Montag, 22. Juli 2019

Wie eine alte Häresie modern wurde und jetzt die Kirche tötet!

"Aufklärung ist nur möglich,wenn der Mensch nicht schon kurzfristig der Gnade bedarf, um das Richtige zu tun.Die Modernen sind eben keine Augustiner mehr,sondern Pelagianer oder humanistische Semi-Monotheisten, meistens jedoch nur diffuse Atheisten mit einer Aussteuer an quasi-transzendenten Menschenrechten." Sloterdijk in: Sloterdijk/Heinrichs: Die Sonne und der Tod. Dialogische Untersuchungen, 2001, S.106. 
Daß die Aufklärung eine Rückkehr zu den Dogmen des Pelagianismus beinhaltet, ist nicht zu übersehen, wenn sich die Kernaussagen vor Augen geführt werden, daß

a) die natürliche Religion für das Heil des Menschen ausreicht, das ist, die Religion, insoweit Gott durch die menschliche Vernunft erkennbar sei, sodaß es keiner übernatürlichen gnadenhaften Offenbarung Gottes bedarf und daß

b) das Richtige, das was zu tuen ist, der Mensch allein durch seine Vernunft erkennen kann und er so keiner offenbarten oder gar kirchlichen Morallehre bedarf

c) auch kraft seines freien Willens vermag, sodaß er für das Gute Wollen und Praktizieren keiner göttlichen Gnade bedarf.

Das ist das Grundsatzprogramm Kants für die Religion in den Grenzen der Vernunft, aber so im Prinzip auch das Anliegen des Pelagianismus, für den es keine Heilsnotwendigkeit einer göttlichen Gnade geben darf, denn ein gerechter Gott könne von uns Menschen nur etwas einfordern, was wir allein kraft unserer Natur vermögen ohne eine Hilfe Gottes. Zu untersuchen wäre nun, ob nicht faktisch die nachkonziliare Theologie sich diesem Standpunkt annähert, ganz erfüllt vom Aufklärungsgeist.  Der Fundamentatheologe Magnus Striet, vgl dazu: Christologie auf dem Prüfstand und der Jesuit Albert Keller (vgl dazu mein Buch: Der zensierte Gott) vertreten solch einen Pelagianismus, aber sie sind sicher nicht die einzigen. Es darf gemutmaßt werden, daß die faktische Einstellung der Mission und ihre Ersetzung durch eine rein diakonische Praxis genau solch einem Pelagianismus verschuldet ist. Denn der Pelagianismus muß nicht nur die Kirche Jesu Christi sondern schon die Offenbarung Gottes durch Jesus Christus für überflüssig erklären, weil alles zum Heile des Menschen Notwendige er allein per Vernunft erkennen und dann auch praktizieren kann.  

Oder polemisch gefragt: Verkündet die Kirche heute noch etwas anderes als die Menschenrechte, den Umweltschutz und Multikulti?  

   

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