Freitag, 15. Juli 2022

"Wer hat mein Lied so zerstört?" Auch Jesu Christi Klage?

Wer hat mein Lied so zerstört?“ Auch Jesu Klage?


Über das Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ ist nun schon so viel geschrieben worden, daß nichts mehr darüber schreibbar ist, wenn der Skandalon dieses Textes einfach überlesen wird, daß es da heißt: Was muß ich tuen, um das ewige Leben zu erlangen?“ Lk 10,25. Eine Laudatio auf die Nächstenliebe als der christlichen Praxis schlechthin ist leicht gepredigt. Einen Nebenton könnte dann eine liberale Predigt noch auf die Tatsache legen, daß ein als Nichtrechtgläubiger Diskriminierter sich richtig verhielt, wohingegen die Rechtgläubigen dem unter die Räuber Gefallenen nicht halfen: Jesus käme es so nicht auf eine Orthodoxie an, sondern allein auf die rechte Tat!

Aber was machen mit dem Ärgernis dieser Ausgangsfrage? In der Sonntagspredigt zum „barmherzigen Samariter“ fand der Prediger im Dom zu Köln eine bemerkenswert typische Lösung dafür. Es ginge bei diese Ausgangsfrage gar nicht um das ewige Leben, sondern es würde nach ewigen Leben gefragt. Das meine nun nicht etwas Jenseitiges und Postmortales sondern das gute, intensive Leben, das wir hier und jetzt schon führen und erleben könnten. Was interessiere uns auch das so ferne jenseitige Leben, wir wollten doch jetzt leben.

Die zu praktizierende Nächstenliebe sei also nicht eine zu erfüllende Bedingung, die zu erbringen sei, damit Gott uns dann dafür mit dem ewigen Leben belohne. Mitnichten, denn die Praxis der Nächstenliebe sei schon das gute Leben. Damit wird nebenbei eine utilitaristische Ausdeutung dieses Gleichnisses verworfen: Helfe Menschen in ihrer Not, damit auch Dir geholfen wird, wenn Du in einer Not sein wirst! Nein, die Nächstenliebe zu leben, das sei schon das erfüllte gute Leben.

Im Zentrum der Verkündigung Jesu Christi steht das Reich Gottes: Der alte Äon wird untergehen, Gott wird sein Reich errichten. Wie muß ich sein und leben, um in dies Reich aufgenommen zu werden durch Gott, dem Herrn dieses Reiches. In 2 Perspektiven wird dies Reich Gottes thematisiert: auf der Zeitachse als das zukünftig Kommende und auf der Raumachse als das Reich „oben“ als Reich des Himmels, dem oppositionell gegenübergestellt wird das Leben auf der Erde, das irdische Leben. Wo nach dem „ewigen Leben“ explizite gefragt wird, wie hier, wird auf der Raumachse gedacht, es wird also nach dem Jenseitsleben im Himmel „oben“ gefragt. Jesus als der Lehrer ist nun genau der Lehrer, der die Frage nach den Einlaßconditionen kompetent zu beantworten weiß. Darum lautet ja auch die Zentralaussage seiner Bergpredigt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Mt 5,20


(Kein Witz, aber eine evangelische Diplomtheologin erklärte mir, daß das Jesus unmöglich ernst gemeint haben könne, weil so lieblos Jesus nicht sein könne: Jesus lieben jeden Menschen und darum kämen auch alle in den Himmel, wenn sie es denn wollten.)


Das Zentrum Jesu Christi Verkündigung wird so in dieser Dompredigt zum Verschwinden gebracht.Das ewige Leben ist nun auch nicht mehr eine Gabe Gottes sondern wir verschaffen es uns selbst in der Praxis der Nächstenliebe. Der Sinn des Lebens, das was das Leben erfüllt und so zu einem guten werden läßt, wäre unser Engagement für die in einer Not sich befindenden Nächsten. In dem Sichausrichten auf den Anderen würde so das Leben des sich so Ausrichtenden zu etwas Sinnvollem und Erfülltem. Ist das nun eine Realität oder muß der so Lebende das glauben, um so sein Leben als ein erfülltes zu erleben? Und was hätte dieser Glaube dann noch mit dem christlichen gemein? Es ist doch bedenkswert, daß so Gott, den Gott uns Jesus Christus verkündigt, gar keine Rolle mehr spielt, denn dies erfüllte Leben kann ja jeder nur durch eine rein humanistische Praxis erlangen. Jeder Mensch, der einen Beruf ausübt, der anderen dient, könnte sich so als Nachfolger dieses Samariters verstehen, ob er nun Kranke als Arzt therapiert oder Semmeln für seine hungrigen Kunden bäckt. Um das uns mitzuteilen, wäre also Gott Mensch geworden: Es tue gut, anderen zu helfen.

Es wundert nicht, daß angesichts einer solchen Banalisierung der christlichen Religion die Kirche in Deutschland und nicht nur hier am Absterben ist.


 

Donnerstag, 14. Juli 2022

Kardinal Marx: Andeutungen für die neue "Katholische?" Kirche

Kardinal Marx: Andeutungen für die neue „Katholische?“ Kirche


In dem Kath de Artikel: „Söder vermisst Stimme der Kirchen in wichtigen Debatten“ am 13.7. 2022 finden sich ein paar wenige aber doch bedeutsame Aussagen dieses Kardinales zur Konstitution der auf dem „Synodalen Weg“ neu sich erschaffenden Kirche Deutschlands. Alle Religionen der Welt bedürften einer Selbstreinigung und einer Erneuerung. Das Ziel müssen mit den Vorgaben der modernen Gesellschaft kompatible Religionen sein. Sie müßten alle nationalistischen und seperatistischen Tendenzen in sich überwinden. Die Katholische Kirche müsse klarstellen, daß sie eine Kirche für alle Menschen sei, daß sie ein Zeiwechen der Einheit der Menschheit sei. Irgendwie sieht der Kardinal dabei einen Zusammenhang zwischen dieser Einheitsmenschheitsvision und der Reich Gottes Verkündigung Jesu, der aber nicht expliziert wird.

In der Parole, die christliche Religion aufklärungs- und zeitgemäß zu modernisieren, reaktiviert Kardinal Marx offenkundig das Anliegen des von den vorkonziliaren Päpsten einhellig verurteilten Modernismus: also, Schnee von Vorgestern. Neu hingegen ist die Betonung der Kirche als dem Symbol der Einheit der Menschheit. Das Faktum der verschiedenen Religionen, die sich je als die wahre verstehen, ist schwerlich als kompatibel mit der Konstruktion der Einheitsmenschheit anzusehen. Soll das also bedeuten, daß alle Religionen ihr Selbstverständnis zu ändern haben, daß sie sich alle als gleich wahre wechselseitig anzuerkennen haben?

Wie soll dann noch die Katholische Kirche ihre Identität sich bewahren, wenn sie eine Kirche für alle Menschen sein soll, die die Wahrheit aller anderen Religionen anerkennt? John Lennon träumt in seinen Lied „Imagine“ von einer Einheitswelt ewigen Friedens, weil es in ihr keine Nationen und keine Religionen mehr geben wird. Nicht nur Kardinal Marx möchte nun an dieser Vision festhalten, aber in ihr auch noch ein Reservat für die Religionen und die Katholische Kirche einrichten. Dazu müßten sie diesem Projekt gegenüber kompatibel umgeformt werden. Faktisch läuft das auf eine Neuauflage des Konzeptes der Aufklärung der rein vernünftig natürlichen Religion hinaus, die alle positiven Religionen ablösen soll. Das wäre eine Religion, die im Namen des einen Gottes die Einheit der Menschheit verkündigte, in der alle Differenzen entwertet werden sollen. Daraufhin soll dann auch die Katholische Kirche purifiziert werden. Katholisches wird dabei aber kaum noch übrigbleiben. Wie das aussehen könnte, das wird nun ja praxisorientiert auf dem „Synodalen Weg“ diskutiert. Könnte am Ende nicht gar eine „Synode aller Religionen“ tagen, die so eine Einheitsreligion hervorbringen soll? Natürlich verlangte dies den Ausschluß alle Fundamentalisten und Traditionalisten in jeder Religion,aber dafür engagiert sich ja schon Papst Franziskus. Steht also auf der Reformagenda die Entkatholisierung der Kirche um der noch zu erwirkenden Einheitsreligion ganz oben auf der Tagesordnung? Erste Schritte dahin sind schon erkennbar.


Es muß aber betont werden, daß solch eine Einheitsvision ganz und gar nicht in die Glaubenswelt der christlichen Religion integrierbar ist, lebt sie doch aus der Realität des Widerstreites zwischen Gott und dem Teufel und aus der Differenz zwischen der wahren und den unwahren Religionen und dann auch aus der Differenz von Kirche und Welt. Einheitsutopien wollen und müssen nun diese Differenzen nichten, um eine Einerleiwelt zu kreieren, in der selbst die Differenz von wahr und unwahr keine Bedeutung mehr spielen darf.

 

Zusatz:

Es gehört zum guten Ton, jede Rede von dem Willen zur Erschaffung einer "Neuen Weltordnung" als Verschwörungstheorien zu perhorreszieren. Befremdlich ist aber, wie viel Engagement für dieses Projekt in den verschiedendsten Diskursen aufzufinden ist und jetzt auch ganz praktisch in dem faktischen Krieg gegen Rußland, den die Ukraine für die Nato jetzt führt. 

 

Mittwoch, 13. Juli 2022

Das Christentum - eine Religion für Hintlerweltler

Das Christentum – eine Religion für Hinterweltler?


Wer so frägt, meint eben, daß es einen Fortschritt in der Menschheit gäbe, den halt nicht jedermann mitbekäme,sodaß diese Stehenbleiber noch etwas als für wahr hielten, das schon längst durch den Progeß der Wissenschaften als erledigt anzusehen sei. Wer nun aber in dieser Erwartung Nietzsches : „Von den Hinterweltlern“ (Zarathustra, 1.Teil) liest, wird aber irritiert werden, denn da heißt es:

Diese Welt, die ewig unvollkommene,eines ewigen Widerspruches Abbild und unvollkommenes Abbild“.Der Hinterweltler glaubt also an ein Jenseitiges, von dem aus gesehen das Diesseitige nur ein Ab- und Zerbild ist. Der wissenschaftliche Fortschritt kann so gesehen sich ja nur eine verbesserte und vertiefte Erkenntnis dieser Abbildwelt sein, aber die Urbildwelt kann nicht tangieren, denn die kann ja gar nicht ein Objekt naturwissenschaftlichen Forschens sein und überhaupt kein Gegenstand der wissenschaftlichen Erkenntnis, denn nur etwas in der Welt Seiendes ist ein Gegenstand möglicher wissenschaftlicher Erkenntnis, so zumindest nach Kant.

Die christliche Religion lebte, wenn diese Hinterweltlerkritik zuträfe, aus einem Dualismus aus dem Glauben an ein Jenseitsreich und der Erkenntnis einer Diesseitswelt. Das Diesseitige wäre dann als ein Abbild und wohl eher ein Zerbild des jenseitigen Urbildes zu begreifen. Könnte und müßte nun ob des allgemeinen Fortschrittsglaubens willen dieser Dualismus aufgegeben werden, damit so ein zeitgemäßes Christentum konstruiert werden könnte? Könnte es so ein Nichthinterweltler-Christentum geben?

Bevor diese Frage erörtert wird, soll aber Nietzsche selbst angefragt werden, ob denn seine eigene Philosophie ohne einen solchen Hinterweltlerglauben auskommt. In der Diesseitswelt gibt es nur den Menschen, so wie er ist, oder wie er geworden ist. Wo existiert dann Nietzsches „Übermensch“? Die Differenz zwischen dem Menschen der Realität und diesem Übermenschen ist ein klarer Dualismus. Die Realisierung der Idee vom Übermenschen erwartet und erhofft diese Philosophie von der Zukunft.So ergibt sich ein zweifacher Dualismus, einen horizontalen, den der Differenz von der Idee des Übermenschen und der Realität des Menschen und einen zeitlichen Dualismus, den von dem Jetztmenschen und dem Zukunftsmenschen. Sind diese 2 Dualismen nicht selbst wieder Manifestationen eines Hinterweltlerphilosophierens?

Der postmoderne Standpunkt, wo nun jede Hoffnung auf eine bessere Welt und wahre Menschen sich desillusioniert aufgelöst hat, erkennt wohl leichter als eine moderne Nietzschekritik, wie hier unter einer Maskerade des Endes jedes Hinterweltlerglaubens dieser selbst conserviert wird.

Der Übermensch ist der Sinn der Erde.“, heißt es gar in Zarathustras Vorrede 3. Ist die Erde, von der hier geschrieben wird, die uns wissenschaftlich zugängliche und erkennbare Welt? Nein, von der uns so zugänglichen Welt kann nicht prädiziert werden, daß sie in sich einen Sinn hätte, daß sie auf die Erreichung eines Zieles hin ausgerichtet wäre. Diese Aussage mutet uns genaugenommen 2 Welten zu, die uns zugängliche und eine andere, die der diesseitigen, also unserer einen Sinn, einen Auftrag, eine Bestimmung gibt. Die Welt wird so selbst dualistisch wie auch der Mensch dualistisch wird, indem dem wirklichen die Idee des Übermenschen entgegengesetzt wird.

Der christliche Dualismus, platonisch reflektiert expliziert, vertieft so nur den jedem Denken innewohnenden Dualismus. Das simple Urteil: „Das ist ein Baum“, begreift ja das damit Bezeichnete als einen Fall des Baumseins, der Idee des Baumes. In dem Gesehenen wird also die Idee des Baumes recogniziert. Das impliziert aber schon den Dualismus der Idee des Baumes und seiner wirklichen Erscheinung. Wer unzufrieden mit seinem eigenem Leben urteilt: „Das ist doch kein Leben, was ich da führe“, der appliziert hier ebenso einen Dualismus, den von seiner Idee des richtigen Lebens und der Wirklichkeit seines Lebens. Würde dieser Dualismus konsequent durchdacht, ergäbe sich irgendeine Ideenlehre, die die Differenz zwischen der Idee von etwas und seiner Wirklichkeit als ein Erscheinen dieser Idee reflektieren würde. Damit wäre die Basis jedes Hinterweltlerglaubens rekonstruiert.

Die Theologie als reflektierte christliche Religion hat nun diesen Dualismus zu ergründen und zu entfalten. Wie immer das dann auch materialiter durchgeführt werden mag im dogmatischen Denken: Ohne einen Glauben an Hinterwelten kann es die christliche Religion gar nicht geben, aber auch jedes Denken kommt nicht ohne solche dualistischen Welten aus. (vgl dazu auch mein Buch: Der zensierte Gott)


 

Dienstag, 12. Juli 2022

Die Katholische Kirche ohne Priester? Wozu bräuchte die nachkonziliare opfervergessende Kirche noch ihre Priester?

Die Katholische Kirche ohne Priester? Wozu bräuchte die nachkonziliare opfervergessende Kirche noch ihre Priester?


Der absolute Höhe- oder auch Tiefpunkt des „Synodale Weges“ bildete sicher der Antrag, der mehrheitlich, auch wenn die Mehrheit sehr knapp war, angenommen wurde, daß die Notwendigkeit des Priesteramtes in der Katholischen Kirche zu überprüfen sei. „Ein wichtiger Antrag mit drastischen Folgen“ titelte dazu Kath net am

Dominus Jesus“ von Kardinal Ratzinger verfaßt stellte noch fest, daß die aus der Reformation sich herauskristallisiert habenden „Kirchen“ nicht als Kirchen anerkannt werden können, eben auch weil in ihnen das sakramentale Priesteramt abgeschafft wurde. Nur dieser Ruf aus der Wüste blieb in den katholischen Kreisen Deutschlands unerhört, man blieb dabei, die evangelischen „Kirchen“ als Kirchen anzuerkennen, um somit einzuräumen, daß das Priesteramt nicht konstitutiv für das Kirchesein sei. Die Evangelischen können ja auch Kirche sein, ohne ein Priestertum.


Völlig in Vergessenheit geraten ist in dieser Causa, mit welcher Begründung Luther und die ihm Nachfolgenden das Priesteramt für mit der christlichen Religion unvereinbar hielten und es darum abschufen. Die Begründungsthese lautet: Weil Jesu Christi Sühnopfer das einzig wahre und hinreichende Opfer ist, kann und darf es in der Kirche kein Meßopfer mehr geben und damit auch keine Priester mehr, denn wo es kein kirchliches Opfer mehr geben dürfe, da kann und darf es keine Priester mehr geben. Der evangelische Pfarrer tritt so an die Stelle des Priesters, der als Leiter einer Gemeinde auch ein Pfarrer ist. Luther hat nicht eine pfarrerlose Kirche eingefordert, sein Mitkämpfer Melanchthon entfaltete ja eine 2 Ständelehre der Kirche, den der Belehrenden und den der Zubelehrenden. In das Zentrum des Gottesdienstes rückte so die Predigt als eine Belehrungsveranstaltung, während das Abendmahl als Appendix des evagelischen Gottesdienstes lutherisch nur einmal im Monat, reformiert nur 3-4 mal im Jahre gefeiert wird, weil es für den Gläubigen nicht so wichtig ist, denn das Heil kommt ja aus der Predigt, wenn sie glaubend aufgenommen wird.

Mißverstanden wird das reformatorische Anliegen, wird es antihierarisch interpretiert, als solle im Namen eines allgemeinen Priestertumes das amtliche negiert werden, um eine egalitäre Kirche zu konstruieren. Nein, es geht allein um die Alleingenügsamkeit des Kreuzaltaropfers Jesu Christi, die die Eucharistie als kirchliches Opfer ausschließe. Ganz simpel wird hier im Modus des wechselseitigen Sichausschließens gedacht: Weil Christus der wahre Priester sei, dürfe es keine anderen Priester mehr geben, weil er das wahre Opfer sei, dürfe es keine weiteren Opfer mehr geben. Nur wird hier nicht konsequent zu Ende gedacht, denn dann müßte ja auch geschlußfolgert werden, daß, weil Jesus der einzig wahre Lehrer und Pfarrer sei, es auch keine weiteren Lehrer und Pfarrer mehr geben.

Faktisch erkennt so der ökomenische Dialog gegen Kardinal Ratzinger die evangelischen „Kirchen“ als Kirchen an, obzwar sie ohne ein kirchliches Meßopfer und ohne das sakramentale Priestertum sind. Das heißt: Eine christliche Kirche kann auch eine ohne Priester sein. Somit kann das sakramentale Priestertum nicht mehr konstitutiv für das Kirchesein der Katholischen Kirche sein. Es ist nur noch von akzidentieller Relevanz. Wer nun die Versuche doch noch dies Priesteramt als konstitutives für das Kirchensein der Kirche zu rechtfertigen, kann nicht überlesen, daß es eher um Legitimierungsversuche des Pfarramtes handelt als um Begründungen für das Priesteramt. Das Kermproblem ist nämlich, daß in den nachkonziliaren Zeiten man am liebsten überhaupt nicht mehr vom Meßopfer sprechen möchte, ja auch den Priester primär als einen Gemeindepfarrer verstehen möchte. Denn wenn die Eucharistie kein kirchliches Opfer mehr ist, dann bedarf es in der Kirche auch keiner Priester mehr.

Wenn aber Gott nur noch einer der Liebe ist, wozu bräuchte es dann da des Kreuzaltaropfers Jesu Christi und dessen Abbild in dem Meßopfer. Über Luther hinausgehend, der ja immerhin noch an der Heilsnotwendigkeit des Sühnopfers Jesu Christi festhielt, wird heutzutage das Sühnopfer überhaupt in Frage gestellt, daß Jesus Christus wirklich für unsere Sünden am Kreuze starb. Wenn aber Jesu Tod kein Opfer gewesen sein sollte, dann kann es unmöglich in der Kirche noch ein Meßopfer geben, dann kann die Eucharistie wie das evangelische Abendmahl nur ein heiliges Essen sein. Für ein solches heiliges Essen bedarf es nun aber keinen Priester, dafür ist er überflüssig. Ja, es ist sogar konsequent, wenn bei den Abendmahlsfeiern eine Frau den Vorsitz führt, denn es entspricht der traditionellen Rolle der Frau als Hausfrau beim gemeinsamen Essen dem voranzustehen. Ist erst das Meßopfer abgeschafft und wird anstattdessen nur noch ein feierlicches Essen zu sich genommen, tritt folgerichtig ein Pfarrer an die Stelle des Priesters und die Pfarrerin vollendet dann diese Wandlung, damit nun eine „Hausfrau“ wieder dem gemeinsamen Essen präsidiert.

Die Notwendigkeit des Priesteramtes läßt sich eben nur mit der These der Heilsnotwendigkeit des kirchlichen Meßopfers begründen, aber davon will die nachkonziliare Kirche nichts mehr hören. Damit untergräbt sie aber notwendigerweise das Amtspriestertum und macht es zu etwas Wegreformierbarem.



 

Montag, 11. Juli 2022

Kardinal Marx "sieht Anbruch einer neuen Epoche des Christentums"

Kardinal Marx „sieht Anbruch einer neuen Epoche des Christentums“


So steht es geschrieben auf Kath de am 10.6.2022. „Aber die Botschaft des Mannes aus Nazareth wird nicht zu Ende gehen.“ So proklamiert es dieser Kardinal. Die neue Epoche des Christentumes, das wird zuvörderst eine Kirche ohne den „Zwangszölibat“ sein und eine, in der es das Frauenpriestertum geben soll. Der Kardinal erklärt ja nun schon regelmäßig, trotz eingehender Kritik, daß die Diskussion um die Legitimität eines Frauenpriestertumes nicht beendet sei. Unüberlesbar ist dabei zwischen den Zeilen des Kardinals Wohlwollen dieser Reformidee gegenüber. Das allein wird noch nicht das Ganze der neuen Epoche des Christentumes ausmachen, in die neue Kirche gehört noch ihre Verdemokratisierung und die Liberalisierung ihrer Moral- und insbesondere ihrer Sexualmorallehre.

Nun heißt es aber im Kirchenrecht (Canon 1024): „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.“ Wäre die Weihe nur verboten, könnte dies Verbot aufgehoben werden, aber wenn die Weihe von Frauen nicht gültig empfangen werden kann, dann kann dieseUngültigkeit nicht durch eine Gesetzesänderung beseitigt werden. Einem Priester kann die Kirche verbieten, die hl.Messe zu lesen und somit auch jedem, in dieser die hl. Kommunion zu empfangen, aber wenn ein Gläubiger sie dann da doch empfängt, empfängt er sie gültig, wenn auch verboten. Zelebrierte nun aber ein Diakon die Eucharistie, selbst wenn ihm das der Papst oder ein Bischof erlauben würde, empfinge ein Gläubiger aus den Händen des Diakones nur Brot und Wein, weil er keine geistliche Vollmacht zur Wandlung besitzt. Würde ein Ungetaufter zum Priester geweiht, empfinge er nicht diese Vollmacht zur Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi, denn das Getauftwordensein ist eine der 2 notwendigen Vorraussetzungen für den gültigen Empfang der Priesterweihe. Die zweite notwendige Vorraussetzung für den gültigen Empfang ist nun das männliche Geschlecht. So lehrt es die Kirche in dem 1024 Canon. Eine Frau empfinge so genauso ungültig die Weihe wie ein Ungetaufter. Von diesen 2 Conditionen kann die Kirche die Weihekandidaten nicht dispensieren.

Aber wie kann es dann eine Zukunftskirche mit einem Frauenpriestertum geben und wie kann die Kirche den Zölibat beseitigen, wenn doch Jesus Christus selbst als der wahre Priester zölibatär lebte? Alles kirchliche Priestertum ist ja nur ein abbildliches des Urbildes des Priestertumes Jesu Christi selbst. Nur ob dieser Methaxis ist es ein wahres Priestertum.

Aber Kardinal Marx und seine vielen Kombattanten sehen all das ganz anders. Es könnte sein, daß sich diese so ganz andere und nichtkatholische Sichtweise aus dieser Äußerung: „Aber die Botschaft des Mannes aus Nazareth wird nicht zu Ende gehen“ generiert. Das Zentraldogma des katholischen Glaubens lautet ja, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist. Aber in dieser Aussage wird aus diesem ein Mann aus Nazareth,der eine Botschaft hatte. Diese auf den ersten Blick so salopp daherkommende Formulierung ist aber voller metaphysischer Tücken. Es wird dabei präsumiert, daß hinter dem von der ganzen Bibel verkündigten und dargestellten Jesus Christus ein Mensch aus Nazareth verborgen liegt, der dann posthum in verschiedenster Weise gedeutet und interpretiert worden sei in den urchristlichen Gemeinden. Der heutige Leser der Bibel stünde so vor der großen Aufgabe, Schicht um Schicht der urchristlichen Interpretation abzutragen, bis sie auf den historischen Kern, dem Mann aus Nazareth vorstöße. Dabei soll es diesen Tiefengräbern aber nun nicht wie einem Zwiebelerforscher ergehen, der nie auf einen Kern vorstoßen kann, sondern es wird der kernige Jesus mit seiner Kernbotschaft aufgefunden. War der Jesus Christus das Fundament und die Legitimierung der Katholischen Kirche, so wie sie jetzt geworden ist, so ist dieser neu gefundene Mann aus Nazareth die Deligitimierung der Katholischen Kirche: Dieser „ echte“ Jesus, der hat eben was ganz anderes gesagt und gewollt als der verkirchlichte Jesus Christus. Der war eben gegen den Zölibat, für das Frauenpriestertum, für eine laxe Sexualmoral und für all das, was den Heutigen gefällt. Und von diesem neu erdichteten Jesus her soll nun die Kirche ganz neu auferbaut werden, alles Katholische, auf Jesus Christus sich Gründende hinter sich lassend in der neuen Epoche des Christentums.

Nur eines irritiert nun, daß diese neue Epoche schon mit der Reformation und in der Lutherkirche ihre Gestaltung schon längst gefunden hat!


 

Samstag, 9. Juli 2022

Wenn ein Kardinal über die Gleichheit der Menschen schwadroniert....

Die Gleichheit aller Menschen – ein Axiom der Theologie?


Für Kardinal Müller gilt nach seinem Interview zum Thema: Transhumanismus und christliches Menschenbild, (Kath net am 8.7.2022), daß ob der Gotteseben-bildlichkeit des Menschen die Gleichheit aller Menschen ein nicht hinterfragbares Axiom des christlichen Glaubens sei. Diese Proklamation der Nichthinterfragbarkeit scheint nun aber doch nichts anderes zu sein als eine schlichte Immunisieungsstrategie eines recht bezweifelbaren Axioms. Wird bedacht, daß die „Gleichheit“ zu der (un)heiligen Allianz der Dreieinigkeitsparole der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehört, die sich aus freimaurerischen Quellen speiste, muß das ernsthafte Bedenken evozieren und rechtfertigt so, dies Axiom der Gleichheit zu hinterfragen.

Es sei gleich das schwerwiegendste Problem anversiert: Jesus Christus sagt: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Mk 16,16. Wie könnte diese Aussage kompatibel sein zu der, daß a) jeder Mensch ein Ebenbild Gottes sei und b) so alle Menschen auch vor Gott gleich seien? Kann Gott denn Gleiche so ungleich beurteilen, den einen zum ewigen Heil und den anderen zur ewigen Verdammnis? Wenn die Gleichheit aller Menschen eine solche Ungleichbeurteilung als gerechte erlaubt, was besagt das über die Gleichheit aller Menschen aus? Im Johannesevangelium sagt der Heiland gar, daß wer nicht an ihn glaubt, daß über diesen der Zorn Gottes bleibt. (3,36) Alle Menschen sind gleich, da sie alle Gottes Ebenbilder seien und doch soll gelten, daß Gottes Zorn über alle seine Ebenbilder ist, wenn sie nicht Gottes Sohn glauben.

Offenkundig stimmt hier etwas nicht. Nicht die Gleichheit aller Menschen, weil sie alle Geschöpfe Gottes sind, ist die bestimmende Größe der Bibel sondern die Differenz im Alten Bund zwischen dem von Gott erwählten Volke Israel und den Nichterwählten, den Heiden. Gott rettet sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens aber wie grausam handelt er gegen das ägyptische Volk, dessen Erstgeburt er durch einen Todesengel töten läßt! Bis auf die 8 Menschen der Arche Noahs tötet er die gesamte Menschheit durch die Sintflut ob ihrers Sündigens. Unmöglich ist es, diese Geschähnisse mit dem Glauben an die Gleichheit aller Menschen in Einklang zu bringen. Der Neue Bund lebt dann ebenso aus der Differenz von der Kirche und der Welt, von den von Gott Erwählten und den Nichterwählten. Der Prolog des Johannesevangeliums, der wie ein Kompendium den Gehalt der christlichen Religion in seiner Differenz zu allen anderen Religionen ausformuliert, besagt ja: „Allen aber,die ihn aufnahmen, gab er Macht,Kinder Gottes zu werden,allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blute,nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht

aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Joh 1,12f) Ist das an dualistischem Denken noch überbietbar? Nicht die Einheit und die Gleichheit der Menschen ist so das Zentrale in der Beziehung Gottes zu den Menschen sondern diese Differenzierung.

Die fatalste Konsequenz dieser Gleichmacherei ist nun aber, daß der christliche Glaube so entwertet wird. Er ist dann nur noch eine Erkenntnis der Gleichheit aller Menschen und ihrer gleichen Menschenwürde, die aber als etwas Objktives unabhängig vom Glauben gelten soll.Ob ein Mensch glaubt oder nicht glaubt, tangierte so Gottes Beziehung zu ihm überhaupt nicht, denn Gott achtete jeden gleich, weil jeder sein Geschöpf sei.

Der Mensch lebt als soziales Wesen in Ordnungen, etwa der der Ehe. Was geschähe, wenn ein Ehemann jede Frau so wie seine Ehefrau ansähe in der Meinung, daß doch auch alle Frauen gleich wären, da jede ein Ebenbild Gottes sei? Was geschähe, wenn eine Mutter nicht zwischen ihren und den Kindern anderer Frauen unterschiede,wenn sie nun meinte,Mutter aller Kinder sein zu müssen, da sie die fremden ja nicht diskrimnieren dürfe? Jeder Staat lebt von der Unterscheidung von Staatsbürgern und Nichtstaatsbürgern, nur der Staatsbürger verfügt dann über die staatsbürgerlichen Rechte, nicht der Fremde. Alle diese Sozialordnungen leben aus der Differenz von Dazu- und Nichtdazugehörigen. Die freimaurerische Parole der Gleichheit aller Menschen ist so ein Gift, daß all diese Lebensordnungen zerstören muß, wenn diese Parole ernst genommen wird.

Nietzsche gerade als Philosoph der Lebensbejahung in seinem Ringen mit Schopenhauer, der uns die Lebensverneinung als Tugend lehrte, schrieb ja: „Denn so redet mir die Gerechtigkeit:>die Menschen sind nicht gleich>.Und sie sollen es auch nicht werden.“ (Zarathustra, 2.Buch: Von den Taranteln.) Gerecht, dem Menschen gerecht werdend heißt, seine Ungleichheit anzuerkennen und um des Lebens auch zu bejahen. Gott selbst gliedert die eine Menschheit auf in Rassen, Völker und Stämme, diese Schöpfungsordnung Gottes gilt es zu bewahren, daß so die Menschheit nicht aus Einerleimenschen besteht. 

Zusatz

Nur im Rahmen der Erschaffung der Neuen Weltordnung, daß alles nur noch eins sein soll in einer total beherrschten Welt ergibt diese Freimaurerprole einen Sinn. 


 

Wenn ein Kardinal vergißt, was der Mensch ist!

Wenn ein Kardinal Unsinniges zum Thema: „Transhumanismus und christliches Menschenbild“ von sich gsaenn vergessen wird, was der Mensch ist!


So betitelt findet sich auf Kath net am 8.7.2022 ein Gespräch eines Rechtsanwaltes mit Kardinal Müller, das so viel Unsinniges enthält, daß ich beim Lesen mich frug, ob das wohl satirisch gemeint sein könne. Mehr als ärgerlich und fast schon peinlich ist das permanente Herbeizitieren von Hitler und Stalin, von Auschwitz, um so das Anliegen des Transhumanismus zu verteufeln. Der etwas aus der Mode gekommene Vorwurf der Selbsterlösung muß dann auch noch herhalten, um endgültig dem Transhumanismus als etwas ganz Widerwärtiges zu entlarven. Ach ja, und irgendwie sind dann auch noch oder gerade Descartes und Nietzsches „Übermensch“ an Allem schuld.

Aber all diese Polemik soll ja nur der Verteidigung des „christlichen Menschenbildes“ dienen. Aber was wird nun darunter verstanden? Daß der Mensch eine Einheit des Körpers und der Seele, des Leibes und des Geistes sei und daß er als diese Einheit Gottes Ebenbild sei, dem so die Menschenwürde zukäme. Antichristlich sei dagegen jede dualistische Sicht des Menschen, die die Differenz der Seele von dem Körper betone. Die Theologie unterscheidet aber zwischen der unsterblichen Seele und dem vergänglichen Körper, daß das Sterben so die Loslösung der Seele vom Körper ist, daß die Seele also nach dem Tode im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle existiert und nur der Leib, verwesend im Grabe ist. Das ist ein eindeutiger Dualismus. Die Heiligen können für uns nur Fürbitten leisten, weil sie als Seele schon bei Gott sind, während ihre Leichname schon oft völlig vermodert sind.

Dieser Dualismus fndet im Schöpfungsbericht seinen markanten Ausdruck in der differenzierten Darstellung der Hervorbringung des Menschen durch seinen Schöpfergott, daß er menschliche Leib aus der Erde genommen wird von Gott, daß Gott aber dann in diesen menschlichen Körper die Seele hineinhaucht. Die katholische Anthropologie hält an dieser Differenz fest, daß nämlich nur der menschliche Leib durch die geschlechtliche Fortpflanzung entsteht, nicht aber die Seele. Denn Natürliches kann keine Seele, keinen Geist hervorbringen. Die Seele jedes Mensch inkarniert Gott als etwas unmittelbar von ihm Erschaffenes.

Dieser Dualismus gehört so also konstitutiv zur christlichen Anthropologie. Erst im Anfang des 20. Jahrhundertes kritisierten protestantische Theologen gegen diesen Dualismus, am bekanntesten Jüngel in seinem Buch: „Tod“. Die Entplatonisierung des Christentumes wurde gefordert, man lehrte den „Ganztod“, daß der Mensch nach dem Tode völlig genichtet würde und Gott ihn dann ganz neu erschaffen würde bei der Auferstehung der Toten. Mit dieser Vorstellung synthetisierte sich gern die des natürlichen Todes, daß das Sterbenmüssen zur Natur des Menschen gehöre und somit der Tod nicht mehr der Sünde Sold ist.

Dies Projekt der Entplatonisierung stößt nun aber auf unlösbare Probleme, denn nun können alle biblischen Aussagen über das Sein der Verstorbenen in der Unterwelt nicht mehr verstanden werden. Wie soll denn gar diese Aussage des 1. Petrusbriefes über das Wirken Jesu Christi nach seinem Kreuzestod in der Unterwelt begriffen werden: „So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.“ (3,20) Ob ihrer Sünde waren sie in diesem Gefängnis, all die, die nicht durch die Arche Noahs gerettet worden waren. Diesen predigte der in die Unterwelt hinabgefahrene Christus, um sie so zu erlösen. Außerdem: Wie könnten die Heiligen den für uns Fürbitten tätigen, wenn sie nicht, obgleich ihre Leiber in der Erde ruhen, als Seele bei Gott wären?

Zum christlichen Menschenbild gehört so konstitutiv dieser Dualismus, wird er ersetzt durch ein rein biologistisch-materialistisches Menschenbild, wie es der zeitgenössische Protestantismus aber auch sehr energisch die „Zeugen Jehovas“ vertreten, wird aber auch die Zentralaussage der christlichen Religion, daß der Himmel unsere Heimat sei, unverständich. Die Parole von der „Treue zur Erde“ (Nietzsche) paßte weit besser zum Menschen als eine Himmelsheimat.

Gott gab dem Menschen den Auftrag der Naturbeherrschung (1.Buch Mose). Da nun der Mensch als Leib selbst ein Bestandteil der Natur ist, inkludiert dieser Auftrag auch den Auftrag zur Selbstbeherrschung, daß die Seele den Leib beherrschen solle. Die Menschheitsentwickelung ließ den Menschen als Jäger und Sammler anfangen, aber er wandelte sich zum „Züchter“. Er züchtete sich seine Nahrung und züchtete sich so Pflanzen und Tiere. Was wäre dann von dieser Argumentation zu halten: Gott hat alles Natürliche gut erschaffen. So war es ein hybrischer Akt, wenn der Mensch Wölfe zu Haustierhunden und Raubtierkatzen zu Hauskatzen züchtete? Dürfte er keine Apfel- und Weinsorten züchten und Rassepferde? Widerspricht das Alles der Würde der von Gott erschaffenden Natur, daß der Mensch sich anmaßt, sie so zu optimieren? Konsequent zu Ende gedacht hieße das, daß die Kultur als Naturbeherrschung die Sünde des Menschen sei. Wie konnte er sich auch nur anmaßen, statt in natürlichen vorfindlichen Höhlen in selbsterbauten Häusern zu wohnen!

Da nun auch der Körper des Menschen etwas Natürliches ist, liegt es nahe, auch ihn als Objekt der Naturbeherrschung zu begreifen. Wem ein Bein amputiert werden muß, der erhält, wenn möglich eine Prothese, wessen Herz nicht mehr funktioniert, dem kann ein künstliches implantiert werden und wem die Zähne ausgefallen sind, der bekommt ein künstliches Gebiß. Das sind die uns allen vertrauten Anfänge der Cyborgisierung des Menschen, daß in seinen natürlichen Körper Künstliches implantiert wird, damit so diese Implantate die Funktion von natürlichen Teilen des Menschen übernehmen. Das Besondere ist dabei, daß hier nun die Technik nicht mehr etwas ist, das der Mensch in die Hand nimmt, wie etwa einen Hammer, um eine Arbeit besser verrichten zu können, sondern in seinen Körper integriert, um so etwas besser bewirken zu können als ohne ein solches Implantat.So ist es heutzutage schon denkbar, daß ein Erblindeter durch künstliche Augen wieder sehend wird. Das Implantieren und Integrieren von Künstlichem in den menschlichen Körper ist als Cyborgisierungskonzept das Herzstück des Transhumanismus.

Was nun alles durch dies Konzept an Positivem erreichbar ist, ist noch recht nebulös, hier schwankt man zwischen einem utopistischen: Fast alles sei möglich und pessimistischen Horrorzenarien von gezüchteten Monsterwesen. Realistisch ist wohl,daß wie zum Guten so auch zum Schlechten viel weniger rauskommen wird, daß aber dieser Transhumanismus unser Leben auf Erden verbessern wird, ist dies Projekt doch nur die konsequente Ausübung des Herrschaftsauftrages des Menschen, daß er vom Jäger zum Züchter wurde. Den Körper in Zucht zu halten, galt ja einst auch noch als eine Tugend, auch wenn heute selbst in der Kirche das freie Ausleben der Sexualität gepredigt wird.

Die Technik ist nun wirklich kein Medium der Selbsterlösung des Menschen, aber funkionierende Heizungen in Wohnräumen machen unser Leben bequem, behaglicher als müßten wir gar im Winter unter freiem Himmel nächtigen. So wird auch das Konzept der Cyborgisierung das Leben auf Erden komoder werden lassen, gerade durch zu erwartende Fortschritte der Medizintechnik. Wäre es nicht wunderbar, wenn an Demenz Erkrankte wieder ihr Gehirn gut gebrauchen können, wenn künstliche Implantate organisch nicht mehr Funktionierendes ersetzen könnten!

Eines darf dabei ja nicht vergessen werden: In Folge des Sündenfalles ist die Natur als Ganzes wie auch die menschliche depraviert: Wir leben nicht mehr in der von Gott gut erschaffenen Welt. Gerade darum auch muß der Mensch Gestalter und auch Züchter der Natur sein, weil sie selbst aus der Ursprungsordnung herausgefallen ist. Uns ist nur die Natur als immer schon gefallene vertraut und bekannt. Als solche ist sie auch optimierungsbedürftig. Wir Menschen sind eben so auch im umfassenden Sinne Mängelwesen (vgl Arnold Gehlen), die sehr krankheitsanfällig sehr wohl einer Körperoptimierung bedürftig wären, wenn sie möglich wäre. Gerade in dieser Hinsicht wird es zynisch, von Selbsterlösungsphantasien zu reden, wo es gilt, Krankheiten zu minimieren. Jesus Christus selbst heilte Blinde und sagte nicht zu ihnen: Deine Blindheit ist Dein Schicksal, das Du zu ertragen hast!