Mittwoch, 14. Juli 2021

Der Bundesinnenminister und der (un)heilige Kampf gegen Rechts

(Betrachtungen zur Zivilreligion in postchristlichen Zeiten)



115 Millionen Euro stellt die Große Koalition jährlich für den Kampf gegen Rechts bereit. Linke, aber auch Linksradicale werden damit in ihrem Kampf gegen alles, was rechts ist, von der Regierung gefördert. Laut der „Jungen Freiheit“ (13.7.2021) soll dieser Kampf „gegen Rassismus und Diskriminierung“ zum Dauerthema aller zukünftigen Regierungen erklärt werden. Dieser Kampf diene nämlich dem „inneren Frieden im Lande.“ So will es dieser CSU-Bundesinnenminister.

Faktisch heißt das, daß die Regierungen jährlich Millionen ausgeben, damit für sie ein Dauerwahlkampf gegen die AfD und alles, was sonst noch rechts ist, geführt wird. Die Linke, sonst in vielem uneinig verbindet heutzutage nur noch der Antifaschismus, der Kampf gegen Rassismus und alles, was rechts ist. Dies Engagement lassen sie sich nun großzügig von dem Staate finanzieren, den sie einst ablehnten, ja beseitigen wollten- aber jetzt lebt es sich auch ganz gut von ihm.

Was hat sich nun geändert: Die Antifaschisten, die Antirassisten oder die Regierungspolitik? Die Antwort ist nicht einfach, denn einerseits haben sich die Linken geändert, darum spricht man von den heutigen Linken gern als „Kulturmarxisten“- gemeint ist damit, daß seit dem Ende des Sozialismus 1989f sie die kapitalistische Ordnung nicht mehr ablehnen, aber die bürgerliche Kultur revolutionieren wollen. Unter dem Banner des Kampfes gegen Rechts sollen so die Grundelemente der bürgerlichen Kultur zerstört werden: die Ehe- und die Familienordnung und die Ordnung des Volkes als Nationalstaat. Das Ziel ist die Auflösung dieser Ordnungen durch das Konzept der Multiethnisierung und Multikultivierung; dazu gehört dann auch der Kampf gegen den „Rassismus“, da unter ihm der Wille zur Erhaltung des Eigenen, isb des eigenen Volkstumes verstanden wird.

Offenkundig stimmen diesem Konzept alle demokratischen Blockparteien zu, von der „Linken“ bis zur CSU. Aber warum soll nun dieser Kampf dem „inneren Frieden“ in Deutschland dienen? Wenn die Regierungspolitik das Volk aufteilt in den „guten Teil“ und den „bösen“= den Rechten, dann wird so ein Keil in die Menschen getrieben, weil so die Guten den Bösen gegenüberzustehen kommen mit dem Auftrag, daß die Bösen zu bekämpfen seien. So ein politischer Manichäismus verunmöglicht natürlich jeden inneren Frieden in einem Staatsvolke. Denn es wird ja permanent zum Kampf gegen alle Andersdenkenden aufgerufen, den Rechten, den Rassisten, den Islamkritikern, den Antifeministin und den die Genderideologie Ablehnenden. Es scheint so, als wenn die sich durch die Multiethnisierung und Multikultivierung in Partikulargemeinschaften auflösende Gesellschaft nur noch eine Einheit finden kann in der Proklamation eines gemeinsamen Feindes. Der innere Friede ist dann nur einer, der erkauft wird durch den Ausschluß des „Feindes“, des Rechten, den es gemeinsam zu bekämpfen gilt. So wie die EU um ihrer Einheit willen den gemeinsamen äußeren Feind braucht, zu dem wird jetzt Rußland und China hochstilisiert, so verlangt die innere Einheit die Proklamation des Feindes im Inneren, alles was Rechts ist.



 

Dienstag, 13. Juli 2021

Kurz und bündig: Schwarzes Leben zählt- eine Kritik

Kurz und bündig: Schwarzes Leben zählt- eine Kritik



Die Parole: „Schwarzes Leben zählt“ ist allseits bekannt, aber wird sie auch verstanden? So könnte diese Parole verstanden werden:

Der Obersatz: Menschliches Leben zählt, der Untersatz: Schwarzes Leben zählt, denn das Schwarze Leben ist eine Teilmenge des menschlichen Lebens. Der auch denkbare Obersatz: Leben zählt und darum auch das Schwarze, ist nicht akzeptabel, denn auch der Coronavirus ist eine Teilmenge des Lebens, aber niemand wird wohl ein Lebensrecht für diesen todbringenden Virus einfordern. So bleibt als möglicher Obersatz nur der: Menschliches Leben zählt und darum auch das Schwarze (=die schwarze Rasse) wie das Weiße (=die weiße Rasse) und es müßte eigentlich ergänzt werden wie das Gelbe Leben (=die asiatische Rasse) und das Rote Leben (=die indianische Rasse).

Wenn es aber heißt: „Frauen sind zu fördern“ meint dies nicht: Menschen sind zu fördern und darum auch die Frauen als eine Teilmenge der Menschen. Das meint: Da die Frauen seit langem diskriminiert werden, sind sie zu fördern,um ihre Benachteiligung den Männern gegenüber auszugleichen. Die Parole: „Frauen sind zu fördern“ ist so der Obersatz, aus dem der Untersatz: „Männer sind deshalb nicht zu fördern“ abzuleiten ist.

Die Parole: „Schwarzes Leben zählt“ ist so auch der Obersatz, aus dem der Untersatz zu deduzieren ist, daß „Weißes Leben deshalb nicht zählt.“ In den Verteilungskämpfen um die von allen begehrten „Plätzen an der Sonne“, von denen es viel weniger gibt als danach Strebende, ist es sehr verständlich, daß diese Verteilungskämpfe auch rassistisch geführt werden: Weil ich der Rasse A angehöre, steht mir und nicht denen der anderen Rassen ein „Platz an der Sonne“ zu.

Irritieren muß nun aber mit welcher Bereitwilligkeit „Weiße“ dieser Parole zustimmen, denn so stimmen sie ja selbst der Parole zu, daß ihr Leben nicht zählt. Diese Bereitwilligkeit zur Selbstnegation gibt zu denken. Naiv denkt man doch, daß jeder Mensch zum Egoismus neige und er so dazu erzogen werden muß, seine Interessen nicht ohne eine Rücksichtsnahme auf die anderen Menschen durchzusetzen, ja Moralen verlangen gar die Nächstenliebe bzw ein solidarisches Verhalten zu den Anderen.“Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“, diese Regel präsumiert als eine Selbstverständlichkeit die Eigenliebe als das natürliche Verhalten zu sich und versteht dann die Liebe zum Nächsten als etwas kulturell zu Erlernendes.

Wie nun aber, wenn dies natürliche Selbstverhältnis gar nicht so natürlich selbstverständlich ist, wenn es die Möglichkeit des Willens zur Selbstverneinung im individuellen Bereich, dem Freitod und im kollektiven gibt? Der Wille zur kollektiven Selbstverneinung soll als Dekadenzphänomen hier begriffen werden. Des Lebens überdrüssig geworden, moralisch angefochten, ob die Geschichte des „Weißen Mannes“ nicht eine einzige der Unterdrückung der Anderen war, erstarkenden anderen Rassen gegenüberstehend wird der eigene Untergang bejaht: Man habe kein Recht mehr, als „Weißer“ weiterzuleben.

Die Tendenz zur Selbstverneinung manifestiert sich in einer Mannigfaltigkeit von Phänomen, von der Affirmation der Homosexkultur über die fast schon masochistisch anmutenden kritischen Geschichtsstudien, die die ganze Kulturgeschichte als die der Verbrechen des „Weißen Mannes“ konstruiert bis zur Tötung von Millionen Kindern im Mutterleibe- man übersehe aber auch nicht die Unterstützung des Islams als dem Erstreben des Todes der Abendländisch-Weißen-Kultur: Das Nein zum eigenen Leben wird so sehr divers gelebt.



Zusatz:

S. Freud verdanken wir Mutmaßungen zum Todestrieb. Ob daraus nicht eine Theorie der Dekadenz entfaltet werden könnte? Das wäre eine wirklich bedeutsame Aufgabe!





















 

Montag, 12. Juli 2021

Gott nichts mehr zutrauen- die Krise der Kirche heute


Pater K. Wallner ( Missio Österreich) kann nicht widersprochen werden, wenn er urteilt, daß heutzutage Gott (fast) nichts mehr zugetraut wird. Gott habe nur unsere Hände, um durch sie wirken zu können, lautet dann die Parole, wobei dann faktisch Gott reduziert wird zum Motivationsgrund unseres rein menschlichen Wollens und Wirkens.

Das Buch: „Hilft mir Gott?,Herausgeberin G.Wozniak (2021)widerspricht nun dem, indem es von Fälle der Gebetserhörung in unseren Zeiten berichtet, von Gebeten, die in den Zeiten der Coronaepidemie an Missio Österreich geschickt und die dann erhört wurden. Gott wirkt, nicht nur zu Zeiten Jesu sondern auch jetzt mitten unter uns.

In dem Buch wird aber auch die kritische Anfrage erörtert, ob denn Gott wirklich alle Gebete erhöre. In dieser Anfrage ist impliziete die Frage, wenn Gott nur einige Gebete erhört, andere nicht,mitgesetzt ob dann vielleicht der Glaube, Gott habe bestimmte Gebete erhört, eine subjektive Täuschung sei.

Es sei daran erinnert, daß die historische Kritik Jesu alle von ihm berichteten Wunder ablehnt, weil er als Mensch keine Wunder hätte wirken können und auch wird abgelehnt, daß Gott auf die Bitte Jesu hin, Wunder gewirkt habe- alle Wunderberichte seien nachösterliche Phantasieprodukte der Urgemeinde. Daß Heilige Wunder gewirkt hätten, wird ja wie selbstverständlich als legendarisch von der heutigen Kirchengeschichtsschreibung verurteilt: Mann wüsse wenig über diesen Heilgen, nur „Legendarisches“, das sage viel über die Wundergläubigkeit der damaligen Zeiten aus, aber nichts über den wirklichen Menschen, der posthum zu einem Heiligen stilisiert worden ist, wozu auch die Ausschmückung seiner Vita mit Wundergeschichten gehört.

Also in einer von allen wunderbaren Gebetserhörungen entzauberten Welt, in der der christliche Glaube nur noch eine Motivationsverstärkung für die zu praktizierende Humanität sein soll, wirkt dies Buch: „Hilft mir Gott?“ wie ein erratischer Fremdkörper, berichtet er doch von etwas, das es eigentlich nicht bzw nie hätte geben dürfen, daß Gott unsere Gebete erhört.

Von diesen Gebetserhörungen werde ich jetzt nicht schreiben, hier empfehle ich das aufmerksame Lesen dieses so wunderbaren Buches, es soll sich auf die kurze Erörterung der Frage: „Erhört Gott Gebete?, in diesem Buch konzentriert werden. Pater K. Wallner nimmt dazu klar Stellung, indem er schreibt:

1.Frage: Erhört Gott unsere Gebete immer? Ja!

Frage: Erhört Gott unsere Gebete immer, wie wir es wollen? Nein!

Frage: Wie erhört Gott unsere Gebete? Immer so wie es für unser

Heil am besten ist!“ (S.19)

Drei Anstöße legten dem zu Grunde: „Gott existiert“ (S.13), „Gott wirkt“ (S.13-16) „Christus hält Wort“ (S.16-19).

Eine fatale Kaprizierung auf den Fiduzialglauben führt dazu, das Für-wahr-Halten, daß Gott ist, als Nebensächliches abzuwerten. Das setzt fatalste Folgen aus sich heraus, denn wie könnte noch auf ein heilsames Wirken Gottes vertraut werden, wenn die unbedingte Voraussetzung der Möglichkeit eines solchen Vertrauensglaubens aufgelöst wird, der Glaube, daß Gott ist. Das inflationäre Gerede von „Gottesbildern“, von uns Menschen gemachten, das dann hier kritisiert wird, trifft aber den Kern des Problemes nicht recht. Die Rede von den „Bildern Gottes“ soll ja nicht das Sein Gottes in Frage stellen im Geiste eines simplen Atheismus, sondern die Verbindlichkeit jeder Gottesvorstellung in Frage stellen, indem die Differenz aufgemacht wird von dem, wie Gott objektiv wirklich sei und den Bildern, die hl. Texte und wir Menschen uns von ihm machen. Das Ziel dieser Differenzbetonung soll dem „interreligiösen Dialog“ dienen, indem nun alle Gottesvorstellungen der diversen Religionen als Bilder der einen Wahrheit zu stehen kommen, dem Gott an sich, dem die Menschen sich nur durch Bildvorstellungen annähern könnten. Ob aber die Gottesbilder der Religionen wirklich Annäherungen an den Gott, so wie er an sich ist, sind, könnte genau genommen nur ausgesagt werden, gäbe es eine unmittelbare Gotteserkenntnis, mit der verglichen sich die Gottesbilder der Religionen als Annäherungen erwiesen werden könnten. Da es aber keine solche unmittelbare Gotteserkenntnis gibt, sondern nur durch die menschliche Subjektivität vermittelte, kann es nur Gottesbilder geben, von denen nicht mehr aussagbar sei, ob sie wirklich wahr sind. Dies Manko soll nun aber die Stärke der Rede von den „Gottesbildern“ sein, denn nun wird das Problem der Wahrheitserkenntnis versubjektiviert und verästhetisiert: Für mich ist das Gottesbild wahr, das mir am meisten zusagt, gefällt. Für eine marktwirtschaftlich orientierte Kirche ist das deshalb die ideale Gotteslehre, daß es nur Gottesbilder gibt, sodaß jeder sich das ihm gefällige aussuchen könne.

In dem Passus: „Gott wirkt“ fehlt nun leider eine Ausein-andersetzung mit dem Theodizeeproblem. Denn erst im Lichte dieses Problemes: Wie kann es Leid und Böses in der Welt geben, wenn ein allmächtiger und gütiger Gott sie regiert?, kann verstanden werden, warum von einem nichtwirkenden Gott gesprochen wird. Wird Gott als Nichtwirkender gedacht, kann die Frage, warum leiden in unserer Welt unschuldige Kinder (Dostojewski, Die Brüder Karamassow) so beantwortet werden: Weil Gott nie wirke, könne er auch dies Leiden nicht verhindern. Nur evoziert dies den Einspruch, daß ein Gott, von dem ausgesagt würde, er könne nicht wirken, nicht als Gott gedacht würde. Diese Theodizeekonzeption muß dann Gründe aufweisen, warum Gott, der prinzipiell als Wirkmächtiger zu denken ist, nicht wirken will, daß also sein Nichtwirken kein Nichtwirkenkönnen sondern ein Nichtwirkenwollen ist. Damit verschiebt sich dann die Theodizeefrage zu der, warum Gott nicht wirken will, obzwar er es könnte. Es muß aber konstatiert werden, daß, wenn Gott deistisch als nicht wirken wollender gedacht wird, er nicht mehr als Gott gedacht wird. Gott ist nur Gott, wenn er als Allmächtiger gedacht wird, der als solcher auch in die Menschheitsgeschichte hineinwirkender zu denken ist.

So sollte nicht einfach auf das Zeugnis der Bibel rekurriert werden, hier würde doch erzählt, daß Gott wirke, sondern prinzipieller argumentiert werden: Nur wenn Gott als in die Geschichte hinein wirken Könnender und Wirkender gedacht wird, wird er als Gott gedacht und darum bezeugt die Bibel Gottes Wirken in der Geschichte, weil sonst wäre sie kein wahres Buch über Gott. Damit stehen wir wieder vor dem Theodizeeproblem, das gelöst werden muß, soll noch vernünftig von Gott und von seinem Wirken gedacht werden können. (Vgl dazu mein Buch: „Die Übel und der gute Gott. Theodizee)

Nun zu den 3 Fragen und Antworten zur Erhörung unserer Gebete. (S.19). Das Problem dieser Beantwortung ist offenkundig. Es wird nämlich präsumiert, daß Gott immer das Heil dessen will, der betet oder für den gebetet wird. Nun kann der Beter eine Vorstellung haben von dem, was für ihn oder für den, zu Gunsten er betet, das Gute und Heilsame ist, aber Gott erkennt besser als der so Betende das Heilsame und Gute und wirkt das dann. So würde Gott auch unabhängig von dem Gebet das Heilsame und Gute für den Beter bzw für den, zu dessen Gunsten gebetet wird, immer schon wollen und auch wirken, sodaß sich die Frage aufdrängt, wozu dann überhaupt noch gebetet wird, wenn Gott sowieso immer nur das Gute für jeden Menschen will und wirkt.

Schauen wir einmal auf den großen Beter Mose (2.Mose 32, 1-14)Gott sagt zu Mose erzürnt über ihren Abfall von ihm als sie das „Goldene Kalb“ statt ihn verehrten: „Ich habe dies Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt laß mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt.“ (9f) Gott will sein eigenes von ihm erwähltes Volk vernichten ob ihrer Sünde. Mose stellt sich nun Gott entgegen, er betet für das jüdische Volk und Gott erhört Mose Gebet, er verschont sein Volk. Hier erlebt der Leser eine wirkliche Gebetserhörung. „Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volke angedroht hatte.“ (V14)Dieses Verb: „reute es“ bereitet dem theologischen Denken nun die größten Probleme, dem Bibelleser keine, denn die Geschichte ist in sich klar: Gottes Zorn über sein Volk, Mose „besänftigt“ (V11) Gott, er wendet sich ab von seinem ursprünglichen Vorhaben, das sündige Volk mit dem Tode zu bestrafen.

Eindeutig ist hier, daß es Gottes Gnade war, diese Fürbitte Mose zu erhören, er mußte das nicht, denn als der Gerechte hätte er auch sein Zornesgericht an seinem Volke vollziehen können. (Als Katholiken glauben wir nun, daß wie einst Mose für sein Volk eintrat so jetzt für uns die Gottesmutter eintritt, wenn Gottes Zorn über uns entbrannt ist ob unserer Sünden!) Deutlich wird hier, daß Gott nicht ob seines Gottseins unsere Gebete zu erhören hat, er kann sie auch verwerfen, weil er uns ob unseres Sündigens zürnt.

Ausführlicher in meinem Buch: „Der zensierte Gott“.

Im 2.Makkabäerbuch 12,32-45 zeigt uns die hl. Schrift die Kraft des Sühnopfers, des Meßopfers auf. Jüdische Krieger hatten aus der Furcht, in der folgenden Schlacht zu fallen, sich Amulette zum Schutz angelegt. Gott zürnte ihnen und so wurden all diese in der Schlacht getötet. Die frommen Makkabäer priesen darauf die Gerechtigkeit Gottes, dann aber dachten sie an die Auferstehung der Toten. Die so von Gott Getöteten können keinen Anteil an dieser Auferstehung bekommen ob ihrer Sünde. Was taten sie? Sie beauftragten die Jerusalemer Priester, für ihre gefallenen Kameraden ein Sühnopfer darzubringen, damit Gott ihnen verzeihe und so auch sie zum ewigen Leben erwecke. Gott, so sagt uns diese Erzählung, erhörte dies Sühnopfer- die Antizipation des kirchlichen Meßopfers.

Diese Erhörung ist ebenso nicht mit dem Schema Pater Wallners erklärbar. Gott will nicht einfach immer für jeden das Gute, aber er kann darum gebeten werden und er kann dann dies Gebet erhören. Zu einer magischen Praxis würde das Gebet und das Meßopfer, wenn Gott sozusagen verpflichtet wäre, jedes Gebet zu erhören. Es ist aber reine Gnade, wenn Gott unsere Gebete erhört.

Aber hat Pater Wallner nicht recht, wenn er schreibt, daß Gott all unsere Gebete erhören will aber so wie es unserem Heile dient? Das ist eine schwer zu respondierende Frage.

Stellen wir uns dazu einmal diese Situation vor: Ein Ehemann sagt zu seiner Frau: „Dich liebe ich!“ Dann fügt er hinzu: „Deine Schwester auch und unsere nette Nachbarn auch!“ Schlüge daraufhin seine Ehefrau dem Mann den nächst gelegenen Gegenstand um die Ohren, wäre das zwar unchristlich aber doch sehr verständlich. Die Aussage: „Ich liebe Dich“ wird zur Unwahrheit durch die Zweitaussage: „Deine Schwester liebe ich auch!“ Verhält es sich nicht ähnlich mit dem Begriff des Erhörens? Wird das Erhören nicht auch zu einer Unwahrheit, wenn die erste Aussage:“ Dein Gebet erhöre ich!, ergänzt wird durch die zweite: „Alle Gebete erhöre ich“? Das Erhören wäre also nur dann ein Erhören, wenn es nicht als ein prinzipielles gedacht wird, sondern als ein gnadenhaftes. Wenn Gott aber immer gnadenhaft handelte, dann wäre das kein gnadenhaftes sondern sein natürliches Verhalten. Das hieße: Nur weil Gebete auch nicht erhört werden können, kann Gott Gebete auch erhören.

Gerade der von Gott selbst erwählte König Saul mußte die bittere Erfahrung machen: „Als Saul das Lager der Philister sah, bekam er große Angst und sein Herz begann zu zittern. Da befragte Saul den Herrn,aber der Herr gab ihm keine Antwort,weder durch Träume,noch durch das Losorakel, noch durch die Propheten.“ (1.Samuel, 28.5f) Gott zürnte ihm ob seiner Sünden, er hatte ihn verworfen und sprach so nicht mehr mit ihm wie vormals. Diese Nichterhörung reichte Saul aber nicht zum Guten, denn sie trieb ihn zur Totenbeschwörerin, die ihm dann sein bitteres Schicksal offenbarte durch die Beschwörung des Totengeistes des Propheten Samuel. Abstrakter formuliert: Nur wenn es auch die Nichterhörung von Gebeten gibt, gibt es eine Erhörung von Gebeten. Wenn alle Gebete erhört werden, muß es nichterhörte geben. Das ist wohl vergleichbar mit der Aussage, daß ich weiß, daß ich nichts weiß. Damit all mein Wissen ein Nichtwissen ist, muß es ein Wissen geben, daß alles Wissen als Nichtwissen weiß!

Konkreter: Gott will zwar das Heil aller, er kann aber auch Menschen ob ihrer Sünden reprobieren und so sie vom Heil ausschließen. Dann will er deren Heil nicht mehr. Es kann aber für diese gebetet werden, ein Meßopfer dargebracht werden und dann kann Gott Reprobierte wieder gnädig aufnehmen, nur das muß er nicht, denn das ist reine Gnade. Denkt man aber Gott als prinzipiell gnädig, dann destruiert das Gottes Gnade wie der Zusatz: „Deine Schwester liebe ich auch!“, die eheliche Liebe destruiert.


Das Hauptproblem der in diesem Buch gegebenen Antwort auf die Frage der Erhörung unserer Gebete ist so:

Wird Gott, weil er das Heil aller will, nicht auch unabhängig von unseren Gebeten dann stets so wirken,daß uns alles zum Guten, zum Heil dienen wird, sodaß unser Gebet überflüssig ist. Er erhört es ja nur insoweit es uns zum Heile dient.

Trotz dieser kleinen theologischen Kritik: Dies Buch ist ein wunderbares Buch, wärmstens zum Lesen empfohlen!


 

Sonntag, 11. Juli 2021

Sind wir auf dem Wege zu einer Politisch-Korrekten Gesinnungsdiktatur?

Ein Ereignis der Fußballeuropameisterschaft muß uns zu denken geben.“Die UEFA hatte die ungarische Mannschaft wegen diskriminierenden Verhaltens seiner Fans bei den EM-Spielen gegen Portugal, Frankreich und Deutschland unter anderem mit zwei Heimspielen ohne Fans bestraft.“ FAZ am 10.7.2021. Die Fans der ungarischen Nationalmannschaft haben sich also diskriminierend verhalten. „Diskriminieren“ heißt erst mal nur, einen Unterschied machen, also sie haben ihre Nationalmannschaft angefeuert und die ihrer Gegner nicht. Soll dafür nun die ungarische Nationalmannschaft bestraft werden?

Die FAZ klärt uns auf: „Die Disziplinarkammer begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass ungarische Fans vor Spielbeginn in München nach Angaben der Polizei homophobe Sprechchöre skandiert hätten. Bei den Spielen in der Budapester Puskas-Arena hätten Fans mehrere französische Spieler rassistisch beschimpft und den portugiesischen Star Cristiano Ronaldo übel angefeindet.“

Eine einfache Frage erzwingt nun diese Aussage: Woher weiß denn die Disziplinarkammer, was denn da ungarische Fans von sich gaben, zumal davon auszugehen ist, daß sie ungarisch sich so geäußert haben? Der ungarische Außenminister bringt es dann auf den Punkt:

Wie es scheint, beschäftigt die UEFA wohlbekannte Zuseher-Spitzel nach Vorbild der (kommunistischen) Betriebskampfgruppen“, schrieb Szijjarto am Samstag auf seiner Facebook-Seite. „Sie haben nichts anderes zu tun, als Berichte darüber zu schreiben, wer was im Publikum gesagt oder nicht gesagt hat.“ So wie im Kommunismus seien „keine Beweise, sondern nur ein Spitzelbericht“ nötig, fügte er hinzu.“

Also, in Fußballstadien werden Spitzel eingesetzt, die aufnotieren sollen, was in den Fanblöcken so gesagt, gerufen oder auch gebrüllt wird. Sie müssen der Landessprache der jeweils zu observierenden Fans mächtig sein, um das Geäußerte verstehen und auf ihre Politische Korrektheit hin überprüfen zu können.

In Monarchien gab es oft Schutzgesetze für den Kaiser bzw die Könige, den Strafbestand der Majestätsbeleidigung, jetzt den Strafbestand der „Homophobie“.Nachrichtendienstlich Tätige überwachen so die Kommunikation, um Personen, die sich „homophob“ äußern, anzuzeigen. „Rassistische“ Äußerungen werden ebenso angezeigt. Ja, selbst Anfeindungen gegen Spieler der Gegenmannschaft sollen nicht mehr erlaubt sein und daß obgleich doch in fast jedem Fußballspiel sich mehr als abfällig über die Gegner der eigenen Mannschaft geäußert wird- es sei nur an die sehr beliebte Parole der Gastmannschaft gegenüber: „Niemand vermißt euch- verpißt euch!, erinnert.

Ist es ein Zufall, daß so nur die ungarische Nationalmannschaft abgestraft wird? Sicher nicht, sind die Ungarn ja seit langem zum Pariavolk Europas degradiert worden. Bereiteten den sozialistischen Bruderstaaten die Ungarn 1956 schon ob ihrer ihnen eigenen Renitenz Probleme, in diesem Jahre sah sich die „Rote Armee“ ja genötigt, in Ungarn einzumarschieren, um dem dortigen Volksaufstand ein Ende zu bereiten, so erweisen sich auch jetzt die Ungarn als kaum in die EU Integrierbare. Sanktionen, Strafmaßnahmen gegen das ungarische Volk stehen so auf der Agenda der Eurokraten. Die Disziplinarkammer hat eben diese Zeichen der Zeit richtig gedeutet, indem nun sie auch Sanktionen gegen Ungarn erläßt.

Ob wohl bei allen Fußballspielen der EM Spitzel in die Stadien ausgesandt wurden, um politisch nicht korrektes Verhalten von Fans aufzuspüren, oder limitierte man sich auf die unter Generalverdacht stehenden Ungarn? (Ich vermute, daß zumindest die kroatischen Fans auch überwacht wurden, gelten die doch auch als politisch unkorrekte, weil sie patriotisch sind. So sind CDs und DVDs der kroatischen Musikgruppe „Thompson“ in Deutschland fast nicht bestellbar, weil sie im Rufe steht, patriotisch ausgerichtet zu sein.)

Der neue Majestätsbeleidigungsparagraph lautet also: Äußere Dich nicht kritisch über die Homosexualität und frage nicht, ob die französische Fußballmannschaft wirklich eine französische sei, wenn in ihr so viele Afrikaner mitspielen. Das ist homophob bzw rassistisch. Damit die politische Korrektheit auch in Fußballspielen eingehalten wird und Verstöße geahndet werden, setzt also die UEFA Spitzel ein zur Observierung der Fußballfans. Die Berichte dieser Spitzel reichen dann zu Strafmaßnahmen gegen eine Nation aus. Rechtsstaatlich ist das gewiß nicht, daß Spitzelberichte für die Durchführung von Sanktionen reichen, aber schon für die politisch korrekte Euokratie.

Daß in einem rechtsstaatlich verfaßten Europa die Äußerung einer Gesinnung, als „homophob“ oder „rassistisch“ skandaliert, faktisch als eine Straftat angesehen wird, zeigt aber überdeutlich, wie sehr Europa zu einer Gesinnungsdiktatur sich entwickelt. Zu einer solchen Gesinnungsdiktatur gehört dann selbstredend der Einsatz von Spitzeln, die sich unter das Volk mischend, unangemessene Meinungsäußerungen registrieren um sie zur Anzeige zu bringen. 60 Prozent der Deutschen meinen so, daß man sich hier nicht mehr freimütig über heikle Themen wie dem Islam, den Asylanten und die Homosexuellen äußeren dürfe- ein großer Erfolg der Überwachungspraxis der Politischen Korrektheitsspitzel.


 

Samstag, 10. Juli 2021

Christentum ohne Priestertum- eine abstruse und doch vielgeliebte Vorstellung



Kein Narrativ erfreut sich so großer Beliebtheit wie die Vorstellung, daß es im Urchristentum keine Priester gegeben hätte, daß Jesus so eine priesterlose Religion gestiftet hätte und daß erst später das Priestertum wie ein Fremdkörper in das Christentum eingedrungen sei. Demzufolge feierte Jesu sein „letztes Abendmahl“ als vielleicht ein Art von heiligem Essen, aber mit einer Opferkulthandlung hätte das nichts gemein. So setzte Jesus auch Gründonnerstag die 12 Apostel nicht als Priester ein, wie es die Katholische Kirche lehrt. Luther wollte dann den Urzustand wiederherstellen, aber leider folgte ihm die Katholische Kirche damals nicht, aber zumindest gilt in den nachkonziliaren Zeiten der Begriff des Meßopfers als Unwort im Raum der Kirche. Jesus habe keine Priester gewollt, so erklärte dann auch eine Gründerin von Maria 2.0. Hier befindet sich das linksliberale Reformlager der Kirche nun in einem Dilemma, da einerseits die Abschaffung des Priestertumes zu fordern wäre, andererseits aber Feministin das Frauenpriestertum wollen.

Schwer zu beurteilen ist nun, was zuerst war:

die liberale Gottesvorstellung, daß Gott als Gott keinen Opferkult wollen kann, das Alte Testament dokumentiere dann eben nur eine primitive Gottesvorstellung , die Jesus dann überwunden habe, auch wenn dann Paulus und der Hebräerbrief mit ihrer Kreuzestheologie, Jesus Tod wäre ein Sühnopfer gewesen, so primitive Vorstellungen wieder eingepflanzt hätten-

oder hat man aus der Abneigung jeglichen Opferkultes gegenüber ein Gottesverständnis konstruiert, das einen Opferkult nicht zuläßt?



Aber Einigkeit besteht unter liberalen Bibelforschern: Das Urchristentum war eine kultfreie Religion. Im Hebräerbrief lesen wir aber:

Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen, die dem Zelt dienen.“ (Hebr 13,10). Ausgeschlossen werden hier die Juden von diesem Essen vom Altar. Offenkundig ist damit die Eucharistiefeier gemeint.Wenn es sich aber nur um eine religiöse Mahlfeier gehandelt hätte, warum wird dann hier von einem „Altar“ geschrieben. Ein Mahltisch ist kein Altar! Zudem: Kann es einen Altar geben, ohne daß an ihm Priester ihren priesterlichen Dienst versehen? Auszuschließen ist sicher die Vorstellung, Christen hätten anfänglich heidnische Tempel übernommen, um in solchen Sakralräumen dann christliche Gottesdienste zu feiern, wobei sie dann die Altäre stehen gelassen hätten. Nein, der Hebräerbrief dokumentiert, daß es in urchristlichen Gemeinden Altäre gab, daß sie gar im Zentrum des Gottesdienstlebens standen, da es Regeln gab, wer vom Altar essen durfte und wer nicht. Gottesdienstversammlungen, in denen das Evangelium verkündigt wurden, waren nämlich sicherlich für jeden zugängliche Veranstaltungen, aber die Teilhabe an der Eucharistie war nur den Christgläubigen vorbehalten. Diese innere Hierarchisierung, das eine für alle und das andere nur für die Gläubigen spricht dafür, daß das, wovon Menschen ausgeschlossen werden als gewichtiger als das allen Zugängliche angesehen wurde. Es gab so eine Altarfeier und das wird ein Opferkult gewesen sein, der das Wirken von Priestern voraussetzt und daß dann den Gläubigen Anteil gegeben wurde am Opferfleisch durch das Essen der Opfergabe. Dann stünde diese Altarfeier in einer beachtlichen Kontinuität mit dem Tempelkult des Alten Bundes und wäre doch auch etwas anderes, weil nun nicht mehr Tiere Gott blutig geopfert werden.

Sollte nun aber gemäß diesem Narrativ ein Priestertum im Urchristentum bestritten werden, dann dürfte im Hebräerbrief nicht von einem Altar als Zentrum des Gemeindelebens geschrieben werden.

Nun soll aber doch Jesus ein strikter Gegner solch einer primitiven Gottesverehrung gewesen sein! Aber warum lehrt er dann in seiner Bergpredigt: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst, und dir einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ Mt 5,23f. Wie muß der, der Gott ein Opfer darbringt, beschaffen sein, damit das von ihm dargebrachte Opfer ein Gott wohlgefälliges sein kann? Diese Frage respondiert hier Jesus. Wäre Jesus ein Gegner jeglichen Opferkultes gewesen, hätte er nie so lehren können. Im Zentrum steht ja nicht das Gebot zur Versöhnung, sondern die Frage: Wie bringt man Gott ein ihm wohlgefälliges Opfer dar? Interessant ist, wie hier Jesus eine Frage aus dem Raum der Reinheitsvorstellung, das Reinsein als Bedingung für die Kultfähigkeit mit dem ethischen Diskurs der Verpflichtung zur Versöhnung verbindet: Eine sittliche Qualität, versöhnt zu sein, nicht im Unfrieden zu sein, wird so zu einer Voraussetzung zur Kultfähigkeit, Gott ihm gemäße Opfer darzubringen!

Konnte aber diese Aussage für den Evangelisten Matthäus und die Leserschaft seines Evangeliums noch eine Bedeutung haben, wenn dies Evangelium erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels verfaßt worden ist? Nur im Tempel konnten ja Gott wohlgefällige Opfer dargebracht werden! Auch können damit nicht Gebete gemeint sein als spiritualisierte Opfer, denn Gebete können nicht niedergelegt und später wieder aufgeopfert werden. Entweder hat diese Aussage für den Evangelisten und seine Leser dann keine Bedeutung mehr oder aber es muß eine Opferpraxis nach der Zerstörung des Tempels gegeben haben, sodaß es sinnvoll war, so zu mahnen: Opfere erst, nachdem du dich so mit anderen versöhnt hast. Da es aber schwer vorstellbar ist, daß der Evangelist etwas für die jetzige Gemeinde nicht mehr Sinnvolles schreibt: Wie hast du zu opfern?, liegt es näher hier im Kontext dieses Evangeliums eine Anweisung für die Praxis der Eucharistie zu sehen: Wenn ein Christ seinen Beitrag zur Opferfeier der Eucharistie leisten will, dann soll er so verfahren, damit Gott sein Opfer wohlgefällig annimmt.

Wer hier nun eine ausgefeilte Theologie des Opfers vermißt in diesem Evangelium, dem ist zu antworten, daß die religiöse Praxis des Opferns Juden wie auch den Heiden so vertraut war, daß es keine besondere Belehrung darüber bedurfte- das gehörte eben zu den Elementarkenntnissen jedes religiös Sozialisierten. Die christliche Religion hat dann ganz einfach von Anfang an an dieser religiösen Allgemeinpraxis partizipiert, weil es eine Religion war. Erst Luther kam auf die befremdliche Idee, daß es ein religiöses Leben ohne eine kultische Opferpraxis geben könnte.



 

Ein protestantisches Narrativ vom Ursprung und vom Verfall des Urchristentumes, neuerdings auch unter Katholiken beliebt



Ein schönes eingängiges Narrativ: Ursprünglich ging es in den urchristlichen Gemeinden richtig basisdemokratisch zu, hierarchiefrei, ohne Priester und Bischöfe, alle waren eins, gleichberechtigt geschwisterlich... Ein wenig erinnert dies Bild der Urgemeinden an das bekannte Gallierdorf Asterix und Oberlix: eine fröhliche Anarchie; was dort der Zaubertrank leistet, wirkte im Urchristentum eben der Heilige Geist: alle waren charismatisch.

Dann kam aber der Sündenfall: Die Institution der Katholischen Kirche bildete sich heraus mit ihrer hierarischen Ordnung von Priestern und Bischöfen Hand in Hand gehend mit der Verunmündigung der „Laien“,die dann stetig ihrer Rechte beraubt wurden. Erste „Dogmen“ wurden von Theologen erfunden, die Priester- und Theologenherrschaft etablierte sich so und so wandte sich die Kirche immer weiter ab von Jesus. Spätestens mit Kaiser Konstantin hob dieser Abfall an, einige datieren den Anfang des Abfallprozesses früher- bis dann

Luther kam, der die Kirche zu ihren Ursprüngen, retour zu Los rückführen wollte. Leider verschloß sich diese Kirche diesem Evangeliumslicht bis zum 2. Vaticanum- so lautet ungefähr die katholische Version dieses rein lutherischen Narratives. Kirchenkritische Lutheraner urteilen dann eher so, daß Luthers Licht dann in den sich herauskristallisierenden Lutherkirchen sich verdunkelte, bis dann ihnen, den Kritikern die Aufgabe zufiel, den Protestantismus zu Luther und Jesus zurückzuführen.

Das ist ein wahrlich anmutige Kirchengeschichtserzählung- nur stimmt sie denn auch? Darf etwa auch diese „große Erzählung“ (Lyotard, Postmodernes Wissen) kritisch befragt werden?

Stellen wir uns Fragen:

Warum erwählte dann Jesus eine 12 köpfige Vorstandschaft, gar mit Apostel betitelt, ohne daß die Jüngerschaft an der Auswahl dieser Vorstandschaft in irgendeiner Weise beteiligt wurde?

Warum erwählte Jesus dann ohne eine Rücksprache mit den restlichen 10 „Vorständen“ Petrus zu dem Vorsitzenden dieses Vorstandes, als Apostel der Apostel? Warum wählte die Urgemeinde nicht unter Anleitung von Jesus ihren Vorsitzenden ganz demokratisch? (Zudem, wäre die Urgemeinde nicht geradezu moralisch dazu verpflichtet gewesen eine (lesbische) Frau als ihre Vorsitzende zu küren als unübersehbares Zeichen gegen die damalige Diskriminierung der Frau?)

Das erste Apostelkonzil: Es galt eine bedeutsame theologische Frage, die des Wie der Heidenmission zu klären. Warum entschieden hier nur die Apostel und die Presbyter über diese Causa ohne daß das Kirchenvolk mitdiskutieren und gar mitentscheiden durfte? Beherrschte dies Apostelkonzil etwa schon eine Clique von Priestern und Theologen, das Volk entmündigend?

Ein einziger Lichtblick: Die 12 Apostel forderten die Gemeinde aus, 7 Diakone aus ihren Reihen für den Tischdienst an den Witwen zu wählen, damit sie, die Apostel sich unbehindert von dieser Aufgabe ganz dem Dienst an dem Wort Gottes widmen können. (Apg 6, 1-7) Bei einer aufmerksamen Lektüre diese Passage der Apostelgeschichte kann man nicht dem Verdacht sich entziehen, daß hier das Führungspersonal sich dieser leidlichen Aufgabe entziehen wollte, der ethnische Konflikte zwischen den Judenchristen und Heidenchristen zu Grunde lagen, daß die heidenchristlichen Witwen benachteiligt wurden, sodaß nun Heidenchristen zu Diakonen zu wählen waren.

Ganz anders ging es ja bei der Bestimmung des Nachfolgers des Apostels Judas Ischariot zu. (Apg 1,15-26) Gott selbst wurde befragt, wen er zum Nachfolger bestimmt hatte von den zwei zur Auswahl Gottes Vorherbestimmten. Gott zeigte dann seine Wahl durch das Orakellos an. Gott selbst wählte aus, nicht das Kirchenvolk: Demokratisch war das nicht. Nur, diese Orakelbefragung stellt uns theologisch noch vor ein sehr gravierendes Problem. Nach dem protestantischen Narrativ war das Urchristentum eine Gemeinschaft ohne Priester, ohne ein Priesteramt und so ist es ein großes Verdienst Luthers, das leider dann doch später sich eingeschlichene Priesteramt verbunden mit der Klerikerherrschaft beseitigt zu haben und so das Urchristentum wieder hergestellt zu haben. Das Problem: Können denn Nichtpriester per Orakel Gottes Willen in einer bestimmten Causa erkennen? Die Antwort fällt eindeutig aus: Im Alten Bund konnten das nur die Priester und für heidnisch Sozialisierte war es ebenso eine Selbstverständlichkeit, daß der Orakeldienst, sodaß wirklich Gottes Wille da erkannt wird und nicht ein purer Zufall entscheidet, auf wen zufällig bei dieser Wahl das Los fällt, nur von Priestern ausgeführt werden kann. Das spricht dafür, daß bei dieser Entscheidung, wie wird erkannt, wen Gott wirklich erwählt hat, Priester des Urchristentumes diese Aufgabe der Erkennung des Willens Gottes in dieser Causa übernommen haben. Nichtpriester können eben keine Orakel lesen. (Erst in der zeitgenössischen Esoterik wird dies Vermögen verdemokratisiert, daß nun jeder per Kartenlegen sein Schicksal erkennen könne.)

(Zu Zeiten Jesu wäre die Behauptung, ein Nichtpriester könne per Orakel Gottes Willen erkennen als so absurd empfunden worden, als wenn heutzutage jemand zu einem an Zahnweh Leidenden sagte, daß er doch mit einer Bohrmaschine aus dem Baumarkt sein Zahnweh beseitigen könne, den Zahnärzte bohrten ja auch nur!)

Dies Narrativ ist leider nichts anders als ein linksliberal interpretierter Luther zurückprojziert in das Urchristentum. Dies Asterix-und Obelix Urchristentum, das ganz aus der Superkraft des Heiligen Geistes quasi demokratisch-anarchisch lebte, gibt es eben nur in den Phantasiestücken dieses Narratives. Es spricht aber für eine erschreckende Weltfremdheit, wenn von Katholiken diese Legitimationserzählung der lutherischen Reformation für bare Münze gehalten wird.



 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Wie rechts ist der Osten? Für Gutmenschen ein klares Feindbild


In der Süddeutschen frug man: „Wie rechts ist der Osten“ (2.Juli 2021) angesichts der Wahlerfolge der AfD. Wanderwitz als CDU- Experte des Kampfes gegen Rechts liebt es diesbezüglich Klartext zu reden:


Mit Blick auf Wähler radikaler Parteien hatte er am vergangenen Freitag gesagt, ein Teil der Bevölkerung im Osten habe "gefestigte nichtdemokratische Ansichten". Man habe es mit Menschen zu tun, "die teilweise in einer Form diktatursozialisiert sind, dass sie auch nach dreißig Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind", so Wanderwitz, der 1975 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geboren wurde, in einem Podcast der Frankfurter Allgemeinen. Nur ein geringer Teil der AfD-Wähler sei "potenziell rückholbar". Es bleibe das Hoffen "auf die nächste Generation". RT De 9.September 2019 Radicalere Töne schlägt da schon die „Komikern“ Frau Groppler an: Komikerin sorgt für Empörung: "Napalmbomben auf Sachsen abwerfen" .Die Komikerin Maria Clara Groppler hat mit ihrer Bemerkung, dass man die angebliche Rechtslastigkeit der Sachsen notfalls mit dem Einsatz von Napalmbomben lösen sollte, empörte Reaktionen ausgelöst.“

Hier übertreibt Russia Today etwas: Die empörten Reaktionen hielten sich doch in Grenzen, ist man es doch schon gewöhnt, daß politisch korrekte Gutmenschen angesichts der Bombardierung Dresdens mit zigtausend Toten: „Tu es noch einmal!“ fordern.

Der „Ossi“ der Feind der Demokratie. Es gibt eben nicht nur den bösen Polen, den bösen Ungarn...sondern auch den bösen Ossi. Das könnte auch so formuliert werden: Bürger der einstig sozialistisch regierten Länder lassen sich doch nicht so einfach wie vorgestellt in den Westen integrieren. Vordem von der Sowjetunion bevormundet, meinten die doch tatsächlich, nun befreit selbst über sich entscheiden zu dürfen, statt sich freiwillig dem „freien Westen“ zu subordinieren. So avancieren solche Freigeister eben zu Feinden des „freien Westens“.

Aber doch stellen diese Publikumsbeschimpfungen den aufmerksamen Leser vor beachtliche Probleme. War denn nicht die DDR eine Musterstaat in seiner antifaschistischen Ausrichtung? War er nicht vorbildlich in seinem Kampfe gegen alles Rechte und versuchen deshalb nicht die demokratischen Blockparteien die DDR nachzuahmen in ihrem gemeinsamen Kampf gegen Rechts! Schützte nicht der „Antifaschistische Schutzwall“ die Deutschen der DDR vorbildlich vor jeder Art von Nazipropaganda? Will man nicht so von der DDR lernend „antifaschistische Schutzwälle“ im Internet installieren, um Bürger vor Rechtem zu schützen? Warum blendet dieser Antirechtskämpfer Wanderwitz all diese Fragen aus?

Sollte man da nicht eher meinen, daß die rechte Gesinnung sich im Osten gerade jetzt erst ob der dortigen Demokratie artikulieren kann, daß der Osten so an einem Zuviel an Demokratie leidet? Im Westen dagegen sei die Umerziehung so erfolgreich gewesen, daß die BRD-Bürger fast immun sind gegen rechtes Gedankengut und der „Ossi“ so eben noch umerzogen werden müsse. Aber sollte er sich dann als umerziehungsresistent erweisen, dann könnte man ihm ja immer noch das Wahlrecht aberkennen oder einfacher alle rechten Parteien verbieten, damit er nur noch die antifaschistischen demokratischen Blockparteien zur Wahl hat, damit er so seine Freiheit nicht mehr mißbrauchen kann. Der „Ossi“ mißbraucht eben wie auch der Ungar und der Pole seine Freiheit, darum müssen sie umerzogen werden und wenn das nicht klappt, muß eben die Freiheit vor ihrem Mißbrauch geschützt werden im Kampf gegen solche Bürger.