Montag, 20. Oktober 2014

Neuevangelisation

Zwei Begriffe bestimmen die innerkirchliche Diskussion zumindest im deutschsprachigen Raum: Reformen und Neuevangelisation. Ersterer ist das Lieblingsmantra des linksliberalen Katholizismus und meint nichts anderes als die Anpassung an den Zeitgeist, um so besser bei den Menschen anzukommen: die Verweltlichung der Kirche.

Ist nun der Begriff der Neuevangelisation der Oppositionsbegriff dazu: meint er die Verkirchlichung der Kirche? Der Adressat dieser Evangelisation soll ja nicht der Nichtchrist sein, sondern Christen. Bekehrte sollen noch einmal, also bekehrt werden? Eine einfache Beobachtung volkskirchlicher Realität steht wohl dahinter: daß scheinbar auch vielen getauften und gefirmten Katholiken ihr Glaube recht gleichgültig ist, daß sie nicht leben, was sie glauben, wenn sie denn überhaupt im Sinne der Kirche glauben. Der Gesamtkomplex der Vermittlung des Glaubens der Kirche, von den Eltern über den schulischen Religionsunterricht, dem kirchlichen Unterricht, der Erstkommuniosvorbereitung, der Firmungsvorbereitung und die Bildungsarbeit der Gemeinden und der kirchlichen Verbände, ein fast unüberschaubar großer Komplex versagt-nicht völlig, aber weitestgehend. Denn sonst müßten diese Vermittlungsinstanzen die Forderung nach einer Neuevangelisation unnötig machen.

Was leisten die Vermittlungsinstanzen des Glaubens?
Das evoziert die Frage: woran wird der Erfolg bzw der Mißerfolg dieser Vermittlungsinstanzen festgemacht. Vorläufig sagen wir: ob es gelingt, den Glauben der Kirche so zu vermitteln, daß er individuiert von ihren Gliedern gelebt wird. Beim Spracherlernen gilt ja auch: das System der zu erlernenden Sprache ist vor dem einzelnen Sprechakt. So ist auch der Glaube der Kirche vor dem individuellen Glauben, der sich zum Glauben der Kirche verhält wie der Einzelsprechakt zum System der Sprache. Die Differenz des von den Getauften wie gelebten Glaubens zum kirchlichen Glauben ist so der Grund für die Parole einer Neuevangelisation. So kann der Begriff der Neuevangelisation als der Oppositionsbegriff zu dem der Reformen begriffen werden.

Was offensichtlich fehlt ist eine konkrete Analyse, was der Gesamtkomplex der Vermittlung des kirchlichen Glaubens leistet und was er nicht leistet, ausdifferenziert nach den Einzelvermittlungsinstanzen. Wenig hilfreich ist da das Ausgehen von persönlichen Erfahrungen, etwa die eines guten Religionsunterrichtes und langweiliger Sonntagspredigten. Denn solche Erfahrungen können nicht einfach verallgemeinert werden. Sie sind zu subjektiv.Eines ist aber evident: wenn die Vermittlungsinstanzen schon selbst ein kritisch distanziertes Verhältnis zum Glauben der Kirche haben, dann wird hier kein kirchlicher Glauben wachsen.

Was geschieht im Religionsunterricht?

In dem Passauer Bistumsplatz konnte man unter der Überschrift: „Ist der Glaube eigentlich Pflicht?“ lesen, wir hätten im Religionsunterricht ganz viele verschiedene Religionen kennen gelernt. Jeder müsse selbst entscheiden, welche er glauben möchte1. Aber, müsse man sich denn für eine dieser Religionen entscheiden oder könne man in einer Unentschiedenheit verweilen, daß man eben nichts glaube? Die Antwort: „An Gott zu glauben ist keine Pflicht! Niemand muss an Gott glauben.“ Wichtiger sei es, daß Gott an uns glaube. Gott böte seine Freundschaft uns an, die wir annehmen oder auch ablehnen könnten. So wird jede Religion und der Glaube vergleichgültigt durch die Meinung, daß Gottes Freundschaft jedem Menschen gelte,unabhängig davon, wie er sich zu Gott verhält. Das wird im katholischen Religionsunterricht offiziell gelehrt.

Jesu Mahnung:

Jesus mahnt uns, bevor wir ein Werk beginnen wollen, uns genau zu prüfen, ob unsere Kräfte dazu auch ausreichen, damit wir nicht, bildlich gesprochen, beim anvisierten Hausbau nach der Fundamentlegung aufhören müssen, weil uns die Mittel zum Weiterbau fehlen (Lk 14,25-35).

Eingedenk dieser Mahnung: was sind die Probleme,mit denen das Projekt einer Neuevangelisation zu rechnen hat?

Der orientierungslose Mensch als Adressat

Aus Predigten und mannigfaltigster eher konservativer Zeitkritik ist uns allen die Phrase von dem modernen orientierungslosen Menschen, isb. jungen Menschen wohlvertraut. Die Kirche gliche einem Wasserverkäufer in der Wüste, der sich darüber zurecht wundert, daß die Massen an Dürstigen nicht zu dieser kirchlichen Quelle eilen. Vielleicht müsse die Qualität des Wassers etwas optimiert werden oder die Verpackung ansprechender gestaltet werden, aber im Prinzip ist der Glaube das Produkt, was der moderne orientierungslose Mensch unbedingt bräuchte.So wäre die Neuevangelisation eigentlich das einfachste von der Welt.
Aber stimmt dies Bild? Die Verkündigung Christi in Gestalt der Heidenmission traf nie auf orientierungslose Menschen, sondern auf in ihre Kultur sozialisierte Menschen, die so in ihrer Kultur ihre Lebensorientierung fanden. Sicher gibt es in allen Kulturen das Phänomen des Dissidenten, wenn man darunter einen Einzelmenschen versteht, der kritisch distanziert sich zur dominanten Kultur verhält. Man könnte ihn den Archetypus des Intellektuellen nennen, aber dieser Typus ist immer, wie Hermann Hesses „Steppenwolf“ eine Ausnahme, ein Randgänger. Eine Kultur funktioniert nur, weil die Mehrheit gemäß der dominanten Kultur lebt. Und das ist auch in postmodernen Zeiten so. Nur, daß unsere jetzige Kultur keine christliche mehr ist. Die christliche Verkündigung stößt so immer schon auf in ihrer Kultur bestimmte Menschen.

Noch komplexer wird die Bestimmung des Adressaten, wenn wir statt der Illusion einer einheitlichen Kultur eine Pluralität von gelebten Ethossen wahrnehmen. Anders gesagt: es gibt soziale Räume, den der Familie, den des Berufes, den der Freizeit, den der Politik, den des Vereinslebens, den der Kirchen und Religionsgemeinschaften. In ihnen gibt es geschriebene und ungeschriebene Kodexe des richtigen Verhaltens. Erst dadurch werden sie zu sozialen Räumen im Gegensatz zu natürlichen Räumen. Ein durchschnittlich Sozialisierte weiß spontan, wie er sich in den jeweigen Sozialräumen zu verhalten hat, was er an Verhalten der Anderen zu erwarten hat und wieweit Abweichungen noch toleriert werden und ab wann Sanktionen zu erwarten sind. Das Familenethos, das Wirtschaftsethos, das Staatsethos sind nach Gehlen die wichtigsten Sozialräume.

Man stelle sich vor, ein Mann, von Beruf Lehrer würde in der Familie wie ein Lehrer agieren und seine Lehrerkollegin wie seine Ehefrau ansehen. Das alltägliche bürgerliche Leben lebt geradezu davon, daß wir, spontan, weil erfolgreich sozialisiert, uns immer gemäß dem jeweiligen Sozialraum bewegen.

Die kirchliche Verkündigung trifft so auf Adressaten, die einerseits durch unsere postmoderne Kultur und dann durch die Vielzahl der Sozialräume, in denen sie leben, bestimmt sind. Dies Bestimmtsein kann man sich am besten im Vergleich zu Sportarten vorstellen. Es gibt eine Vielzahl von Ballsportarten. Jede bestimmt für sich die ihr eigene Art des Umganges mit dem Spielgerät Ball. Im Fußballspiel wird der Ball anders traktiert als im Handballspiel. Der Einzelne wird dann in jeder Ballsportart gemäß ihren Regeln Glied der Spielmannschaft und spielt demgemäß. Wie er nun spielt, das ist seine individuelle Auslegung des durch die Spielregeln vorgegebenen Regeln und Rollen, etwa des Torwartes. So gibt es die individuelle Freiheit gerade erst durch das jeweilige Regelsystem.

Aber wie kann denn nun die kirchliche Verkündigung hier Fuß fassen, wenn die allgemeine Kultur und die sozialen Räume schon das Individuum determinieren? Es gibt keinen christlichen Fußball, keine christliche Betriebswirtschaftslehre und auch keine christliche Politik, wird dann gefolgert, denn jeder dieser Sozialräume ist schon hinreichend durch ihr Eigenethos bestimmt. Es ist kein Raum mehr für eine weitere Bestimmung, weil es nichts Unterbestimmtes gibt.

Soll das Christliche nun als Kritik und Alternative zu den schon existierenden Bestimmungen verkündigt werden? Selbstredend kann man sich Konfliktstellen vor Augen halten, in denen das in einem Sozialraum existierende Ethos mit dem christlichen in Widerstreit gerät.Aus christlich pazifistischer Sicht wäre das der militärische Raum, die Arme, daß Krieg ein Mittel der Politik ist oder der medizinische Raum, in dem faktisch legal Abtreibungen vollzogen werden. Aber diese Konfliktstellen, so dramatisch sie auch sind, dürfen uns doch nicht den Blick dafür versperren, daß in der Regel die christliche Moral mit der in den Subsystemen gelebten Ethik kompatibel ist. Das ist der Hintergrund für die Vulgärmeinung, Christ sein hieße, anständig zu leben. Was anständig meint, das legt dann die allgemeine Kultur und die Kultur in den Subsystemen fest. Und das wird dann materialiter mit christlichem Leben ineinsgesetzt.

Es bliebe dann als Refugium für die christliche Verkündigung nur noch das Ganze des individuellen Lebens übrig : was ist der Sinn in diesem ganzen Spiel?, wie einst die bekannte Schlagersängerin Alexandra sang. Es muß aber konstatiert werden, daß diese Sinnfrage den Menschen, eingebunden in eine Vielzahl von sozialen Räumen, auch als Subsysteme beschreibbar und eingezeichnet in die postmoderne Kultur diese Frage sehr viel weniger bedrängt und umtreibt, als es der Verkündigung lieb ist. Es gibt schon, um es marktwirtschaftlich auszudrücken,zu viele Sinnanbieter auf dem Markt der Möglichkeiten. Nicht Sinnlosigkeit sondern ein Überangebot an Sinn bestimmt den postmodernen Menschen. Er muß nur noch auswählen bzw sich sein Sinnkonzept selbst zusammenkonstruieren. Und wie der postmoderne Mensch es gelernt hat, statt im Tante Emma Laden einzukaufen, wo ihm die Inhaberin persönlich beriet und das ihm Rechte auswählte,im Supermarkt im Überangebot so auch kommt er mit dem Überangebot an Sinn zurecht. Nur wenige Nostalgiker käuften lieber im kleinen Tante Emmaladen ein. Das wäre das Klientel, das aus dem Überangebot an Sinn gerne zurück wollte in die Zeit, in der die Kirche das Monopol auf Sinn hatte.

Ein kurzes Resümee:

Den modernen,orientierungslosen Menschen gibt es wohl nur in der kirchlichen Verkündigung und in zeitkritischen Kulturdiagnosen, faktisch trifft die Verkündigung auf immer schon kulturell Sozialisierte, die daraus ihre persönliche Orientierung entnehmen. Um der Neuevangelisation willen muß also das Verhältnis des christlichen Glaubens zu der gelebten Kultur reflektiert werden.
Auch wenn noch so sehr das Gewicht auf die persönliche Ansprache gelegt werden sollte bei der Neuevangelisation, der Adressat ist immer schon ein kulturell Geprägter, der in sozialen Räumen lebt und da aus ihnen lebt! Um das Bild vom Wasserverkäufer in der Wüste aufzunehmen: die kirchliche Verkündigung gleicht einem Wasserverkäufer in der Wüste, der auf Menschen stößt, die alle mit Getränkevorräten ausgestattet sind. Und so erging es schon den ersten christlichen Verkündigern. Man denke an des Apostels Paulus große Verkündigungsrede auf dem Aeropag und der Mißerfolg.



Die Verkündigung müsse glaubwürdig sein

Autorität als Grund der Wahrheit

Das ist wohl einer der beliebtesten Phrasen zeitgenössischer Theologie. Ein Sprecher und eine Aussage: der Wahrheitsgehalt der Aussage soll nun abhängig gemacht werden von der Verfaßtheit des Sprechers. Eine einfache Sprechhandlung mag dies veranschaulichen: wenn der Richter am Ende eines Gerichtsprozesses erklärt: Hiermit spreche ich den Angeklagten frei, dann gilt dies Urteil kraft der Autorität des Sprechers. Die Autorität des Sprechers ist Garant für die Wahrheit. Auf den christlichen Raum übertragen hieße das: weil Gott, sein Sohn oder eine Institution oder ein besonders Beauftragter spricht, ist das so Ausgesagte wahr, weil Gott oder ein von ihm Beauftragter spricht. Hier ist die Autorität des Sprechers die Quelle der Wahrheit. Ein Unterschied müßte dabei noch berücksichtigt werden. Das eine mal gilt: weil die Autorität es sagt, ist es wahr. Das bezieht sich auf eine Entscheidung, die gilt, als wahr gilt, weil sie eine legitime Autorität getroffen hat. Man denke an die Tatsachenentscheidung im Fußballspiel: es gilt das Tor, wenn es vom Schiedsrichter als Tor anerkannt wurde, auch wenn später eindeutig bewiesen wurde, daß dies ein Fehlurteil war, oder an eine Entscheidung eines Königes, der jemandem zum Minister einsetzt.Der andere Fall ist, daß etwas als wahr ausgesagt wird und es als wahr gilt, weil die Autorität des Sprechers als Garant für das Wahrsein seiner Aussage gilt. Wenn Gott etwas offenbart, dann ist das wahr, weil von Gott nicht aussagbar ist, daß er Unwahres aussage.

Von dieser Vorstellung unterscheidet sich die, daß eine Aussage, unabhängig vom Sprecher wahr ist und als wahr erkennbar ist. Das kann als die Grundüberzeugung der vorkonziliaren Theologie angesehen werden. Die katholische Apologetik sah es als ihre Aufgabe an, die Glaubenswahrheit des katholischen Glaubens als ein Gesamtes bestehend aus wahren Aussagesätzen in ihrer Wahrheit und somit ihrer Glaubwürdigkeit zu ergründen. In allen Wissenschaften ist das das Ideal des wissenschaftlichen Denkens. Niemand sollte auf die Autorität Albert Einsteins hin seine Relativitätstheorie für wahr erachten, sondern durch denkerische Einsicht zur Erkenntnis des Wahrseins dieser Theorie kommen. Nun gibt es berechtigte Zweifel, daß alle Wissenschaften diesem Ideal gerecht werden. Man denke an das Werturteil, daß Goethe Hochkultur, Hedwig Courths Mahler Trivialliteratur ist. Befrägt man Germanistikprofessoren nach der wissenschaftlichen Begründung dieses Werturteiles, man wird enttäuscht vernehmen, daß dies Urteil ein wissenschaftlich nicht begründetes Geschmacksurteil sei, daß seine Legitimität nur auf dem Konsensus der im Raume der Germanistik anerkannten Autoritäten beruht.


Die Unerkennbarkeit der Wahrheit und der Ausweg des Dezisionismus

Für die katholische Theologie nach dem 2. Vaticanum gilt aber, daß mit der Aufgabe der Apologetik, stattdessen spricht man nun von der Fundamentaltheologie, der Glaube an die Erkennbarkeit der Wahrheit der Glaubensinhalte sich aufgelöst hat. Eine für den Wahrheitsanspruch des Glaubens problematischer Weg bot sich dann an. Der Begriff der Entscheidung avancierte in das Zentrum des theologischen Denkens.
Ein einfaches Bild möge das Problematische der Vorstellung der Dezision veranschaulichen: Ein Mann steht auf einem 10 Meter hohen Sprungturm eines Schwimmbeckens. Es ist ihm, da er blind ist, unmöglich zu erkennen, ob im Schwimmbecken Wasser oder ob es trocken ist. Er muß sich entscheiden: Springe ich, oder springe ich nicht. Es gibt für ihn kein Kriterium oder Indizien, die dafür sprächen, daß das Becken mit Wasser gefüllt sei oder nicht. Er muß sich entscheiden und springt oder springt nicht. So stünde der Mensch auch vor der Entscheidung, den Glauben für wahr oder für unwahr zu halten. Der Glaube wird dann zum Sprung in die Entscheidung des blinden Vertrauens in das Wahrsein der Glaubensinhalte. Ratzinger, damals noch Universitätsprofessor piublizierte sein Werk der Einführung in das Christentum, in dem auch er diesen problematischen Weg des Dezisionismus beschritt2. Vielleicht erklärt sich aus der Abkehr von diesem Weg das Insistieren des ´Kardinals Ratzinger in den Synthesencharakter des Christentums aus Jerusalem und Athen, als dialektische Einheit von Vernunft und Offenbarung.
Gerade im heutigen Religionsunterricht scheint der Dezisionismus heimisch geworden zu sein, wenn man dem Passauer Bistumsblatt mit seinem Artikel: „Ist der Glaube eigentlich Pflicht?“ folgt.
Jeder Mensch müsse selbst entscheiden, was er glauben wolle, aber er könne sich auch dafür entscheiden, nichts zu glauben. Kriterien für die Entscheidung gibt es offenkundig nicht.

Die Pascalssche Wette und die Unerkennbarkeit der Wahrheit

Es sei en passant an Pascals Wette gedacht: der Mensch kann nicht erkennen,ob der Glaube der Kirche wahr oder unwahr ist. Aber er muß sich entscheiden, ob er diesen Glauben für wahr oder für unwahr hält. Wenn dieser Glaube wahr wäre, und der Mensch ihn für unwahr hielte, verlöre er das ewige Leben, denn die notwendige Voraussetzung für die Partizipation am ewigen Leben ist der Glaube. Wenn er hingegen den Glauben für wahr hielte und er es nicht wäre, verlöre er nichts. So sei es sinnvoll, den Glauben für wahr zu halten als für unwahr, weil man so das ewige Leben gewonnen könne, wenn er wahr wäre, aber man verlöre nichts, würde er unwahr sein. Das ist sozusagen eine spieltheoretische Lösung des Dezisionsproblemes, daß man eine Entscheidung treffen muß, aber sie nicht erkenntnismäßig fällen kann.

Der glaubwürdige Zeuge

Als Abmilderung dieses Dezisionismus kann nun die Einführung der Vorstellung vom glaubwürdigen Zeugen gelten. Das wäre jemand, der zum Blinden auf dem 10 Meter Sprungbrett zuriefe: Springe ruhig, das Schwimmbecken ist mit Wasser angefüllt. Dies Zeugnis soll nun ob der Qualität des Zeugen glaubwürdig sein.Der Hörer dieses Wortes ist, um es auf die Sachebene zu transferieren, jemand, dem eine natürliche Gotteserkenntnis nicht mehr möglich ist, weil diese die philosophische (Kant) wie auch theologische Kritik (Karl Barth und andere)desavoiert hat . Jeder natürlichen Gotteserkenntnis beraubt, (wider die Lehre vom 1.und 2. Vaticanischen Konzil), ist er nun wahrlich blind für jede Gotteserkenntnis. Er steht nur noch vor der Entscheidungsfrage: glaube ich dem mir zugesprochenen Wort oder glaube ich nicht.

Wenn ein Arzt zu mir sagte, Rauchen schadet ihrer Gesundheit, während er sich eine Zigarette anzündet, dann würde diese ärztliche Aussage als unglaubwürdig angesehen werden, weil der Aussager raucht und somit das praktiziert, was er mir um meiner Gesundheit willen verbieten möchte. Ein nicht rauchender Arzt würde mir als glaubwürdiger erscheinen, wenn er zu mir sagt, rauchen sie nicht weiter. Nur, der Wahrheitsgehalt der Aussage, daß Rauchen der Gesundheit schadet, existiert unabhängig davon, ob der Zeuge dieser Aussage raucht oder nicht raucht. Könnte ich den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht erkennen, dann müßte ich auf die Fachautorität des Arztes oder seiner Glaubwürdigkeit hin der Aussage Glauben schenken. Daß heuer ob der Autorität der Kirche hin das von ihr Ausgesagte geglaubt wird, diese Zeiten sind vorbei. Warum das so ist, wie es dazu kam, ist eine Geschichte für sich. So bliebe nur noch die Vorstellung vom glaubwürdigen Zeugen.

Er trägt nun die ganze Last der objektiven Wahrheit auf seinen schmalen Schultern und ist damit überfordert. Er kann nur zeigen, daß das, was er als Glaube verkündigt oder einfacher gesagt: aussagt, selbst glaubt und praktiziert. Wenn zu mir ein Zeuge Jehovas verkündet, es wäre eine Sünde, seinen Geburtstag zu feiern und Prost zu sagen und er das auch wirklich praktisch lebt, dann ist das für mich kein ernstzunehmender Grund, das für sündig zu halten, so glaubwürdig er das auch verkündet und lebt! Wenn im Religionsuntericht die Lehrerin sagt, sie glaube an die imerwährende Jungfräulichkeit Mariens und sie es so aussagt,daß die Schüler ihr glauben, daß sie es so glaubt, glaubt noch kein Schüler das. Die Mutter Gottes selbst, als ihr der Engel die Geburt eines Kindes verhieß, glaubte ihm nicht sofort und das, obwohl ein Engel ihr das verkündete. Sie hatte, nach der Tradition der Kirche ein Jungfrauengelübde abgelegt und deshalb sagte, daß sie nicht schwanger werden könne ob ihrer Josephsehe. Daß das doch möglich ist, das zu glauben, verlangte der Engel aber gar nicht von ihr. Denn er begründete ihr die Möglichkeit, daß sie Jungfrau bleiben und doch Mutter werden könne mit der Vorstellung von der Allmacht Gottes. An die Allmacht Gottes glaubte Maria und so konnte sie auch der Verheißung des Engels glauben. Selbst die Glaubwürdigkeit eines Engels reichte Maria nicht, um zu glauben. Sie war anspruchsvoller-zu recht, um so nicht ein Opfer jeder Art von Aberglaubens zu werden. Sie verlangte als fromme Frau eine Einsicht in das ihr Verkündigte.
Das Problem ist offenkundig, vor dem wir hier angesichts der Aufgabe einer Neuevangelisation stehen.


Der Inhalt der Verkündigung

Was soll denn den Menschen verkündigt werden.
Der prima facie Eindruck: das Was bleibt in der Diskussion um die Neuevangelisation erstaunlich unbestimmt. Es wäre wohl eine überspannte Kirchenkritik, meinte man, daß das einzige Anliegen der Institution Kirche das wäre, ihre Kirchensteuerzahler zu erhalten oder zu vermehren und daß es ihr so eigentlich gleichgültig ist, was verkündigt wird, Hauptsache, es bindet die Glieder an die Kirche.Nur, für die Institution Kirche, auf dem freien Markt der Sinnanbieter und den vielen Mitbewerbern, um nicht Konkurrenten zu sagen, liegt dieser Fehlweg nicht völlig fern. Signifikant ist ja, daß alle innerkirchlichen Reformprogramme, die heuer lautstark vertreten werden, auf eine Parole reduzierbar ist: die Kirche muß sich der Nachfrage der potentiellen religiösen Konsumenten anpassen, marktgerecht ihre Angebote produzieren.

Es war wohl Luther, der anfing, das griechische Wort: „Schüler“ mit „Jünger“ zu übersetzen und somit das Lehrer-Schüler Verhältnis von Jesus Christus und seinen Jüngern zu verdunkeln. Der Luther Freund Melanchthon steuerte dann dem entgegen, indem er die Kirche aufgliederte in den lehrenden und den lernenden Teil. Aber der Trend zur Irrationalisierung des Glaubens wurde dadurch nicht gebremst, trotz aller Bemühungen der altprotestantischen Orthodoxie. Glaube als Sprung in den Glauben vertrauend darauf, richtig zu glauben,kann als Kurzformel dieser Irrationalisierung benannt werden.

Wenn dagegen festzuhalten ist, daß der Glaube einen Inhalt hat, der in Form von für sich Wahrheit beanspruchenden Ausagesätzen ausformulierbar ist, dann muß der Glaubensinhalt des Glaubens gelehrt werden, wie schon Jesus Christus der erste Lehrer der wahren Lehre, des gesunden Glaubens war. Die Reduktion auf eine Verkündigung, in der der Hörer des Wortes in die Entscheidung gerufen wird,glaube oder glaube nicht, verkennt so den inhaltlichen Aspekt des Glaubens, daß Glaube immer etwas glaubt. In Zeiten der Verdunstung der Kenntnisse des christlichen Glaubens wird die kirchliche Verkündigung so, wie es Jesus schon praktizierte, Lehre sein müssen und das heißt auch Belehrung! Und das ist etwas anderes als der Appell oder der Aufruf zur Entscheidung: glaube.


Über die Minimalbedingungen der Glaubensinhalte

In Anlehnung an Platons Ausführungen über die Religion in seinem Buch über die Gesetze3, können sie so konstruiert werden: daß unter Gott zu verstehen ist der Geber alles Wahren, Guten und Schönen, daß Gott wirklich ist, daß ihm die Menschen nicht gleichgültig sind, daß er sich kontingent zum Verhalten der Menschen verhält und daß Gottes Gunst nicht leicht gewinnbar ist.
Im Einzelnen: Wenn Gott, als das Gute, Wahre und Schöne, gedacht wird, aber nicht als Geber allen Wahren, Guten und Schönen, dann wäre die Lebensrelevanz Gottes in Frage gestellt. Er wäre das an und für sich in reiner Selbstbezüglichkeit aber für das Leben des Menschen ohne Relevanz, weil er nicht an Gott partizipieren kann, wenn Gott nicht auch als Geber gedacht wird. Wenn Gott als Geber gedacht wird, darf sein Geben weder als willkürlich vorgestellt werden noch als natürlich, daß es Gottes Natur wäre, allen alles zu geben. Beides male könnte es nämlich keine lebbare Religion geben: ein vollkommener Willkürgott wie auch ein durch seine Eigennatur völlig determinierter Gott machten jede Religion völlig überflüssig, weil für einen so vorgestellten gott die menschliche Religion gleichgültig wäre. Gott muß also gedacht werden als ein Subjekt, der sich zum Verhalten des Menschen Gott gegenüber selbst noch einmal kontingent verhält: er kann Gebete und Opfer erhören, er kann Wunder wirken. Der Mensch unterhielte zu Gott ein msagisches Verhältnis, wenn er Gott durch eine richtige Praxis dazu nötigen könnte, wie gewünscht, zu handeln. Magie ist der Versuch des Menschen, sich Gott zu unterwerfen. Die religiöse Praxis dagegen setzt Gott als Souverän voraus, der aber bereit ist, zu erhören. Die Ernsthaftigkeit und Lebendigkeit des religiösen Lebens ist nun nach Platon abhängig von der Vorstellung, daß Gottes Gunst, daß er das Gute, Schöne und Wahre gewährt, nicht leicht zu gewinnen ist.Hier zeichnet Platon seine verhaltende Opferkritik ein, in dem Sinn, daß wenn die Religion lehre, daß Gott jederzeit leicht durch ein kultisches Opfer gütig gestimmt werden könnte, die Moral darunter leiden würde: warum noch sich um ein tugendhaftes Leben bemühen, wenn ein leicht darbringbares Opfer ausreiche zur Zurückgewinnung der Gunst Gottes.

Aus diesen einfachen, aber in sich evidenten Gedanken Platons lassen sich so die Minimalia der Glabensinhalte formulieren: es muß gelehrt werden, daß Gott ist, daß er der Geber allen Guten ist, daß er nicht willkürlich gibt, sondern gnädig und daß der Mensch vor der Aufgabe steht, so zu leben, daß Gott ihm gnädig gesonnen ist. Das sind die Kernpunkte jeder natürlichen Gotteserkenntnis, auf die aufbauend dann das Besondere des christlichen Glaubens dargelegt werden kann. Wo aber dieses Fundament nicht zuerst gelegt worden ist, da kann das zweite Stockwerk, Christus nicht fruchtbringend verkündigt werden.
Paulus nennt das das Amt des Gesetztes als Erzieher auf Christus hin. Christus kann nicht der Anfang der Religion sein, sondern er setzt wie jedes Stockwerk beim Erbauen eines Hauses ein Fundament voraus- und das war für die jüdischen Hörer der Lehre Christi das Alte Testament und für die heidnischen Hörer die natürliche Gotteserkenntnis. Das war der fruchtbare Boden, in der dann das Wort Christi Wurzeln schlagen und so wachsen konnte. Ist dieser Boden aber ausgedörrt, fällt das Wort Christi auf felsigem unfruchtbaren Boden und stirbt, ohne Frucht zu bringen. Daß heutzutage das Studium der Philosophie nicht mehr die beste Präparation für den christlichen Glauben ist, zeigt, wie sehr die Philosophie selbst ihrer eigensten Aufgabe, des Denkens des Absoluten nicht mehr gerecht wird und daß unter dieser Entwicklung gerade die Theologie und die christliche Lehre leidet.



Begegnung statt Lehre?

Das Eigentliche der christlichen Religion wäre aber gar nicht die Lehre, sondern die Begegnung mit Jesus Christus, in dem wir Gottes Nähe und Liebe zu uns erführen. Die christliche Lehre wäre dann nur das Sekundärprodukt der Reflexion dieser Begegnung, der Glaube hingegen das aus der Begegnung entspringende personale Vertrauensverhältnis. Nur, wenn ich nicht weiß, was der Begriff Christus bedeutet, wenn ich kein Vorverständnis davon habe, was Gott meint, dann bleibt mir die Aussage, daß mir da Gottes Liebe begegne bedeutungslos. Da hinter steht ein viel bedeutsameres Problem: der Relevanzverlust Gottes! Befragen wir daraufhin einmal die zeitgenössische Theologie und Verkündigung, so stoßen wir auf etwas Befremdliches. Ein Blick in eine zeitgenössische Abhandlung über das Handeln Gottes in der Geschichte, in der Welt, wir nehmen den Fundamentaltheologen Böttigheimer, zeigt uns, daß Gott in der Welt, die er geschaffen hat, gar nicht mehr eingreifen will und kann4. In der Welt haben wir so zu leben, als gäbe es keinen Gott, um es in Anlehnung an Bonhoeffer zu sagen. Gott ist weder für die Fruchtbarkeit im Bereich der Natur noch für den Erfolg in der Wirtschaft, noch für den Kindersegen zuständig, all das sind autonome Gebiete geworden. Auch in der Geschichte ist Gott nicht wirksam, aber auch die Aussage, Gott habe in meinem Privatleben eingegriffen, stößt auf Skepsis. Ja, Gott ist eigentlich nur noch die Liebe, die auf all seine Geschöpfe ihr Licht ausstrahlt und sagt: Gott liebt dich. Aber es ist eine recht folgenlose Liebe. Denn Gott liebt jeden und auch wenn er Gott nicht zurückliebt,bleibt er ein Geliebter Gottes.Und ein bißchen Moral: weil Gott jeden liebt, sollen wir human mit unseren Mitmenschen umgehen. Dieser so vorgestellte Gott ist wirklich irrelevant für das Leben des Menschen. Und was bedeutet dann die Aussage, daß uns diese Liebe Gottes begegne?
Im Urchristentum konnte das Johannesevangelium das Heilsgeschehen Jesu Christi in gnostischer Vorstellungsform entfalten. Es gibt zwei Welten, die ewige und die endliche, die wahre und die gefallene. Der Erlöser steigt nun in die gefallene Welt hinab, um die Seinen aus dieser Welt zu erlösen, denn hier meint Begegnung: Anteil bekommen am Erlöser, sodaß der Mensch durch den Erlöser aus diesem Äon entrissen wird. Er lebt dann in dieser Welt schon aus dem ewigen Äon. Aber ohne diesen Vorstellungsraum wird das Begegnungsschema zu einer faden Liebesgeschichte, in der der Mensch, so wie er ist, eine Bestätigung findet. Man denke an die zeitgenösische Seelsorgepraxis mit ihrer Zielbestimmung: Du bist okay, die Welt ist okay. . Die Bedeutung der Begegnung mit Gottes Liebe in Jesus Christus muß so erst die christliche Lehre klären, damit dieses Ereignis auch begriffen und somit erst erfahren wird. Erfahrung ist ein begriffenes Erlebnis. So ist diese Parole zum Scheitern verurteilt. Von der vulgärisierten Version, daß in sympathischen Menschen uns Gottes Liebe begegne, sodaß sich die Neuevangelisation reduziere auf die Praxis: seid nett zu den Nochnichtdazugegörigen, ladet sie freundlich ein und zeigt ihnen, daß ihr freundliche fröhliche Menschen sind und so fänden sie dann über eine so einladende Gemeinde zu Gott, wollen wir lieber gleich schweigen! So werden auf Umsonstausflügen hauptsächlich Senioren
Heizkisten und sonstiges Unnützes verkauft zu maßlos überteuerten Preisen, aber so kann man nicht Christus, den Gekreuzigten verkünden.

Der soziale Raum der Neuevangelisation

Die Neuevangelisation findet nicht einfach in Ich-Du- Begegnungen statt, sondern auch eine solche personale Kommunikation findet in einer Gesellschaft statt, die auch diese Privatkommunikation mitprägt. Die postmoderne Gesellschaft ist geprägt durch den Primat des freien Marktes als dem Ordnungsprinzip der Gesellschaft. Es gibt gute Gründe dafür, daß sowohl Papst Franziskus wie auch der Ökumenische Rat der Kirchen immer wieder kapitalismuskritische Töne anstimmen. E. Niekisch entfaltet dies so brillant, daß ihm hier das Wort gegeben werden soll. War in der vormodernen Gesellschaft der höchste Wert und das höchste Ziel das des Seelenheiles, so erbringt die modern kapitalistische Gesellschaft mit ihrem Marktprinzip und seiner Ideologie, dem Liberalismus eine wahre Revolution. Jetzt gilt, „daß es der Sinn der Welt sei, dem Bürger Profit und Rente abzuwerfen. Die mittelalterliche Gesellschaft war auf ein überirdisches Gut, auf das Seelenheil ausgerichtet; so mußten auch die Dinge des Alltags irgendwie eine übersinnliche Seite hervorkehren, um vor dem alles beherrschenden Weltmaßstab bestehen zu können. Die revolutionäre Leistung des Liberalismus beruht darauf, einen neuen Wertmesser aufgestellt zu haben: der Profit wurde auf den Platz erhoben, den bisher das Seelenheil eingenommen hatte.“5
Gott oder dem Mammon dienen, das ist keine veraltete Parole, sondern eine traurige Wahrheit: in einer Gesellschaft, wo der Markt mit seinem Gewinnstreben das summum bonum darstellt, hat Gott und die Verkündingung seiner Wahrheit einen schweren Stand. Was nützt dieser Liebesgott mir in dem Marktleben, dem Leben, das dem Primat der Ökonomie unterworfen ist?, frägt der angeblich so orientierungslose Hörer des Wortes und läßt die Predigt ungehört an sich vorübergehen.

Schluß:

Wir stehen mit dem Projekt der Neuevangelisation vor einer großen Aufgabe und Herausforderung. Wir sind dazu berufen, Gottes Mitarbeiter zu sein. Das heißt, daß wir uns Rechenschaft darüber ablegen, wie schwierig diese Aufgabe ist. Gottvertrauen kann dann, eingedenk der Mahnung unseres Heilandes nicht heißen: die Augen vor den anstehenden Problemen zu verschließen und einfach drauflos zu machen: Gott wird es dann schon richten, auch wenn wir schon an der Fundamentlegung scheitern.

Ein Supplememt
Praktisch Veranlagte meinen dann oft: es reiche doch, Gott als die Liebe zu verkündigen, früher einfach im evangelikalen Stil: "Jesus liebt Dich!", und wenn das dann in der christlichen Gemeinde erfahrbar wäre in der praktizierten Annahme des Mitmenschen: christliche Gemeinde ist, wo du erfährst, daß du, so wie du bist, angenommen bist,  dann wäre das doch die praktische Neuevangelisation. Dabei wird vorausgesetzt, daß für jeden Menschen es etwas Beglückendes ist, gesagt zu bekommen: ich liebe dich, oder: du wirst geliebt. Und das sei ja auch schon das ganze Evangelium.
Ein paar Anfragen dazu: ist es denn wahr, daß Gott jeden Menschen liebt? Verstehen wir darunter, daß Gottes Liebe darin besteht, daß er das Heil jedes Menschen will, dann ist diese Aussage wirklich wahr. Aber nicht wahr ist: daß Gottes Liebe darin besteht, daß er jedem Menschen, egal was und wie er glaubt und lebt, das ewige Heil garantiert. Weil Gott uns liebt, ebnet er uns den "Weg zum Heil", aber das ist nicht eine Heilsgarantie.
Zudem: "Ich liebe dich!"- Was wird der antworten, der in seinem Herzen die Antwort gibt: ich dich aber nicht!. Was immer auch die Gründe sein mögen, warum ein Mann eine Frau liebt und sie dann auch heiratet: gewiß ist es nicht so, daß der Mann sagt: weil mich diese Frau liebt, liebe ich sie auch.
"Ich liebe dich1"bringt in der Regel den so Angresprochenen in größte Verlegenheit, wenn er ehrlichen Herzens antworten muß: ich liebe dich nicht. Merksatz: Der Mensch will nur von dem geliebt werden, den er auch liebt. Er will nicht unglücklich lieben: ich liebe dich-du mich aber nicht und er will nicht hören: ich liebe dich, wenn er diesen Menschen nicht liebt. 
Erst wenn begriffen wird, wer das ist, der mit Gott gemeint ist, wird die Aussage: "Gott liebt dich" in ihrer wahren Bedeutung begriffen-und genau das ist der Grund, warum die Reduction der Mission auf: "du wirst geliebt, so wie du bist" nicht hinhaut..und schon gar nicht die praktische Umsetzung dieser Evangelsierungskonzeption in die einfache Maxime: seid nett zueinander, dann werden die Menschen in eurer Gemeinschaft schon die Liebe Gottes erfahren!    


1Passauer Bistumslatt 1/ 2 2014, S.34.
2Vgl. Ratzingen, J. Benedikt XVI,Einführung in das Christentum, 1968.
3Vgl: Platon, Gesetze, X;885b.
4Vgl: Böttigheimer, C. Wie handelt Gott in der Welt?, 2013.

5Niekisch E., Die dritte imperiale Figur, 2005 (Erstauflage 1935), S. 69.

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