Sonntag, 19. Januar 2025

Ist der Glaube eine oder die Antwort des Menschen an Gott? Eine Kritik der verdrängten Frage der Heilsvermittelung

 

Ist der Glaube eine oder die Antwort des Menschen an Gott? Eine Kritik



Im jetzigen Katechismus heißt es: „Der Glaube ist die Antwort des Menschen an Gott, der sich dem Menschen offenbart“. (Nr.26) Da der Mensch aber auch auf das Sichoffenbaren Gottes mit: „Ich glaube nicht“ respondieren kann, dürfte der Glaube nur eine Antwortmöglichkeit sein, oder es müßte diese Aussage so verstanden werden, daß „die Antwort“ hier die wahre Antwort bedeutet. Das Glaubensbekenntnis, das dann der Katechismus im zweiten Abschnitt des ersten Teiles auslegt, von Nr.185 bis Nr.1065 wäre dann die Explikation des Gehaltes des antwortenden Glaubens.

Frägt der Deutschlehrer: „Wer verfaßte den Roman: „Der Mann ohne Eigenschaften“ und die gefragte Schülerin antwortet: „Thomas Bernhard“ dann ist das die Antwort dieser Schülerin und es ist eine falsche Antwort.Wenn Gottes Offenbaren und die Antwort des Menschen als zwei sich gegenüberstehende Tatsachen verstanden werden, dann kann nicht mehr ausgeschlossen werden, daß die gegebene Antwort eine unwahre ist.Daß Thomas Bernhard nicht der Autor dieses Romanes ist, ist allseits bekannt, bzw leicht nachprüfbar, sodaß die gegebene Schülerantwort als eine falsche erkannt werden kann.Um die Wahrheit des antwortenden Glaubens erkennen zu können, müßte also ein vom Glauben unabhängige Zugang zu der Offenbarung Gottes möglich sein, von woher dann die Wahrhaftigkeit der Glaubensantwort überprüft werden könnte. Wenn nun aber alle möglichen Reaktionen auf die Offenbarung Antworten sind, entweder die des Glaubens oder die des Nichtglaubens, dann gäbe es keinen unmittelbarem Zugang zur Offenbarung.

Wird nun das Glaubensbekenntnis als die Antwort auf die Offenbarung Gottes verstanden, dann fällt dies Bekenntnis sofort unter das Messer der historischen Kritik, daß die getätigte Antwort mehr über den Glaubenden als über die Offenbarung Gottes aussage, daß das Glaubensbekenntnis selbst in seiner Ausformulierung zeitgeschichtlich bedingt sei. Es ist dann kein weiter Weg mehr, bis Gottes Offenbarung zu dem kantischen „Ding an sich“ wird, das den Menschen dann dazu veranlaßt, eine Gotteserkenntnis hervorzubringen, die so sehr philosophisch formuliert durch das Erkenntnisvermögen des Menschen determiniert ist, bzw durch den kulturgeschichtlichen Kontext des Gott erkennen wollenden Menschen, daß nicht mehr geurteilt werden kann, daß das Glaubensbekenntnis mit dem Gott, wie er wirklich an sich ist, übereinstimmt.Gott wird zu einem Unerkennbaren, von dem wir uns nur menschlich allzumenschliche Vorstellungen produziert haben. Die Offenbarung Gottes beläßt somit Gott in seiner Unerkennbarkeit, da wir Menschen nicht einen direkten Zugang zur Offenbarung haben sondern nur über schon getätigte Antworten, in denen, da sie nur Antworten sind, das Offenbarte selbst nicht enthalten ist.

Für das Kirchenverständnis zeitigt dies die fatalsten Folgen, denn nun kommt die Kirche nur noch als eine organisierte Antwort auf die Offenbarung Gottes zu stehen. Sie vermittelt deswegen nicht mehr die Offenbarung Gottes, sondern degradiert sich zu einer kontingenten Antwortgemeinschaft, die auch anders hätte antworten können.Die verschiedenen Confessionen wären dann die differenten Antworten auf die eine Offenbarung und da es keinen direkten Zugang zur Offenbarung gibt, stehen sie vor uns als eine Pluralität von Wahlmöglichkeiten, wie man auf die Offenbarung antworten könnte.

Für die Lehre der Sakramente zog der reformierte Theologe K. Barth die Konsequenz, daß die Sakramente nichts vermittelten, sondern als die Antworthandlungen auf Gottes Heil neu zu konstruieren seien.Die materiale Durchführung gelang diesem Theologen altersbedingt nur noch als die Destruktion des Taufsakramentes, daß es als die Selbstverpflichtung zu einer christlichen Lebensführung in den Bereich der Ethik gehöre, ja sie konstituiere. Die Kirche vermittelt nichts und schon gar nichts durch die Sakramente, denn sie ginge ganz darin auf, ein Antwortereignis zu sein.

Wenn man nun die Entfaltung des Glaubensbekenntnisses im Katechismus bedenkt, drängt sich aber ein ganz anderer Eindruck auf, daß hier nämlich offenbarte Glaubenswahrheiten expliziert werden.Der in seiner Bedeutung sehr oft unterschätzte Philosoph Fichte sah in einem evidenten Grundsatz das Fundament der Wissenschaft, von dem her sich alle anderen Wahrheiten als Deduktionen zu verifizieren haben. In der wissenschaftlichen Theologie wären das von Gott offenbarte Wahrheiten, die dann die Theologie expliziert und aus denen weitere wahre Erkenntnisse konstruiert werden durch die deduktive Methode.So verstanden ist das Glaubensbekenntnis nicht eine Antworthandlung der Kirche sondern das Medium, durch das sich die offenbarten Wahrheiten den Menschen vermitteln.Die Kirche ist dann das Heilsvermittelungsinstitut, durch das, wie es der hl. Cyprian so treffend auf den Punkt gebracht hat, daß keiner Gott zu seinem Vater haben könne,der nicht die Kirche zu seiner Mutter habe,die Offenbarung Gottes vermittelt wird, sie vermittelt sich selbst durch den Dienst der Kirche. Diese Selbstvermittelung ist die Tätigkeit des Hl.Geistes.

Dann kann aber der Glaube nicht mehr einfach die Antwort des Menschen sein, sondern es müßte so differenziert werden: Die Offenbarung Gottes vermittelt sich durch den Glauben der Kirche, sodaß die Wahrheit im individuiertem Glauben, den je meinigen angeeignet wird.Der Glaube ist nämlich, wie der Katechismus es selbst dann praktiziert, ein ganzes System von Glaubensaussagen, das dann von den Gliedern der Kirche als die Wahrheit anerkannt und bekannt werden soll. Der ganze Gehalt des Glaubens ist ja umfassender als der der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus sondern resultiert aus der Geschichte Gottes mit den Menschen, wozu auch die natürliche Gotteserkenntnis zählt. Die Verzeichnung des Glaubens als einer Antworthandlung dagegen trennt die Kirche und ihr Glaubensbekenntnis so sehr von der Offenbarung Gottes, daß nicht mehr einsehbar wird, mit welchem Recht die getätigte Antwort die wahre ist oder ob sie nur eine von vielen kontingenten möglichen wäre, die alle weder verifiziert noch falsifiziert werden können.

 Corollarium

Die Gotteserkenntnis muß so begriffen werden als die Selbstvermittelung Gottes im Denken des Menschen als seine Erkenntnis,die von Gott im Denken.









Samstag, 18. Januar 2025

Die Früchte der Multikultigesellschaft...oder der Verlust einer Kultur!

 

Die Früchte der Multikultigesellschaft...oder der Verlust einer Kultur!


Kath de berichtet am 18.Jänner 2025 in dem Artikel: „Zahl der Kinder in bildungsfernen Familien ist gewachsen“ : „Immer mehr Kinder in Deutschland leben in Familien, in denen die Eltern weder Studium noch Ausbildung absolviert haben. Zwischen 2011 und 2021 stieg ihre Zahl von 11,4 auf 17,6 Prozent, so eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Mehr als jedes 20. Kind hat sogar Eltern ohne Schulabschluss. Auffällig ist dabei unter anderem, dass Kinder aus nicht-deutschsprachigen oder zweisprachigen Familien besonders häufig betroffen sind.“

Die Propagandisten der unkontrollierten Masseneinwanderung in Deutschland verhießen zwar Heerscharen von Bestausgebildeten, die nur zu uns kämen, um den Facharbeitermangel zu beheben, die in die Kranken- und Rentenkassen einzahlen würden als Gutverdiener, sodaß unsere Renten so gesichert würden, ja es kämen Unmengen von Kulturträgern, die unsere Monokultur verlebendigen würden, aber die Arbeitgeber Deutschlands stellen nun ernüchtert fest, daß die meisten Einwanderer nicht für den hiesigen Arbeitsmarkt qualifiziert genug sind.

Wer an einem beliebigen Kinderspielplatz in Deutschland vorbeigehend die Ohren spitzt, ob er da noch deutsche Sprachfragmente zu hören bekommt, wird wohl lange horchen müssen:Ein babylonisches Sprachgewirr erklingt da in seinen Ohren.Wenn Daheim überhaupt kein Deutsch gesprochen wird und sich ethnisch homogene Parallelwelten herauskristalisieren, in denen man ohne ein einziges deutsches Wort zu können, außer:“Nix deutsch!“ bestens auskommt, dann kann es niemanden verwundern, daß viele Kinder in bildungsfernen Familien aufwachsen und ungebildet bleiben, sofern darunter eine Teilhabe an der deutschen Kultur verstanden wird.

Die Multiethnisierung Deutschlands hat eben zur Konsequenz, daß sich ethnisch homogene Parallelgesellschaften herausbilden, die nicht oder kaum einen Anteil nehmen an der deutschen Kultur. Für viele ist es realistisch, in Deutschland zwar lebend fast ganz ohne einen Kontakt mit uns Deutschen zu leben, denn selbstverständlich sucht man eine Anstellung bei einem ethnisch dazugehörigem Arbeitgeber und und heiratet auch nur Landsleute. Wo die Einheit einer Gesellschaft sich auflöst, existiert auch keine allen gemeinsame Bildung und Kultur mehr, jede hier lebende lebt ihre eigene. Nietzsche schrieb mal, daß die Kultur der Stil eines Volkes sei:Wie kann es dann in dem vermultiethnisierten Deutschland noch eine gemeinsame Bildungskultur geben?


Daß der Kinderreichtum dann noch eine gute Möglichkeit ist für die Asylanten und Flüchtlingen, hier leicht zu Geld zu kommen, verstärkt dann noch die Tendenz, daß viele Kinder in bildungsfernen Elternhäusern aufwachsen.


Vor knapp 20 Jahren, als ich in München in der Jugendarbeit tätig war, erzählten mir Berufsschüler, daß isb die türkischen Mitschüler so gut wie gar nicht deutsch sprechen konnten, daß die dazu selbstbewußt erklärten, daß wir Türken bald diesen deutschen Laden übernehmen würden und dann müßten wir Deutsche Türkisch lernen. Wozu solle man sich da noch eine zum Untergange bestimmte Kultur aneignen!


Sicher sind nicht alle bildungsfernen Elternhäuser Einwandererfamilien, und es muß auch berücksichtigt werden, daß erst seit dem viele einer bestimmten Fremdethnie hier leben, das Interesse an einer Teilhabe an unserer Bildungskultur drastisch abnahm, aber trotzdem muß das Problem der bildungsferen Elternhäuser primär als ein Folgeproblem der konsequenten Vermultiethnisierungspolitik angesehen werden.


Es muß aber auch eingeräumt werden, daß in einer nichthomogenen Gesellschaft, einer in eine Ober- und Mittel- und Unterschicht ausdifferenzierten, erfahrungsgemäß die Unterschicht am meisten und die Oberschicht am wenigsten Kinder bekommt. Die Soziologie spricht hier von einem schichtenspezifischen Verhalten verbunden mit der Feststellung, daß in so ausdifferenzierten Gesellschaften die soziale Mobilität gering ist: Bitter, aber wahr: Wer „unten“ geboren wurde, bleibt in der Regel „unten“ und die Kinder aus guten Elternhäusern bewahren ihren Sozialstatus. In wirtschaftlichen Krisenzeiten vermehren sich die armen Elternhäuser, die so dann auch das schichtenspezifische Verhalten annehmen. Die Armut prägt das Leben, auch wenn das der Mythos von, daß jeder der Herr seines eigenen Schicksales sei, nicht wahrhaben will. In der Moraltheologie wie auch in der Sozialethik wird aber viel zu sehr personalistisch individualethisch gedacht, als daß diese Wirklichkeit des sozialen Lebens erfaßt werden könnte. Ein großes Maß an Inhomogenität verunmöglicht so eine Bildungskultur, stattdessen existieren nur nebeneinander praktizierte Subkulturen, ohne eine Einheit zu bilden.

 Zusatz: 

Ein aktuelles Beispiel der Vermultisierungspolitik: 

"Wien baut Luxuswohnungen: Einziehen dürfen nur Migranten.Luxuswohnungen für Asylberechtigte: 110 Neubauten mit Klimaanlage und Balkon sorgen in Wien-Favoriten für Aufregung. Österreicher werden ausgeschlossen, die FPÖ ist empört – und die Stadt Wien schweigt zu den Kosten." Junge Freiheit, 18.Jänner 2025

 




Freitag, 17. Januar 2025

Papst Franziskus: „Höhere Strafen für illegale Grenzübertritte in den Vatikan“- wie geht das denn?

 

Papst Franziskus: „Höhere Strafen für illegale Grenzübertritte in den Vatikan“- wie geht das denn?



So mancher Kath net Leser wird sich am 17.Jänner 2025 irritiert die Augen gerieben haben, las er diese Überschrift da. Das muß doch eine Falschmeldung sein, proklamiert doch fast täglich der Papst: „Öffnet die Grenzen, lasset jeden herein, der bei euch leben will und gewährt ihm alles, was er von euch einfordert!“Wenn es aber um seinen eigenen Staat geht, da praktiziert er nun das genaue Gegenteil.Gehört er so gar zu den Wein Trinkern, die dem gemeinen Volke Wasser und Brot predigen? Nur, so simpel verhält es sich in dieser Causa wohl nicht.

Sich für das Wohl des Vaticanstaates verantwortlich wissend, will er die illegalen Einwanderungsversuche unterbinden, zumindest zu verringern versuchen und erweist sich hier als ein verantortungsethisch Urteilender. Wenn es aber nicht um seinen Staat sondern um die westlichen geht, Westeuropa und die USA, dann inszeniert er sich als ein purer Gesinnungsethiker, daß das Richtige getan werden müsse ohne daß eine Rücksicht auf die Folgen dieses Tuens zu nehmen sei. Das Musterbeispiel solch einer rigoristischen Ethik präsentiert uns Kant, indem er lehrt, daß, selbst wenn ein Mann zu einem Ehemann sagt: „Ihre Ehefrau will ich ermorden, ist sie jetzt im Keller?“ der Gefragte die Wahrheit sagen müsse: „Ja, da ist sie!“, auch wenn sie daraufhin da ermordet wird.

Aber wie kann dann der Papst zwei so sich widersprechenden Ethiken vertreten? Er kann doch nicht beide bejahen. M.E gibt es dafür nur diese Erklärung: Papst Franziskus erweist sich hier als ein von der lateinamerikanischen Befreiungstheologie Inspirierter. Diese Theologie konnte in Lateinamerika so sehr reüssieren, weil sie auf die Frage, warum es denn uns Lateinamerikanern so schlecht ginge, eine einfache und befriedigende Antwort gab: Die uns ausbeutenden westlich kapitalistischen Länder sind an unserer Misere schuld. Die Anderen, nicht wir sind schuld, das kommt immer gut an. Um seinen eigenen Staat zu schützen, setzt der Papst bei sich auf Grenzen, die illegale Einwanderungsversuche unterbinden sollen,den westlich kapitalistischen Staaten gegenüber fordert er eine Politik der weit offenen Türen. Denn er weiß, daß das diesen Staaten schaden wird, denen, die für die Ausbeutung der armen Völker verantwortlich seien.

Man sollte Papst Franziskus demonstrative Distanzierung zur römisch-katholischen Tradition auch von dieser Perspektive her betrachten, daß hier ein Lateinamerikaner im Westen den Verantortlichen des Elendes seiner Heimat sieht.Kardinal Müller stellte zu recht fest, daß die Politik der weit offenen Grenzen die Ordnung der Völker zerstören soll, um der Erschaffung einer Einheitsweltordnung willen. Es könnte möglich sein, daß der Papst zuvörderst in den westlichen Staaten den Ausbeuterfeind der armen Völker der Welt sieht und so eine solche Destruktionspolitik des Westens unterstützt.Er weiß eben sehr gut, daß eine Politik der offenen Grenzen jedem Staatswesen schadet. 

Es muß so aber auch die Forderung nach einer Politik der offenen Grenzen der "Deutschland verrecke" Anhänger ("Feine Sahne Fischfilet) von der Position des Papstes unterschieden werden.  

Donnerstag, 16. Januar 2025

Gotteslästerung- ein Kavaliersdelikt der zeitgenössischen Kunst? Oder Agitprop?

 

Gotteslästerung- ein Kavaliersdelikt der zeitgenössischen Kunst?



Im Standpunktkommentar von Kath de am 16.Jänner 2025 widmet sich ein österreichischer „Theologe“ dem Thema: „Blasphemische Kunst“. Einen Erörterungsbedarf gibt es schon angesichts der Rabiatheit der Angriffe auf den christlichen Religion im Gewande der Kunstfreiheit. Immer wieder wird das Heilige persifliert: Eine Schweizer Politikerin hat eine von Kugeln perforierte Madonna ins Netz gestellt, die Performance-Künstlerin Florentina Holzinger hat die Kopulation einer Nonne mit dem Gekreuzigten gezeigt. Soll man das tolerieren – oder als Blasphemie brandmarken?“ Die Verhöhnung der Eucharistiefeier Jesu Christi in der Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele in Paris vergißt aber dieser Standounktkommentar mitaufzureihen.

Wie mit religionsfeindlichen Provokationen umgehen?“ frägt der Kommentar. „Wird Gott selbst durch solche Provokationen angetastet? Nein. Es werden Glaubensüberzeugungen von Menschen verletzt, die das Heilige nicht zur Disposition stellen. Juden, Christen und Muslime – sie alle kennen religiöse Symbole oder Lehren, die sie für sakrosankt halten. Das sollten Anders- und Nichtgläubige respektieren.“ Hier wird das Wesen der Gotteslästerung völlig verkannt. Es geht nicht um das religiöse Gefühlsleben, das sich beeinträchtigt empfindet von so gearteten Kunstwerken, sondern die Blasphemie ist ein direkter Angriff auf Gott.So behandelt der Katholische Katechismus die Blasphemie in seiner Explikation des zweiten Gebotes: „Der Name des Herrn ist heilig“ Nr. 2148. Die Gotteslästerung „ist ein direkter Verstoß gegen das zweite Gebot.“ Es ist ein Handeln „gegen Gott“. „Sie ist in sich eine schwere Sünde.“, stellt der Katechismus eindeutig fest.

Eine so schwere Sünde wider Gott zu tolerieren, kann nur als eine Absurdität bezeichnet werden. Es bedarf keiner hellseherischen Begabung, um vorauszusagen, daß, wenn in vergleichbarer weise jüdische oder islamische Gottesvorstellungen verhöhnt würden, niemand das für tolerabel erklärte. Aber die zeitgenössische Kunst attackiert ja auch nur die chritliche Religion und das ist in Ordnung! Auf den Beifall der Medien kann heutzutage jedes blasphemische Kunstwerk fest vertrauen.

So bejubelt der mit Zwangsgeldern finanzierte SWR eine blasphemische Theaterinszenierung: „Laut Opern-Pressesprecher Ebling hat es während der bisherigen beiden Aufführungen in Stuttgart "nur Zustimmung vom Publikum gegeben". SWR Kultur berichtete von "Jubel ohne Ende". In der knapp dreistündigen Performance gehe es darum, "jegliche Scham und Schuld, mit der das Christentum den Frauenkörper seit Jahrhunderten bestraft hat, abzulegen", schrieb SWR Kultur (Donnerstag online).“ (Kath de 11.10.2024: „Nackte Nonnen in der Oper“.

Der österreichischer Theologieprofessor gibt nun zu empfindsamen Christen den guten Rat: „Wer als gläubiger Mensch bereit ist, sich selbst mit den Augen anderer zu sehen, darf indes nicht ausblenden, welche Zumutungen die „ungläubigen Söhne und Töchter der Moderne“ (Jürgen Habermas) von manchen Frommen zu erdulden hatten und noch immer haben.“ Also, Gott wird nicht angegriffen, wenn er verlästert wird sondern nur die Gefühle der Christen und die sollten nun nicht zu mimosenhaft reagieren, schließlich muten wir ja den Ungläubigen der Moderne auch so Schreckliches zu. Nur, ich finde kein einziges Kunstwerk des 20. bzw 21.Jahrhundertes, in dem der Atheismus verhöhnt würde.

Realistisch gesehen schuf das Ende des Thron-und Altarbundes, das Ende der Konstantinischen Epoche den Feinden Gottes gute Voraussetzungen, nun ganz offen, den Kampf gegen die Wahrheit zu führen. Die Kunst in der Gestalt der agitatorischen Propaganda ist eben nicht nur ein bewährtes Mittel des politischen Kampfes sondern ebenso ein Kampfmittel wider die christliche Religion. Die agitatorisch polemische Kunst ist eben effektiver als die Darlegungen der aufklärerischen Religionskritik. Marquis de Sade Schriften überzeugen eben mehr als die von Ludwig Feuerbach. Diese Angriffe stoßen dabei auf eine zutiefst verunsicherte Kirche, die zu gern ihren Feinden auch noch zustimmt, da sie selbst die Kunst des Sichverteidigens völlig verlernt hat und sich so windelweich prügeln läßt. Ein schönes Anschauungsbeispiel für ein solches Kapitulieren vor dem Feind bietet uns Kath de in dem Artikel vom 11.10.2024 zu diesem blasphemischen Theterstück: Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes sagte am Donnerstag: "Ich wundere mich nicht, dass Zuschauer und Mitwirkende große Probleme mit dem Stück haben." Er habe zwar Respekt vor der künstlerischen Radikalität von Florentina Holzinger. "Sie legt schonungslos den Finger in die Wunde patriarchaler und klerikal-religiöser Herrschaft." Das sei "richtig und wichtig", denn es gebe "eine schlimme Schuldgeschichte unserer Kirche", so Hermes.“

Wie mit religionsfeindlichen Provokationen umgehen?“ Als die Kirche Jesu Christi antworten wir: Weil Jesus Christus die Wahrheit ist, wird er von der Welt und somit auch von den Weltkünstlern angegriffen!“ Wir wissen, daß nicht wir, sondern Gott selbst dabei der Verhöhnte ist und der sagt, nicht wir Christen:“Mein ist die Rache!“ (Röm 12,19)

Ein Zusatz:

Politiker,die sich als zu heftig kritisiert empfinden, zeigen ihre Kritiker an, der Spitzenreiter in diesen Majestätsbeleidigungsklagen ist der "grüne" Wirtschaftsminister, aber von Gott, der Majestät schlechthin, soll gelten, daß es ihm völlig gleichgültig sei, ob wir ihn ehren oder verunglimpfen! Und das meinen gar Theologen!  

2.Zusatz

Zu prüfen wäre, ob es sich hierbei auch wirklich um Kunstwerke handelt oder um  agitatorische Propagandamittel.



Mittwoch, 15. Januar 2025

Irrwege der Theologie: Gott erkenne den Menschen bedingungslos an

 

Irrwege der Theologie: Gott erkenne den Menschen bedingungslos an



Vorab der nützliche Hinweis: Die Lektüre des Elaborates des Eichstätter Fundamentaltheologen Böttigheimer: „Bedingungslos anerkannt“ ist eine reine Zeitverschwendung. Aber da sich diese Phrase der bedingungslosen Anerkennung des Menschen durch Gott, angeblich solle die auch das Jesu Lebenspraxis Charakterisierende sein, so großer Beliebtheit erfreut, wird hier eine Kritik dieser Vorstellung präsentiert.

Zur Prüfung der These der unbedingten Anerkennung des Menschen durch Gott soll hier dieser Fall erörtert werden: Ein Ehemann, ein tödliches Gift in der Hand, überlegt: Bringe ich nun meine Ehefrau um oder lasse ich es? Jetzt denkt er: „Gott erkennt mich bedingungslos an. Wenn ich nun meine Frau vergiiftet haben werde, wird Gott mich dann immer noch anerkennen? Wenn Gott mich nach dem Mord nicht mehr anerkennen würde, dann wäre seine Anerkennung von mir abhängig davon, daß ich meine Ehefrau nicht umbringe. Das widerspricht aber der These meiner unbedingten Anerkennung seitens Gottes. Also wird Gott, da er mich unbedingt anerkennt, mich auch noch anerkennen, nachdem ich meine Frau ermordet habe.“ Ja, nach einer reiflichen Durchdenkung dieser These kommt unser Ehemann zu dem Schluß: „Gott ist es gleichgültig, ob ich meinen Nächsten liebe oder ermorde, denn immer wird er mich anerkennen, das ist: Er wird Ja zu mir sagen, egal wie sehr ich auch sündigen mag!“

Der große russische Schriftsteller Dostojewski schrieb: Wenn Gott nicht ist, ist alles erlaubt. Diesem atheistischen Nihilismus muß so der theozentrische Nihilismus hinzugefügt werden: Weil Gott jeden Menschen bedingungslos anerkennt, ist alles erlaubt. Damit ist hinreichend bewiesen, daß diese These unvereinbar ist mit der christlichen Religion.

Ein paar Ergänzungen zu dieser These der unbedingten Anerkennung:

Seit Hegel und Marx erfreut sich in dem philosophischen Diskurs die Erörtrunng des Herr-Knecht Verhältnises großer Beliebtheit. Um der größeren Anschaulichkeit halber soll jetzt an einen englischen Grafen und seinen Butler gedacht werden. Der Butler erkennt seinen Grafen als seinen Grafen an und der Graf erkennt seinen Butler als seinen Butler an, das ist: Der Buttler verhält sich seinem Grafen gegenüber so, wie es sich für einen Butler geziehmt und der Graf verhält sich seinem Butler so, wie es sich für einen Grafen geziehmt.Ein Anerkennen ist so immer ein Anerkennen als etwas. Ich werde, wenn ich anerkannt werde,stets als etwas anerkannt. Die Vorstellung einer unbedingten Anerkennung verkennt dies „als“, als gäbe es eine Anerkennung ohne daß der Anerkannte als etwas anerkannt wird.

Ein weiteres Anschauungsbeispiel möge dies „als“ verdeutlichen: Wenn ein Mann eine verheiratete Frau begehrt, dann anerkennt er sie in diesem Begehren als eine begehrenswerte Frau an und anerkennt sie als eine Ehefrau nicht an, da er eine Ehefrau nicht begehren darf. So anerkennt und nichtanerkennt dieser Mann diese Frau in diesem Begehren zugleich. Die Vorstellung eines Anerkanntwerdens ohne die Frage des als was Anerkanntwerdens ist so ein unterkomplexes Verständnis des Anerkennens.

Ein Extrembeispiel: Ein Gericht erkennt einen Menschen als Mörder an, indem es ihn als Mörder zu seiner Hinrichtung verurteilt.

Ideengeschichtlich stellt diese These der bedingungslosen Annahme den Versuch dar, die Menschenrechtsideologie, den Glauben an die Würde des Menschen, ursprünglich antichristlich initiiert und so auch von der Kirche reprobiert, in die katholische Theologie zu integrieren, um dann die Menschenrechtsideologie zu dem neuen Zentrum der Theologie avancieren zu lassen. Für den interreligiösen Dialog soll dabei der Glaube an die Menschenwürde, fundiert in dem gemeinsamen Glauben an den einen Schöpfergott aller Menschen, das Fundament bilden.



Christoph Böttigheimer: Bedingungslos anerkannt











Dienstag, 14. Januar 2025

Papst Franziskus greift an – sein großer Kampf wider die Tradition der Katholischen Kirche im Geiste des Modernismus

 

Papst Franziskus greift an – sein großer Kampf wider die Tradition der Katholischen Kirche im Geiste des Modernismus


Wider was für Obskurantisten Papst Franziskus seinen Krieg führt, offenbart er jetzt in seiner just erschienen Bio- oder eigentlich genauer gesagt Autobiographie, die er schon zu seinen Lebzeiten zu Papier brachte, um wohl ihm nicht gemäße Nachrufe zu verhindern.Er legt jetzt eben schon seine Hagiographie vor verbindlich für die spätere Kirchengeschichtsschreibung. Wie jeder Heilige, so kämpft auch in dieser Hagiographie der Heilige wider die Feinde Gottes, die Mächte des Bösen.


Die Feinde sind die erzkonservativen Kirchenvertreter, die Ewiggestrigen, die Liturgie-Traditionalisten“ zitiert nach Kath de am 14.Jänner 2025 in dem Jubelartikel: „Papst Franziskus rechnet mit Liturgie-Traditionalisten ab.“ Die Befürworter der „Alten Messe“ zeichnen sich durch „Unausgeglichenheit, Affektstörungen, Verhaltensprobleme oder ein persönliches Unwohlsein“ aus. So diffamiert der Papst seine Kirchenfeinde, zitiert nach Kath net vom 14.Jänner 2025: „Keine Barmherzigkeit? - Franziskus reitet scharfe Attacke gegen die 'Alte Messe'“.

Worum geht es dem Papst in dieser seiner Hagiographie: „Hoffe“? Die Artikel der Internetseiten Kath de und Kat net, sonst fast in allen Dingen uneins, melden übereinstimmend: Papst Franziskus rechtfertigt hier seinen großen Kampf wider die „Tridentinische Messe“ und seinen Kampf wider ihre Anhänger. Diese zwei Punkte müssen hier von einander unterschieden werden, da er auch direkt die Sympathisanten der „Alten Messe“ angreift, indem er sie als sagen wir sozialpsychologisch und individualpsychologisch Nichtgesunde kategorisiert. Sie seien eben Affektgestörte mit Verhaltensproblemen! Andersdenkende als irgendwie psychisch krank abzuqualifizieren gehört eben zur Kampfrhetorik,der sich dieser Papst gerne bedient.

Der Kern seiner Kritik an der „Tridentinischen Messe“ offenbart der Papst in dieser soziologisch geschichtsphilosophischen These: "Der Traditionalismus, das in jedem Jahrhundert neu auftretende Beharren auf 'Rückständigkeit', ist eine soziologisch interessante Erscheinung, nimmt er doch stets Bezug auf eine angeblich vollkommene Zeit, die aber jedes Mal eine andere ist", schreibt der 88-Jährige.“ Das heißt, daß die „Alte Messe“, weil der Fortschritt der Kirche sie veraltete, nur noch von kirchlichen Fortschrittsfeinden bejaht würde. Der Vorwurf der „Rückständigkeit“ meint, daß hier man nicht mit dem Fortschritt mitmarschieren will. Das Zentralorgan der SPD hieß vor seiner Einstellung: „Vorwärts“, das entspricht ganz dem Kirchengeschichts-verständnis des Papstes. So charakterisiert er dann die Ausstrahlungskraft dieses reaktionären Vorhabens einer Restitution der „Alten Messe“: „Sie ist schon kurios, diese Faszination vom Unverständlichen, vom geheimnisvollen Klang, der oft auch das Interesse der jüngeren Generationen erweckt", so der Papst.“ (Kath net). Das Schlimmste ist dabei für diesen Fortschrittsgeschichtsphilosophieanhänger, daß unter der „jüngeren Generation“ ein Interesse an der „Alten Messe“ lebendig ist, denn für diese Fortschrittsgeschichtsphilosophie sind die Jungen, die Nachfolgenden stets der Garant des Fortschrittes. Jetzt muß der über 80 Jährige konstatieren, daß die Jugend den Ruf zum Weiter-Vorwärts sich verweigert und er den Glauben an den Fortschritt gegen sie verteidigen muß. Konkret verlangt der Papst so die Entfernung so ewiggestrig Gesonnener aus den Priesterseminaren und polemisiert gegen Bischöfe, die so Eingestellte in die Priesterseminare zuließen: „Laut eigener Aussage musste er sich mit dieser Problematik während seiner bisherigen Amtszeit in vier Fällen auseinandersetzen - drei davon in Italien, einer in Paraguay. Dabei habe es sich immer um Diözesen gehandelt, die Priesteramtskandidaten aufgenommen hätten, die bereits von anderen Priesterseminaren abgelehnt worden seien. "Mit diesen Kandidaten stimmt meistens etwas nicht, etwas, das sie dazu treibt, ihre Persönlichkeit hinter starren und sektiererischen Konzepten zu verbergen", warnt der Papst.“ (Kath net) Mit denen stimme was nicht, sie seien eben irgendwie gestört.

Zu einer theologischen Kritik ist der Papst unfähig, ihm ist die „Tridentinische Messe“ nur ein unverständliches Spektakel, bei dem ihm nur die Nichtschlichtheit der liturgischen Gewänder aufstößt. Aber er wirft den Anhängern vor,daß für sie die Frage des Wies des Gottesdienstes eine ideologische Frage sei. Daß es bei der Frage des Wies des Gottesdienstes um eine theologische Frage handelt, liegt außerhalb seines Vorstellungsvermögens. Für ihn gibt es nur den Fortschrittsglauben, der es ausschließt, eine veraltete Gottesdienstgestalt beizubehalten.


Der Kath de Artikel zeigt aber auch, worin für den Papst der kirchliche Progress besteht, dem sich diese Ultrakonservativen und Ewiggestrigen entgegenstellen: „Als "Heuchelei" bezeichnet er die innerkirchlichen Widerstände gegen die Öffnung der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene und die Segnung Homosexueller. " Die Auflösung der kirchlichen Ehemorallehre und der über die Homosexualität, das ist der Fortschritt, für den dieser Papst seinen heiligen Kampf führt gegen die Mächte der Finsternis, die an der Lehre der Kirche und der Weise, wie die Kirche fast 500 Jahre die Messe zelebriert, festhalten, weil sie sie als wahr anerkennen. Für den Papst gibt es dagegen nur den Fortschrittsglauben, der die gestrigen Wahrheiten stets als veraltete negiert um der immer neuen Wahrheiten willen. Papst Franziskus ist so im Kern ein konsequenter Modernist, der an die Verheißungen des Fortschrittes glaubt, aber das zu einem Zeitpunkt, wo die Moderne schon zugrunde gegangen ist und stattdessen wir in der Postmoderne leben und zu derem Primat des Ästhetischen paßt die „Alte Messe“ weit besser als die jetzige Meßgestalt, geprägt durch den Geist der Moderne.


Eines wird aber an dieser autobiographischen Papsthagiographie und dem Jubel von Kath de über den Kampf wider die „Alte Messe“ überdeutlich: Mit Pluralität, Diversität, Toleranz etc hat der linksausgerichtete Papst und die linksliberal ausgerichtete Kath de Internetseite nichts im Sinne, eine neostalinistische Einheitsvorstellung liegt ihnen näher!





Montag, 13. Januar 2025

Christliche Ethik in einem Widerstreit mit dem Humanismus? Über die Bedeutung des Opfers

 

Christliche Ethik in einem Widerstreit mit dem Humanismus?


Wer hier eine Differenz wahrnimmt, denkt nicht auf der Höhe der Zeit.Der Glaube an die Menschenwürde und an die Menschenrechte verbinden die Moraltheologie mit dem Humanismus, wobei dann die Moraltheologie den Glauben an den Schöpfergott, der als solcher jeden Menschen als sein Geschöpf bejaht als einen kontingenten Zusatz miteinbringt. Die Menschenrechtsideologie gilt als in sich selbst evident und somit nicht noch selbst einmal zu begründen, aber durch den Glauben an den Gott, der den Menschen und somit jeden affirmiert, kann der Menschenrechtsideologie eine so nicht notwendige Letztbegründung offeriert werden. Wesentlicher ist aber, daß dadurch der Humanismus in die katholische Morallehre integriert werden kann, ja der Humanismus faktisch die Substanz der heutigen Morallehre ausmacht, auch wenn leider noch zu viele retardierende Elemente in ihr präsent sind, die eine humaitaristische Fortentwickelung blockieren, isb die Sexualmorallehre und die der Ehe und der antiquiieren Geschlechterdifferenzlehre. Signifikant ist dabei die Zurückdrängung einer an Jesus Christus orientierten Morallehre zugunsten von Konstruktionen, die aus dem Glauben an die Menschenwürde her abgeleitet werden.

Nun findet sich in Emanuel Hirschs: „Deutschlands Schicksal“, obgleich schon vor 100 Jahren publiziert eine Aussage, die dieser Harmonisierung radical in Frage stellt: „Eine Ethik,die dem Geheimnis des Opfers für ein großes Ganzes nicht gerecht werden kann, ist ernsthafter Erwägung kaum wert.Allein dadurch, daß sie sich um des Gewissens willen und aus Liebe zu einem Höheren völlig hingibt, bekommt eine einzelne Persönlichkeit einen unendlichen Wert.“ (Deutschlands Schicksal, S.106)

Wenn hier der evangelische Theologe Hirsch von dem Opfer spricht, hat er zuvörderst das Opfer Jesu Christi vor Augen. Im Zentrum der christlichen Religion steht das Opfer, das Kreuzaltaropfer zur Erlösung der Welt. Der Humanismus setzt den Glauben an den Menschen, an seine Würde und somit an die Menschenrechte in das Zentrum,sodaß es für ihn nur noch den sittlichen Imperativ gibt, dafür zu sorgen, daß jeder Mensch gemäß dieser Würde leben kann und jeden anderen gemäß seiner Würde anerkennt. Der Opferbegriff ist hier völlig sinnlos und widerspricht auch dem Humanismus: Wenn jeder Mensch selbst der höchste Wert ist, wenn er als selbstzecklich geglaubt wird, dann muß der Imperativ: „Opfere Dich auf für...“ als geradezu antihumanistisch erscheinen. Aber der Ruf in die Kreuzesnachfolge inkludiert zumindest die Bereitschaft, sich auch aufzuopfern.

Jesu Christi Wort: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13) ist in eine humanistische Ethik nicht integrierbar. Aber das Kreuz Jesu Christi bildet das Zentrum der christlichen Religion und nicht der Glaube an einen jeden Menschen liebenden Schöpfergott, der dann auch durch diesen Jesus von Nazareth seine universalistische Menschenliebe in Tat und Wort nochmals verkündigen ließ.

Der Einzelene ist nicht schon für sich der höchste Wert, der als pure Selbstzwecklichkeit existiert und die Anderen so immer nur zuvörderst als ein Mittel der Steigerung seines eigenen Lebens gebraucht, sondern erst durch seine Ausrichtung an etwas über ihm Seiendes gewinnt seine Existenz Größe und Wert. Im Raume der Religion ist das sein Sichausrichten auf Gott als dem Höchsten und im weltlichen Leben sein Sichausrichten auf Höheres als sein Privatleben. Hirsch hat hier konkreter das eigene Volk vor Augen, aber genauso ist dabei an die Familie oder die Ehe oder andere Vergemeinschaftsgesellschaften.

Den Hintergrund bildet die Tradition des organologischen Denkens, eine Gemeinschaft wie einen lebendigen Körper zu denken, der als ein Ganzes aus dem Zusammenwirken seiner Glieder lebt. Der Apostelfürst Paulus deutet so die Kirche, isb wenn er sie als den Leib Jesu Christi versteht. Jedes Glied in ihr hat seinen besonderen ihm gebührenden Platz und ihm gebührende Aufgabe als seinen Dienst für das Ganze. Den Gegenpol bildet das kontraktionalistische Denken, daß selbstständige Menschen eine Vertragsgesellschaft gründen, in der alle zum wechselseitigen Nutzen agieren. Die Art von Gesellschaft hat den Einzelnen zum höchsten Wert und erkennt, daß das Wohlergehen des Einzelnen gesteigert wird, wenn die Beziehungen aller untereinander durch Verträge des wechselseitigen Nutzens organisiert werden. Wo aber der Einzelne der höchste Wert ist, muß der Gedanke des Opfers als inakzeptabel ausrangiert werden. Das utilaristische Prinzip: „Helfe anderen, damit Dir die Anderen helfen, wenn Du selbst der Hilfe bedarfst“, ist eben ein vernünftig praktizierter Egoismus, heutzutage gern als Solidarität verzeichnet und schließt so konsequent ein Sichopfern aus, da es ja nichts Größeres und Höheres als das Eigenwohl gibt. Der Kontraktionalismus ist so die Konsequenz des Glaubens an die Person als dem Höchsten, der andere nur als ein Mittel zur Steigerung seiner selbst kennt und vertraglich eine Ordnung erstrebt, in der alle Beziehungen Verträge wechselseitiger Nutzung sind.

Das ist die Substanz des Humamismus, der bürgerlichen Weltordnung, die in der „Französischen Revolution“ das Licht der Welt erblickte,aber dieser Humanismus ist nicht christlich. Es ist kein Zufall, daß die französischen Revolutionäre die Katholische Kirche als ihren Feind ansahen und sie bekämpfen – bis heute, es sei an die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Frankreich des Jahres 2024 erinnert.