt der Selbstverprotestantisierung: Was macht den heutigen Protestantismus Deutschlands für Katholiken so nacheiferungswürdig, daß sie ganz beseelt nur noch eines sich ersehnen, die Katholische Kirche in eine protestantische Religionsgemeinschaft zu transformieren? Nüchtern betrachtet muß das einem so vorkommen, als wenn der Trainer einer Bundesligafußballmannschaft, um den drohenden Abstieg aus der 1.Liga verhindern will, sich an dem Tabellenletzten und faktisch schon abgestiegenem orientieren will. Nur dieser Vergleich greift wohl irgendwie daneben, denn die Reformer erwarten doch eine Verbesserung der Kirche durch die anvisierten Reformen. Es müßte so einfach mal untersucht werden, für wen denn die anvisierten Reformen Verbesserungen erbrächten. 3 Antworten stellen sich da ad hoc ein:

Die 1. Antwort: Die Kirche bekäme eine bessere Presse, da sie so verprotestantisiert nicht mehr so arg von den politisch korrekten Medien attackiert werden würde. Die 2. Antwort ist ebenso simpel: Die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter der Kirche verbesserten sich deutlich, denn dann könnten sie in der Kirche ihren Job so nachgehen wie in rein weltlichen Unternehmen auch: Der Arbeitgeber kümmert sich allein darum, ob seine Angestellten ihren Job gut machen, privat können sie dann leben, isb im sexuellen Bereich wie es ihnen gefällt. Die 3. Antwort: Die Verdemokratisierung der Kirche gibt allen in Kirchengremien Wirkenden mehr Macht: Sie könnten endlich bestimmen, was gemacht und was nicht gemacht wird.

Nach Außen hin würde dadurch die Kirche in keinster Weise attraktiver oder einladender, sie würde nur weniger heftig angegriffen. Ja, gäbe sie ihr Spezifisches auf, könnte sie gar noch unattraktiver werden, so wie ihr protestantisches Vorbild. Zudem:Wenn es im organisiertem Protestantismus noch ein lebendiges religiöses Leben gibt, dann in evangelikal, fundamentalistischen und charismatischen ausgerichteten Gemeinden, aber an denen wollen sich selbstredend die Reformer der Kirche ja nicht orientieren, sondern nur an dem vor sich hin sichendem Protestantismus,dem man auf seinem Sterbebett die letzte Ehre erweist durch das kraftvolle Versprechen: Wir folgen Dir!

Aber es drängt sich doch der Verdacht auf, daß dieser Reformeifer nekrophile Züge trägt, daß man sein Ende vor Augen, das Absterben des Katholizismus nur noch beschleunigen will, um einem langwährigen Sichtum zu entgehen. Unsere Zeit ist eben eine der Auflösungen, der Dekadenz und der Morbität: Eine Kultur, die christlich abendländische hat den Glauben an sich selbst verloren und erwartet nur noch ihren endgültigen Niedergang.