Montag, 6. Oktober 2014

Sind die C-Parteien christlich und conservativ?

Ab und zu, eigentlich regelmäßig ereignen sich in Deutschen Landen Wahlen und als Christen stehen wir da-in der Kreuzesnachfolge-vor der Frage: Wo mache ich jetzt mein Kreuz? Diese kleine Betrachtung wird diese Kreuzfrage nicht beantworten, aber der Frage nachgehen, ob denn die CSU bzw CDU  christliche und  conservative Parteien sind.  Einst galt der erste Buchstabe dieser Parteien ja sowohl für Christlich und für Conservativ-gerade weil die Conservativen ja conservativ, weil vom lateinischen: conservare stammend, gern mit c schreiben. Christlich-Conservativ!
Aber das muß uns doch etwas bedenklich erscheinen: bis zum 2. Vaticanum erklärte die Katholische Kirche es mit der Lehre der Kirche unvereinbar, meinte oder lehrte man, daß es für das Heil der Seele gleichgültig sei, ob man katholisch oder evangelisch sei. Selbstverständlich sah es die Kirche als ihre Aufgabe an, Protestanten in die einzig wahre Kirche heimzuholen und unter Ökomene verstand die Kehr die Reintegration des verlorenen Sohnes, des Protestantismus in den Schoß der Mutter-Kirche.
Darum unterstützte die Kirche im politischen Raum Katholische Parteien, in Deutschland: Das Zentrum. (Ob diese Partei dann immer klug gehandelt hat, man denke an das Taktieren mit der damals kirchenfeindlichen SPD, soll hier nun nicht erörtert werden.) 
Wie kann nun eine politische Partei, die den Gegensatz von Katholisch und Protestantisch für überholt erklärt, als conservative Partei gelten? Das war keine conservative Tat, sondern eine die fast "revolutionär" dem Reformkonzil voranging, um so den Boden dafür zu bereiten, daß uns Nachkonzilaren diese Differenz fast als gleichgültig erscheint: Hauptsache christlich. Das ist ein totaler Bruch mit der Tradition der Kirche, die stets zwischen rechtgläubigen Christen und Häretikern unterschied!
Nun könnte man Unterscheidungen einführen: etwa die: im Glauben getrennt, in der Moral eins. Das meinte dann, daß es zwar Lehrdifferenzen in dogmatischen Fragen zwischen Katholisch und Protestantisch weiterhin gäbe, daß aber die Moral, als Fundament der Politik (zumindest sollte das so sein) Katholische und Protestantische Christen eine. Das nannte man dann gerne "das christliche Menschenbild" und "christliche Werte" als Fundament der C-Parteien. Die seien sozusagen überkonfessionell von allen Christen bejaht. Schon den Begriff der Moral mied man-weil dann doch wohl die Lehrdifferenzen zwischen Katholisch und Protestantisch in Moralfragen ins Augen gefallen wären. Das "christliche Menschenbild" und die "christlichen Werte" klingen da schon unverbindlicher und unklarer, sodaß man da vieles und auch nichts drunter subsumieren kann.

Warum schriet den nun die Politik mit diesem politisch-ökumenischen Experiment voraus, lang bevor in kirchlichen Kreisen die Grunddifferenzen zwischen der Kirche und dem Protestantismus als vernachlässigbar heruntergespielt wurde?  Nicht theologische Einsichten, nicht kirchlich-politische Erwägungen sondern der sogenannte "antitotalitäre Konsens". Damit meinte man das Nein! gegen Kommunismus und Nationalsozialismus. Alle Christen wären sich eine in der Bejahung von "christlichen Werten" und "dem chtristlichen Menschenbild" als der Alternative zu diesen beiden totalitären Weltanschauungen. (Daß viele Protestanten, aber auch Katholiken 12 Jahre lang den Nationalsozialismus als radikale Abwehr des christlichen Abendlandes wider den Bolschewismus gut hießen, war jetzt plötzlich vergessen.)  Aber wie begründet die Gefahr des Kommunismus nach 1945 die politische oder gar christlich-religiöse Einsicht, daß nun die grundlegenden Differenzen zwischen Katholisch und Protestantisch nicht mehr von Gewicht sind?  Will man das 2,Vaticanum mit seiner problematischen Tendenz der Nivilierung der Differenzen zwischen Katholisch und Protestantisch verstehen, muß man berücksichtigen, daß diese Tendenz in der "christlichen Politik" ihren Anfang fand und danach erst kirchlich rezipiert wurde! 

Dies Unionskonzept kann aber nur funktionieren, solange im "christlichen Menschenbild" und in den "christlichen Werten" eine Übereinstimmung zwischen Katholisch und Protestantisch besteht-trotz der grrundlegenden Differenzen in Fragen der Lehre und auch der Morallehre. Kann es aber einen solchen Konsens geben, dauerhaft, wenn es so grundlegende Lehrdifferenzen gibt?

Oberflächlich betrachtet erscheint uns der Weg der C-Parteien seit ihrer Gründung ein mehr oder weniger kontinuierlich fortschreitender Weg der Entchristlichung zu sein, bis dahin, daß jetzt gar Muslime den C-Parteien beitreten, weil auch sie diesem "christlichen Menschenbild" und den "christlichen Werten" zustimmten (auch wenn die erste türkisch-islamische Ministerin, der CDU-Niedersachsens angehörig-noch nicht mal im Amte gleich die Entfernung der christlichen Kreuze aus den öffentlichen Schulen verlangte!)  Aber vielleicht urteilen wir da zu voreilig, weil wir dabei "Christlich" mit "Katholisch" gleichsetzen! 
Zur Erinnerung: Für die Katholische Kirche ist die Abtreibung eine Sünde, für die EKD nicht. Sie respektiere die "Gewissensentscheidung" von Müttern, ihre eigenen Kinder, ungeboren töten lassen zu wollen. Für die Katholische Kirche ist die Ehe unauflöslich, für den Protestantismus ein "weltlich Ding" (Luther), so daß Scheidung und Wiederverheiratung kein Problem für sie ist. In der Sexualmoral gilt, daß nach Protestantischer Lehre jeder das tun darf, was er nach seinem individuellen Gewissen für richtig hält und darum wird auch die gelebte Homosexualität bejaht. (Daß es eine kleine evangelikale Opposition dazu gibt, ist unerheblich, weil sie völlig einflußlos in den Protestantischen "Kirchen" ist. 
Wo gibt es heuer denn noch Gemeinsamkeiten zwischen Katholisch und Protestantisch? Nur noch zwischen liberal-modernistisch gesonnenen Katholiken und den Protestanten, aber nicht mehr zwischen der Kirche und dem Protestantismus!
Und nun meine These: innerhalb der C-Parteien hat sich der Protestantismus gegen den Katholizismus durchgesetzt, und dieser Erfolg erscheint nach außen gewendet als Verlust des Christlichen. Die C-Parteien vollziehen aber dabei  nur die Selbstsäkularisierung des Protestantismus nach, der heuer die Einpassung an den Zeitgeist als das spezifisch Protestantische feiert!   Die C-Parteien vertreten den Protestantismus, der sich auf den "evangelischen Kirchentagen und den Märkten unbegrenzter  Möglichkeiten"als" heilige Hochzeit", als Vermählung mit dem Zeitgeist zelebriert!  
Schon der Anfang der C-Parteien, die Meinung, daß ein "christliches Menschenbild" und "christliche Werte" aus der Lehre der Kirche und der Morallehre abtrennbar als Konsensus zwischen Katholisch und Protestantisch produzierbar sei, war ein Irrtum. Leerformel ersetzten nun das, was einst das katholische Zentrum politisch versuchte und es endete damit, daß nun der Protestantismus in den C-Parteien bestimmt, was unter diesen Leerformeln zu verstehen ist: die Anbiederung an den Zeitgeist . 

Ich persönlich meine, daß seit der Ablehnung der sogenannten Stalinnote es sehr zweifelhaft ist, Adenauer und die C-Parteien als noch als politisch conservativ anzusehen. Stalin bot uns Deutschen die Möglichkeit eines wiedervereinten souveränen Deutschlandes 1953 an, sofern wir uns zur Neutralität verpflichteten, also weder dem Warschauer Pakt noch der Nato beizutreten. Adenauer war aber die Integration Westdeutschlands in das von den USA dominierte Westliche Lager wichtiger als die Einheit der Nation und das Schicksal der Ostdeutschen. Und was hat die amerikanisch-westliche Kultur mit Conservatismus zu tun? Will man etwa den "american way of life" als conservativen Lebensstil bezeichnen-oder gar als christlichen?   
  




   

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