Pater K. Wallner ( Missio
Österreich) kann nicht widersprochen werden, wenn er urteilt, daß
heutzutage Gott (fast) nichts mehr zugetraut wird. Gott habe nur
unsere Hände, um durch sie wirken zu können, lautet dann die
Parole, wobei dann faktisch Gott reduziert wird zum Motivationsgrund
unseres rein menschlichen Wollens und Wirkens.
Das
Buch: „Hilft mir
Gott?,Herausgeberin
G.Wozniak (2021)widerspricht nun dem, indem es von Fälle der
Gebetserhörung in unseren Zeiten berichtet, von Gebeten, die in den
Zeiten der Coronaepidemie an Missio Österreich geschickt und die
dann erhört wurden. Gott wirkt, nicht nur zu Zeiten Jesu sondern
auch jetzt mitten unter uns.
In dem Buch wird aber auch die
kritische Anfrage erörtert, ob denn Gott wirklich alle Gebete
erhöre. In dieser Anfrage ist impliziete die Frage, wenn Gott nur
einige Gebete erhört, andere nicht,mitgesetzt ob dann vielleicht der
Glaube, Gott habe bestimmte Gebete erhört, eine subjektive Täuschung
sei.
Es
sei daran erinnert, daß die historische Kritik Jesu alle von ihm
berichteten Wunder ablehnt, weil er als Mensch keine Wunder hätte
wirken können und auch wird abgelehnt, daß Gott auf die Bitte Jesu
hin, Wunder gewirkt habe- alle Wunderberichte seien nachösterliche
Phantasieprodukte der Urgemeinde. Daß Heilige Wunder gewirkt hätten,
wird ja wie selbstverständlich als legendarisch von der heutigen
Kirchengeschichtsschreibung verurteilt: Mann wüsse wenig über
diesen Heilgen, nur „Legendarisches“, das sage viel über die
Wundergläubigkeit der damaligen Zeiten aus, aber nichts über den
wirklichen Menschen, der posthum zu einem Heiligen stilisiert worden
ist, wozu auch die Ausschmückung seiner Vita mit Wundergeschichten
gehört.
Also
in einer von allen wunderbaren Gebetserhörungen entzauberten Welt,
in der der christliche Glaube nur noch eine Motivationsverstärkung
für die zu praktizierende Humanität sein soll, wirkt dies Buch:
„Hilft mir Gott?“ wie
ein erratischer Fremdkörper, berichtet er doch von etwas, das es
eigentlich nicht bzw nie hätte geben dürfen, daß Gott unsere
Gebete erhört.
Von diesen Gebetserhörungen
werde ich jetzt nicht schreiben, hier empfehle ich das aufmerksame
Lesen dieses so wunderbaren Buches, es soll sich auf die kurze
Erörterung der Frage: „Erhört Gott Gebete?, in diesem Buch
konzentriert werden. Pater K. Wallner nimmt dazu klar Stellung, indem
er schreibt:
„1.Frage:
Erhört Gott unsere Gebete immer? Ja!
Frage: Erhört Gott unsere
Gebete immer, wie wir es wollen? Nein!
Frage: Wie erhört Gott
unsere Gebete? Immer so wie es für unser
Heil
am besten ist!“ (S.19)
Drei
Anstöße legten dem zu Grunde: „Gott
existiert“ (S.13),
„Gott wirkt“
(S.13-16)
„Christus hält
Wort“ (S.16-19).
Eine
fatale Kaprizierung auf den Fiduzialglauben führt dazu, das
Für-wahr-Halten, daß Gott ist, als Nebensächliches abzuwerten. Das
setzt fatalste Folgen aus sich heraus, denn wie könnte noch auf ein
heilsames Wirken Gottes vertraut werden, wenn die unbedingte
Voraussetzung der Möglichkeit eines solchen Vertrauensglaubens
aufgelöst wird, der Glaube, daß Gott ist. Das inflationäre Gerede
von „Gottesbildern“, von uns Menschen gemachten, das dann hier
kritisiert wird, trifft aber den Kern des Problemes nicht recht. Die
Rede von den „Bildern Gottes“ soll ja nicht das Sein Gottes in
Frage stellen im Geiste eines simplen Atheismus, sondern die
Verbindlichkeit jeder Gottesvorstellung in Frage stellen, indem die
Differenz aufgemacht wird von dem, wie Gott objektiv wirklich sei und
den Bildern, die hl. Texte und wir Menschen uns von ihm machen. Das
Ziel dieser Differenzbetonung soll dem „interreligiösen Dialog“
dienen, indem nun alle Gottesvorstellungen der diversen Religionen
als Bilder der einen Wahrheit zu stehen kommen, dem Gott an sich, dem
die Menschen sich nur durch Bildvorstellungen annähern könnten. Ob
aber die Gottesbilder der Religionen wirklich Annäherungen an den
Gott, so wie er an sich ist, sind, könnte genau genommen nur
ausgesagt werden, gäbe es eine unmittelbare Gotteserkenntnis, mit
der verglichen sich die Gottesbilder der Religionen als Annäherungen
erwiesen werden könnten. Da es aber keine solche unmittelbare
Gotteserkenntnis gibt, sondern nur durch die menschliche
Subjektivität vermittelte, kann es nur Gottesbilder geben, von denen
nicht mehr aussagbar sei, ob sie wirklich wahr sind. Dies Manko soll
nun aber die Stärke der Rede von den „Gottesbildern“ sein, denn
nun wird das Problem der Wahrheitserkenntnis versubjektiviert und
verästhetisiert: Für mich ist das Gottesbild wahr, das mir am
meisten zusagt, gefällt. Für eine marktwirtschaftlich orientierte
Kirche ist das deshalb die ideale Gotteslehre, daß es nur
Gottesbilder gibt, sodaß jeder sich das ihm gefällige aussuchen
könne.
In
dem Passus: „Gott
wirkt“ fehlt
nun leider eine Ausein-andersetzung mit dem Theodizeeproblem. Denn
erst im Lichte dieses Problemes: Wie kann es Leid und Böses in der
Welt geben, wenn ein allmächtiger und gütiger Gott sie regiert?,
kann verstanden werden, warum von einem nichtwirkenden Gott
gesprochen wird. Wird Gott als Nichtwirkender gedacht, kann die
Frage, warum leiden in unserer Welt unschuldige Kinder (Dostojewski,
Die Brüder Karamassow) so beantwortet werden: Weil Gott nie wirke,
könne er auch dies Leiden nicht verhindern. Nur evoziert dies den
Einspruch, daß ein Gott, von dem ausgesagt würde, er könne nicht
wirken, nicht als Gott gedacht würde. Diese Theodizeekonzeption muß
dann Gründe aufweisen, warum Gott, der prinzipiell als Wirkmächtiger
zu denken ist, nicht wirken will, daß also sein Nichtwirken kein
Nichtwirkenkönnen sondern ein Nichtwirkenwollen ist. Damit
verschiebt sich dann die Theodizeefrage zu der, warum Gott nicht
wirken will, obzwar er es könnte. Es muß aber konstatiert werden,
daß, wenn Gott deistisch als nicht wirken wollender gedacht wird, er
nicht mehr als Gott gedacht wird. Gott ist nur Gott, wenn er als
Allmächtiger gedacht wird, der als solcher auch in die
Menschheitsgeschichte hineinwirkender zu denken ist.
So sollte nicht einfach auf das
Zeugnis der Bibel rekurriert werden, hier würde doch erzählt, daß
Gott wirke, sondern prinzipieller argumentiert werden: Nur wenn Gott
als in die Geschichte hinein wirken Könnender und Wirkender gedacht
wird, wird er als Gott gedacht und darum bezeugt die Bibel Gottes
Wirken in der Geschichte, weil sonst wäre sie kein wahres Buch über
Gott. Damit stehen wir wieder vor dem Theodizeeproblem, das gelöst
werden muß, soll noch vernünftig von Gott und von seinem Wirken
gedacht werden können. (Vgl dazu mein Buch: „Die Übel und der
gute Gott. Theodizee)
Nun zu den 3 Fragen und
Antworten zur Erhörung unserer Gebete. (S.19). Das Problem dieser
Beantwortung ist offenkundig. Es wird nämlich präsumiert, daß Gott
immer das Heil dessen will, der betet oder für den gebetet wird. Nun
kann der Beter eine Vorstellung haben von dem, was für ihn oder für
den, zu Gunsten er betet, das Gute und Heilsame ist, aber Gott
erkennt besser als der so Betende das Heilsame und Gute und wirkt das
dann. So würde Gott auch unabhängig von dem Gebet das Heilsame und
Gute für den Beter bzw für den, zu dessen Gunsten gebetet wird,
immer schon wollen und auch wirken, sodaß sich die Frage aufdrängt,
wozu dann überhaupt noch gebetet wird, wenn Gott sowieso immer nur
das Gute für jeden Menschen will und wirkt.
Schauen
wir einmal auf den großen Beter Mose (2.Mose 32, 1-14)Gott sagt zu
Mose erzürnt über ihren Abfall von ihm als sie das „Goldene Kalb“
statt ihn verehrten: „Ich
habe dies Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt laß
mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt.“ (9f)
Gott will sein eigenes von ihm erwähltes Volk vernichten ob ihrer
Sünde. Mose stellt sich nun Gott entgegen, er betet für das
jüdische Volk und Gott erhört Mose Gebet, er verschont sein Volk.
Hier erlebt der Leser eine wirkliche Gebetserhörung. „Da
ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volke angedroht
hatte.“ (V14)Dieses
Verb: „reute es“
bereitet
dem theologischen Denken nun die größten Probleme, dem Bibelleser
keine, denn die Geschichte ist in sich klar: Gottes Zorn über sein
Volk, Mose „besänftigt“
(V11)
Gott, er wendet sich ab von seinem ursprünglichen Vorhaben, das
sündige Volk mit dem Tode zu bestrafen.
Eindeutig ist hier, daß es
Gottes Gnade war, diese Fürbitte Mose zu erhören, er mußte das
nicht, denn als der Gerechte hätte er auch sein Zornesgericht an
seinem Volke vollziehen können. (Als Katholiken glauben wir nun, daß
wie einst Mose für sein Volk eintrat so jetzt für uns die
Gottesmutter eintritt, wenn Gottes Zorn über uns entbrannt ist ob
unserer Sünden!) Deutlich wird hier, daß Gott nicht ob seines
Gottseins unsere Gebete zu erhören hat, er kann sie auch verwerfen,
weil er uns ob unseres Sündigens zürnt.
Ausführlicher in meinem Buch:
„Der zensierte Gott“.
Im 2.Makkabäerbuch 12,32-45
zeigt uns die hl. Schrift die Kraft des Sühnopfers, des Meßopfers
auf. Jüdische Krieger hatten aus der Furcht, in der folgenden
Schlacht zu fallen, sich Amulette zum Schutz angelegt. Gott zürnte
ihnen und so wurden all diese in der Schlacht getötet. Die frommen
Makkabäer priesen darauf die Gerechtigkeit Gottes, dann aber dachten
sie an die Auferstehung der Toten. Die so von Gott Getöteten können
keinen Anteil an dieser Auferstehung bekommen ob ihrer Sünde. Was
taten sie? Sie beauftragten die Jerusalemer Priester, für ihre
gefallenen Kameraden ein Sühnopfer darzubringen, damit Gott ihnen
verzeihe und so auch sie zum ewigen Leben erwecke. Gott, so sagt uns
diese Erzählung, erhörte dies Sühnopfer- die Antizipation des
kirchlichen Meßopfers.
Diese Erhörung ist ebenso
nicht mit dem Schema Pater Wallners erklärbar. Gott will nicht
einfach immer für jeden das Gute, aber er kann darum gebeten werden
und er kann dann dies Gebet erhören. Zu einer magischen Praxis würde
das Gebet und das Meßopfer, wenn Gott sozusagen verpflichtet wäre,
jedes Gebet zu erhören. Es ist aber reine Gnade, wenn Gott unsere
Gebete erhört.
Aber hat Pater Wallner nicht
recht, wenn er schreibt, daß Gott all unsere Gebete erhören will
aber so wie es unserem Heile dient? Das ist eine schwer zu
respondierende Frage.
Stellen wir uns dazu einmal
diese Situation vor: Ein Ehemann sagt zu seiner Frau: „Dich liebe
ich!“ Dann fügt er hinzu: „Deine Schwester auch und unsere nette
Nachbarn auch!“ Schlüge daraufhin seine Ehefrau dem Mann den
nächst gelegenen Gegenstand um die Ohren, wäre das zwar
unchristlich aber doch sehr verständlich. Die Aussage: „Ich liebe
Dich“ wird zur Unwahrheit durch die Zweitaussage: „Deine
Schwester liebe ich auch!“ Verhält es sich nicht ähnlich mit dem
Begriff des Erhörens? Wird das Erhören nicht auch zu einer
Unwahrheit, wenn die erste Aussage:“ Dein Gebet erhöre ich!,
ergänzt wird durch die zweite: „Alle Gebete erhöre ich“? Das
Erhören wäre also nur dann ein Erhören, wenn es nicht als ein
prinzipielles gedacht wird, sondern als ein gnadenhaftes. Wenn Gott
aber immer gnadenhaft handelte, dann wäre das kein gnadenhaftes
sondern sein natürliches Verhalten. Das hieße: Nur weil Gebete auch
nicht erhört werden können, kann Gott Gebete auch erhören.
Gerade
der von Gott selbst erwählte König Saul mußte die bittere
Erfahrung machen: „Als
Saul das Lager der Philister sah, bekam er große Angst und sein Herz
begann zu zittern. Da befragte Saul den Herrn,aber der Herr gab ihm
keine Antwort,weder durch Träume,noch durch das Losorakel, noch
durch die Propheten.“ (1.Samuel,
28.5f) Gott zürnte ihm ob seiner Sünden, er hatte ihn verworfen und
sprach so nicht mehr mit ihm wie vormals. Diese Nichterhörung
reichte Saul aber nicht zum Guten, denn sie trieb ihn zur
Totenbeschwörerin, die ihm dann sein bitteres Schicksal offenbarte
durch die Beschwörung des Totengeistes des Propheten Samuel.
Abstrakter formuliert: Nur wenn es auch die Nichterhörung von
Gebeten gibt, gibt es eine Erhörung von Gebeten. Wenn alle Gebete
erhört werden, muß es nichterhörte geben. Das ist wohl
vergleichbar mit der Aussage, daß ich weiß, daß ich nichts weiß.
Damit all mein Wissen ein Nichtwissen ist, muß es ein Wissen geben,
daß alles Wissen als Nichtwissen weiß!
Konkreter: Gott will zwar das
Heil aller, er kann aber auch Menschen ob ihrer Sünden reprobieren
und so sie vom Heil ausschließen. Dann will er deren Heil nicht
mehr. Es kann aber für diese gebetet werden, ein Meßopfer
dargebracht werden und dann kann Gott Reprobierte wieder gnädig
aufnehmen, nur das muß er nicht, denn das ist reine Gnade. Denkt man
aber Gott als prinzipiell gnädig, dann destruiert das Gottes Gnade
wie der Zusatz: „Deine Schwester liebe ich auch!“, die eheliche
Liebe destruiert.
Das Hauptproblem der in diesem
Buch gegebenen Antwort auf die Frage der Erhörung unserer Gebete ist
so:
Wird Gott, weil er das Heil
aller will, nicht auch unabhängig von unseren Gebeten dann stets so
wirken,daß uns alles zum Guten, zum Heil dienen wird, sodaß unser
Gebet überflüssig ist. Er erhört es ja nur insoweit es uns zum
Heile dient.
Trotz
dieser kleinen theologischen Kritik: Dies Buch ist ein wunderbares
Buch, wärmstens zum Lesen empfohlen!